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Alles Werbung oder was?

Do, Aug 12, 2010

Schnipsel

Alles Werbung oder was?

Über Sex zu reden ist einfach. Carrie Bradshaw hat uns das schließlich lange genug vorexerziert. Über Geld reden – das geht hingegen gar nicht. Es gibt nur eines, was noch schlimmer ist als über Geld zu reden: Geld verdienen. Besonders im Internet.

Wer ein Blog betreibt, das auf eine größere Leserschaft abzielt als nur auf Familie und Freunde, braucht im Grunde hier nicht weiter zu lesen. Denn er/sie weiß und versteht sehr schnell alles, was ich sagen will. Er weiß, wie lange es braucht, sich eine Lesergemeinde zu erarbeiten – und wie viel Arbeit darin steckt, sie auch zu halten. Im Grunde ist es wie mit dem Lauftraining – wer nicht trainiert, verliert schnell die Form. Wer nichts tut, verliert die Leser. Und beinahe jeder Blogbetreiber kennt auch die Versuche, wenigstens einen kleinen Teil der Kosten für die Technik wieder herein zu bekommen. Und schmunzelt mit mir über diese Versuche.

Aber nicht jeder ist ein Computer-Hocker und intensiver Blogleser oder -betreiber. Und so kann es passieren, dass der Eindruck entsteht, mit einem Blog wäre eine echte Geldquelle am Start. Es ist ja schließlich Werbung drauf. Und liest man nicht auch dauernd, Blogger würden für die Erwähnung von Produkten bezahlt?

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© James Steidl – Fotolia.com

Zunächst einmal ist bloggen ein Hobby. Zumindest für 90% der Blogger. Und das soll es in der Regel auch bleiben. Auf der anderen Seite findet es niemand komisch, wenn jemand, der nach Feierabend auf Feten Platten auflegt, dafür Geld bekommt. Oder wenn sich eine Hobby-Sängerin ihre Gesangsstunden mit kleinen Auftritten finanziert. Im Internet sieht die Sache schon ein bisschen anders aus. Werbung ist zwar eine der wenigen Möglichkeiten für Online-Schreiberlinge, Geld einzunehmen (wie lukrativ sie ist – darauf komme ich gleich), aber sie ist trotzdem nicht erwünscht und kaum akzeptiert. Ich kann daran nichts ändern, das ist nun einmal so.

Was ich an dieser Stelle dennoch will, ist, mit falschen Vorstellungen über die Höhe der Einnahmen aufzuräumen. Ich platziere meine Google-Werbung sehr dezent unten am Seitenrand. Andere Blogs gehen damit gern direkt in die redaktionellen Inhalte, ich finde das nicht schön. Das ist es mir einfach nicht wert. Ich habe es nie anders ausprobiert, somit kann ich nicht sagen, welchen Unterschied es machen würde. Na, was denkt ihr – wie viel verdiene ich damit? 10 Euro im Monat? 20? Ich habe auch schon jemanden getroffen, der von 100 Euro im Monat ausging. Ich will das Rätsel auflösen: meine Einnahmen durch Google-Anzeigen betragen im Schnitt 95 Cent pro Monat.

Wenn jemand über eine kleine Amazon-Anzeige auf meinem Blog ein Buch bestellt, bekomme ich je nach dem etwa zwischen 5 und 50 Cent, selten auch mehr. Wenn ich nicht gerade ein Buch vorstelle (was ich selten tue), halten sich die Klicks hier schwer in Grenzen.

Wer Spreadshirt kennt, kann sehr leicht die Gewinnspanne bei den T-Shirts überprüfen. Da ich die Shirts günstig halten will, verdiene ich an einem Shirt im Höchstfall etwa 5 Euro, in der Regel weniger.

Über jedes Produkt, über das ich schreibe, schreibe ich wann und wie ich will. Niemand schenkt mir Produkte, damit ich dafür werbe. Ich habe mich als Testläuferin bei Brooks beworben, was jeder tun konnte, und hatte das Glück ein paar Schuhe testen zu dürfen. Und leider bucht mir auch Waterrower weiterhin monatlich meine Miete für das Rudergerät ab.

Ich will kein Missverständnis aufkommen lassen: wenn ich mehr verdienen würde, wäre mir das keineswegs peinlich. Um auf einen Stundenlohn zu kommen, der den Namen verdient, müsste es nämlich ganz schön viel Geld sein. Zuviel Liebe, Mühe und Arbeit steckt in diesem Blog, von den Kosten für Podcast-Equipment ganz zu schweigen.

Aber wenn es noch weniger „Verdienst“ wäre, würde das auch nichts ändern. Dieses Blog macht mich reich – an Zuspruch, an Freundschaft, an Anerkennung. Das lässt sich in Geld niemals aufwiegen.

Umso wichtiger ist es mir, einmal in eigener Sache zu sagen: glaubt es nicht, wenn euch jemand erzählt, Blogger sind alle gekauft und loben Produkte, damit sie welche bekommen. Jeder Blogger, der das tut, verspielt seine Glaubwürdigkeit und reißt mit dem Hintern ein, was er mit den Händen aufgebaut hat. Ich habe es nie getan und das wird auch so bleiben.

Titelbild: © insa krey – Fotolia.com

8Antworten um “Alles Werbung oder was?”

  1. Eddy Says:

    Danke für diesen Artikel. Damit sprichst Du sicherlich nicht nur mir aus der Seele, sondern 99% aller bloggenden Sportler (oder sportlichen Blogger). Wenn ich durch die Klicks auf die platzierten Google-Ads in meinem Blog die Kosten für das Hosting „verdiene“ (ca 5,- im Monat), freu ich mich schon wie ein Kind am Heiligen Abend. Und wenn nicht, bin ich – wie Du – keineswegs traurig. Was ich aber traurig macht, ist diese oft anzutreffende Missgunst-Haltung:

    Selbst wenn mal in einer Google-Anzeige ein interessantes Produkt oder eine spannende Seite beworben wird, klicken viele Leute nicht darauf, weil sie dem Blogbetreiber die 5 Cent für den Klick nicht gönnen. Stimmt nicht? Oh doch, ich habe in meinem Dunstkreis schon mit vielen Leuten gesprochen, die genau so denken. Und schon längst habe ich aufgegeben, mit diesen darüber zu diskutieren. Es ist eben, wie es ist. Oder, sie sind halt, wie sie sind.

    In diesem Sinne lass uns einfach weiter bloggen, auf das wir immer reicher werden. Reicher an Freunden und reicher an Erlebnissen.

  2. Jan Says:

    Zumindest hast du eins geschafft, diesmal hab ich bewußt die Werbung gesucht und geklickt.

  3. Jörg Says:

    Und ich dachte, du kannst das Geld einfach nur so scheffeln. 😉
    Ich finde deinen Blog auch deshalb interessant, weil du zeigst, was man alles machen kann. Ich denke da verbindet sich bei dir Hobby mit beruflicher Neugier. Irgendwann habe ich auch über deinen Link sogar mal was bei Amazon gekauft und so zu deinem unendlichen Reichtum beigetragen.

    Ein Widget hatte ich auch bei mir eingerichtet und mit Amazon schon 14 Cent verdient. Leider wird erst ab 25 € ausgezahlt. Da habe ich das Widget doch wieder rausgeschmissen, auch weil es die Ladezeit verlängerte.

    Grüße

    JÖrg

  4. Daniel1063 Says:

    Toller Bericht und ich kann dir nur zustimmen, dass Bloggen wirklch eine ziemlich aufwändige Sache ist. Und wirklich Geld verdienen lässt sich damit nicht, auch wenn einige Blogs nur so mit Werbung zugestopft sind. Deswegen hast du recht, dass nur diejenigen einen Blog betreiben sollten, die auch tatsächlich Spaß daran haben.
    Dann hoffe ich mal, dass du weiterhin motiviert bist, um mit viel Mühe und Liebe dieses Blog zu betreiben.
    Gruß, Daniel.

  5. Stefan Says:

    Liebe „frauschmitt“,
    ja, ich weiß, bloggen hat mehr was mit Idealismus zu tun.
    Katja, eine gute Freundin von mir, schreibt den wöchentlichen blog bei
    new-in-town. (blog.new-in-town.de) Ihr letzter blog handelte davon, dass
    die Scheinchen im Portemonnaie auf unerklärliche Weise immer so schnell verschwinden…Außerdem ist sie Buchautorin. Gerade neu erschienen:
    „Ohne Mann tut’s auch…oder?“ kann man bei amazon bestellen!
    Reich wird man durch all das nicht, aber: Ist doch toll, wenn sich jemand was traut, was kann und was macht! Ich lese ausgesprochen gern Ihre lustigen blogs übers Laufen und kann Sie nur ermuntern: Weiter so!!
    Ich schreib auch gern ab und zu mal nen Kommentar – als feedback
    Gruß
    Stefan

  6. Lizzy Says:

    naguckmal an 🙂

    Hallo FrauSchmitt!

    schon gesellt sich eine weitere Leserin zur Gemeinde. Musste ich nur mal zufällig auch endlich herfinden *s*

    Wenn’s recht ist, wanderst du gleich mal in meinen Feedreader.

    Bis also bald

    Lizzy

  7. Claudia Says:

    Danke für die aufklärung, frauschmitt, ich hatte keinerlei vorstellung davon, was man mit onlineanzeigen verdienen kann. ich lese deine seite einfach gerne oder lausche deinen berichten, dafür immer wieder danke. machmal klicke ich auch weiter auf links auf deiner seite, aber eben nur dann, wenns mich interessiert, klar, aber ich hatte keine vorstellug, was und wieviel man damit „verdienen“ kann. die beiden damit verdienten sonntags-milchkaffees seien dir gegönnt von herzen, aber das zeigt auch deutlich, dass es eben ein ECHTES anliegen von dir ist, die seite zu betreiben und auch spass macht. denn leben kann davon ja wohl nicht mal ne ameise.
    liebe grüße aus berlin, claudia

  8. shan_dark Says:

    Sehr ehrlich, sehr offen, sehr wahr und gut!
    Wenn Du wirklich Geld verdienen wölltest und müsstest mit deinem Blog, dann wären die Beiträge nicht so lang, gehaltvoll und selten, denn die lenken ja nur von der Werbung ab ;o)
    Mehr als diese geringen Beträge von Dir oder „schon 14ct“ zu verdienen (köstlich @Jörg) ist unmöglich, wenn man nur seine Freizeit reinsteckt und als Hauptziel ein anderes als Werbung verfolgt.

    Also, mach weiter so, liebe Frau Schmitt.


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