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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Dublin</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von schottischen Iren, irischen Heldinnen und frierenden Deutschen.</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jun 2007 18:51:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Great BUPA Ireland Run l&#228;sst sich – selbst mit gro&#223;er M&#252;he – nicht im Hessischen Volkslauf-Kalender finden. Trotzdem will ich heute dort laufen. Man muss eben auch mal ab und zu geben k&#246;nnen. Es ist Sonntag morgen und ich bin in Dublin. Der BUPA Run findet im Phoenix Park statt. Als ich h&#246;re, dass 9.000 L&#228;ufer in einer st&#228;dtischen Gr&#252;nfl&#228;che erwartet werden, zucke ich ein wenig mit dem Ellenbogen. Doch das ist v&#246;llig unbegr&#252;ndet: im Phoenix Park (...)]]></description>
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<h2>Der Great BUPA Ireland Run in Dublin (2007)</h2>
<p>Der Great BUPA Ireland Run l&#228;sst sich – selbst mit gro&#223;er M&#252;he – nicht im Hessischen Volkslauf-Kalender finden. Trotzdem will ich heute dort laufen. Man muss eben auch mal ab und zu geben k&#246;nnen. Es ist Sonntag morgen und ich bin in Dublin. Der BUPA Run findet im Phoenix Park statt. Als ich h&#246;re, dass 9.000 L&#228;ufer in einer st&#228;dtischen Gr&#252;nfl&#228;che erwartet werden, zucke ich ein wenig mit dem Ellenbogen. Doch das ist v&#246;llig unbegr&#252;ndet: im Phoenix Park befinden sich die Residenzen der irischen Pr&#228;sidentin und die des Botschafters der USA, das Hauptquartier der irischen Polizei, das G&#228;stehaus f&#252;r Staatsg&#228;ste und der Dublin Zoo – das spricht f&#252;r reichlich Platz.  Schon auf der Hinfahrt streiche ich froh &#252;ber meine Startnummer, auf der in gro&#223;en Lettern &#8220;BUPA&#8221; steht. Wenn ich beim Laufen soviel Spa&#223; habe, wie beim Aussprechen des Namens, kann nichts schief gehen. In meinen Augen sollte BUPA Pudding herstellen oder wenigstens Kartoffelkn&#246;del. Leider ist BUPA ein Versicherungskonzern – allerdings mit ausgezeichneter Expertise im Veranstalten von gro&#223;en L&#228;ufen.   </p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Diesen Text gibt es auch als </em><a href="http://frauschmitt.podspot.de/"><em>Podcast-Episode</em></a><em> zum H&#246;ren.</em></div>
<p>Heute ist ein ganz besonderer Lauftag. Nicht nur f&#252;r mich, sondern auch f&#252;r Sonia O’Sullivan. Die 37j&#228;hrige L&#228;uferin ist die Dieter Baumann Irlands, nur ohne Zahnpasta. Bei Europa- und Weltmeisterschaften holte sie insgesamt 6x Gold und 4x mal Silber, bei den Olympischen Spielen 2000 gewann sie die Silbermedaille &#252;ber 5000 Meter. Sonia O’Sullivan ist eine Volksheldin, die alles hat, was man braucht, um eine zu sein: ein zur&#252;ckhaltendes sympathisches Wesen, blitzschnelle lange Beine und reichlich Verletzungspech.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-317 aligncenter" title="dublin_sonia1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_sonia1.jpg" alt="dublin_sonia1" width="375" height="281" /></p>
<p>Heute will sich Sonia verabschieden. Von ihren Fans und vom Stra&#223;enlauf auf hohem Niveau. Dementsprechend kommen L&#228;ufer aus allen Teilen des Landes herbei gestr&#246;mt. Damit man das auch sehen kann, hat sich BUPA etwas besonderes ausgedacht: jeder L&#228;ufer bekommt mit seinen Startunterlagen ein T-Shirt, auf das die Landesfarben der Grafschaft aufgedruckt sind, aus der er kommt. Ausl&#228;nder und Sp&#228;tmelder schl&#252;pfen in ein allumfassendes Irland-Shirt. So soll obendrein ermittelt werden, welche Grafschaft die schnellste ist – ein h&#252;bsches und gemeinschaftsf&#246;rderndes Spiel.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-318 aligncenter" title="dublin_grafschaften" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_grafschaften.jpg" alt="dublin_grafschaften" width="371" height="278" /></p>
<p>&#8220;No parking is available in the Phoenix Park&#8221; steht in dem ausf&#252;hrlichen Faltblatt in unseren Unterlagen. In einem Anfall von Deutschsein nehmen wir diesen Hinweis ernst und parken weit vom Start entfernt. Auf unserem Weg im Park marschieren wir danach mit Todesverachtung an vielen Wagen vorbei, die sich v&#246;llig unbek&#252;mmert n&#228;her herangetraut haben.  Es ist sonnig und das Gelatsche macht mir &#252;berhaupt nichts aus. Es sind ja auch nur 10 km, die ich sp&#228;ter laufen will und das auch noch h&#246;chst gem&#252;tlich. Als wir uns dem Startareal n&#228;hern, verschwindet die Sonne hinter den Wolken. Es ist noch eine Viertelstunde bis zum Start der Kinder.  BUPA, der verhinderte Kn&#246;delhersteller, &#252;berrascht mich hier ein weiteres Mal mit einem liebevollen Detail. Zur Belustigung der Kinder l&#228;uft am Start ein &#252;berdimensionierter Herr im Schottenrock mit Dudelsack auf unsichtbaren Stelzen umher. Ich wei&#223; zwar nicht so genau, was ein Schottenrock in Irland verloren hat, aber vielleicht ist es ja in Wirklichkeit in Irenrock und ich kann es als Laie nur nicht erkennen. In seiner Begleitung befindet sich ein Mensch im Hundekost&#252;m – auf vier Stelzen. Die beiden verursachen gro&#223;en Jux, vor allem, wenn der Hund das Bein hebt und aus einer Wasserd&#252;se einen kr&#228;ftigen Strahl pieselt. Die Kinder lachen und quitschen, jede Laufnervosit&#228;t verfliegt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-319" title="dublin_dudelsack" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_dudelsack.jpg" alt="dublin_dudelsack" width="226" height="302" /> <img class="alignnone size-full wp-image-320" title="dublin_dog" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_dog.jpg" alt="dublin_dog" width="227" height="302" /></p>
<p>Und dann sehen wir Sonia. Sie steht bei den Kindern und gibt flei&#223;ig Autogramme, bevor sie auf die kleine Starttrib&#252;ne geht, um mit einer Hupdose den Startschuss zu geben. Sie wirkt entspannt und fr&#246;hlich und ihre Beine reichen bis an den Rocksaum des Komikers – ohne Stelzen. Sonia hupt, der Komiker dudelt und die Kinder flattern los. Nach etwas mehr als zwei Kilometern sind sie alle wieder da: die kleinen Rothaarigen mit den abstehenden Ohren, die Ehrgeizigen, die ihre Beine schleudern, als wollten sie sie loswerden, die Speckigen, die schon ganz wei&#223; sind um die Nase vor Anstrengung, und die Kleinsten, die nichts von dem ganzen Spektakel verstehen, aber alles einfach nur toll finden. Die Kinder tragen schlechte Fu&#223;ballschuhe, alte Baumwollhosen oder schwarze Str&#252;mpfe. Es macht Spa&#223;, ihnen zuzusehen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-321 aligncenter" title="dublin_sonia2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_sonia2.jpg" alt="dublin_sonia2" width="305" height="228" /></p>
<p>Nach dem Zieleinlauf der Kinder fallen wir in ein kleines Loch. Unser Start wurde nach hinten verschoben und der Himmel tr&#252;bt sich. Im Geist &#252;bersetze ich die drei erlaubten Fortbewegungsarten w&#228;hrend des Laufs. Walking: Latschen. Jogging: Hoppeln. Running: Watzen. F&#252;r ein deutsches Wort gibt es allerdings anscheinend keine Entsprechung: frieren. Seit die Sonne weg ist, haben wir die Rei&#223;verschl&#252;sse unserer d&#252;nnen Windjacken bis zum Anschlag verschlossen und fr&#246;steln dennoch. Scheinbar sind wir damit allein. Der Ire an sich liebt die Sonne. Damit er keinen Strahl davon verpasst, legt er gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Hautareale frei. Das geht bis zur Schicklichkeitsgrenze und gelegentlich auch dar&#252;ber hinaus. Verschwindet die Sonne, versucht er ihr mit eben jenen freiliegenden Hautfl&#228;chen zu signalisieren: komm, hier lohnt es sich zu scheinen. Damit es sich doppelt lohnt, versucht er seine Fl&#228;chen stetig mit Hilfe von Fish, Chips, Sausages und Guiness zu vergr&#246;&#223;ern. Was wiederum gegen das Fr&#246;steln hilft. Kurz: Iren haben den Bogen raus.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-322" title="dublin_freeze" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_freeze.jpg" alt="dublin_freeze" width="180" height="240" /> <img class="alignnone size-full wp-image-323" title="dublin_me" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_me.jpg" alt="dublin_me" width="321" height="240" /></p>
<p>Wir z&#246;gern die Abgabe unserer Kleiderbeutel bis zuletzt hinaus, um uns danach ins warme Gemenge zu schieben. An meinem Trinkgurt habe ich nichts zu trinken, daf&#252;r aber einen Fotoapparat und ich knipse dankbar die paar Tausend Heizkissen um mich herum. Vom Aerobic Warm up ganz vorne bekommen wir nichts mit, aber die gelenkige Dame, die daf&#252;r zust&#228;ndig ist, konnten wir schon vor dem Kinderlauf bewundern. Der Stelzenschottenire bespa&#223;t jetzt mit seinem Hund auch die Erwachsenen, das verk&#252;rzt die Zeit. Endlich geht es los. Den Starthup konnte dieses mal nicht Sonia geben, denn sie l&#228;uft ja mit. Daf&#252;r tut das jetzt Bertie Ahern. Bertie Ahern ist der Angela Merkel Irlands und so laufen wir gleich ein bisschen w&#252;rdiger. Schon zu Anfang bin ich froh, dass ich hier nichts will, au&#223;er dabei sein. Das Feld ist eng – und ungeheuer undiszipliniert. Man bremst und bleibt pl&#246;tzlich stehen, man walkt mitten im Feld, hier ist alles v&#246;llig egal. Um uns herum sind auffallend junge Leute, die z&#228;hen Zausel, die ich aus Deutschland kenne, sind hier rar. Man ist jung, hat ein paar Kilo zu viel und tr&#228;gt rosa.  </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Sp&#228;ter nochmal lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/06/Dublin07.pdf" target="_blank">Druckversion als PDF</a> ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Kaum sind wir einige Minuten gelaufen, kommen wir am ersten Musik-Punkt vorbei. Auf der Wiese spielt eine verfilzte Reggae-Band auf, die aussieht, als h&#228;tte sie noch nie unter einem schneewei&#223;en Party-Zeltdach einen Gig gehabt. Aber genau das haben sie hier. L&#228;ufer und Band freuen sich ausgiebig &#252;bereinander. Inzwischen ist die Rechnung der Iren voll auf- gegangen: die Sonne kommt hinter den Wolken hervor und bescheint jede einzelne Sommer- sprosse auf den schwitzigen Gesichtern. Auch uns wird es jetzt endlich sch&#246;n warm. Dazu passt die n&#228;chste Musikeinlage: hier trommelt uns die altbekannte Samba-Formation den Laufrhythmus vor. Nicht schlecht f&#252;r 10 km im Park.  Am Getr&#228;nkestand auf der H&#228;lfte der Strecke gibt es statt Pappbechern komplette kleine Wasserflaschen, die nach Gebrauch zu hunderten in die sattgr&#252;ne Wiese fliegen. Ich habe seltsame Skrupel, eine Flasche einfach so wegzuwerfen und deshalb nehme ich sie mit. In unserem Schlapp-schlapp-Tempo macht das gar nichts. Es geht jetzt sanft bergan, aber auch das st&#246;rt nicht weiter. </p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-324" title="dublin_angels" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_angels.jpg" alt="dublin_angels" width="255" height="191" /> <img class="alignnone size-full wp-image-325" title="dublin_music" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_music.jpg" alt="dublin_music" width="253" height="190" /></p>
<p>Pl&#246;tzlich sehe ich auf der Strecke zwei Engel mit lilafarbenen Fl&#252;geln. Sie geben gerade ein Interview (soviel Zeit muss hier sein) und ich m&#246;chte sie gern fotografieren. Ich erwische sie gerade noch, bevor sie weiterlaufen. Vermutlich sind sie f&#252;r einen guten Zweck gestartet, wie es hier viele tun.  Ich habe den Fotoapparat noch in der Hand, als wir die n&#228;chste Musikdarbietung erreichen. Langsam verstehe ich das Konzept: an jedem Musikpunkt gibt es eine v&#246;llig andere Musikrichtung. Der Lauf soll schlie&#223;lich etwas f&#252;r alle sein. Hier ist es eine Blaskappelle, die die L&#228;ufer unterh&#228;lt. Ich habe es immer gewusst: BUPA versteht etwas vom L&#228;ufer-Gl&#252;cklich-Machen. Die letzte Musikattraktion h&#228;tte ich beinahe nicht als solche erkannt: aus gro&#223;en Boxen macht es Mumpf-Mumpf-Mumpf und der T&#228;towierte vor mir bekommt einen Schub.</p>
<p>Meinetwegen h&#228;tte es ewig so weiter gehen k&#246;nnen. Die Musikpalette war schlie&#223;lich noch nicht zuende, und BUPA h&#228;tte ich auch zugetraut, dass Bono mit einer Gitarre an der Strecke aufwartet. Aber leider sind 10 km ganz sch&#246;n kurz und so m&#252;ssen wir irgendwann ins Ziel. Ein Meer von Kameras empf&#228;ngt uns, als w&#228;ren wir soeben einen Weltrekord gelaufen. Auf dem Weg zu unserem Goody-Bag kommen wir an einem Mann vorbei, der in ein Diktierger&#228;t murmelt. Ich stelle ein Ohr auf und h&#246;re: Asics, Asics, Brooks, Nike, Asics &#8230; Aha, hier wird also eine Erhebung gemacht und meine F&#252;&#223;e bereichern jetzt eine irische Statistik. Sch&#246;n. Im Beutel finden wir eine Medaille (nat&#252;rlich mit gr&#252;nem Band), eine silberne W&#228;rmedecke (so eine wollte ich schon immer haben) und viele Kleinigkeiten.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-326 aligncenter" title="dublin_exit" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/dublin_exit.jpg" alt="dublin_exit" width="347" height="260" /></p>
<p>Wir schlappen zur&#252;ck zur perfekt organisierten Kleiderbeutelstation und nehmen unsere Habe in Empfang. Auf dem langen Weg zum Auto kaufen wir uns ein Softeis. Und weil wir keine Iren sind, lassen wir dabei sicherheitshalber eine W&#228;rmedecke um unsere Schultern knistern.  </p>
<p>Nachtrag: Sonia O’Sullivan erwischte keinen guten Tag und lief auf einen f&#252;r sie entt&#228;uschenden 11. Platz. Auf dem Zielfoto l&#228;chelt sie.</p>
<p> </p>
<h4>Phoenix Park?</h4>
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