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10 gute Gründe, Bergläufe zu machen.

10 gute Gründe, Bergläufe zu machen.

Am Beispiel des Feldberglaufs im Taunus.

Es ist das Grauen jedes Laufanfängers: bergauflaufen. Selbst Nichtläufern wird es allein bei dem Gedanken, einen Berg im Laufschritt zu bewältigen, sofort blümerant. Doch auch alte Laufhasen mögen Bergläufe oft nicht. Dabei gibt es unzählige Gründe, gerade dieser Form des Laufens öfter zu frönen. Hier sind 10 davon.

Der Feldberglauf im Taunus ist schnell beschrieben: von 10 km geht es etwa 9 bergauf. So weit, so uff. Allerdings, und damit kommen wir auch schon zum ersten Grund für einen solchen Lauf, weiß das auch jeder in der Region. Erzählt man also in aller Unschuld, dass man dort antritt, erntet man anerkennendes Staunen. Ein guter Grund also:

1. Ruhm und Ehre.

„Ich bin auf den Feldberg gelaufen“ klingt nun viel respektabler als: „Ich bin vier Runden durch die Innenstadt von Offenbach geheizt“. Dass der Lauf in Wirklichkeit ein riesengroßes Vergnügen ist (und der andere eher nicht), muss ja keiner wissen. Zumindest kein Nichtläufer.

Hier wird alles wahnsinnig streng kontrolliert.

Hier wird alles wahnsinnig streng kontrolliert.

Oberstes Gebot: Langsam, langsam. Fahren und Laufen.

Oberstes Gebot: Langsam, langsam. Fahren und Laufen.

Wir treffen uns morgens an der Frankfurt International School in Oberursel. Die Verkehrsanbindung ist perfekt und trotzdem ist man gefühlt ganz weit draußen. Die U-Bahn-Station direkt am Start heißt „Waldlust“ und damit ist schon eine Menge gesagt. Mein zweiter Grund deshalb:

2. Mehr Natur.

Nur in den seltensten Fällen werden für einen Berglauf  Innenstädte planiert und so lange mit Erde aufgeschüttet, bis man eine anständige Strecke hinbekommt. Man muss also raus aus der Stadt, rein ins Grüne. Wenn man Pech hat, heißt das auch: mehr Elemente, mehr Wind. Aber heute gibt es nur Sonne und Bäume und Waldweg. Das magische Dreigestirn des Happy Running.

Wir laufen uns ein und ich schaue mir ein bisschen die sehnigen Herrschaften mit den kräftigen Waden an. Bergläufer. Vielleicht auch Mountainbiker. Einmal Berg, immer Berg. Ich kann in Ruhe gucken, denn anders als bei Massenveranstaltungen in der Stadt sind wir hier eher unter uns. Noch ein Grund:

3. Ein kleineres Feld.

Das heißt: Tee für alle, Kuchen für alle, persönliche Betreuung durch nette Vereinsmenschen, kein Gedrängel auf der Strecke. Leider heißt es nicht: mehr Chancen auf Altersklassenplätze. Denn wer hier antritt, weiß, was er da tut. Das Feld ist kleiner, aber besser. Macht nix. Von den Siegern lernen, heißt siegen lernen. Oder so ähnlich.

Der Startschuss fällt und es geht sofort – na was wohl  – bergauf. „Ich hab schon vier überholt!“ ruft ein lustiger Mensch nach 2 Minuten. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Volles Korn voraus“ von der Haferflocken-Firma Kölln. Ich freue mich über das T-Shirt samt Inhalt, schließlich braucht man zu Beginn etwas Aufheiterung und mein Lieblingsshirt „Kochs Meerrettich“ ist heute leider nicht am Start. Der Herr ist nicht ganz so sehnig wie die Heringe in der vordersten Reihe, wobei mir schon wieder ein Grund für Bergläufe einfällt. Im Grunde ist Berglaufen optimal für alle Faulen und etwas Übergewichtigen. Nein, ich habe noch keine sieben Belohnungsbier getrunken, es stimmt einfach. Berglaufen ist nämlich ungeheuer effizient. Man muss gar keine großen Strecken machen und profitiert trotzdem von einem großen Vorteil:

4. Mehr Energieverbrauch.

Wer abnehmen will, kann beim Hochlaufen richtig was tun. Für die Kraft und die Ausdauer. Das gibt Muckis und lässt Fettpolster schmelzen. Und außerdem wird gerade für schwere Läufer noch etwas Wunderbares mitgeliefert:

5. Gelenkschonung.

Heute hab ich mir fest vorgenommen, den Shuttlebus nach unten zu nutzen und nicht wie sonst die ganze Strecke wieder bergab zurückzulaufen. Wer so vernünftig ist, läuft praktisch nur bergauf und hat dadurch die Aufprallkräfte, die sonst auf die Gelenke wirken, erheblich reduziert. Kraftvolles Ausschreiten mit großen Schritten ist im Grunde gar nicht möglich. Schluff, schluff, schluff statt boing, boing, boing. Da lacht das Knie.

Meine unteren Waden allerdings können sich mit dem Lachen gerade noch zurückhalten, scheint mir. Es ziept. Durch das beständige Bergauf sind die armen Dinger praktisch dauergedehnt. Ich fühle mich gut, genug Luft ist auch da. Aber das Ziepen nervt ein bisschen. Die ersten vier Kilometer fühlen sich ebenso gedehnt an wie meine Waden. Es stört überhaupt nicht, dafür ist der Wald zu knospig, die Luft zu zwitschrig und der Boden zu fedrig. Aber es dauert einfach viel länger als gewohnt bis der nächste Kilometer kommt. Ich schaue gewohntheitsmäßig auf die Uhr, könnte es aber auch ebenso gut lassen. Ein Pluspunkt:

6. Keine Zeitenrechnerei.

Es macht einfach keinen Sinn. Ein Kilometer dauert so lange, wie er eben dauert. Ein steiler etwas länger, ein weniger steiler (von „flach“ möchte ich hier eher nicht reden) etwas kürzer. Wer hier nach der Uhr läuft und Sekunden vergleicht, muss die Strecke schon sehr gut kennen. Das macht ungeheuer gelassen. Selbst wenn man schnellstmöglich oben sein will – im Grunde ist die Zeit auch egal. Besonders Vernünftige laufen mit einem Pulsmesser, manchmal hört man es leise irgendwo piepen. Ich laufe wie immer mit meinem eingebauten Japsmesser. Viel Japsen: langsamer, wenig Japsen: so bleiben, gar kein Japsen: schneller – sofern nicht verstorben.

Außer dem leisen Piepen hört man nur Atem. Zum Glück hat auch mein iphone aufgehört zu plaudern. Ich habe es das erste Mal bei einem Volkslauf dabei, weil die App „Runtastic“ so hübsch die Strecke  per GPS aufzeichnet. Seit neuestem fängt die App aber zu Beginn des Laufs unvermittelt an zu quatschen, was ich natürlich furchtbar peinlich finde.

Im Grünen.

Im Grünen.

Aber die kleine Tasche vor meinem Bauch macht keinen Mucks. Zum Glück. Denn es gibt noch etwas, was ich beim Berglaufen sehr genieße und das hat unmittelbar mit Punkt 2 zu tun:

7. Kein DJ Bobo.

Ja, ich weiß, Anfeuerung kann etwas Wunderbares sein. Und Musik an der Strecke auch. Aber hier im Wald, wo man vollends mit sich beschäftigt ist, eins mit der Wade und entzweit mit der Lunge, da fehlt einfach nichts. Es ist etwas, was die Strecke und ich untereinander ausmachen müssen, da braucht es keine Zuschauer. Wenn sie dann doch einmal auftauchen, wie später am Fuchstanz, wo die Ausflügler den Frühlingstag genießen, da ist es harmonisch und passend. Aber sonst? Keine dröhnende Box weit und breit. Herrlich.

Aber noch bin ich nicht am Fuchstanz. Ich kämpfe mit dem Phänomen, dass vor mir ein Mensch geht und ich laufe. Und trotzdem komme ich ihm nur in quälender Zeitlupe näher. Kann das sein? Oder sind wir einfach in zwei verschiedenen Universen und ich sehe ihn durch eine Art Bildschirm? Bin ich gar in einem Videospiel? Das kann doch nicht sein, ich laufe und laufe und komme kaum vom Fleck. Aber dann sehe ich weit nach vorne und begreife, dass alle nicht vom Fleck kommen. Oder zumindest kaum. Anders als bei anderen Volksläufen hat man bei Bergläufen nur selten Gegner. Denn im Grunde geht es allen gleich. Man fühlt sich eher wie einer von Hannibals Elefanten – als Teil eines surrealen Stroms, der nach oben fließt, statt nach unten. Kaum einer spricht, alle streben langsam und mit kleinen Schritten dem selben Ziel zu. Es ist der Inbegriff von:

8. Friedlichkeit.

Hektik bringt bei Bergläufen nicht weiter. In der Ruhe liegt die Kraft, mehr denn je. Wir alle gehen es langsam an. „Platz da, jetzt komm ich“ gibt’s nicht.

Naja, wenigstens fast. Wenn es mir endlich gelingen würde, den vor mir Gehenden zu überholen, wär das schon ganz schön. Und das passiert dann auch. Jetzt kommt nämlich die Stelle, auf die alle warten (schon wieder so was Kollektives). Zwischen Kilometer 6 und 7 geht es leicht bergab. Hier kann man noch einmal Kräfte sammeln für die gruseligen letzten Kilometer. Psychologisch ist die Strecke perfekt aufgebaut. Wenn ich mir eine Pause hätte wünschen dürfen, dann genau dort. Km 6 kam irgendwie überraschend schnell, aber das mit dem Uhrgucken ist ja eh nicht verlässlich. Also nehme ich es hin und freue mich. Nach dem bereits erwähnten Fuchstanz geht es dann bergauf. Und ich meine: r-i-c-h-t-i-g bergauf. Ich versuche wieder in meinen gleichmäßigen kleinen Schritt zu kommen. Der Atem fließt. Wer kann, atmet jetzt mit dem Mund, mit der Nase, mit den Ohren, mit den Armen, mit den Waden, mit dem großen Zeh. Jetzt muss alles mitatmen. Gleichmäßig und tief. Auch das hat man nur beim Berglaufen:

9. Die perfekte Atemübung.

Wer tief atmet, sammelt Lebensenergie. Wenn das stimmt, müsste ein Berglauf ein wahres Batterieladegerät sein. Man atmet tief (sonst kommt man nicht voran) und gleichmäßig (im Schrittrhythmus). Atmen ist gut für die Entspannung und den Stressabbau. Ich versuche, soviel Sauerstoff aufzunehmen, wie es irgendwie geht, damit ich die sehr heftig steilen Abschnitte am Schluss gut bewältigen kann. Kurioserweise haben sich die Waden nach dem kleinen Lockerungsabschnitt eben vollkommen erholt. Die Beine sind total locker. Glück. Jetzt kann ich mich ganz auf das Atmen konzentrieren, damit mein Japsmesser nicht ausschlägt.

Kurz vor dem Ziel treffe ich Volker, den Guten, der zu seinem Kummer heute nicht mitlaufen kann und stattdessen ein paar Fotos macht. So kurz vor dem Ziel an den steilsten Stellen könnte das fies werden, aber heute ist alles Frühling.

Schnell ein windschiefes Beweisfoto.

Schnell ein windschiefes Beweisfoto.

Ich komme ins Ziel, noch mit  einer 1:10er Zeit, und bin vollkommen begeistert. So entspannt noch eine so gute Zeit? Zum Glück erfahre ich erst später, dass irgendwo bei der Streckenvermessung etwas schief gelaufen ist. Es fehlen ganze 600 Meter. Aber einstweilen kann ich die verhältnismäßig gute Zeit noch genießen. Überhaupt gibt es beim Berglaufen viel mehr Grund zur Freude als sonst.

Denn man erreicht nie nur ein Ziel, sondern gleich zwei. Man muss ja nicht nur vorwärts laufen, sondern auch nach oben. Das erste Ziel hieße also: 10 km laufen, das zweite: knapp 600 Höhenmeter bewältigen. Ganz klar, das gibt:

10. Eine doppelte Belohnung.

Alles ist erlaubt: Zwei Stück Kuchen, zwei Weizenbier am Abend, zwei Stunden Extra-Schlaf. Wer läuft, tut sich etwas Gutes, wer bergläuft gleich doppelt.

Wenn der Berg jedenfalls wieder mal ruft: ich lauf hin.

Das war erst der Anfang.

Das war erst der Anfang.

Das Oberurseler Hessentagspaar hilft bei der Siegerehrung.

Das Oberurseler Hessentagspaar hilft bei der Siegerehrung.

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Mehr zu Lauf und Veranstalter des Feldberglaufs gibt’s hier: www.feldberglauf.de

Und: Der Feldberglauf bei Facebook.

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13Antworten um “10 gute Gründe, Bergläufe zu machen.”

  1. Florian Says:

    Noch einmal lass ich mir das nicht entgehen!

  2. Jörg Says:

    Willkommen im Club. Das sind die Läufe, die ich liebe.
    Hast übrigens bei mir gesehen, was für tolle Kuchenbüfetts es in deiner (ferneren) hessischen Heimat gibt – da mußt du auch hin!

    Jörg

  3. nina Says:

    Super Bericht. Genauso habe ich es auch erlebt! Freue mich schon auf nächstes Jahr. Grüße, Nina

  4. admin Says:

    Jörg, diese Kuchen sind ja der Hammer!! Hast Du Lust, das Foto auf der Pinnwand der Facebook-Seite von Laufen mit Frauschmitt hochzuladen? Würde mich sehr freuen. Die sind super!

  5. Markus Says:

    Muss nächstes Jahr wieder hin, die Kinder wollen noch mal so leckeren Erdbeerkuchen! 😉
    …und wenn ich ehrlich bin ich freu mich auch!

  6. Jörg Says:

    Also hochgeladen habe ich es, aber ob es dort ist, wo es hin soll, weiß ich nicht. Ich kenne mich mit dem neumodischen Zeugs nicht so aus. Du kannst aber gern alles mit dem Bild machen.

  7. admin Says:

    Hat doch prima geklappt! Vielen Dank, das ist ein Quell der Freude auf der Seite 🙂

  8. ottoerich Says:

    sollte es mich jemals wieder nach Glashütten im Taunus verschlagen, werde ich die Strecke in mein Touristikprogramm übernehmen. 10 sehr gute Gründe geliefert bekommen, vielen Dank.

  9. netzminister Says:

    Der 11. Grund:
    Der Berg ruft das Burgfräulein, oder ruft die Burg das Bergfräulein?
    Um die notwendige Wettkampfhärte für den Eppsteiner Burg-Lauf zu bekommen!
    http://www.eppsteiner-burglauf.de/

    Viele Grüße,
    Manfred

  10. Gutenberg1964 Says:

    Liebe Frau Schmitt,

    ich liebe Deine Berichte und Deine Schmittcasts. Es ist schon viel zu lange her, seit der letzte veröffentlicht wurde. Dieser wunderschöne Bericht würde sich doch gerade für einen Schmittcast anbieten oder?

    Liebe Grüße
    Gutenberg1964

  11. Zimt Says:

    plümerant=blümerant

    Danke

  12. admin Says:

    Liebe(r) Zimt, ich habe es einfach so geschrieben, wie ich es ausgesprochen im Ohr habe. Mit „P“ finde ich es hübscher. Aber weil Du Recht hast, hab ich es geändert. Man lernt ja nie aus. 🙂

  13. Juppes Says:

    Hier macht das Berglaufen auch Spaß:
    http://www.malberglauf.de
    Start: 53547 Hausen/Wied
    Ziel: Skihütte Malberg
    ca. 6 km mit + 370m – 100 m Höhendifferenz
    Kuhglocken auf der Strecke und Alphornbläser im Ziel sorgen für tolle Berglaufstimmung.


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