Bonames – Laufen-mit-frauschmitt http://www.laufen-mit-frauschmitt.de Laufen zum Lesen und Hören. Mon, 01 Jan 2018 14:08:42 +0000 de-DE hourly 1 Laufen zum Lesen und Hören. Bonames – Laufen-mit-frauschmitt Laufen zum Lesen und Hören. Bonames – Laufen-mit-frauschmitt http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/plugins/powerpress/rss_default.jpg http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/category/laufberichte/a-f/bonames/ Gibt’s hier was zu feiern? http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2013/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2013/#comments Thu, 30 May 2013 19:54:33 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=3954 Jedes Jahr im Mai wachen Millionen Menschen eines donnerstags morgens auf und wissen nicht, warum sie heute nicht zur Arbeit gehen müssen. Sie wissen nur, dass Fronleichnam ist, haben aber keine Ahnung, was das bedeutet. Ich möchte es deshalb an dieser Stelle noch einmal kurz skizzieren, warum wir diesen Feiertag begehen. Vor Jahrtausenden von Jahren wurde ein Ehemann als Strafe und Frondienst für eheliches Fehlverhalten von der Gattin mehrfach um den Block gejagt. Was besonders erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass es damals noch keine Blocks gab. Anders als heute gab es damals aber Frühling und deshalb begann der Gatte während des Laufens stark zu transpirieren und entwickelte daher den für viele Läufer typischen Verwesungsgeruch. Leich und Leich gesellt sich ja bekanntlich gern und deshalb wurde der Läufer alsbald von vielen weiteren Läufern begleitet. Es entstand ein Menschenauflauf, der aber nicht überbacken wurde, sondern sich zu einem Volkslauf auswuchs. Damit fortan an diesem Tag allerorts Volksläufe stattfinden können, erfand man den Feiertag Fronleichnam, den Tag der büßenden, streng riechenden Männer. Wie viele Traditionen ist auch diese inzwischen aufgebrochen, nur noch selten nimmt man den Feiertagsgeruch wahr und auch Frauen sind heute Teilnehmerinnen bei Volksläufen.

Ich trete heute in Bonames an, zum 287ten Mal. Etwa. Dabei habe ich tags zuvor bis zur Fahruntüchtigkeit getrunken, möglicherweise sogar darüber hinaus. Erfahrungsgemäß führt das zur Laufuntüchtigkeit, erstaunlicherweise allerdings mit einem Tag Verzögerung. Wenn man dergleichen verspürt, kann man zuhause im Bett bleiben und sich kühle Kompressen anreichen lassen, man kann aber auch aufstehen und so tun, als wär nichts. Ich entscheide mich für Letzteres. Die Veranstaltungsörtlichkeit in Bonames ist etwas verwirrend, bis heute habe ich noch nicht begriffen, was an den dargebotenen Immobilien zu einer Schule, einer Sporthalle und/oder einem Vereinsheim gehört. Um die Verwirrung komplett zu machen, ist in der Ausschreibung auch noch vom „Haus Nidda“ die Rede. Und wieder hat man alle Optionen: Man kann darüber nachdenken, muss es aber nicht. Man kann auch einfach stumpf da rein gehen, wo alle reingehen und sich umziehen. Die Umkleideräume sind erfrischend schmutzig und stammen noch aus der Zeit als der erste Fronleichnamsläufer aufbrach, das spricht dafür, dass es sich um Schulumkleiden handelt.

Wir lungern unmotiviert herum, das macht man hier so, denn man überbrückt die Zeit, bis man zum Start trabt, der ein wenig entfernt an den Gleisen des ÖPNV liegt. Mit dem ÖPNV ist natürlich auch in Frankfurt der Öffentliche Personennahverkehr gemeint, in Abgrenzung zum ÖGNV, dem Öffentlichen Güternahverkehr, den es gar nicht gibt. Aber so viel Zeit muss sein. Ich habe mir auch angewöhnt, zu sagen: „Ich nehme den NÖPNV“ (den Nichtöffentlichen Personennahverkehr), wenn ich sagen will, dass ich mit dem Fahrrad komme. Man muss sich rechtzeitig an diese Sprache gewöhnen, sonst versteht man ja die Welt nicht mehr. Wir traben also zu den Gleisen des ÖPNV.

Dort wartet schon der Warmmacher, ein reizender Herr mit Megaphonausstattung, der traditionell ein paar Gymnastikübungen mit den Laufwilligen veranstaltet. Anders als seine Gefährtinnen der „City-Events“, die immer ein pinkfarbenes T-Shirt mit 72 Sponsoren-Logos und eine weiße Schirmmütze tragen und bei ihren Übungen von als Musik getarnten Flatulenzgeräuschen begleitet werden, die man sonst nur von peinigenden Aufenthalten an Ampeln neben einem Nissan GT-R kennt, kommt der Warmmacher recht pur daher. Seine Übungen sind auch keine Zumba-Core-Acitvate-Fatburner sondern mehr so Warmmacherdinger. Arme kreisen. Auf der Stelle hüpfen. Das verstehe sogar ich.

Bonames Volkslauf Aufwärmen

Jetzt sind wir also warm. Und das im Mai! Krass. Also laufen wir los. Die grammatikalisch zweifelhafte Frage „Was“ wir denn nun laufen wollen, haben wir uns vorher nicht erschöpfend beantwortet. (Auf die Frage: „Was willstn du laufen?“ muss auf jeden Fall eine Zahl kommen. Entweder die der Distanz, aber das ist in diesem Fall klar, oder die des Kilometerschnitts oder die der angepeilten Endzeit. Läufer fragen nicht „wie schnell“, sie fragen „was“. Dies nur als kleine Anmerkung für Nichtläufer.)

Die Strecke in Bonames (sowohl die 10er, als auch die 15er Strecke) ist ideal für die augenblickliche Wetterlage. Sollte es zu einem plötzlichen und unerwarteten Sonneneinbruch kommen, sind wir die ersten, die es bemerken. Die Strecke ist weitgehend schattenlos. Andererseits ist der Untergrund fast ausschließlich Asphalt, das bedeutet, man muss nicht durch Sümpfe waten, wie andernorts. Erstaunlicherweise ist auch die Nidda, das Flüsschen, das die Strecke teilweise säumt, nicht über die Ufer getreten, auch von dieser Seite droht kein Ungemach. Die meiste Zeit läuft das Feld durch das Feld, was eigenwillig klingt, Volksläufern aber abermals ganz natürlich vorkommt. Wir laufen heute 15 Kilometer. Weil es so schön ist. Diese Einschätzung teilen wir mit etwa 100 anderen. Warum hier in Innenstadtnähe (ÖPNV …) zu einer moderaten Startzeit (9:45 Uhr) bei besten Laufbedingungen (12 Grad) nicht mindestens die zehnfache Menge Läufer am Start steht, während sich die Menschheit bei den fiesesten Events beinahe tottrampelt, will mir nicht einleuchten. Aber es soll mir recht sein. So bleibt mehr Kuchen für uns. Aber halt, wir müssen ja erst laufen. Wo war ich? Richtig, auf der Strecke. Die verläuft so: Man läuft nördlich der Nidda nach Bad Vilbel, stellt fest, dass es dort nichts gibt, weshalb es sich zu bleiben lohnt und läuft deshalb südlich der Nidda wieder zurück.

In froher und voreiliger Erwartung des Ziels nehmen wir den ersten Kilometer gleich ein bisschen zu schnell. Aber man muss sich ja erst Mal frei laufen. Nachdem wir nun also frei sind, können wir uns einpegeln. 5:30/km ist zu schnell, 5:50/km zu langsam, so irgendwo dazwischen wäre ganz hübsch. Das entspräche etwa der feuchten Kompresse gegen die Abbauprodukte des Vorabends. Wir laufen so vor uns hin, kommentieren gelegentlich Flora und Fauna in silbensparender Kommunikation und sind zufrieden. Vor uns läuft eine Gruppe gelber T-Shirts, auf denen steht, dass man eigentlich nur zum Bäcker wollte. Och jo. Nach einer Weile nähert sich von hinten ein Schwerschrittindianer. Anders als man vermuten könnte, sind Schwerschrittindianer meist keine übergewichtigen Läufer. Im Gegenteil – Läufer mit ordentlichem Bauch und breitem Kreuz laufen oft wie ein Marshmallow auf dem Trampolin. Hagere Gesellen könnten dagegen oft mühelos Galopper des Jahres werden, ihre Schritte sind weithin hörbar. Der berühmteste Schwerschrittindianer ist der Leibhaftige, ein Läufer mit stark asymmetrischem Laufstil. Dumpf klock, dumpf klock … Wenn er hinter einem her ist, ruft man im Geiste automatisch sein Sündenregister ab. Man weiß ja nie.

Der Schwerschrittindianer nähert sich und damit der spannende Moment, wenn man den Menschen zum Schritt zu Gesicht bekommt. Er überholt uns und ist in der Tat von ziemlich durchschnittlichem Gewicht. Aber ist er wirklich schneller als wir? Wir behalten das im Auge. Den ersten Getränkestand haben wir ignoriert, aber beim zweiten, etwa auf der Hälfte der Strecke, nehmen wir mal ein Schlückchen. Schaden kann das nicht.

Außer der netten Verpflegung sorgt auch ein „Stimmungsnest“ für menschliche Wärme. Ich habe mir vorgenommen, das Wort  „Stimmungsnest“ künftig in jedem Laufbericht unterzubringen. Es gehört mit Abstand zu den dämlichsten Worten, die mir bekannt sind und Abneigung muss man ja pflegen. Im Stimmungsnest lag wohl nur ein einziges Ei, aus dem eine liebreizende Dame geschlüpft ist, die mit einem wahren Anfeuerungsorchester mühelos fünf Personen ersetzt. Es ist die einzige Anfeuerungsstation an der ganzen Strecke – aber wer braucht weitere, solange es eine solche gibt?

Vor uns laufen noch immer die Brötchengruppe und der Schwerschrittindianer in Sichtweite, das ist gut. Ich laufe das erste Mal mit einer ordentlichen GPS-Uhr, die mir ungefragt die Zwischenzeiten zuraunt, wenn ich draufgucke und ich raune sie meinem Trainingspartner neben mir weiter. So wissen wir, dass wir voll im Soll sind, das wir gar nicht haben. Nun läuft eine rosa Hose vor uns. Hat man ja jetzt. Farbige Hosen. Und man kann ja auch ruhig mal was anderes sehen als grün. Die Felder sind grün, die Bäume sind grün, die Rasenflächen sind grün, die Nidda ist … naja, mehr so braun. Hochwasserbraun. Trotzdem ist es Zeit, die rosa Hose zu überholen. Das findet die rosa Hose überhaupt nicht. Sie zieht an, als wir etwa auf gleicher Höhe sind. Dann halt nicht. So ist das eben im ÖPLV, dem Öffentlichen Personenlaufverkehr. Dann trinken wir eben was. Prost. Derweil stechen andere Läufer an uns vorbei und ihre Rücken rufen uns zu: „Lasst euch nicht demoralisieren! Wir sind 10er-Läufer, wir müssen ja schneller sein!“ Ach so. Erfrischt und erfroscht (Quak! Wo sitzt denn hier die Amphibie?) laufen wir weiter.

Es ist jetzt nur noch eine Handvoll Kilometerchen. Und wir haben eine Mission. Mit Hilfe einer zarten Beschleunigung, die aus dem Turbo der rechten Hinterbacke stammt, nehmen und passieren wir den Schwerschrittläufer, die rosa Hose und zwei der Brötchenholer. Dafür brauchen wir 5:30/km, aber die haben wir auch noch im Gepäck. Auf dem letzten Kilometer quälen wir uns ein wenig, weil es eine zackige Serpentinensteigung gibt, aber nicht sehr. Qual light, würde ich sagen. Die Serpentinen sind nicht schlimmer als der Tee, den es im Ziel gibt: ungezuckerten Hagebuttentee. Das ist ebenso gesund wie furchtbar, zwei Eigenschaften, die einem ja oft als zwei Seiten der selben Medaille begegnen. Wir trinken den Tee heldenhaft. Wir wissen ja auch, was außerdem auf uns wartet. Der beste Streuselkuchen aller Volksläufe der Region. Und eine halbe Wildschweinbratwurst zum Nachtisch. Zu deren Würze furze ich mir mit einer blähungsgeplagten Plastik-Senfflasche ein fantasievolles Muster auf die Hose. Die hat man ja jetzt ohnehin bunt. Bei alledem regnet es nicht eine einzige Minute. So müssen Volksläufe sein. Und Feiertage.

Bonames Volkslauf Kuchen

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Das Kuchenfest. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2012/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2012/#comments Thu, 07 Jun 2012 18:54:29 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=3331 Zum siebenten Mal bin ich in diesem Jahr zum Volkslauf in Bonames angetreten. Ich könnte sagen, das liegt an der Schönheit der Strecke, am Liebreiz ländlicher Gegenden in Frankfurt, am günstigen Termin oder am immer grandiosen Wetter. Die Wahrheit ist aber: es liegt am Kuchen. Ich werde nicht müde zu berichten, dass es sich beim hiesigen Kuchenbuffet um das mit Abstand beste der Region handelt. Auch im Jahr 2012 enttäuschte Bonames nicht. Beweisfotos habe ich hier hinterlegt.

Gute alte Tradition in Bonames: die Aufwärmverrenkungen auf der Wiese.

Im Schlafwagenabteil wird bereits geruht, die anderen Passagiere sind noch nicht zugestiegen.

Der Getränkestand – hinterher natürlich.

Wenn Männer ihrer Bestimmung folgen, können Frauen nur noch hilflos zusehen.

In diesem Areal hat dagegen kein Mann Zutritt.

„Ich hätte gern die ersten zwei Bleche da vorne, bitte.“

Hauptgang

Nachtisch

Einen ausführlichen Laufbericht von mir gab es auf der Webseite der AOK Hessen, die den TSV Bonames beim diesjährigen Volkslauf unterstützt hat. Leider ist er inzwischen wieder gelöscht worden.

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Die Einsamkeit des Kurzstreckenstreusels. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2011/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2011/#comments Sat, 25 Jun 2011 15:55:37 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=2876 Ein 10er geht immer. Das sagen Läufer zumindest oft und meinen damit die bedeutungslose Schnödigkeit einer Strecke, die aus gerade mal 10 Kilometern besteht. Dabei ist das gelogen. Es sind leicht hunderte von Situationen vorstellbar, in denen ein 10er gar nicht geht. Wenn man tot ist zum Beispiel. Oder sich so fühlt. Oder beides zusammen. Oder eben, wenn man verletzt ist. Was aber nichts heißt, da Läufer meistens verletzt sind, weswegen sie versuchen, nicht in den Schmerz hinein zu laufen, sondern lieber aus ihm heraus. Ob ich heute verletzt bin, weiß ich nicht so genau, denn ich war immer noch nicht beim Arzt. Aber meine Fersen fühlen sich so an, als wollten sie wenigstens für ein paar Stunden ihre schmerzvolle Existenz vergessen. Deshalb trete ich heute beim 10 Kilometer Lauf in Bonames an.

Ich war schon oft in Bonames, aber eher für den 15 Kilometer-Lauf. Das Schöne ist, dass man hinterher gleich viel Kuchen essen darf, egal, ob man 10 oder 15 km gelaufen ist. Denn in Bonames gibt es immer reichlich davon, ich versteige mich sogar zu der Behauptung, in Bonames gibt es den besten und reichlichsten Streuselkuchen aller Post-Race-Kuchenschlachten des gesamten Hessischen Volkslaufkalenders.

Heute reise ich mit der U-Bahn an, die nach Bonames aber überirdisch fährt und deshalb Ü-Bahn heißen müsste. In der Ü-Bahn treffe ich den Stöhnläufer, der bereits in seinem charakteristischen beigefarbenen Laufhemdchen dem Triumph entgegenfährt. Denn der Stöhnläufer ist schnell. Er sitzt auch schnell, weshalb er zu schwitzen beginnt und flugs das beigefarbene Laufhemdchen (das in einem früheren Leben weiß und ein Unterhemd war) auszieht. Es kommt mir vor, als wären wir allein im Abteil, der Stöhnläufer, das Hemdchen, der Schweiß und ich. In Bonames angekommen habe ich – obgleich nicht einmal gestartet – ein erstes mentales Tief überstanden.

Ich melde mich nach (Voranmeldung ist nur was für Unverletzte) und halte nach einer Bekannten Ausschau. Ich treffe diesen und jenen, aber nicht selbige. Schade. Der 15er startet früher und ich tapse hinüber zum Start an der Niddawiese, wo für gewöhnlich ein kleines Warm-up statt findet. Heute aber leider nicht, da der obligatorische Vorturner schon im Urlaub weilt.

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Ich laufe ein wenig sinnlos auf und ab. Anders als angekündigt werde ich dabei besonnt. Das Wetter ist prima. Der Stöhnläufer wird mächtig stöhnen müssen, wenn die Temperaturen weiter so steigen. Der Startschuss der 15er ertönt und zurück bleiben zwei entvaterte Familien mit Hund. Und natürlich wir. Die Schluffis, die nur 10 Kilometer laufen. Lächerlich. Darüber allein einen Bericht zu schreiben!

Nach einer zähen Phase des Einlaufens, Wolkenbetrachtens, unmotivierten Dehnens und Gähnens dürfen endlich auch wir. In meinem Blut schwimmt kein Fitzelchen Adrenalin. Auch das muss man irgendwie üben: volkslaufen, wenn man weiß, man will langsam sein. Wenn man weiß, es geht um nichts. Wenn man einfach nur dabei sein will. Bei einem Marathon ist das einfach, ich laufe meistens mit diesem mentalen Vorzeichen Marathon. Aber bei einem 10er? Verletzt sein ist doof.

Wenn man dann erst einmal läuft, geht alles wie von selbst. Man läuft, so schnell die Ferse will und lauscht auf die tappelnden Schritte der anderen. Warum ist das nur so schön, dieses Geräusch von weichem Kunststoff auf Asphalt? Tappel, tappel tappel. Wir sind unterwegs. Laufen erst mal ein bisschen in die eine Richtung, um ein Hütchen herum und dann wieder in die andere Richtung. Nicht so ein Riesenknaller, eigentlich. Wie soll man das jemandem erklären, wie toll das sein kann, um ein Hütchen herum zu laufen? Allein die Schräglage, auf die man sich schon vorher freut – so ein Hütchen will schließlich genommen werden, ohne dass es einen aus der Kurve trägt. Und: Was wird der Streckenposten sagen, der am Hütchen steht, wenn man dort ankommt? Wird er überhaupt etwas sagen? Die Kunst ist, gerade dann das Hütchen zu umlaufen, wenn der Streckenposten „Auf geht’s!“ oder „Das sieht gut aus!“ ruft. Er kann es ja schließlich nicht bei jedem einzelnen rufen, also muss man Glück haben. Das mit dem Hütchen ist auf jeden Fall eine Wissenschaft für sich. Nach vielen Jahren des Hütchen-Umlaufens erwäge ich, ein Buch darüber zu schreiben. Aber jetzt muss ich erst mal ins Ziel kommen. Der Weg dorthin führt mich durchs Grüne, immer an der Nidda entlang.

Der Bonameser Volkslauf findet immer an Fronleichnam statt, in diesem Jahr später als sonst. Die Felder sehen also ein bisschen anders aus, als sie sonst hier aussehen, die Natur ist ein Stückchen weiter. Interessant.

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Und die Sonne steht höher. Obwohl es nicht besonders warm ist, komme ich doch ziemlich ins Schwitzen. Überall sieht man die Finisher-Shirts des Chase-Firmenlaufs, dem großen Massengerumpel mit anschließender kollegialer Genitalabmessungsanalyse. Darüber hinaus gibt es bezüglich der Laufmode heute nichts Außergewöhnliches zu berichten. Außer vielleicht zu den Schuhen von Chirunner Thomas, die ihr Leben als herkömmlicher Laufschuh begannen und voraussichtlich als Sandale beenden werden, weil sich ihr Mesh großflächig auflöst. Ist ja aber auch luftiger im Sommer.

Während ich so vor mich hin trabe und noch denke, wie langsam ich bin, laufen die ersten Übergewichtigen an mir vorbei, gefolgt von mehreren Greisen, die heute den Pacemaker für ihre Mütter geben. Rollatoren und Gehböckchen passieren mich, ihre Nutzer haben dabei ein lockeres Liedchen auf den Lippen. Als das erste Pflegebett an mir vorbeigeschoben wird, überlege ich, das Tempo ein wenig anzuziehen. Meine Überlegung bleibt in einem dichten Gegenwind hängen, der nun aufkommt und uns zwar angenehm kühlt, uns aber auch Kraft aus den morschen Knochen saugt. Ich bleibe bei meinem Tempo, das irgendwo bei 5:45/km liegt. Gut Ding will Weile haben. Stattdessen freue ich mich über ein Stückchen Hausstrecke, das ich nun belaufen kann. Hier war ich länger nicht mehr und es ist schön zu sehen, dass alles noch da ist. Der Weg, die Felder und die schwankenden Sonntagsradfahrer mit Radlerhose (Tchibo), Handschuhen (Aldi), Helm (Lidl) und Kind (Sören auf Puky). Es wird langsam Zeit für den Kuchen.

Nun muss nur noch ein kleiner Hügel bezwungen werden. Ich schraube mich die kleinen Serpentinen hinauf und bin längst nicht so platt wie sonst an dieser Stelle. Auch mal schön. Ins Ziel eilen und gefühlte 8 Becher Wasser trinken ist jetzt eins. War doch warm.

Die Kuchenstücke gleichen in Größe und Gewicht etwa einer handelsüblichen 1-Liter-Milchpackung und so wählt man besser nur eins. Das ist die größte Tragödie dieses Tages: Fünf der weltbesten Streuselkuchen zur Auswahl haben und nur ein Stück essen können. Mit meinem Schneckenlauf werde ich sogar noch 3. meiner Altersklasse, hier besteht also dagegen kein Grund zum Gram.

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Traurig ist nur, dass ich nicht tags drauf beim Eppsteiner Burglauf antreten kann. Der besteht zwar sogar nur aus 7,777 Kilometern, das aber dafür mit etlichen Höhenmetern. Gift für die Fersen. Bonames muss also eine Weile vorhalten – bis die Sehnen wieder wollen, muss ich weiter vorsichtig sein. Am besten, ich nehme mir gleich den Volkslaufkalender vor. Ein 10er geht ja immer.

[stextbox id=“info“ color=“696969″ bcolor=“f4a460″ bgcolor=“fff5ee“]Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt’s auf der Homepage des TSV Bonames.[/stextbox]

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Bonames – twelve points! http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2010/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2010/#comments Thu, 03 Jun 2010 17:27:47 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=2371 „Bonames! Was ist denn das für ein Ortsname! Ist das eine Abkürzung?“ Hat mich vor ein paar Tagen eine Ortsfremde gefragt. Tatsächlich, es könnte gut eine Abkürzung sein. Für „Boxwütige Nachbarn machen Essig“ zum Beispiel. Oder „Bodenlose Naturisten mit Essstäbchen.“ Aber so naheliegend diese Erklärungen auch sind: Bonames heißt einfach so. Ohne Abkürzung. Das könnte von „Bona mansio“ kommen, sagt Google, was soviel bedeutet wie „gute Raststätte“. Damit das Rasten auch so richtig gut wird, laufen wir vorher dort eine Runde.

Ich wähle heute die kleine, die 10er Strecke. Die 15er ginge sicher auch, aber ich bin noch in der Schonzeit. Mit dem Kopf durch die Wand ist kein gutes Gesundheitsrezept. Wir sind mal wieder zu früh und staunen über die Sonne. Weil noch soviel Zeit bis zum Start bleibt, mache ich innerlich repräsentative Erhebungen zur Häufigkeit von Schuhmarken. Erwartungsgemäß liegt Asics vorn, aber nur leicht. Sie werden dicht gefolgt von Brooks, die wiederum von Adidas und Nike gejagt werden. Mizuno ist hier und heute in Bonames zurückgefallen. So nützlich kann man sich die Zeit vertreiben.

Ich begleite meinen Trainingspartner schließlich zum Start der 15km-Läufer, der etwas entfernt von den Umkleiden liegt. Auf der kleinen Wiese am Flüsschen Nidda werden ordentliche Aufwärmübungen durchgeführt. Unter Anleitung, versteht sich.

Bonames Gymnastik

Halbherzig lüpfe ich ab und zu ein Gliedmaß (Was ist eigentlich der Singular von Gliedmaßen?) und bin vor allem besonders engagiert, wenn es ans Lockern und Ausschütteln geht.

Bonames Start 15km

Nach dem Startschuss trabe ich wieder zurück zu den Umkleiden, um eine Geheimtoilette aufzusuchen. Bei ca. 40% aller Volkslaufveranstaltungen gibt es Geheimtoiletten, deren nähere Ortsbestimmung ich hier aus naheliegenden Gründen nicht preisgeben will. Geheimtoiletten werden deutlich weniger frequentiert als die anderen. Zum Glück machen sich viele nicht die Mühe, sie zu suchen. Nichts hat eben eine so große Anziehungskraft, wie eine einzelne Kabine in der Umkleide, deren Abfluss unter akutem Burn out-Syndrom leidet.

Danach trabe ich wieder zurück, um das selbe Aufwärmprogramm noch einmal zu simulieren. Der Start ist ein bisschen knäulig. Anders als gedacht, laufen doch eine ganze Menge Menschen den 10er. Das ist relativ: gemessen am JP Morgan Chase Corporate Challenge Lauf, der in diesen Tagen in Frankfurt stattfindet, ist eine Teilnehmerzahl von 150 natürlich ein Witz. Und auch dieses Knäulen in Bonames ist ein Zustand, den man sich beim JP Morgan Dingens nur inständig herbeisehnen kann. (Genauso toll wie diesen Lauf finde ich übrigens dessen Motto: „Jogging statt Mobbing“. In Wahrheit habe ich noch nie so viele rücksichtslose, aufgeblasene, rabiate und pampige Vollhorsts auf der Strecke gesehen, wie bei diesem herzerwärmenden Firmenlauf. Aber das wäre ein eigenes Thema.) Zurück zu Bonames.

Bonames Feld

Wir traben durch die Felder und die Sonne brennt uns ordentlich auf die Nuss. Wie lange haben wir darauf gewartet! Ich achte beim Laufen darauf, dass mein Becken nach oben gekippt ist, wie es Danny Dreyer beim Chirunning erklärt. Andernfalls wird Chi verschüttet und wer will das schon. Tatsächlich versuche ich ein paar der Chirunning-Grundsätze anzuwenden, was nicht immer und ohne weiteres funktioniert. Aber es lenkt gut von anderen Dingen ab. Schon nach kurzer Zeit kommen wir an einen Wendepunkt – die 10er Strecke hat eine kuriose Schleife eingebaut. Wendepunkte sind super. Noch schöner wäre es, dieser hier würde bereits die Hälfte der Strecke markieren, aber man kann nicht alles haben. Wetter, Chi UND einen Wendepunkt in der Hälfte.

Bonames Wendepunkt

Die Strecke ist ungeheuer grün und beinahe schattenlos. Es riecht nach Mist und Felder und Fluss ziehen an uns vorbei. Mehrfach überhole ich eine blonde Läuferin, die eine erstklassige B-Note verdient. Outfit, Haltung, toll. Sie schnauft nicht einmal besonders. Während ich in halbgarer Chirunning-Manier mit kleiner Schrittfrequenz neben ihr her tapse. Leider läuft sie ungleichmäßig, weshalb es zu den wiederholten Überholmanövern kommt. Dabei habe ich eigentlich lieber sie vor mir, als den Herrn mit dem Singlet und den plüschigen Schultern, der immer wieder vor mir auftaucht.

Bonames Getränke

Bonames Strecke 2010

Ich quäle mich ein bisschen. Zwar bin ich nicht schnell unterwegs, aber es ist doch ziemlich warm und ich korrigiere immer wieder meine Haltung. Bei km 8 scheint die blonde Dame endgültig die Oberhand zu gewinnen. Ich will jetzt nicht nachlegen, schließlich weiß ich, dass die letzten 500 Meter noch eine hübsche Steigung parat halten. Irgendwann ist dann aber doch alles egal. Ich verschütte eine Menge Chi, laufe an der Dame vorbei und nehme die Steigung ganz gut. Sie bleibt mir auf den Fersen und ich muss zu einem kleinen Endspurt ausholen. Das wollte ich zwar nicht, aber was soll man denn machen, wenn gut aussehende Blondinen hinter einem her federn? Ich halte sie hinter mir und stürze noch mit einer 55er Zeit ins Ziel. Mit kleinen Schritten, auf kurzen Strecken versuche ich wieder eine ordentliche Läuferin zu werden.

Ich möchte niemandem zu nahe treten. Aber ich habe nun mal schon viel Streuselkuchen nach Volksläufen gegessen. Man muss den Dingen ins Auge sehen: der aus Bonames ist der Beste. Zwar wird er inzwischen nicht mehr unter großen alten Bäumen feilgeboten, aber dieses Kuchenangebot ist nach wie vor ungeschlagen. Bonames – twelve points.

Bonames Kuchen

Bonames Kuchen 2010 2

Bonames Kuchen 2

Bonames Wurst

Bonames Bier

Wir sitzen in der Sonne und genießen. Ich bin gerade zwei Umkleidentalk-Königinnen durch Flucht entronnen und der Kaffee schmeckt. Ein Mann verteilt Broschüren für Laufseminare. „Wie heißt denn Du?“, fragt der Nachbartisch. „Ich bin in der Broschüre“, sagt der Mann geheimnisvoll. Der Nebentisch klappt das Heft auf, deutet auf die abgebildete Person und ruft begeistert: „Du bist Annie Friesinger!“. So endet ein perfekter Lauftag. Mit meinem Lauf in dürftigem Tempo werde ich immer noch 20. Frau von 51. Der Sommer kann kommen.

Bonames Seehund

[stextbox id=“info“ color=“696969″ bcolor=“778899″ bgcolor=“fffaf0″]Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt’s beim TSV Bonames.[/stextbox]

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Von Nidda-Auen, Mutigen und Schwitzigen. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2007/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-2007/#respond Thu, 21 Jun 2007 18:00:51 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=285 Der Volkslauf in Bonames über 15 km 

„Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.“, sagt die Kampagne einer großen bunten Zeitung. In Bonames gibt es so einen Mutigen. Ich begegne ihm bei der Anmeldung zum Volkslauf. Er sagt: „Es gibt heut‘ Paar‘n Dreißig“. Ich verstehe den Mutigen sofort: heiß soll es heute werden. Aber was soll ich machen? Jetzt bin ich doch schon angemeldet zu 15km durch die Nidda-Auen. Also Schweissdrüsen auf und durch.

Bonames-Volkslauf-Eingang

In der Umkleide pustet die Klimaanlage, als wollte sie einen nochmal gut durchkühlen, bevor es losgeht. Auch soll es in diesem Jahr reichlich Streckenverpflegung geben – Bonames hat vorgebaut.

Bonames-Volkslauf-Strecke

Vor dem Start veranstaltet man mit uns ein kleines „Aufwärmprogramm“ und ich fühle bereits, wie es mich am Rücken kitzelt, dort, wo die ersten Rinnsale entlangsausen. 
Die Strecke ist schön, oft kann man weit den Blick über die Felder schweifen lassen. In der Schönheit liegt die Tücke: es fehlen Bäume an der Strecke. Wo keine Bäume, da kein Schatten. Wir wackeln los. Leider habe ich keinen Mutigen dabei, der so die ein oder andere Wahrheit für mich aussprechen würde. Und so renne ich einfach drauf los. Das erste Kilometerschild habe ich verpasst, das zweite leider auch. Entweder ich bin zu schnell oder heute fußlahm. Mein virtueller Mutiger meldet sich bei km 3 und sagt: beides. Bei km 5, während die Sonne gerade besonders bretzelt, spüre ich etwas Unangenehmes: Gänsehaut. Und ein Kribbeln auf der Kopfhaut. Ich weiß, was das bedeutet: mein Kreislauf hat keine Lust auf mein Tempo. Vielleicht wäre es gar nicht so dramatisch, aber jetzt bremst mich mein Kopf. Ich will nicht in den Club der Dussel aufgenommen werden, die sich bei warmem Wetter übernehmen und irgendwo in den Glockenblumen die Beine hochgelagert bekommen. Ich mache langsamer.

Prompt ist mal wieder der Leibhaftige hinter mir her. Der Leibhaftige ist ein Läufer mit unregelmäßigem Schritt, denn man an seinem „„Schrapp-klock-schrapp-klock“ von weitem hören kann. Auch er schnauft schwer, zieht dann aber an mir vorbei. Ebenso wie Alfred (M70), der heute nicht seine berühmte weiße Kappe trägt, sondern seine (vermutlich nichtkribbelnde) Kopfhaut der Sonne aussetzt. Heute laufe ich außer Konkurrenz. Aber nein, doch nicht ganz. Ein Läufer findet sich dann doch, der mal vor, mal hinter mir schlappt. „Du läufst mir nicht weg“, beschließe ich und das ist dann auch schon das größte Ziel. Es ist einer dieser Läufe, wo man im Grunde nur eins will: ins Ziel. Egal wie schnell. Oh, wie wunderbar – eine Wolke. Die schickt der Himmel (wer auch sonst). Ein bisschen Schatten tut gut.

[stextbox id=“info“ float=“true“ align=“right“ color=“696969″ bcolor=“f4a460″ bgcolor=“f5f5f5″]Ausdrucken und aufheben? Hier gibt’s die Druckversion als PDF ohne Bilder.[/stextbox]

Einige hundert Meter kann ich die Strecke wieder genießen. Grün ist die Hoffnung und um mich herum ist alles grün. Diese Strecke ist ein Geschenk. Wenn ich nur ein bisschen munterer wäre. Aber weil es irgendwie ja immer ein Happy End gibt, ziehe ich meinem Konkurrenzläufer schließlich davon. In Joggingtempo komme ich voran, aber es reicht trotzdem. Die letzten zwei Kilometer vor dem Ziel blüht der Mohn im Kornfeld. Die Farbe harmoniert hervorragend mit den roten Köpfen, an denen ich vorbei laufe. Ich habe eine dunkle Ahnung, wie mein eigener aussehen muss. Ganz zum Schluss muss man ein paar Serpentinen hochschaukeln. Aber das macht nichts – sie liegen im Schatten. Nach 1:21:48 komme ich ins Ziel. So langsam war ich hier noch nie. Aber im Grunde ist kommt man nach Bonames ohnehin nicht wegen des Laufs, sondern wegen des Kuchens. Es ist der legendärste Kuchen der Region, von dem größere Mengen vorhanden sind, als man jemals essen könnte.

Bonames-Volkslauf-Kuchenblech

Bonames-Volkslauf-Kuchen Bonames-Volkslauf-Baum

Auf dem Weg zum Auto fragt uns jemand, wie es war. „Warm“, sagen wir. „Sind ja auch Paar’n Dreißig“ sagt der Frager. Vielleicht braucht nicht unbedingt jede Wahrheit einen, der sie ausspricht.

[stextbox id=“grey“]Mehr über den nächsten Lauf gibt’s unter: tsvbonames.de[/stextbox]

 

Bonames?

Stadtplan / Kartengenerator

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Von komischen Namen, schnellen Glöckchen und fehlenden Chromosomen. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-05/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-bonames-05/#respond Sun, 19 Jun 2005 18:23:59 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=299 Der Bonameser Volkslauf über 15 km 

Bonames muss man mögen. Es sei denn, man ist ein überregionaler Radiomoderator und hat eine Staumeldung, in der Bonames vorkommt. Dann tappt man leicht in die Falle, betont die zweite Silbe und erntet damit den Spott der gesamten Region. Denn Bonames betont man völlig widernatürlich auf der dritten Silbe. Es ist, als würde man sagen: ich schnüre jetzt meine Laufschuhé, dann brauche ich noch meine Startnummér und meine Laufhosé. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unter den 158 Startern des 15 km Laufs auch nur ein einziger auswärtiger Radiomoderator gewesen ist.

Dafür sind aber viele gutgelaunte Vereinsläufer und andere nette Menschen unterwegs. Am ambitioniertesten von allen ist die Sonne. Nach einer intensiven Tapering-Phase hat sie sich heute viel vorgenommen. Sie war schon am frühen Morgen gestartet und ist dementsprechend schon warm gelaufen, als wir uns an einer Wiese versammeln.

Die Strecke verläuft über weite Teile entlang der Nidda, ein liebenswertes Flüsschen – das Herz des Frankfurter Grüngürtels. Im Grunde laufen wir durch ein paradiesisches Naherholungsgebiet. Mit weiten Feldern und Wiesen, kleinen Höfen, beschaulichen Dorfabschnitten und müffelnden Galloway-Rindern.

bonames+nidda bonames+raps

Von Erholung ist bei mir allerdings heute nichts zu bemerken. Denn schließlich habe ich bei den letzten Läufen gelernt, dass man sich bergab am besten erholen kann. Doch hier geht es nicht einmal bergauf, geschweige denn abwärts. Wie soll man sich da erholen? Außerdem halte ich es wie die Sonne: ich will heute alles geben. Ein fünfer-Schnitt ist mein Ziel, das wäre persönliche Bestzeit auf dieser Strecke. Man kann es ja mal versuchen. Nun gut, es ist schon beim Start 28 Grad warm, aber ich rechne in Kilometern, nicht in Grad. Man muss auch ignorieren können.



Schon nach fünf Kilometern wird mir klar: das wird heute nichts. Anders als die Verlierer von Landtagswahlen („Es ist jetzt nicht der Moment, um darüber zu diskutieren, woran es gelegen hat.“) beginne ich noch auf der Strecke mit der Ursachenforschung. Noch vor drei Tagen habe ich einen anstrengenden Lauf hinter mich gebracht. Ich Dussel. Hätte ich mal langsamer gemacht. Oder wäre ich doch nur bergauf gelaufen, dann hätte ich mich bergab erholen können. Und dann wäre ja noch die Sonne als Ursache für mein immer lauter werdendes Hecheln. Aber wie kann jemand mein Gegner sein, der in Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist?

bonames+feld

Um mich nicht zu sehr zu quälen („Ich werde das brutalstmöglich aufklären.“) denke ich ein bisschen an Jörg und Markus. Für die beiden ist die flache, asphaltierte Strecke optimal. Markus ist blind wie ein Maulwurf mit Sonnenbrille. Er braucht jemanden, der ihm unterwegs alle Stolperstellen und Kurven in den schönsten Farben schildert. Das übernimmt Jörg. Jörg kann besser reden, als ich laufen, denn trotz des Handicaps sind die beiden etwa so schnell wie ich. Allerdings starten sie immer am Ende des Feldes. Ich frage mich gerade, wie es ihnen wohl ergeht, als ich hinter mir das Glöckchen höre, das an Jörgs Führungsband hängt. Anders als die Schlüsselringe der zahlreichen Gefängniswärter, die man immer wieder auf der Strecke trifft, stört das Bimmeln überhaupt nicht. Normalerweise nicht. Heute stört es mich, denn ich weiß: du wirst kassiert. Überlaufen. Durchgereicht. Ich habe mich übernommen und das Glöckchen läutet die nächste Runde ein. Weiter geht‘s, immer weiter im Kampf mit der Sonne und den schweren Beinen. Bei 10 km zeigt meine Uhr 51 Minuten. Und ich werde nicht gerade schneller. Die Glöckchen-Connection überholt mich.

Ich muss beißen.

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Auf Markus‘ T-Shirt steht „Was guckst Du? Guck ich vielleicht, oder was?“ Dabei ist bei mir gerade wieder mal Guckpause, weil mir salzige Niagarafälle in die Augen laufen. Ich resigniere. Es ist ja kein Wunder, dass ich im Hitzekampf unterliegen muss. Die Sonne scheint ständig bergab – bei soviel Erholung muss man einfach Kraft haben. Ich will das Ganze nur noch würdig zu Ende bringen. Zu meiner Freude wird der Abstand zwischen mir und meinen Vorläufern nicht größer. Wir könnten zusammen ins Ziel kommen. Markus, Jörg, das Glöckchen und ich. Genau so geschieht es.

bonames+schluss

Nach einer Stunde, 18 Minuten und 45 Sekunden schütten wir Wasser in uns hinein, als wären wir den Marathon des Sables gelaufen. Schnitt. Wir lesen uns wieder nach der Werbung.
 
Die hessische Volkslaufszene ist eine wunderbare. Einer Untersuchung unabhängiger schwitziger Volksläufer zufolge ist der TSV Bonames ein ganz besonders wunderbarer Verein. Nach dem alljährlichen Volkslauf, bei dem neben einem 15er auch ein 10er, ein 8er und Bambini-Läufe angeboten werden, sitzt man unter alten Kastanienbäumen und versorgt sich mit allem, was unabhängige schwitzige Volksläufer brauchen. Es gibt zwei Sorten Bier vom Fass, zwei Sorten Bratwürstel, zwei Sorten Kartoffelsalat. Und etwa zwölf Sorten Kuchen. Und weil der TSV Bonames weiß, was unabhängige schwitzige Volksläufer wünschen, gibt es nicht etwa schnellranzenden Sahnebuttercremetorten- haufenwahnsinn, sondern nur Solides vom Blech: Streusel in allen Farben und Formen, Mandelkuchen, Butterkuchen und andere Ofenwunder. Es gibt Kaffee aus großen Keramikbechern. Und für sechs Euro Startgeld ein Finisher-T-Shirt. Wenn Sie jemand fragt, wo man es als unabhängiger schwitziger Volksläufer besser hat, als irgendwo anders, sagen Sie einfach: Bonames. Mit Betonung auf der dritten Silbe. Schnitt. Werbung Ende.

bonames+4

Die Hitze hat ihre Opfer gefordert. Kurz vor dem Ziel hat sich ein Läufer von selbst in die stabile Rückenlage gebracht, nach dem Ziel wird eine Läuferin auf Bänke gebettet und mit einer Infusion versorgt. Unter der Obhut eines Arztes, der ein bisschen aussieht wie Dietmar Schönherr, wird sie schließlich sicherheitshalber abtransportiert. Ich schaue auf unsere winterblassen Beine und denke: Wir sind es einfach nicht gewöhnt, dass es bei uns so schön ist. Beim Blick auf die Ergebnislisten bin ich etwas enttäuscht. Platz 14 – so weit hinten war ich lange nicht mehr. Doch dann sehe ich plötzlich ein verrutschtes Chromosom – man hat mich bei den Jungs einsortiert. Bei den Mädels meiner Altersklasse bin ich Platz drei. Das freut mich, aber eigentlich wollte schneller sein. Sei’s drum. Die Politiker haben völlig Recht: „Es ist jetzt nicht der Moment, um darüber zu diskutieren, woran es gelegen hat.“

(Bilder mit freundlicher Genehmigung des TSV Bonames.)
[stextbox id=“grey“]Mehr über den nächsten Lauf gibt’s unter: tsvbonames.de[/stextbox]

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