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Hui Buh on the run.

Do, Jul 8, 2010

Produkttests, Schuhe

Hui Buh on the run.

In meiner Jugend gab es in dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, eine Band, die „Ghostriders“ hieß. Die musste man kennen und ich wusste, dass es die „Ghostriders“ gibt, lange bevor ich wusste, was das überhaupt heißt. Später brach mein Kontakt zu Geistern und ihren Fahrern jäh ab. Die Ghostbusters haben mich nicht aufgerüttelt und einen Ghostwriter habe ich auch nicht. Ich schreibe immer noch selbst und wenn mir dabei der Schweiß in die Tastatur sickert, wie jetzt  (Altbau, 3. Stock, 35 Grad). Doch dann ist mir der Brooks Ghost 3 begegnet. Ein gespenstisch bequemer Schlappen. Und das Schönste ist: ich durfte ihn testen, bevor es ihn in die Läden geweht hat. Hier ist mein Testbericht:

Was bei Regierungen die 100-Tage Bilanz ist, ist für Laufschuhe das Urteil nach den ersten 100 Kilometern. Erst dann kommt die Entscheidung: die guten an die Füßchen, die schlechten ins Schuhschränkchen. Den Brooks Ghost 3 habe ich mir so ausgesucht, wie man unter gar keinen Umständen Laufschuhe wählen soll: Im Internet war ich auf der Suche nach einem Neutralschuh, der gut aussieht und an meine Entenfüße passt. Das sind herzlich wenige Kriterien, aber für mich im Grunde die entscheidenden.

Brooks-Schuhe haben oft eine schön große Zehenbox, weshalb ich ein Brooks Fan bin. Diese Passform ist etwas für meine Füße. Alles, was ich über den Ghost 3 gelesen hatte, klang so, als könnte das mein Schuh sein. Und das Damenmodell war weder rosa noch hellblau. Ein kleines Wunder. (Frauenlaufschuhe sind farblich gern so gestaltet, als könnte man damit bestenfalls zum nächsten Nagelstudio tänzeln.)

Brooks Ghost 4

Also habe ich mich als Testläuferin beworben, ohne den Schuh auch nur ein einziges Mal am Fuß gehabt zu haben. Da der Ghost 3 ein brandneues Update ist, war das auch gar nicht möglich. Aber auch nicht nötig – Brooks Laufschlappen und meine Füße, das  ist wie Charles und Camilla, Hinz und Kunz, Marathonläufer und Weizenbier. Als der Ghost 3 eintraf, saß er wie spezialangefertigt. Zum Entsetzen meiner Kollegen lief ich den ersten Kilometer im Büroflur auf und ab. Liebe auf den ersten Blick kann nicht warten.

Nach 11 Jahren Laufen ist der Ghost 3 mein erster Neutralschuh. Laufanalysen bescheinigten mir eine moderate Überpronation und ich meinte es immer gut mit mir und meinen Füßen und habe mir deshalb ausschließlich Schuhe mit Support zugelegt. Ich lief nicht schlecht damit. In den letzten Wochen bin ich allerdings experimentierfreudiger geworden. Was ich suche, ist mehr Leichtigkeit und weniger Schuh. Der Ghost 3 gibt mir genau das. Seit dem ersten Schritt fühlt er sich leicht und angenehm an. Der Name ist geschickt gewählt – wenn ich den Ghost trage, schwebe ich wie Hui Buh über den Asphalt. Das liegt nicht nur daran, dass er federleicht ist, er ist auch praktisch nicht zu hören. Für jemanden, vor dessen donnerndem Laufschritt für gewöhnlich alle Enten im Park Reißaus nehmen, eine echte Offenbarung.

Brooks Ghost 2

Meinen ersten Testlauf über 8 km absolviere ich auf einem einfachen Feldweg. Wenn ich Pech habe, verkrampft sich bei neuen Laufschuhen meine Fußsohle nach den ersten Kilometern. Das ist oft der Fall. Wenn ich sehr viel Pech habe, lässt dieses Krampfen auch nach vielen Läufen nicht nach. Meine Füße lehnen die Schuhe einfach ab. Das passiert zum Glück weniger oft. Im Brooks Ghost 3 räkelt sich der Fuß wohlig beim Laufen. Von Stress keine Spur. Ich rolle leicht und weich ab, aber keinesfalls zu weich. Der Schuh ist nie zu schwammig, schön fest und stabil im Mittelfuß. Nach dem ersten Test bin ich bereits ungeheuer optimistisch. Der nächste Lauf wird ein 20er auf Asphalt. Auch hier enttäuscht der Ghost 3 nicht, er gibt mir im Gegenteil ein neues leichtes Gefühl auf hartem Untergrund. Abrollverhalten Note 1. Mit gleicher Bravour meistert der Schlappen einen Berglauf mit heftigen Steigungen und Gefälle auf Waldwegen. Die Frisur sitzt, der Brooks auch. Wer mich so treu begleitet, darf natürlich auch mit in den Urlaub. Weder der irische Regen, noch aufgeweichte Waldwege bringen den Ghost 3 ins Schleudern.

Brooks Ghost 3

Easy running auf allen Strecken. Keine Druckstelle, keine Eingewöhnungsphase. Ich bin sicher, ich habe meinen Schuh gefunden. Er wird meine langen Marathonvorbereitungsläufe mit mir bestreiten und meinen Herbstmarathon ebenso. Nie war Hui Buh schneller.

Anmerkung zum Schluss: Wie schreibt man über einen Schuh, den man unbedingt haben wollte und den man dann von dem Schuhhersteller geschenkt bekommt? Das kann ja nur positiv sein, oder? Aber was wäre gewesen, wenn ich Blasen bekommen hätte und der Schuh mir einfach nicht behagt hätte? Auszuschließen ist das ja nie. Hätte ich ihn dann auch gelobt? Bevor der Schuh kam, habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Sicher hätte ich über die positiven Seiten des Schuhs geschrieben. Aber ich hätte auch geschrieben: Für mich ist er leider nichts. Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, er wäre schlecht verarbeitet oder seltsam geschnitten, hätte ich auch das geschrieben. Ich würde alle Glaubwürdigkeit verlieren, wenn ich das nicht täte. Aber selbst dann könnte ein Schuh, der mir überhaupt nicht behagt, der perfekte Schuh für euch sein – und umgekehrt. Unsere Füße sind nun einmal völlig verschieden. In diesem Sinne ist mein Testbericht als eine ganz persönliche Erfahrung zu verstehen.

[stextbox id=“info“ color=“696969″ bcolor=“f4a460″ bgcolor=“dcdcdc“]Auf der Seite von Brooks gibt es mehr Infos über den Ghost 3.[/stextbox]

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3Antworten um “Hui Buh on the run.”

  1. Phil Schi Says:

    Und bisher keine Probleme durch die fehlende Stütze
    (Ich proniere laut drei Laufanalysen auch leicht über und laufe zwei leicht gestützte Mizunos, Inspire und Elixir)?

    Wollte nämlich auch schon längst mal was neutrales testen…

  2. shan_dark Says:

    Rein vom Namen her wäre der Schuh schon was für mich. Aber ich hab grad Neue gekauft, daher… sonst hätte ich ihn nach deinem tollen Bericht sicher mal probiert.


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  1. […] hinterlässt – wohl wissend, dass es bei anderen Läufern ein völlig anderes sein kann. Mit dem Brooks Ghost 3 war ich glücklich. Er hat mich als mein erster echter Neutralschuh immer gut über die Strecke […]

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