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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; G &#8211; N</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Grüner wird&#8217;s nicht.</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 18:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[G - N]]></category>
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		<description><![CDATA[Rituale sind wie Zement, sie befestigen das, was wir tun und lassen. Man tut gut daran, mit ihnen zu brechen. Kurz gesagt: dieses Jahr kein Egelsbach, kein Koberstädter Waldmarathon. Dieses Jahr: Galway City Marathon. Ich verbringe eine Woche in Irland und laufe dort einen Halbmarathon. Unsereins nennt das Urlaub.]]></description>
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<p>Seit über 10 Jahren nehme ich regelmäßig an denselben Läufen teil. Sie gestalten die Saison. Ab und zu kommt mal ein Neuer hinzu, seltener fällt einer weg. Das ist hübsch und es entwickeln sich liebenswerte Rituale. Aber wie beinahe alles Hübsche, hat auch dies eine Kehrseite. Wenn man nicht aufpasst, wird man zum Rentner, der unruhig wird, wenn um 17 Uhr das Essen nicht auf dem Tisch steht. Rituale sind wie Zement, sie befestigen das, was wir tun und lassen. Man tut gut daran, mit ihnen zu brechen. Ich hätte es auch kürzer sagen können: dieses Jahr kein Egelsbach, kein Koberstädter Waldmarathon. Dieses Jahr: Galway City Marathon. Ich verbringe eine Woche in Irland und laufe dort einen Halbmarathon. Unsereins nennt das Urlaub.</p>
<p>Galway liegt am Meer im Westen Irlands. Die Stadt ist jung, bunt, studentisch, voller Kulturangebote und ein bisschen „ökig“. Eine Art kleines, irisches Freiburg. Dort ist heute Premiere: ein neuer Halbmarathon und Marathon findet statt und zeitgleich der Worldcup über 50km. Mein irischer Freund und ich werden beim Halbmarathon starten. Pünktlich eine Stunde vor dem Start rollen wir auf einen Parkplatz und trotten Richtung Start.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-Chip.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2574" title="Galway Chip" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-Chip.jpg" alt="Galway Chip" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Unsere Startunterlagen haben wir bereits am Vortag abgeholt. In einem ungenutzten garagenartigen Raum eines Hotels bekamen wir unsere Läuferbeutel und alles wirkte ein bisschen improvisiert. Immerhin gab es ein nettes Baumwoll-Shirt und einen interessanten Chip zur Zeitmessung. Die angekündigte Marathonmesse fand aber nicht statt. Egal.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/DSC04367.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2553" title="DSC04367" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/DSC04367.jpg" alt="DSC04367" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Auf dem Weg zum Startareal am Hafen treffen wir einen sehnigen Läufer, der uns fragt, wo’s lang geht. Gemeinsam setzen wir den Weg fort. Der Läufer ist aus Cork angereist und wir erkennen messerscharf, dass er den „Full Marathon“ in Angriff nimmt. Ein lustiger Typ mit rasiertem Schädel und blauen Schuhen. Als wir dort ankommen, wo wir den Start vermuten, ist es verdächtig still. Nein, hier kann es nicht sein. Wir ahnen, wo wir stattdessen hin müssen. Der Mann aus Cork wird unruhig und eilt uns voraus. Wenig später treffen wir weitere Läufer und schließen uns ihnen an. „What a beautiful day, isn’t it?“ Hier sagt man das dauernd – und das beinahe unabhängig von der aktuellen Wetterlage. Wenn es in Irland nicht gerade faustgroße Tropfen donnert, ist es eben ein „beautiful day“.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2556" title="Galway 2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-2.jpg" alt="Galway 2" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Schließlich finden wir alles, was zu einem typischen Startareal gehört: viele nervöse Läufer, Zelte zur Kleiderbeutelabgabe, schlechte Musik und viel zu wenige Toilettenhäuschen. Letztere sind wirklich sehr rar – eine lange Schlange wartet bereits geduldig davor. Der Stimmung tut das keinen Abbruch.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2557" title="Galway 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-3.jpg" alt="Galway 3" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Ich beäuge neugierig alle Läufer und vergleiche sie mit der Truppe, die bei heimischen Volksläufen aufläuft. Hier ist man jünger, viel jünger. Ich gehöre bereits zu den älteren. Man kleidet sich leichter, aber das kenne ich von den Iren schon. Während unsereins im Fleece bibbert, tut es bei Iren das Trägerhemdchen. Heute Morgen sind es 15 Grad und es verspricht, bestes Laufwetter zu werden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2558" title="Galway 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-4.jpg" alt="Galway 4" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Wir geben unseren Kleiderbeutel ab und wollen uns ein wenig einlaufen. Außer uns tut das absolut niemand. Im Startbereich schlunzen etwa 800 Läufer umher, niemand dehnt sich, niemand läuft hektisch auf und ab. Kurios. Schließlich wird ein „Warm up“ mit hüpfenden Fitness-Damen angeboten, was nur wenig Anklang findet. Direkt vor der Kulisse eines im Hafen liegenden Kriegsschiffes ist das aber hübsch anzusehen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2559" title="Galway 5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-5.jpg" alt="Galway 5" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Der Start verzögert sich schließlich um einige Minuten. Wer interessiert sich schon für „Dschörmen Punktlischkait“. Direkt nach dem Start treffen wir auf Sonia O’Sullivan, so eine Art Herbert Steffny Irlands, wenn auch etwas jünger. Vielleicht begleitet sie hier ein paar Schützlinge, wir wissen es nicht. Ich mache im Laufen ein verschwommenes Foto. Muss ja alles dokumentiert werden.</p>
<div id="attachment_2560" class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-6.jpg"><img class="size-full wp-image-2560 " title="Galway 6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-6.jpg" alt="Sonia ist die Dame in weiß." width="480" height="360" /></a><p class="wp-caption-text">Sonia ist die Dame in weiß.</p></div>
<p>Während meiner gemütlichen Einlaufphase schaue ich mich weiter im Feld um. Der Frauenanteil ist gefühlte 40%. Ganz und gar durchschnittliche Frauen laufen hier, rundliche, sommersprossige Wesen mit Pferdeschwänzen. Den kurzhaarigen Läufertyp, wie man ihn in Deutschland oft sieht, gibt es hier weniger. Diese Frauen hier scheinen keine Frauenläufe zu brauchen, um sich aus der Deckung zu wagen. Sie tragen auch keine Jacken um die Hüften, um ihre Rundungen zu verdecken. Und sie sind schneller als ich. Junge Frauen in Deutschland könnten hier etwas Nachhilfe in Sachen Selbstbewusstsein bekommen. Ab und zu sieht man Charity-Botschaften, auch etwas, was es in Deutschland seltener gibt.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2561" title="Galway 7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-7.jpg" alt="Galway 7" width="480" height="360" /></a> Ich habe keine Ahnung, wie der Kurs verläuft, lasse mich überraschen. Was mächtig Spaß macht. Auch von den Kilometer-Schildern bin ich überrascht. Die gibt es nämlich nicht. Man rechnet schließlich in Meilen. Stimmt, das hatte ich ja ganz vergessen. Für die erste Meile brauche ich neun Minuten und ein paar Zerquetschte und das erscheint mir für einen Wellnesslauf mit Fotopoints ganz angemessen. Wir laufen die Straßen entlang, eine Seite ist jeweils für den Verkehr gesperrt. Gleich zu Beginn geht es sanft bergauf.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-8.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2562" title="Galway 8" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-8.jpg" alt="Galway 8" width="480" height="360" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Im Feld wird geplaudert und gelacht. Es scheint, als wären noch mehr Läufer auf Wellness-Kurs. „What a beautiful day!“ Die Sonne scheint, aber es pustet ganz ordentlich. Wind gehört hier einfach dazu. Ich genieße den Blick in die Vorgärten, die so ganz anders aussehen, als bei uns. Ein Traum ist natürlich alles, was grünt und blüht, hier wird Irland auch in der Stadt jedem Klischee gerecht. Schon ein Stückchen Rasen kann einen hier zum Staunen bringen. Grüner wird’s nicht.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-9.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2563" title="Galway 9" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-9.jpg" alt="Galway 9" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Nach fünf Kilometern gibt es die erste Verpflegungsstelle. Es gibt Wasser, was für die Halbmarathon-Läufer ausreichend ist. Ultras und Marathon-Läufer verlassen sich da besser auf die Eigenverpflegung. Langsam schiebe ich mich weiter und genieße. Beinahe finde ich es schade, schon ein Viertel geschafft zu haben. Nach einiger Zeit wird es etwas grauer. Wir laufen an einer langen Reihe kleiner einfacher Häuser vorbei. Für einen Ausländer ist aber sogar das spannend.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-11.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2564" title="Galway 11" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-11.jpg" alt="Galway 11" width="480" height="360" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-10.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2578" title="Galway 10" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-10.jpg" alt="Galway 10" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Außerdem geht es wie so oft bergauf und so ist man gut beschäftigt. Auch das Feld ist stiller geworden. Ein Läufer spricht mich an und macht einen Scherz, den ich nicht ganz verstehe. Also sage ich einfach „A beautiful day, isn’t it?“ und schon ist die Unterhaltung wieder perfekt. Die Geduld an der Siedlung wird durch einen reizvollen Brückenübergang belohnt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-12.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2565" title="Galway 12" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-12.jpg" alt="Galway 12" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Danach geht es in die Stadt. Hier ist vergleichsweise viel los. Während sonst nur vereinzelte Fans an der Strecke zu finden sind, tobt hier beinahe so etwas Ähnliches wie ein „Stimmungsnest“. Am Getränkestand gibt es sogar ein tiefblaues isotonisches Getränk. Das erinnert mich aber zu sehr an die Spülflüssigkeit im Dixieklo am Start und so bleibe ich beim Wasser.</p>
<p>Und weiter tappt die Karawane. Jetzt ist auch unsere Spur für den Verkehr freigegeben und Läufer mischen sich mit Autos. Das klingt schlimmer als es ist. Nur einzelne Fahrzeuge schleichen vorsichtig voran. Außerdem gelingt es mir so, das erste Mal in meinem Leben ein Auto zu überholen und das ist doch mal was! Wir laufen an einem Golfplatz vorbei und in dokumentatorischem Eifer mache ich ein Foto. Das heißt ich will eines machen, als mich die golfspielenden Herren entdecken und heftig protestieren. Gebrüll schallt mir entgegen. Ich mache schnell mein Foto und denke „Fangt mich doch!“ Schwupp, weg bin ich.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-13.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2566" title="Galway 13" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-13.jpg" alt="Galway 13" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Und weil ich gerade so dynamisch bin, darf ich dasselbe Auto noch einmal überholen. Nach einem der zahlreichen Kreisverkehre, in die wir hineinlaufen (Kreisel haben hier alle einen eigenen Namen) geht es wieder einmal bergauf. Was sonst. Es ist ein bisschen kühl geworden. Die Sonne ist verschwunden und nun spürt man den Wind. Bald kommen wir zurück ans Meer, das könnte ganz schön luftig werden. Nach einem weiteren Hügel sehe ich es das erste Mal wieder. Das Meer. Für jemanden, der sonst nur in hessischen Wäldern läuft ist das einfach etwas Besonderes. Ich mache sofort ein Foto, was sich als geschickt erweist.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-15.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2567" title="Galway 15" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-15.jpg" alt="Galway 15" width="480" height="360" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-16.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2571" title="Galway 16" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-16.jpg" alt="Galway 16" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Weitere Bilder von Wind und Wellen werden schwierig – es beginnt zu regnen. Bereits früher hat es einmal geregnet, doch das war nicht der Rede Wert. Jetzt wird es jedoch richtig nass. Ich muss meine Kamera gut verpacken. Was ein Jammer ist. Denn jetzt beginnt der schönste Streckenabschnitt. In einem rechten Winkel biegt die Strecke nach rechts ab – direkt aufs Meer hinaus. Eine lang gezogene Promenade, die direkt auf einen kleinen Leuchtturm zuführt muss absolviert werden. Es ist naturgemäß ein Wendepunktabschnitt und ein echtes Highlight. Es riecht nach Fisch und Salz und der Regen staubt uns ins Gesicht. Auf dem Rückweg herrscht Gegenwind, aber das macht gar nichts. Es ist einfach zu schön, hier zu laufen. Wie großartig wäre das erst bei Sonnenschein gewesen! Noch zwei Kilometer, dann sind wir im Ziel. Vor mir laufen zwei junge Herren mit bedruckten T-Shirts: „Twelve Marathons, Two Man“ steht darauf. Die Jungs wollen in jedem Monat einen Marathon laufen. Wie es scheint, ist das der erste. Wir reden kurz miteinander („What a beautiful day!“) und ich wünsche Glück fürs Projekt. Das mache ich zuhause nie, kurz vor dem Ziel mit Leuten plaudern. Wenige hundert Meter davor hört es auf zu regnen. Der Wind ist so kräftig, dass es mich beinahe wieder trocken pustet. Die Bruttozeit zeigt 2:00:36, als ich ins Ziel laufe. Meine eigene Uhr habe ich bei einer Fotopause versehentlich gestoppt, aber ich weiß, dass ich nach 50 Sekunden über die Startlinie gekommen bin. So hat es sogar für unter 2 Stunden gereicht.</p>
<p>Im „Female changing“-Zelt ziehe ich mich um. Es sieht ein bisschen aus wie eine Notunterkunft im Katastrophengebiet, schließlich hat es ja auch die Army aufgebaut. Aber es ist warm und windgeschützt. Wunderbar. Außer mir findet sich keine einzige Frau dort ein. Warum auch immer. Ich finde das Angebot toll.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-19.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2569" title="Galway 19" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-19.jpg" alt="Galway 19" width="480" height="360" /></a></p>
<p>Trocken und mit ausreichend Wasser versorgt gehe ich zurück zum Ziel und schaue den 50km-Läufern zu, die am Ende mehrere kleine Loops drehen müssen und somit mehrfach im Ziel vorbeikommen. Das ist sehr unterhaltsam. Nach einer Weile sehe ich den Mann aus Cork, der uns vor dem Start begegnet ist. Frisch und munter läuft er ins Ziel – und gewinnt mit 2:42 den Marathon. Die Elite hat sich ganz auf den Ultra konzentriert und so war das seine Chance. Die bald darauf eintreffende Marathon-Siegerin hat noch nicht genug und hängt einfach noch die 8 Kilometer zum Ultra dran. Vielleicht war es für sie auch nur ein Wellness-Lauf.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-Medaille.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2572" title="Galway Medaille" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-Medaille.jpg" alt="Galway Medaille" width="479" height="355" /></a></p>
<p>Nachtrag:</p>
<p>In Ermangelung eines typisch hessischen Streuselkuchenangebots und aufgrund plötzlich einsetzenden Radikalhungers kehren wir in einem Restaurant mit globaler Küche ein. Man kann nicht immer alles haben. Aber fast.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-21.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2573" title="Galway 21" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/08/Galway-21.jpg" alt="Galway 21" width="480" height="360" /></a></p>
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		<title>Skandal in Kahl.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-kahl-2010/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Jun 2010 15:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das ist doch mal wieder typisch. Da hab ich mir fest vorgenommen, keinen Laufbericht aus Kahl zu schreiben und dann passieren ausgerechnet wichtige Ereignisse, die ich als Chronistin des hiesigen Volkslaufgeschehens unmöglich undokumentiert lassen kann. Dabei habe ich über Kahl schon so viel geschrieben, dass man sich selbst in Kahl schon darüber wundert. (...)]]></description>
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<h4>Der 10 km-Lauf in Kahl (2010).</h4>
<p>Das ist doch mal wieder typisch. Da hab ich mir fest vorgenommen, keinen Laufbericht aus Kahl zu schreiben und dann passieren ausgerechnet wichtige Ereignisse, die ich als Chronistin des hiesigen Volkslaufgeschehens unmöglich undokumentiert lassen kann. Dabei habe ich über Kahl schon so viel geschrieben, dass man sich selbst in Kahl schon darüber wundert. Ich mach es also kurz: Kahl liegt in Bayern, bietet einen Halbmarathon, einen 10er und zwei Schülerläufe, der Verein hat seinen legendären Country-Frühschoppen vor Jahren bereits abgeschafft, wenn man erster wird, bekommt man einen Pokal in Form einer Figur mit einer heruntergelassenen Hose („Po-kahl“) und an der Kuchentheke bedient eine Dame, die einst bei der RTL2 Sendung „Frauentausch“ einen denkwürdigen Auftritt hatte. Damit sind eigentlich die wichtigsten Fakten genannt.</p>
<p>Ich laufe heute mal wieder nur die 10 km. Das bekommt mir gerade ganz gut. Am frühen Morgen sind es noch 17 Grad, aber es wird minütlich wärmer. Wir laufen uns auf der Kinderstrecke rund um einen kleinen verwunschenen See ein bisschen ein. Nichtsahnend geraten wir damit in einen Stechmückenballungsraum. Unzählige Stechmücken – vermutlich auf dem Weg zur Arbeit – nehmen unterwegs noch rasch einen kleinen Imbiss: uns. Wir suchen das Weite. Die Startlinie ist traditionell auf einem kleinen, abgegrasten Bolzplatz neben dem eigentlichen Sportplatz.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Startlinie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2393" title="Kahl Startlinie" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Startlinie.jpg" alt="Kahl Startlinie" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Die Halbmarathonis starten zuerst, damit sie für die 10km-Läufer die Getränke an den Verpflegungsstellen vorkosten können. Macht ja auch Sinn. Derweil steigt die Temperatur.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Start-15km.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2394" title="Kahl Start 15km" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Start-15km.jpg" alt="Kahl Start 15km" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Dann sind die 10er dran. 10 km-Läufer bilden ein heterogenes Feld, viel deutlicher als Halbmarathonis. Hier mischen sich die rasend Schnellen mit den heftig Langsamen. Wer einen 10er läuft, hat entweder besonders viel Pfeffer im Hintern, oder er bevorzugt die ruhige Kugel – oder ist selbst eine. Veteranen, Ersttäter und Schnellschlappen stehen an der gleichen Linie. So gesehen ist ein 10er eine schöne Sache, obwohl ich sonst der längeren Distanz deutlich den Vorzug gebe. Es passiert unterwegs einfach mehr – mit einem selbst und um einen herum.</p>
<p>Gleich nach dem Start geht es eine kleine Rampe hoch und es empfiehlt sich, die Neigung zur Rampensau zu unterdrücken. Man muss ja nicht unbedingt schon nach 200 Metern außer Atem sein.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Start-15-km-2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2395" title="Kahl Start 15 km 2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Start-15-km-2.jpg" alt="Kahl Start 15 km 2" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Schnell geht es Richtung Wald, was bei diesen Temperaturen angenehm ist. (Sonst eigentlich auch). Ich pendle mich bei einem Tempo von 5:30/km ein und versuche trotzdem stressfrei von der Rhythmus-Combo um mich herum wegzukommen – einem Münzklimperer und einem piependen Schrittzähler. Die laufende Wechselstube werde ich los, der Schrittpiepser bleibt. Wenn er hinter mir läuft, ist es nicht so schlimm. Vielleicht ist es ja auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Man soll Menschen nicht nach den Geräuschen beurteilen, die sie beim Laufen machen. Ich selbst zum Beispiel schnaufe. Die Strecke ist auf der ersten Hälfte unkompliziert und zum Teil sogar asphaltiert. Es läuft prima. Ich achte mal wieder auf mein Chi und diese Dinge und es scheint sogar besser zu gelingen als noch vor drei Tagen in Bonames.</p>
<p>Bei km 5 reicht man mir eine Stechmücke. Sie sitzt an dem Tee-Becher, den es am Getränkestand gibt und ich greife lieber nach dem mückenlosen Wasser. Prompt komme ich mit dem Schrittzähler in ein Nano-Gespräch, in dem er meine Qualitäten als Pacemaker lobt. Reizender Mensch. Hab ich ja gleich gesagt. Zwischen km 6 und 7 muss eine Straße überquert werden. Im Wald davor stehen Streckenposten. Davor, aber nicht auf der Straße. Es herrscht fließender Verkehr und die Straße ist vollkommen ungesichert. Volksläufer sind keine Spaziergänger. Sie bleiben nicht stehen und schauen sorgsam rechts und links – sie laufen auf die Straße, gewohnt, dass sie durch Streckenposten gesichert ist. So auch die beiden Herren vor mir. Ein Wagen, der glücklicherweise durch die Lübecker Hütchen auf der Straße vorgewarnt war und deshalb nicht schnell fuhr, kommt gerade noch rechtzeitig vor den Läufern zum Stehen, mitten auf der Läufereinflugschneise. Nicht nur bei den 10ern, auch bei den Halbmarathonläufern ist die Strecke zumindest vorübergehend ungesichert gewesen. Ich schätze den Kahler Volkslauf und seine Organisation sehr, aber das ist nicht eben lustig. Oder, um es direkt an die Adresse der verantwortlichen Streckenposten zu sagen: Habt ihr noch alle am Sträußchen? Dabei hätte leicht jemand umgenietet werden können! Ein Skandal. Der erste von zweien.</p>
<p>Grimmig laufe ich weiter. Die Strecke ist jetzt stellenweise etwas wackelig, überall sind dicke Reifenspuren von Waldfahrzeugen. Hier wurde Holz geschnitten und gehäckselt und es riecht wunderbar, als wäre man in einem Sägewerk. Der Wald von Kahl hält doch immer wieder eigene Duftnoten parat. Schon bald wird es Zeit, sich auf die kleine Rampe zu freuen, die man jetzt ins Ziel hinunter laufen darf. Sie ist zwar nutzlos steil, aber das gibt dem Zieleinlauf doch gleich so eine ganz eigene Dynamik. Ins Ziel laufen, Tee trinken (ohne Mücke), schwitzen, schwitzen, schwitzen (27 Grad), duschen, ans Ziel zurückkehren. (Ich kürze die wichtigsten Vorkommnisse hier mal ab).</p>
<p>Nachdem auch mein Trainingspartner im Ziel ist, der den 21er gelaufen ist, freuen wir uns auf die Kinderläufe. Erst laufen die Großen 1500 Meter, dann die Kleinen 700 Meter (irgendwann gab es auch noch 4.000 Meter, aber die haben wir verpasst).</p>
<p>Nie hätte ich als Dreikäsehoch so was gekonnt. Meine Bewunderung ist also ganz auf den Seiten der Kinder. Außerdem ist diese Art von Laufstilanalyse die Schönste: von perfektem Chirunning bis zum Stil „volltrunkener Seemann mit Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen“ ist alles dabei.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kinder-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2396" title="Kahl Kinder 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kinder-1.jpg" alt="Kahl Kinder 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kinder-Start.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2398" title="Kahl Kinder Start" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kinder-Start.jpg" alt="Kahl Kinder Start" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Feuerwehr-2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2399" title="Kahl Feuerwehr 2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Feuerwehr-2.jpg" alt="Kahl Feuerwehr 2" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Besondere Aufmerksamkeit richten wir auf die ersten und letzten. Bei den Großen, die etwa zwischen 8 und 11 Jahren alt sind, ist ein Junge mit einer schwarzen coolen Sonnenbrille eines der Schlusslichter. Schwerfällig kämpft er sich über den Parcours. Noch bevor er durchs Zieltor kommt, schleudert ihm eine Frau „Was bist denn Du für einer!“ entgegen. Seltsame Pädagogik, denken wir noch, aber dann sehen wir, wie sich mehrere Mütter hinter dem Ziel auf den Jungen stürzen. Ein kleiner Tumult entsteht. Die Erklärung ist kurios. Offensichtlich hat der Junge eine ganz eigene Taktik entwickelt, um Gegner zu demoralisieren: er hat bei deren Überholmanöver seinen rechten Schwinger ausgefahren und mehrere Kinder haben davon etwas abbekommen. Ich überlege kurz, ob das nicht künftig eine gute Lösung für mich sein könnte, doch dann stelle ich fest, dass der Junge ja Letzter wurde. Keine Sieger-Taktik also. Der ganze Zorn der Eltern und Umstehenden entlädt sich auf das Kind. „Was bist denn Du für einer!“. Ein Skandal beim Bambinilauf, wo gibt’s denn so was! Der Junge tut mir leid. Wie hart muss es sein, Letzter zu werden, damit nicht umgehen zu können und dann von allen geächtet zu werden. Man wünscht ihm einen Trainer, der ihm zeigt, wie er beim Sport ein Sieger sein kann, ohne zu gewinnen. Ob das Kind jemals wieder läuft?</p>
<p>Wir jedenfalls laufen jetzt schon wieder und zwar eine Barfußrunde auf dem Sportplatz. Danach könnte ich zwar zum wiederholten Mal duschen, aber egal. Der Kuchen ist in Kahl sehr ordentlich und man kann beim Kauen ausdruckslos auf einen knallgrünen Rasen schauen. Das entspannt ungemein.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kuchen-2010.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2400" title="Kahl Kuchen 2010" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Kuchen-2010.jpg" alt="Kahl Kuchen 2010" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Platz-2010.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2401" title="Kahl Platz 2010" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/06/Kahl-Platz-2010.jpg" alt="Kahl Platz 2010" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Als die Ergebnislisten aushängen, finde ich auch meinen Namen: mit 55:20 belege ich Platz 11 von 25 der Altersklasse M40. Einen Geschlechtstest lehne ich rigoros ab.</p>
<p><em></em> <div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #d2691e; border-left-color: #d2691e; border-right-color: #d2691e; border-bottom-color: #d2691e; background-color: #f8f8ff; "><em>Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter<a href="http://www.djk-kahl.de" target="_blank"> www.djk-kahl.de</a></em></div></p>

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		<title>Von Sonnenattrappen, Spinnebeinen und halben Tassen.</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 14:51:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die meisten Volksläufe in Deutschland gibt es im Süden Hessens. Das stand so vor ein paar Jahren zumindest bei Spiegel online. Während in anderen Gegenden der Republik also gelegentlich Volkslaufosteoporose herrscht, eine Löchrigkeit im Jahreskalender, ist die Volkslaufdichte in meiner Heimat beeindruckend. Die Kehrseite der Auswahl ist die Entscheidungsnot. (...)]]></description>
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<h4>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen. (2010)</h4>
<p>Die meisten Volksläufe in Deutschland gibt es im Süden Hessens. Das stand so vor ein paar Jahren zumindest bei Spiegel online. Während in anderen Gegenden der Republik also gelegentlich Volkslaufosteoporose herrscht, eine Löchrigkeit im Jahreskalender, ist die Volkslaufdichte in meiner Heimat beeindruckend. Die Kehrseite der Auswahl ist die Entscheidungsnot. An diesem Wochenende könnte ich Samstags in Nidderau-Eichen einen Halbmarathon laufen und Sonntags den 25km Mainuferlauf in Seligenstadt oder den Feldberglauf. Alle drei sind tolle Läufe. Samstags UND Sonntags einen zu laufen ist mir unmöglich. Für ein heiteres Auslaufen sind weder der 25er noch der Berglauf geeignet. Mein Trainingspartner und ich wählen Nidderau. Der Halbmarathon ist lang genug, um sich auszupowern und dabei angenehm genug, um Spaß zu haben. Von allen drei Läufen ist er der kleinste und abgelegenste. Ein Schnuckelchen.</p>
<p>Nidderau-Eichen leistet einen wackeren Beitrag zur Volkslaufdichte der Region, hier finden nämlich gleich zwei Volksläufe im Jahr statt. Den einen veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr, den anderen ein Sportverein, der TV Windecken. Der Wald in Nidderau ist groß und schön genug, um zwei unterschiedliche, attraktive Strecken zu zimmern. Auf „profilierter Strecke“. Wo die Strecke schon profiliert ist, kann man sich als Läufer nicht mehr profilieren und das beruhigt. Man kann es langsam angehen lassen. Es ist Samstag Nachmittag und irgendwer hat eine Sonnenattrappe eingeschaltet. Es sieht aus wie Sonne, wärmt aber nicht. Nidderau war bereits mehrere Jahre der sonnenreichste Ort Hessens. Bestimmt wegen der Attrappe. Nervös hüpfen die Läufer am Sportlerheim auf und ab und wissen nicht, was sie anziehen sollen. Das Auge sagt „kurz“, das Gefühl sagt „brrrrr“. Die Startnummer in Nidderau kommt ohne Sponsorenaufdruck aus und hat deshalb ausnahmesweise einmal nicht das Format eines Kuchenblechs. Die wärmt also schon mal nicht.</p>
<p style="text-align: center;"><a style="text-decoration: none;" href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Anmeldung.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2272" title="Nidderau Anmeldung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Anmeldung.jpg" alt="Nidderau Anmeldung" width="512" height="384" /></a></p>
<p>In der Umkleidekabine liegen Sportschuhe im Papierkorb und ich bilde mir ein, sie dort schon einmal gesehen zu haben. Vielleicht ist es eine Dauerinstallation.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Papierkorb.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2268" title="Nidderau Papierkorb" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Papierkorb.jpg" alt="Nidderau Papierkorb" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Eines Tages werde ich vielleicht einmal eine Umkleidekabinen-Fotoserie machen. Umkleiden bei Volksläufen bilden ein wahres Kuriositätenkabinet. Sie sind kalt und muffig, fensterlos und eng. Sie haben mit Glück eine einzige Steckdose und halbblinde Spiegel, in denen man aussieht wie Gemälde von Picasso. Aus ihren Duschen tröpfelt ein arktisches Rinnsal, Toiletten sind selten vorhanden und wenn, dann ist es eine Kabine, deren Tür nicht mehr richtig schließt und deren Spülkasten auf Druck die Wassermenge vom Volumen eines Cognacschwenkers freigibt. Davor stehen 47 Frauen. So ist das beinahe immer.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Spinne.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2273" title="Nidderau Spinne" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Spinne.jpg" alt="Nidderau Spinne" width="448" height="336" /></a></p>
<p>Ich werfe meine Tasche in die Ecke und starre neidisch auf die Beine einer Spinne, die hier wohnt. Die hat’s gut. Kann schnell rennen und hat nie Muskelkater. Und muss sich nicht mit solchen Albernheiten herumschlagen wie ¾-Hosen. Ich probiere heute das erste Mal eine zum Laufen aus, sonst ziehe ich sie nur zum Rudern an. Eigentlich finde ich die Dinger doof, aber noch doofer wäre es, immer noch lange Hosen tragen zu müssen. Die kann ich einfach nicht mehr sehen.</p>
<p>Wir laufen uns ein und wie immer bei Nachmittagsläufen bin ich ganz durcheinander. Vorm Lauf zu essen ließ sich hier nicht vermeiden und ich hoffe, dass der zeitliche Abstand ausreicht. Mein Magen läuft lieber leer. Überall im Wald sind Sägespäne aufgestreut, die auf die Strecke hindeuten, auch der Start ist einfach aufgestreuselt. Kein Transparent, keine Zeitnahme deutet daraufhin, dass hier gleich Großes stattfindet. Das liegt daran, dass das Ziel an einer anderen Stelle ist, als der Start. Aha! Erst starten die 5km Läufer, aber da wir mal wieder nicht richtig aufgepasst haben, halten wir sie für 10er. Danach kommen wir. Der Halbmarathon heißt „Ralf Pagels Gedächtnislauf“. Ich weiß leider nicht, wer Ralf Pagels war. Bei Google findet sich in erster Linie ein Wasserbettenverkäufer ähnlichen Namens, der wird es wohl nicht sein.</p>
<p>Das Feld des Halbmarathons ist klein, etwa 150 Läufer machen sich auf den Weg. Es dauert nicht lang, da geht es auch schon bergauf. Da ist es schon, das Profilierte am Streckenprofil. Ich bin hier länger nicht mehr gelaufen, deshalb habe ich das Profil nicht im Kopf. Ich versuche einfach vorsichtig zu laufen. Es geht mir gut und die Sonnenattrappe ist gut für’s Gemüt. Der Wald riecht phantastisch. Überall ist frisches Holz geschlagen. Und überall liegen Pfeile aus Sägespänen. Verlaufen unmöglich. Ein Mädchen mit einer roten Jacke überholt mich und setzt sich vor mich. Sie drosselt ihr Tempo und ich sitze ihr fast in den Hacken. Volkslaufen ist manchmal ein bisschen wie auf der Autobahn. Es gibt immer diese Dussel, die sich nicht vorstellen können, was hinter ihnen passiert. Ich laufe neben die rote Jacke, damit ich sie nicht am Ende noch trete. „Der Berg ist vorbei, jetzt angreifen!“ ruft der Streckenposten und ich vermute, er tut es, um sich ein bisschen zu belustigen. Weder ist der Berg wirklich vorbei, noch mag ich bei km4 angreifen. Wen auch? Ich habe doch noch gar keinen Überblick. Mich überholt ein sehr schwerer, großer Mann, der nach Leberwust riecht. Keine Ahnung, wie er das hinbekommt. Es ist eindeutig Leberwurst. Grobe Pfälzer. Ich lasse ihn besser mal davonziehen. Mein Magen reagiert ohnehin schon etwas verblüfft darauf, dass er mit Inhalt laufen soll. Obwohl meine Mahlzeit über 3 Stunden zurückliegt, kneift es mal hier und mal dort. Schon bald gibt es etwas zu trinken und heute greife ich gern zu. Vielleicht hat mich die virtuelle Leberwurst durstig gemacht. Ich schüttle die rote Jacke ab und schiebe mich weiter bergauf.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; ">Lieber auf dem Sofa lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-2010.pdf" target="_blank">Druckversion als PDF.</a></div></div></em></p>
<p>Überall zwitschert es und winzigkleine hellgrüne Blättchen tun so, als wären sie schon erwachsen. Es ist sowas von Frühling. Der Weg im Wald ist für mich völlig undurchsichtig. Die Schneisen verlaufen nicht gerade sondern schief und krumm und sie haben attraktive, langgezogene Kurven. Es ist immer wieder toll, auf einer fremden Strecke zu laufen, sich aber um nichts kümmern zu müssen. Eine Zeitlang laufen vor mir drei Triathleten, die sich über Trainingslager, Laservermessung und alles mögliche unterhalten, bergauf, als wäre es nichts. So etwas verblüfft mich immer wieder. Aber dann zieht sich das Feld weit auseinander, auch die drei Hörbücher auf Beinen verschwinden aus dem Blickfeld. Mein einziger Fixpunkt ist ein grünes T-Shirt, das Frau und Kinder an der Strecke bergüßt.  Nach einem kleinen Asphaltstück geht es einen verwunschenen Waldpfad entlang. Mal wieder bergauf. Bergabpassagen gibt es natürlich auch, aber sie sind nie lange und besonders erholsam. „Das sieht sehr gut aus“ sagt ein Streckenposten und ich finde es schön, selbst wenn es gelogen ist. Von Zeit zu Zeit kommen mir 10 km Läufer entgegen, was ich nicht verstehe, weil ich ja denke, dass sie vor mir gestartet sind. Rolf Gerhard Klos ist wieder dabei, der in der M80 startet. Ich hoffe, dem ruft man auch zu, dass er gut aussieht. Das wäre nämlich gar nicht gelogen. Herr Klos sieht großartig aus.</p>
<p>Langsam wird es Zeit, sich über eine mögliche Zielzeit Gedanken zu machen. Unter 2 Stunden, das wäre schon schön. Aber das ist derzeit schon die Zielzeit für einen flachen Halbmarathon. Wie soll das bei diesen Steigungen gehen? Die 10 km habe ich nach knapp 57 Minuten passiert. Und ich weiß nicht, was noch kommt. Wie viele Steigungen lauern noch vor dem Ziel? Ein paar der Menschen, die mich vorhin überholt haben, habe ich inzwischen schon wieder eingesammelt. Auch an der Leberwurst bin ich vorbeigezogen. Jetzt arbeite ich an dem grünen T-Shirt. Aber erst nochmal trinken. Boah, tut das gut. Weiter geht’s. Zack, das grüne T-Shirt ist kassiert. Das war ja einfach. Die nächsten km verbringe ich mit laufen und rechnen. Ich muss unter die letzten drei Kilometer unter 5:30 bleiben, dann kann es gelingen. Das versuche ich. Man muss es immer wenigstens versuchen. Bei km 19 scheint es aussichtslos. Das schaffe ich niemals. Jetzt beutelt mich die Moral. Es tut schon mächtig weh und ein wippender Pferdeschwanz zieht an mir vorbei. Unmöglich, dranzubleiben. Ich schaffs nicht. Wenn ich’s eh nicht schaffe, warum quäle ich mich dann noch? Ich könnte jetzt ganz gemütlich ins Ziel traben. Ich schaff es eh nicht. „Noch 700 Meter“ ruft der Streckenposten und ich schaue wieder auf die Uhr. Oh Mann, ist das schrecklich knapp. Vielleicht geht es doch. Meine Lunge macht schon komische Geräusche. Ich öffne den Mund ganz weit, bilde mir ein, es würde helfen. Von weitem sehe ich die Zeitnahme. Wieder der Blick auf die Uhr. Noch ist es möglich. Versuch’s. Mach einen Spurt. Ich gebe Gas und rausche ins Ziel. Die Uhr sagt: 1:59:54. Hätt ich mich ja gar nicht so hetzen müssen. Ich hätt ja noch 5 Sekunden Zeit gehabt.</p>
<p>Ich bin völlig im Eimer. Sofort wird es eiskalt und wir sehen zu, dass wir schnell ins Warme kommen. Ich schleppe mich zu meiner Spinne und erzähle ihr von meinen Abenteuern. Sie nickt anerkennend und verweist mich darauf, dass die Duschen heute heiß sind.</p>
<p>Zum Kuchenbuffet muss man sich anstellen. Eine der Kaffeemaschinen hat sich verabschiedet und so wird der Kaffee streng rationiert. Jeder kriegt nur eine halbe Tasse.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Kuchen.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2274" title="Nidderau Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Kuchen.jpg" alt="Nidderau Kuchen" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Wir mümmeln unseren Kuchen, während es immer kälter wird. Nicht etwa nur Windjacken-kalt, sondern Rote-Nasen-kalt. Wir bibbern der Siegerehrung entgegen, denn mein Trainingspartner ist zweiter seiner AK geworden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Siegerehrung.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2275" title="Nidderau Siegerehrung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Siegerehrung.jpg" alt="Nidderau Siegerehrung" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Dafür bekommt er eine Urkunde, ein Ladegerät und Batterien. Mit denen man alles machen kann, außer sie in das Ladegerät zu stecken. Sie sind nicht wieder aufladbar. Vielleicht mache ich irgendwann auch einmal eine Serie über die schönsten Volkslauf-Geschenke.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s auf der </em><a href="http://www.tv-windecken.de/abteilungen/leichtathletik.html" target="_blank"><em>Website des TV Windecken</em></a><em>.</em></div>

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		<title>Evita und die tätowierte Wade.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 15:16:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, ich erkläre jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt dämmert’s. Auf jeden Fall ist es schön dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf nämlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte. (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2009)</h2>
<p>Nein, ich erkläre jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt dämmert’s. Auf jeden Fall ist es schön dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf nämlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Heute will ich nicht Letzte werden. Sonst will ich eigentlich nichts. Nur laufen. Wir melden uns an. Neben der Kasse steht ein frisches Schälchen mit Pommes. Ein ungewohnter Anblick um 8:20 Uhr am Sonntag morgen. Nidderau rüstet sich eben für alles und dazu gehört auch die kulinarische Rundumverpflegung nach dem Lauf.  Wir stürmen die Umkleiden. Normalerweise ist das der Moment, an dem man uns in Nidderau mit „Best of Volkslauf“-Musik einstimmt. Ich spitze die Ohren und warte auf Bonnie Tyler oder doch wenigstens die Spider Murphy Gang. Nichts. Doch dann wird eine CD eingelegt. „Määmry!  Ohl älon in the Muunleit &#8230;“ Oh weh. Cats. Musical am Sonntag morgen. Sind denn so viele Homosexuelle hier? Schläfrigkeit erfasst mich. Langsam ziehe ich mich um.</p>
<p>Zum Glück ergreift der Moderator bald das Mikro. Das ist viel erbaulicher. Er hofft, dass alle bei dem schönen Wetter nach dem Lauf noch bleiben und „etwas verkonsumieren“.  Wenn es nicht gerade die Pommes sein müssen, kommen wir der Aufforderung sicher gerne nach. Wozu macht man denn Volksläufe, wenn nicht, um hinterher etwas zu verkonsumieren? In meinem Fall würde es sich bestimmt lohnen, mir ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love verkonsumieren“ drucken zu lassen.  </p>
<p><img class="size-full wp-image-727 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 9px; margin-right: 9px;" title="Nidderau-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Kuchen.jpg" alt="Nidderau-Kuchen" width="269" height="359" /></p>
<p>Mein Trainingspartner ist jetzt auch fertig- gewurschtelt und wir können uns einlaufen. Doch plötzlich steht eine Dame vor uns, um uns zu fragen, ob wir unsere Startnummern von zuhause mitgebracht hätten. Ich bringe viel von zuhause mit. Kugelschreiber, Vaseline, Getränke, in Härtefällen auch Kaffee und Kuchen. Aber Startnummern? Nein. Hintergrund der Frage ist, dass die Dame mit zwei Startnummern wedelt. Unseren Startnummern. Obwohl wir sie doch schon am Bauch tragen. Offensichtlich sind die Nummern doppelt vergeben worden. Wir sind ratlos und wollen auch andere Menschen mit diesem Zustand verraut machen. Es gelingt: hinter der Kasse, dort wo die Pommes blüh’n, hat man keine Erklärung für die Doppelvergabe. Ein Fehldruck. Eine kurze Amnesie der Druckmaschine. Etwas in der Art. Weil die Dame im Gegensatz zu uns noch nicht umgezogen ist, tauschen wir freiwillig unsere Startnummern um.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-729" title="Nidderau-Anmeldung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Anmeldung.jpg" alt="Nidderau-Anmeldung" width="480" height="360" /></p>
<p>Dann, endlich, können wir uns einlaufen. Auf dem Weg Richtung Feld liegt eine tote Maus. Hier liegt immer ein totes Tier, das gehört zur Tradition. Jetzt kann also nichts mehr schiefgehen. Als wir zurückkehren, singt jemand, dass Argentinien nicht um sie weinen soll. Sie gibt sich Mühe, dass man sie auch wirklich bis Argentinien hören kann, obwohl das ja noch hinter Windecken liegt. Evita beim Volkslauf passt ungefähr so gut wie die Johannes-Passion zum Kindergeburtstag. Aber hessische Läufer am Sonntag morgen sind entspannter als jede Yoga Gruppe. Welche Musik ihre „Ei Guude!“-Rufe untermalt, ist da herzlich egal.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-730" title="Nidderau-Haarstudio" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Haarstudio.jpg" alt="Nidderau-Haarstudio" width="443" height="332" /></p>
<p>Wir starten mit einer kleinen Verspätung, weil wir erst einen Zug abwarten. In Eichen ist man da umsichtig. Nichts soll die persönlichen Bestzeiten behindern. Die lassen sich freilich nur an den Vorjahren bemessen. Die hügelige Strecke taugt für keine besonderen Rekorde. Auf der Straße des Starts lehnen sich etwa 200 Läufer an Fachwerkhäuser und dehnen ihre Waden. Um ihre Heimstatt besorgte Einwohner schauen ihnen dabei aus dem Fenster zu. Der Moderator trägt sein Megaphon wie eine kostbare Handtasche und gibt den Startschuss. Es geht wenige hundert Meter durch den Ort, dann eine große Straße entlang. Der Laufweg ist hier mit Lübecker Hütchen abgesperrt. Vor mir läuft ein Paar, als er plötzlich an einem Pylon strauchelt. Es sieht aus, als ob er sich fängt, doch dann legt er einen filmreifen Sturz hin. Seine Begleiterin kommentiert das Fallen mit einem spitzen Schrei. Es war eine Unkonzentriertheit, ein unnötiger Sturz (falls es nötige geben sollte). Die Lübecker Hütchen stehen in Reih und Glied, der Veranstalter hat nichts falsch gemacht. (Ich erwähne an dieser Stelle den Begriff „Lübecker Hütchen“ übrigens so oft, weil ich festgestellt habe, dass etliche Besucher meiner Seite über diesen Suchbegriff bei Google kommen. Vielleicht komme ich so unter die Top Ten der Suchergebnisse und alle Straßenbauer werden dann zu Läufern.) Der kleine Stunt des Läufers hat mich hellwach gemacht. Stürze braucht kein Mensch.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf der Couch lesen? Hier gibt&#8217;s die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/Nidderau-09.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Schon bald sind wir im Wald. Die Strecke ist wunderschön, überwiegend schattig, abwechslungs- reich – und ein einziges Auf und Ab. Bis zum Schluss. Nie hat man das Schlamassel hinter sich, die nächste Steigung kommt bestimmt. Trotz des anspruchsvollen Profils wird im Feld noch viel geplaudert. Urlaubserlebnisse. Vor mir läuft ein Läufer (was sonst) mit einer tätowierten Wade. Er ist nicht übermäßig schnell und ich habe ihn bald überholt. Auf der gesamten Strecke hängen Vogelhäuschen mit Hausnummern. Vermutlich wegen der Post. Schon nach vier Kilometern gibt es etwas zu Trinken und Schwämme. Vorbildlich. Die Sonne blinzelt durch das Blätterdach, das Feld hat sich schnell weit auseinandergezogen und es ist ungeheuer friedlich. Vor mir: ein Läufer (was sonst) mit einer tätowierten Wade. Moment mal. Das hatten wir doch schon mal. Wo kommt der denn jetzt her? Und war es nicht eben die andere Wade? Ah! Kein Wunder. Ist ja auch ein anderer Läufer. Man hat das jetzt mit den Waden. Auch sonst sind sich die beiden ähnlich: blaues T-Shirt, dunkle Haare. Na gut. Überhole ich diesen eben auch. Das geht nicht ganz so leicht, aber dann doch. Jetzt bin ich beinahe allein. Weit vorne tüpfelt etwas Rotes im Grün herum. Was hinten tüpfelt, sehe ich ja nicht. Nach 10 km zeigt meine Uhr 55:55. Das ist vollkommen in Ordnung. Mehr muss bei dieser Strecke heute nicht sein. Ich schwitze wie ein Hirsch. Man könnte meinen, es wäre August.</p>
<p>Ich wage mir nicht vorzustellen, wie Martina jetzt unter ihrer Perücke schwitzt. Martina ist eine transsexuelle Läuferin, die noch etliche männliche Attribute besitzt, für immer besitzen wird. Zum Beispiel ihr Lungenvolumen und ihre Sauerstoffaufnahmekapazität. Veranstalter wissen deshalb oft nicht, ob das „W“-Kreuzchen auf dem Anmeldezettel wirklich gerechtfertigt ist. Ein Dilemma. Das IOC lässt seit 2004 transsexuelle Sportler zu. Im DLV scheint es noch Klärungsbedarf zu geben.  Einstweilen bin ich froh, „dass ich ein Mähähähädchen bin.“ Mit schlechten VO2max Werten, unpraktischen Muskelfasern und ganz unbrauchbaren Testosteronmengen. Das macht zwar langsam, aber man kann sich den Reifen wechseln lassen, ohne dass man als Memme gilt.</p>
<p>Plötzlich schnauft es hinter mir. Das ist die tätowierte Wade, ich bin ganz sicher. Na gut. Dann lauf halt vorbei. Aber nix da. Die Wade ist eine Klette. Sie bleibt hinter mir. Bergauf, bergab. Schnauft, hustet, schnieft. Ohne Wade wäre der Wald irgendwie idyllischer. Aber künstlich langsam machen mag ich jetzt auch nicht. Eine Getränkestation klärt die Situation. Ich gehe ein paar Schritte und gönne mir die winzige Ruheinsel eines Wasserbechers. Jetzt zieht die Wade an mir vorbei. Es ist die linke. Der Läufer, den ich zuerst gesehen hatte. Heute wollen mich irgendwie alle verwirren. Und wo ist der andere? Der war doch schneller. Ich sag’s ja. Tätowierten Waden kann man nicht trauen. Fortan habe ich sie wieder vor mir. In einigem Abstand, aber der wird nicht größer. Lieber eine Karotte als eine Klette: ich bleibe dran. Bis zum Schluss. Das ist anstrengend. Als ich mit 1:56:56 ins Ziel komme (schon wieder so eine hübsche Zahl), möchte ich mich am Liebsten auf der Stelle zu der toten Maus legen. Doch dann sticht mich eine Bremse, für die der Zielbereich so etwas wie ein Feinschmeckerrestaurant zu sein scheint, und ich bin wieder munter.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-731" title="Nidderau-Konsum" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Konsum.jpg" alt="Nidderau-Konsum" width="250" height="187" /> <img class="alignnone size-full wp-image-732" title="Nidderau-Zelt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Zelt.jpg" alt="Nidderau-Zelt" width="254" height="186" /></p>
<p>Beim obligatorischen Verkonsumieren von Backwaren wird Evita durch die Siegerehrung ersetzt und ich bin froh. Über Eichen, die Strecke, meine langsam wiederkehrende Form, die Sonne und das Sein. Und mein Trainingspartner heißt seit heute Ewald. Fluch der umgetauschten, aber nicht richtig registrierten Startnummer.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Nidderau-Eichen&amp;address=Nidderau-Eichen&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255631651" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Von schönen Rücken, glänzenden Augen und nackten Hintern.</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 19:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[G - N]]></category>
		<category><![CDATA[Kahl]]></category>
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		<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute habe ich einen freien Sonntag Nachmittag. Einen Laufbericht muss ich nicht schreiben. Kann ich ja auch gar nicht. Über Kahl, wo ich heute antreten will, habe ich nämlich schon alles gesagt. Ich habe in den letzten Jahren über Bodenbeschaffenheiten schwadroniert, den Kahler Sandhasen erklärt, die Strecke beschrieben, das Vereinshaus,  (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Kahl (2008)</h2>
<p>Heute habe ich einen freien Sonntag Nachmittag. Einen Laufbericht muss ich nicht schreiben. Kann ich ja auch gar nicht. Über Kahl, wo ich heute antreten will, habe ich nämlich schon alles gesagt. Ich habe in den letzten Jahren über Bodenbeschaffenheiten schwadroniert, den Kahler Sandhasen erklärt, die Strecke beschrieben, das Vereinshaus, den Kuchen – einfach alles. Über Kahl habe ich so viel und so hingebungsvoll geschrieben, dass ich lange auf ein lukratives Angebot des Kahler Fremdenverkehrsamts gewartet habe. Bis ich festgestellt habe, dass es gar keines gibt. Kurz: nach dem Lauf in Kahl gibt es voraussichtlich nichts zu schreiben und nichts zu wollen. Denke ich am Morgen und denke wie so oft völlig falsch.</p>
<p>Wir fahren den üblichen Weg auf der A 661 Richtung Hanau, die etwa so anmutet, als wäre heute einer der autofreien Sonntage der 70er Jahre. Andere Menschen schlafen jetzt noch und ich bin ein bisschen neidisch. Mein Trainingspartner ist auch neidisch und zwar auf mich. Ich habe nämlich weder Kopfschmerzen noch Übelkeit. Zwei Symptome, da sind wir uns einig, die man nur mit einem hübschen kleinen Halbmarathon bekämpfen kann. Rituale sind eben gesundheitsfördernd. Deshalb fällt auch bei der Anmeldung sofort der Kugelschreiber aus. Ich muss gelegentlich der Sache nachgehen, welcher Hersteller kaputte Kugelschreiber anbietet. Irgendwoher müssen die Laufvereine diese Dinger doch bekommen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-532" title="Kahl-Willkommen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Willkommen.jpg" alt="Kahl-Willkommen" width="483" height="362" /></p>
<p>Ich trotte über eine nasse Wiese zum Vereinshaus, um mich dort umzuziehen. Die Startnummer mit Chip (der aus einem dahintergepappten Draht besteht) ist so starr, dass ein beleibter Läufer fordert, es müsste sie „in gewölbt“ geben. Die Wetterlage ruft nach einem dünnen Shirt mit darüberliegendem Singlet. Es ist feucht und warm. Wir laufen uns ein wenig ein und versuchen, dabei keine nassen Füße zu bekommen. Die breite Startaufstellung erfolgt mitten auf der Wiese. Nach wenigen Metern wird man durch ein Nadelöhr in Form einer steilen Rampe geführt. Danach ist man wach. Über 200 Teilnehmer gehen heute auf die große Strecke, aber das verteilt sich rasch. Zunächst muss man kurz durch den Ort, vorbei an dem Sieger des Wettbewerbs „gruseligster Vorgarten Deutschlands“.  Vor einem Flachdachbau hat jemand Zypressen und Buchsbäume in grotesker Anordnung gepflanzt. Statt Rasen liegt Granulat dazwischen. Weiße Gartenlaternen, Gipslöwen auf Sockeln und Pinienzapfen auf dem Dach runden den Wahnsinn ab. Die Nachbarn von Familie Buchs bearbeiten ihren Rasen offensichtlich mit dem Nagelknipser. Auch das ist Kahl.</p>
<p>Aber dann geht es schnell in den Wald und der sieht so aus, wie ein Wald aussehen soll. Zwar vermute ich, in Kahl besitzt man schnell wachsende Zaubereicheln, wie sie in „Asterix und die Trabantenstadt“ vorkommen, denn in jedem Jahr sind hier große Mengen frisches Holz geschlagen. Aber das ist mir nur Recht, denn es duftet herrlich.</p>
<p>Die Strecke ist schwer zu belaufen. Nicht dass es allzu herausfordernde Steigungen gäbe. Aber der sandige Untergrund in Verbindung mit Schotter und Tannenzapfen erfordert stabile Sehnen und Bänder und kostet Kraft. Im letzten Jahr habe ich hier schwer gekämpft. Aber ich bin guten Mutes. Ich habe nichts Besonderes vor, denn mein Training ist im Augenblick sehr minimalistisch.</p>
<p>Bald müssen wir über eine große Straße, die von der Feuerwehr gesichert wird. Eine junge blasse Frau steht in Uniform an der Strecke und raucht uns an. Was sie wohl beim Anblick der sehnigen Läuferkörper denkt? Warum gilt Brandbekämpfung eigentlich nicht für Tabak? Nach wenigen Kilometern bin ich schweißgebadet. Die feuchtwarme Luft macht alles nass und klebrig.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffa500; border-left-color: #ffa500; border-right-color: #ffa500; border-bottom-color: #ffa500; background-color: #fff5ee; ">Übrigens: Diesen Text gibt es auch als <a href="http://frauschmitt.podspot.de/" target="_blank">Podcast-Episode</a> zum Hören!</div>
<p>Vor mir läuft jemand in einem Köstrizer-T-Shirt und es fällt mir gar nicht so leicht, mich von dem Gedanken an ein kühles Bier zu lösen. Ich mag Köstrizer und deshalb ist mir der Läufer auch sofort sympathisch. An den werde ich mich halten, beschließe ich und während ich noch innerlich zufrieden nicke, wird Köstrizer langsamer. Das ist doch nicht fair, so was. Widerwillig laufe ich an ihm vorbei. Was außerdem läuft, ist mein Schweiß und zwar in die Augen. Es brennt sehr und erinnert mich an eine Geschichte, die geschah, als ich etwa 12 Jahre alt war.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; "><em>Lieber offline weiterlesen? Bitteschön: die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2008/06/Kahl08.pdf" target="_blank">Druckversion als PDF</a></em><em> ohne Bilder.</em></div></div>
<p>Damals bekam ich einen Schönheitsratgeber aus den 50er Jahren in die Hände. In dem stand geschrieben, um besonders glänzende Augen zu bekommen, müsste man sich einige Spritzer Zitronensaft in die Augen träufeln. „Keine Sorge“, stand dabei „es brennt nicht mehr als Wasser“. Natürlich musste ich das gleich ausprobieren. Ich weiß nicht, ob Frauenhornhäute in den 50er Jahren robuster waren. Jedenfalls brannte es wie Hölle. Zweifelsohne konnte man anschließend allerdings meinen tränengeröteten Augen einen gewissen Glanz nicht absprechen. Trotzdem habe ich die Tipps aus den Kapiteln „Das Ei und seine Verwendungsmöglichkeiten“, „Schminktechnik der Slawin“,  „Grübchenpresser“, „Die Petersilie als Kosmetikum“ und „Quecksilberpräparate“ nicht weiter verfolgt. (Wer sich dennoch dafür interessiert -  das Buch heißt „Pfleg dich schön“ von G. v. Hilgendorff. Es steht allerdings zu befürchten, dass es, wie viele großartige Dinge, aus dem regulären Handel verschwunden ist.) Aber zurück zum Thema.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-534" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Pfleg-Dich-schön" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Pfleg-Dich-schön.jpg" alt="Pfleg-Dich-schön" width="257" height="438" /></p>
<p>Nachdem man sich in Kahl ca. 10 km lang durch unebene lehmig weiche und schotterige Wege gekippelt hat, immer wieder sanft bergauf, wird man belohnt. Es folgt ein Asphaltstück bergab und auch danach wird der Weg besser. Und das Beste ist: jedes Jahr vergesse ich die Belohnung und bin hocherfreut und überrascht, wenn sie erscheint. Um mein Glück vollkommen werden zu lassen, weht inzwischen ein Mini-Wind und Köstrizer ist wieder in meinem Blickfeld. Sein unaufgeregter Laufschritt und sein hübscher Rücken sind genau das, was ich vor mir haben will. Das gelingt nicht immer, aber immer wieder. Es sind nur noch vier Kilometer und ich werde immer optimistischer. Vielleicht geht da noch was. „Weine nicht, kämpfe“, steht auf einem T-Shirt vor mir. Sehr richtig. Allerdings steht es da nicht in deutsch, weshalb es sich ein Mitläufer übersetzen lässt. Der Mitläufer entpuppt sich sogleich als Hans-Uwe, der mir schon gelegentlich bei Läufen begegnet ist. Ich hätte also möglicherweise noch einen Mitstreiter für den Endspurt. Köstrizer, der Gute, fällt leider aus – er wird langsamer und ich muss auf seinen Rücken verzichten. Neben mir läuft noch jemand mit Kopfhörern, aber an verstöpselte Kandidaten halte ich mich grundsätzlich nicht. Man muss immer damit rechnen, dass sie ihre Geschwindigkeit der Musik anpassen und Wechsel sind mir ein Gräuel. Ich beschließe den Alleingang. Wenn es schief geht, geht es eben schief. Luft habe ich noch und man muss es ja versuchen. Legendär wird die Zeit nicht mehr, aber egal. Ich ziehe an. Jetzt heißt es schnaufen, stapfen und rudern. Es gelingt mir, etliche Läufer zu überholen – hach, wie fein. Das hatte ich schon länger nicht mehr.  Es geht zurück in den Ort, vorbei an dem Gruselvorgarten, um zwei Ecken und dann – schwupp – die Rampe wieder runter und über die Wiese ins Ziel. „Biep“ – meine Startnummer wird entwertet und die Mischung aus Kabeln, Plastikfolie und Papier gehört nun mir. Im Sinne der Müllvermeidung ist mir eine einfache Papierstartnummer oder ein wieder verwendbarer Chip deutlich lieber. Sei’s drum.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-535 aligncenter" title="Kahl-Wiese" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Wiese.jpg" alt="Kahl-Wiese" width="484" height="362" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-536" title="Kahl-Bonkasse" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Bonkasse.jpg" alt="Kahl-Bonkasse" width="251" height="187" /> <img class="alignnone size-full wp-image-537" title="Kahl-Bonkasse2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Bonkasse2.jpg" alt="Kahl-Bonkasse2" width="248" height="189" /></p>
<p>Mit schlaffen 1:52:07 werde ich noch Vierte (von 14) meiner heute augenscheinlich verweichlichten Altersklasse. Auch Mr. Migräne hat nur noch drei Läufer vor und die Kopfschmerzen hinter sich. Damit kommen wir zwar in den Genuss von hausgemachtem Kahler Kuchen, aber leider nicht in den des Pokals.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-543" title="Kahl-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Kuchen.jpg" alt="Kahl-Kuchen" width="490" height="367" /></p>
<p style="text-align: left;">Man kann Pokale als Augenschmeichler gar nicht genug rühmen &#8211; in diesem speziellen Fall gilt das noch mehr.  Denn in Kahl kam jemand auf die Idee, aus einem Pokal einen Po-Kahl zu machen. Was zu dem unglaublichen Entwurf einer Figur führte, die dem siegreichen Trophäenempfänger den blanken Hintern zeigt. Weit über die Region hinaus sei dieser „Po-Kahl“ bekannt, berichtet der Moderator bei der Siegerehrung stolz und macht uns in jeder Hinsicht staunen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-539 aligncenter" title="Kahl-Pokahl" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Pokahl.jpg" alt="Kahl-Pokahl" width="404" height="539" /></p>
<p>Nicht zuletzt dieses Kunstwerk ist es, das mir den freien Nachmittag raubt. Ich muss einfach zugeben: über Volksläufe in Kahl war eben doch noch nicht alles gesagt.</p>
<div class='stb-grey_box' >M<em>ehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: </em><a href="http://www.djk-kahl.de/"><em>www.djk-kahl.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Kahl?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Kahl&amp;address=Paul%20Gerhardt%20Schule%20Kahl&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255788449" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Wasser, Wurst und Kuchen am Reis.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-hornau-08/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 May 2008 18:11:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[G - N]]></category>
		<category><![CDATA[Hornau]]></category>
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		<category><![CDATA[20km]]></category>

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		<description><![CDATA[Kelkheim Hornau ist ein besonderer Ort. Dort werden nämlich manchmal neue Sportarten erfunden. Am Pfingstmontag zum Beispiel. An diesem Tag wurde das „Nordic Start-Verpassing“ erfunden. Nordic Start-Verpassing geht so: Man meldet sich für eine Walking-Veranstaltung an. Dann plaudert man mit ein paar Bekannten, geht noch mal ein wenig ans Auto, steht lange bei den Toiletten an oder (...)]]></description>
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<h2>20 km in Kelkheim-Hornau (2008)</h2>
<p>Kelkheim Hornau ist ein besonderer Ort. Dort werden nämlich manchmal neue Sportarten erfunden. Am Pfingstmontag zum Beispiel. An diesem Tag wurde das „Nordic Start-Verpassing“ erfunden. Nordic Start-Verpassing geht so: Man meldet sich für eine Walking-Veranstaltung an. Dann plaudert man mit ein paar Bekannten, geht noch mal ein wenig ans Auto, steht lange bei den Toiletten an oder isst noch eine Kleinigkeit. Dabei verpasst man dann den Start zu dem Wettbewerb, bei dem man angemeldet ist. Man wartet noch ca. 10 Minuten – und dann kommt man auf Touren: man nimmt beide Stöcke in eine Hand und rennt völlig entfesselt dem Feld hinterher. Da man eine Abkürzung nimmt, holt man es schließlich ein, um danach die verbliebene Strecke im üblichen Walking-Schritt zu absolvieren.</p>
<p>Mein Trainingspartner und ich konnten bei der Geburtstunde dieser neuen Sportart dabei sein und einen wahren Pionier dabei beobachten. So hat sich die Anfahrt für uns bereits weit vor unserem Start gelohnt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-582" title="Hornau-Sportanlage" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Sportanlage.jpg" alt="Hornau-Sportanlage" width="495" height="371" /></p>
<p>Wir stehen in der Sonne und dehnen ein bisschen. Mein Trainingspartner hat heute ein taubes Bein. Das ist durchaus doppelsinnig zu verstehen: Nicht nur, dass es nicht auf ihn hört, es fühlt sich auch wohl an wie ein eingeschlafenes Marshmellow. Kann man laufen, wenn einem statt eines Beins eine Süßspeise an der Hüfte hängt? Natürlich, sagt mein Trainingspartner und geht erst einmal in die Büsche.</p>
<p>Ich dagegen wähle die Geheimtoilette. Die Geheimtoilette ist Luftlinie drei Meter von der gängigen Toilette entfernt. Sie ist nicht versteckt und jeder kann sie benutzen. Trotzdem stehen vor der gängigen Toilette gefühlte 72 Nierentätige, vor der Geheimtoilette sind es zwei. Es gehört zu den großen Volkslaufgeheimnissen, dass so etwas möglich ist.</p>
<p>Die weitläufige Sportanlage „Am Reis“ empfängt die Läufer wie in jedem Jahr mit Wiese, Tennisplatz und einem Schwimmbad, in dem wie jedes Jahr ein paar Blütenblätter auf einer brackigen Suppe surfen. Daneben instruiert ein Herr im Elchkostüm die Kinder für ihre Läufe. In Hornau finden heute viele Läufe statt und wie immer ist alles bestens organisiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-583" title="Hornau-Elch" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Elch.jpg" alt="Hornau-Elch" width="478" height="361" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-584" title="Hornau-Kinderstart" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Kinderstart.jpg" alt="Hornau-Kinderstart" width="476" height="357" /></p>
<p>Wir laufen uns ausgiebig ein (das schnarchige Bein soll aufwachen) und begrüßen dabei den hingebungsvollsten Streckenposten Deutschlands, der wieder einmal frühzeitig bereit steht, um das Karma der Umgebung schon mal positiv zu beeinflussen. Wie immer ist er in voller Laufmontour. Soviel Solidarität muss sein.</p>
<p>Vor lauter Einlaufen gehen wir bereits Pre-Schwitzt an den Start. Das 20iger Feld ist klein. Bei einer so profilierten Strecke ist die Versuchung groß, es bei einem 10er zu belassen. Als Feld- Wald- und Wiesenläufer finden wir die geringe Beteiligung aber eher angenehm. New York war gestern – heute ist Hornau.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-586" title="Hornau-Schild" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Schild.jpg" alt="Hornau-Schild" width="478" height="358" /></p>
<p>Wir starten in der Sonne auf Asphalt und umrunden erst einmal das wunderbar miefende Rapsfeld. Alles ist gelb. Ich habe keine Ahnung, wie ich heute drauf bin. Unter 1:50 bleiben, mehr will ich eigentlich nicht. Gestern noch habe ich eine Radtour gemacht, wer weiß, ob das die Beine übel nehmen.</p>
<p>Der erste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Es ist nicht steil, aber es zieht sich. Irgendwann, nach einem langen Anstieg durch den Wald, kommt eine Stelle, die sich jedem Hornau-Läufer ins Gedächtnis brennt wie Grillfunken in die neue Gartentischdecke: es ist eine staubige steile Kurve, die so tut, als wäre sie der Gipfel der Steigung – dabei geht es danach noch eine ganze Weile weiter bergauf. In der Regel steht hier ein Fotograf, um alle Farben und Formen entgleisender Gesichtszüge einzufangen. So auch heute.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #ffefd5; ">Übrigens: Diesen Text gibt es auch als <a href="http://frauschmitt.podspot.de/">Podcast</a>-Episode zum Hören!</div>
<p>An dieser Stelle muss ich meinen Trainingspartner ziehen lassen. Das Bein scheint sich langsam zu räkeln. Andere Begleiter finden sich kaum – durch das auf und ab sind die Rhythmen zu verschieden. Man begegnet sich, und trennt sich wieder. Dazu kommen insgesamt vier Möglichkeiten zu trinken, das wirbelt ohnehin immer alle durcheinander. Wieder einmal ist ein Läufer mit Laufkinderwagen an mir vorbeigefegt und wieder einmal wundere ich mich, dass es möglich ist. Nach einer Flachstrecke komme ich meinem Trainingspartner wieder näher und tatsächlich kann ich ihn einholen. Wir nehmen einen guten Schluck Wasser und rollen ein Stück zusammen bergab. So richtig gut in Form, das spüre ich schon, bin ich heute nicht. Noch macht es aber nichts. Es ist ungeheuer ruhig im Feld, man schnauft in der Sonne vor sich hin, jeder läuft für sich. Jetzt geht langsam der Knoten auf, sagt mein Trainingspartner und ich sage: bei mir geht er langsam zu. Obwohl man ja immer positiv denken soll, kann ich es mir nicht verkneifen. Schließlich kommen wir bald auf die zweite Runde und das ist mental ein schwieriger Punkt: man weiß, man muss das alles noch einmal laufen.</p>
<p>Aber dann treffe ich den engagiertesten Streckenposten Deutschlands und das hilft doch schon mal eine Menge. Wie immer fange ich auch hier auf der Hälfte kräftig an zu rechnen und rechne lauter groben Unfug. Zum Beispiel denke ich, an der 11- Kilometer-Stelle wären erst 10 vorbei. Meine 10er Zeit verpeile ich völlig. Hätte ich mal den Streckenposten gefragt. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, werde ich gleich im Ziel sein. Aber das dauert noch. Dazwischen liegt eine weitere Dosis Raps, einige Becher Wasser und ein weiteres Mal die staubige Kurve mit dem Fotografen, vor dem ich versuche, die Lefzen hochzuziehen. Obwohl es danach noch bergauf geht, gehe ich jetzt durch ein finsteres Tal. Auf einmal bin ich müde. Es ist warm und mir fehlt Luft. Mein Trainingspartner ist längst auf und davon und ich mühe mich redlich.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Später nochmal lesen? Hier die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2008/05/Hornau08.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Der herrlich albern aussehende Hut eines weiteren Streckenposten (der gar nicht beabsichtigt, albern auszu- sehen) heitert mich wieder etwas auf. Und dann passiert etwas, das mich beim Laufen immer wieder fasziniert: Ich erhole mich. Schon ein kleines Stück leichtes Bergablaufen genügt. Auf einmal bin ich wieder da. Es ist immer wieder rätselhaft. Bei Kilometer 16 denke ich noch „öfz“ und einen Kilometer später denke ich „dideldum“. Zwar fegt der Laufkinderwagen inzwischen ein zweites Mal an mir vorbei, und das auf einem schmalen holprigen Pfad, aber ich schaue ihm fröhlich nach, wie er in seiner Staubwolke verschwindet. Tatsächlich: Tiefs kommen und gehen, nicht nur beim Marathon. Ich laufe an einem 12jährigen Jungen vorbei, der die Strecke ungeheuer wacker meistert. Später erfahre ich, dass dies nicht nur sein erster 20er ist, sondern dass er dabei auch seinen Vater um etliche Minuten abhängt. Der Junge ist tapfer und ich bin es auch. Alles blüht und grünt hier schließlich nur für mich. Und die positiven Gedanken schießen aus all meinen Hirnwindungen hervor. Für die letzten zwei Kilometer gibt es im wesentlichen zwei Möglichkeiten: entweder man läuft völlig auf dem Zahnfleisch oder man rennt wie in Trance. Letzteres ist mir deutlich lieber. Die Trance war zwar schon mal besser als heute, aber ich hangle mich hin.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-587" title="Hornau-Blueten-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Blueten-2.jpg" alt="Hornau-Blueten-2" width="467" height="350" /></p>
<p>Ich freue mich jetzt schon auf den Anblick des Streckenpostens, der mich in die Zielschneise einweisen wird, ich freue mich auf den Mann mit den großen Zähnen und dem Hut, der kurz vor dem Ziel die Autos aufhält. Vor lauter Vorfreude überhole ich noch ein paar Abgeschlaffte. Einer von ihnen geht. Wer geht denn auf dem letzten Kilometer? Ich finde, das dürfen nur Verletzte. Und dann bestätigt sich wieder einmal eine alte Weisheit: wenn Männer eins nicht riechen können, dann das, wenn sie von einer Frau überholt werden. Ich bin schon im Zielkanal, etwa fünf Schritte vom Ziel entfernt, da kommt der eben noch Gehende an mir vorbeigeschossen und ruft noch so etwas wie „Platz da!“. Nicht dass es mir wichtig wäre, ob ich vor oder nach ihm ins Ziel komme. Aber auf einem schönen, heldenhaften Zielfoto ist jetzt außer mir ein Karpfen zu sehen, der versucht, sich Platz zu verschaffen. Und das finde ich dann doch ein bisschen bedauerlich. Die Uhr bleibt stehen bei 1:49:13. Das ging hier auch schon mal 5 Minuten schneller, aber sei’s drum.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-588" title="Hornau-Zielfoto2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Zielfoto2.jpg" alt="Hornau-Zielfoto2" width="479" height="319" /></p>
<p>Zum Ausgleich machen wir nun das, was wir hier immer versuchen, aber nur selten schaffen: wir essen erst eine (halbe) Grillwurst und dann ein Stück Kuchen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-589" title="Hornau-Wurst-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Wurst-2.jpg" alt="Hornau-Wurst-2" width="475" height="357" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-590" title="Hornau-Hauptgericht" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Hauptgericht.jpg" alt="Hornau-Hauptgericht" width="261" height="196" /> <img class="alignnone size-full wp-image-591" title="Hornau-Nachtisch" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Nachtisch.jpg" alt="Hornau-Nachtisch" width="264" height="196" /></p>
<p>Dabei sitzen wir in der Sonne und überlegen, welche Sportart wohl in Kelkheim Hornau im nächsten Jahr erfunden wird.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-592" title="Hornau-Ende" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hornau-Ende.jpg" alt="Hornau-Ende" width="478" height="359" /></p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: </em><a href="http://www.tus-hornau.de/"><em>www.tus-hornau.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Kelkheim-Hornau?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Hornau&amp;address=Taunusklubweg%2C%20Kelkheim%20Hornau&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255788654" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Von Sponge Bob, spirituellen Werten und Hugenottenbembeln.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/hugenottenlauf-neu-isenburg-07/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Sep 2007 18:12:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Halbmarathon]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer als Nichtläufer Laufberichte liest, kommt oft ins Staunen. Ein vierwöchiger Aufenthalt in einem tibetischen Kloster scheint nichts zu sein, gegen den spirituellen Wert eines langen Laufes. Warum laufe ich? Wohin laufe ich? Wer bin ich und wenn ja, wie viele? All diese Fragen werden philosophischen Betrachtungen unterworfen. Buchtitel wie „Der lange Lauf zu mir selbst“ sprechen Bände. Wie es scheint, ist der Läufer (...)]]></description>
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<h2>Der Hugenottenlauf in Neu-Isenburg (2007)</h2>
<p>Wer als Nichtläufer Laufberichte liest, kommt oft ins Staunen. Ein vierwöchiger Aufenthalt in einem tibetischen Kloster scheint nichts zu sein, gegen den spirituellen Wert eines langen Laufes. Warum laufe ich? Wohin laufe ich? Wer bin ich und wenn ja, wie viele? All diese Fragen werden philosophischen Betrachtungen unterworfen. Buchtitel wie „Der lange Lauf zu mir selbst“ sprechen Bände. Wie es scheint, ist der Läufer seiner nichtlaufenden Umwelt an Reflexions- fähigkeit, Selbsterkenntnis und spiritueller Reife weit überlegen.</p>
<p>Doch das alles ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist Schweigen – und das ist für gewöhnlich auch besser so. Haben Läufer nämlich eine gewisse Geschwindigkeit überschritten, betreten sie ein Terrain, das jeder anspruchsvollen Hirntätigkeit abträglich ist. In diesem Zustand würde „Sponge Bob“ als intellektuelle Herausforderung empfunden. Ich will versuchen, diesen Zustand zu dokumentieren &#8211; am Beispiel meines Hugenottenlaufs in Neu-Isenburg.</p>
<p>Der Halbmarathon dort startet um 9 Uhr. Wenn man nicht (wie wir vor ein paar Jahren) während des Einlaufens irgendwo im Wald von einem Startschuss überrascht werden möchte, sollte man sich die Uhrzeit gut merken. Das Wetter: perfekt. Die Duschen: defekt. So steht es auf einem Schild in der pudelwarmen Umkleidekabine. Macht nichts. Hauptsache, die Toiletten sind es nicht. Am Stadion sind unzählige davon, aber das weiß kaum jemand und deshalb steht man hier in der Halle Schlange. Das gehört eben zur Tradition.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-701" title="Neu-Isenburg-Stadion-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Neu-Isenburg-Stadion-1.jpg" alt="Neu-Isenburg-Stadion-1" width="480" height="360" /></p>
<p>Schlangen gibt es auch bei den Voranmeldungen, wohl dem der ein Nachmelder ist. Wohl uns. Wir laufen uns ein wenig in der weitläufigen Sportanlage ein und begrüßen einen dösenden Bembel auf der Wiese. Es handelt sich dabei um eine Art Bembeldenkmal mit halbgeschlossenen Augen. Vermutlich ein Hugenottenbembel. Auf jeden Fall großartig.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-702" title="Isenburg-Bembel" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Isenburg-Bembel.jpg" alt="Isenburg-Bembel" width="480" height="360" /></p>
<p>Wir schieben uns zum Start. Obwohl wir früh dran sind, ist das Gedrängel groß. 1500 Läufer wollen auf die Strecke und etwa 1000 davon versuchen ihr Recht durchzusetzen, aus der ersten Reihe zu starten. Neben mir sind mein Trainingspartner und mein Bekannter. Beide motiviert bis in das verkapselte Ende ihrer Schnürsenkel. Ich natürlich auch, schließlich will ich meine zweitbeste Zeit laufen. Wenn zwischen der Bestzeit und der Zweitbestzeit eine Lücke von fast drei Minuten klafft, könnte man die doch einfach zulaufen. Das ist einfacher, als die Bestzeit zu knacken (was bei meinem Trainingszustand nicht realistisch ist), und es könnte immer noch triumphal sein.</p>
<p>Start. Ich drücke die Uhr ab und los. Meine Güte, was ein Gerangel. Zum Glück kommt bald eine breite Straße und das Feld kann sich etwas entzerren. Trotzdem: war da vorne schon immer so viel los? Zum sechsten Mal bin ich heute hier, irgendwie war es sonst ruhiger. (Noch merke ich nicht, dass mir schon jetzt das Gehirn erste Streiche spielt. Es war nie ruhiger – ich war sonst ruhiger). Es geht bergab. In Neu-Isenburg geht es immer bergab und nie bergauf. Trotzdem kommt man auf der gleichen Höhe wieder an. Ich nenne es „das Hugenottenwunder“.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf Papier lesen? Bitteschön: hier die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/09/Neu-Isenburg07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Nach etwa anderthalb Kilometern schaue ich auf die Uhr. Sie zeigt 16 Zehntel- Sekunden. Ich wusste zwar, dass ich schnell bin – aber so schnell? Aus irgendwelchen Gründen hat die Uhr sich nicht ausgelöst. Dafür bin ich jetzt aufgelöst. Wie soll man Zweitbestzeit laufen, wenn man nicht weiß, wo man steht, äh läuft, na ja, Sie wissen schon. Ich drücke natürlich sofort noch einmal auf die Uhr und passiere nach 3 Minuten Kilometer 2. Donnerwetter. Noch immer kann man nicht frei laufen, ich überhole Läufer, die im 6-Minuten-Schnitt vor sich hin schlappen und offensichtlich erst einmal im 3-Minuten-Schnitt gestartet sind. Aber ich will ihnen nicht grollen, es genügt mir völlig, meine Uhr zu beschimpfen. In meinem Kopf klingt es jetzt so:</p>
<p><em><strong>Die Uhr. Des gibt’s doch net. Ich hab doch gedrückt. 3 Minuten. Was fang ich an mit 3 Minuten. Ich lauf doch keine drei Minuten auf 2 Kilometer. So’n Scheiß.</strong></em></p>
<p>Hier kann man sehr schön erkennen, wie schon nach wenigen Kilometern knapp unter dem 5-Kilometer-Schnitt das sprachliche Niveau sinkt. Schon jetzt ist etwa die Höhe von RTL II erreicht. Und es wird nicht besser.</p>
<p><em><strong>Wald. Gut.</strong></em></p>
<p>Dem Frankenstein-Monster aus alten Filmen gleich, das einfache Begriffe lernt („Freund. Gut.“), bewerte ich meine Umwelt.</p>
<p><em><strong>Schotter. Fies. Falsche Schuhe. Blöd. Ich kippel. Mit den anderen Schuhen hätte ich nicht gekippelt. Voll fies. Die laufen nebeneinander. Voll fies. Ich komm rechts nicht vorbei. Blöd. Ich komm links auch nicht vorbei. Blöd. Ich spring jetzt am Rand vorbei. Voll gekippelt. Falsche Schuhe. Blöd.</strong></em></p>
<p>Ab Kilometer sieben (und hier hat sich das Feld endlich beruhigt) denke ich nur noch kurze Worte. Im Vordergrund steht die Selbstbeobachtung – allerdings ohne jede erkennbare transzendentale Motivation.</p>
<p><em><strong>Wasser. Kalt. Schlecht für den Magen. Aua. Mist. Wasser schlecht. Nie wieder Wasser.</strong></em></p>
<p>Wie gern würde ich meine gelaufenen Minuten nach 10 Kilometern wissen. Mich beschäftigen Fragen nach Zeit und Raum.</p>
<p><em><strong>41 Minuten. Plus anderthalb Kilometer. Vielleicht sieben. Oder sieben einhalb. Minuten. Plus 41. Gibt 47. Äh. 48 Kilometer. Nein Minuten. Auf 10 Kilometer. Mal zwei gibt &#8230; 50 mal zwei gibt 100 Minuten. Minus vier gibt. &#8230; Schotter. Ich kippel. Falsche Schuhe. Blöd.</strong></em></p>
<p>Irgendwo unterwegs habe ich meinen Bekannten getroffen und wieder verloren. Auch sonst achte ich auf andere. Soziales Miteinander beflügelt die hehren Gedanken.</p>
<p><em><strong>Der stinkt. Wie komm ich von dem weg? Lauf ich links. Ne, geht net. Lauf ich rechts. Gut. Stinkt immer noch. Stinkt weniger. Stinkt noch weniger. Stinkt nicht mehr. Den da vorn krieg ich jetzt auch noch.</strong></em></p>
<p>Inzwischen bin ich auf den letzten Kilometern angekommen. Das mit der Zweitbestzeit müsste zu machen sein. Ich stürze durch den Wald, genieße das Hugenottenwunder, grolle abwechselnd den Schuhen und der Uhr, aber beides geht nicht sehr tief. Eine Leichtigkeit erfasst mich, ich kann nicht mehr denken und gerade das ist ein Genuss. Wozu denken? Laufen genügt. Laufen ist alles, was mir der Moment abverlangt und das ist eine überschaubare Anforderung. Ich laufe und alles andere ist nicht wichtig. Denke ich das? Ist mir das klar? Hören wir – so kurz vorm Ziel &#8211; doch noch mal rein, was so in mir vorgeht.</p>
<p><em><strong>Uff. Kurve. Gerade. Lautsprecher. Gleich da. Der überholt noch. Sausack. Gleich da. Gleich da. Gleich da. Gleich da. Gleich da. Stadion. Gleich da. Gleich da. Gleich da. 1:44 Brutto. Das reicht. Zweitbestzeit. Da!</strong></em></p>
<p>Das also war – an meinem Beispiel Neu-Isenburg – die meist verschwiegene Gedankenwelt von Läufern, wenn sie ganz persönliche Geschwindigkeitsgrenzen überschreiten. Meiner Erfahrung nach normalisiert sich die Hirntätigkeit erst etliche Minuten nach dem Zieleinlauf wieder. Spätestens beim Denken von längeren Begriffen wie „Weizenbier“ oder „Streuselkuchen“ ist der Läufer wieder ganz der Alte. Bereit für den nächsten „langen Lauf zu sich selbst“.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-703" title="Isenburg-Kuchen1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Isenburg-Kuchen1.jpg" alt="Isenburg-Kuchen1" width="480" height="360" /></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtrag:</span></p>
<p>1) Meine Zweitbestzeit liegt bei 1:43:30. Die Platzierung: 22. Frau von 381. 6. meiner Altersklasse von 60.</p>
<p>2) Mein Laufpartner und mein Bekannter konnten das Hugenottenwunder ebenfalls für sich nutzen und sind mit ihrem Ergebnis zufrieden. Was sie unterwegs gedacht haben, weiß ich nicht.</p>
<p>3) Der Streuselkuchen war aus Gründen der Schlangenvermeidung ausnahmsweise von zuhause mitgebracht. Der Kaffee auch.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: </em><a href="http://www.hugenottenlauf.de/"><em>www.hugenottenlauf.d</em><em>e</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Neu-Isenburg?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Neu-Isenburg&amp;address=Sportpark%20Alicestra%DFe%20Neu-Isenburg&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255796239" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Von Erdnussbuttersauce, Schleifenblumen und Olf.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-muehlheim-07/</link>
		<comments>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/volkslauf-muehlheim-07/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Sep 2007 17:30:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[G - N]]></category>
		<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mühlheim-Dietesheim]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor Mühlheim-Dietesheim sollte ich nichts Schweres essen. Während ich über diesen Satz nachdenke, fällt mir auf, dass Läufer Ortsnamen nicht geografisch, sondern zeitlich benutzen. Es ist damit keineswegs der Ort, sondern eine Laufveranstaltung an diesem Ort, bzw. der Tag dieser Veranstaltung gemeint. Wer also beschließt: „Vor Biel muss ich mir unbedingt noch die Zehennägel schneiden.“ beabsichtigt damit keineswegs, unmittelbar vor dem Ortsschild mit einem Nagelknipser in die Hocke zu gehen. Es ist völlig (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Mühlheim-Dietesheim (2007)</h2>
<p>Vor Mühlheim-Dietesheim sollte ich nichts Schweres essen. Während ich über diesen Satz nachdenke, fällt mir auf, dass Läufer Ortsnamen nicht geografisch, sondern zeitlich benutzen. Es ist damit keineswegs der Ort, sondern eine Laufveranstaltung an diesem Ort, bzw. der Tag dieser Veranstaltung gemeint. Wer also beschließt: „Vor Biel muss ich mir unbedingt noch die Zehennägel schneiden.“ beabsichtigt damit keineswegs, unmittelbar vor dem Ortsschild mit einem Nagelknipser in die Hocke zu gehen. Es ist völlig unerheblich, ob die Prozedur innerhalb oder außerhalb Biels stattfindet, Hauptsache, sie passiert „vor Biel“. Läufersprache. Vielleicht sollte man den Text von „Wir lagen vor Madagaskar“ unter diesem Aspekt noch einmal beleuchten. Möglicherweise ist damit ja der Madagaskar-Marathon gemeint.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Übrigens: Diesen Text gibt es auch als </em><a href="http://frauschmitt.podspot.de/"><em>Podcast-Episode</em></a><em> zum Hören!</em></div>
<p>Vor Mühlheim-Dietesheim jedenfalls sollte ich nichts Schweres essen. Ein grummelndes Gekröse würde mich nur an einen meiner schlimmsten Läufe erinnern. Vor Jahren lief ich hier (unwissentlich) mit einem Magen-Darm Virus und quälte mich beim Lauf entsetzlich. Deshalb bin ich dieses Mal extrem vorsichtig: am Vorabend kaufe ich mir auf einem Stadtteilfest an einem Stand, der „Mama Afrika“ heißt, mein Abendessen – Couscous mit Erdnussbuttersauce, in der große Kohlstücke schwimmen. Leichtverdauliches eben. Was wäre das Leben ohne Widersprüche.</p>
<p>Die Anfahrt zum Sportplatz überspringe ich, wer die Industriegebiete hinter Offenbach kennt, weiß warum. Der Lauf ist in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: 1. Es ist ein Jubiläumslauf (35 Jahre Volkslauf Mühlheim) und 2. Es ist ein Benefizlauf für die Familie eines Vereinssportlers, der bei einem Triathlon einen Herzinfarkt erlitt und seither im Wachkoma liegt. Darum kann man ausnahmsweise mehrere Startnummern kaufen. Eine gute Idee.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-682 aligncenter" title="Muehlheim-Schild" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Schild.jpg" alt="Muehlheim-Schild" width="404" height="303" /></p>
<p>Mein Trainingspartner und ich laufen uns großräumig ein und begutachten dabei die Vereinsheime des Anglervereins, der Kaninchenzüchter, des Teckel-Clubs und der Gebrauchshundefreunde. Es ist schwer was los in Dietesheim. Neben alledem ruht still ein See. Ein Jammer, dass wir nicht zum Picknicken hier sind. Obwohl &#8211; dafür wäre es ohnehin zu kühl. Zum Laufen hingegen ist das Wetter perfekt. Ich fühle mich gut. Gegen die Auswirkungen des Kohls von „Mama Afrika“ habe ich heute Nacht Kräutertropfen eingenommen, in der die „bittere Schleifenblume“ (Iberis amara) enthalten ist. Das klingt so ungeheuer heilkräftig, dass ich jeden kulinarischen Fehlgriff sofort vergesse.</p>
<p>Die Strecke ist hübsch, abwechslungsreich und schnell. Und das, obwohl es gelegentlich ein bisschen bergauf geht. Der Vorteil beginnt schon beim Start: 2 ½ Runden legt man im Stadion zurück. Dabei laufen viele zu schnell – und so hat man die ehrgeizigen Jungs erst einmal aus den Füßen. Das Feld zieht sich sofort auseinander und jeder findet darin sein Plätzchen, ohne über Grasnarben zu stolpern und in die Brennessel zu springen. Wenn alle dann auf die „richtige“ Strecke gehen, ist die größte Unruhe vorüber. Wir atmen den dampfenden Dung auf dem Feld und freuen uns unseres Läuferlebens. Schon bald habe ich einen Begleiter, der das macht, was viele (junge) Männer machen: er wehrt sich gegen das Überholtwerden von einem Mädchen. Andere ziehen an ihm vorbei – ich darf nicht. Lieber legt er einen kleinen Zwischenspurt ein. Ein Hin- und Her hat gar keinen Sinn und so beschließe ich, meinen Widersacher zu mögen. Irgendwie zieht er mich ja auch.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber später lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/09/Muehlheim07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Die ersten Kilometer waren pfeilschnell und ich fühle mich prima. Außerdem ist mir heute nach Schicksalsgemeinschaft. Bei Kilometer 9 bin ich allerdings das Zugpferd: hier beginnt eine lange breite Bergabpassage auf Asphalt. Ein echtes Läufergeschenk und schöne Geschenke nehme ich immer überschwänglich an. Es läuft. Auch für den Schwertritt-Indianer, der jetzt an uns vorbeizieht. Neulich habe ich gelesen, dass es eine Maßeinheit für Geruch gibt. Er wird in „Olf“ gemessen. Ein Olf ist die Geruchsstärke, die von einem Normmenschen mit 0,7 Bädern am Tag, 1,8 qm Hautoberfläche und sitzender Tätigkeit ausgeht. Für einen Läufer nach dem Lauf kann man durchaus schon einmal 30 Olf veranschlagen. Der Herr vom Schwertritt-Stamm rumpelt nun allerdings mit gefühlten 86 Olf neben uns her. Ich atme nach der anderen Seite, und hoffe, dass es und er bald vorbei sind. Bisher dachte ich, nur der Stöhnläufer, der seine Transpiration mit einem kleinen Gästehandtuch auffängt, das er vorne in der Hose trägt, wäre zu einer solchen Olf-Stärke fähig. Sieh an, er hat einen Bruder.</p>
<p>Mein Begleiter und ich sausen unverdrossen weiter. Die 10km haben wir in einer 50er Zeit hinter uns gebracht und alles sieht gut aus. Der Belag wechselt, man lernt alle Farben und Formen des Waldbodens kennen. Später erfahre ich, dass irgendwo im Wald ein Hornissen-Nest hing und einige Läufer von den Summern angegriffen wurden. Ich sehe und merke davon nichts, zu groß ist meine Konzentration darauf, die Geschwin- digkeit zu halten. Plötzlich flüstert es hinter mir. Ich verstehe nur ein Wort: „Laufen“. Jemand flüstert unablässig irgendetwas vor sich hin, was mit „Laufen“ zu tun hat. Das Flüstern kommt näher und läuft schließlich an uns vorbei. Eine junge Frau, total verkabelt und verstöpselt wispert sich nach vorne. Mein Begleiter und ich schauen uns an. „Anscheinend hilft’s“ sage ich und wir sehen der Dame ratlos hinterher, die nun leise anfängt, seltsame Melodien zu singen. Die Methode mag schnell machen, aber es wirkt, als hätte ihr das Laufen den armen Verstand zerrüttet.</p>
<p>So sehr es ihr half, so sehr hat es meinen Begleiter demoralisiert. Drei Kilometer vor dem Ziel sagt er „Ich verabschiede mich hier“ und fällt zurück. Gern wäre ich mit ihm ins Ziel gekommen (wenn er sich schon nicht überholen lässt &#8230;), aber ich weiß auch, wie es ist, wenn nichts mehr geht. Da kann man nichts machen. Kurz vor dem Stadion steht ein Bekannter und läutet symbolisch die letzte Runde ein. So macht der Zieleinlauf natürlich noch mehr Spaß. Meine Uhr stoppe ich bei 1:45:57. Es ging verblüffend leicht. Aber es war nicht nur mein Tag: mein Trainingspartner schlürft schon länger an seinem Red-Bull Becher als ich ins Ziel komme und die Kollegin, die letzte Woche noch eine Halbmarathon-Debütantin war, ist diese Woche schon eine „Unter-1:50-Läuferin“ geworden. Ob’s an Dietesheim liegt?</p>
<p>Zum Belohnungskuchen gibt es zwar zunächst keinen Belohnungskaffee („Der läuft noch dorsch!“), dafür aber ein Kleinkunstprogramm in Form einer Siegerehrung.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-683" title="Muehlheim-Gerry-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Gerry-2.jpg" alt="Muehlheim-Gerry-2" width="259" height="195" /> <img class="alignnone size-full wp-image-684" title="Muehlheim-Moderator" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Moderator.jpg" alt="Muehlheim-Moderator" width="261" height="196" /></p>
<p>Als neben einem großartigen Moderator auch noch der Bürgermeister ins Spiel kommt, fühlt man sich an den Blauen Bock erinnert – einzig die Bembelübergabe fehlt. Es „hesselt“ hinter dem Mikro. Wir fühlen uns gut unterhalten und sitzen heldenhaft auf den Bänken.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-685" title="Muehlheim-Kuchen-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Kuchen-1.jpg" alt="Muehlheim-Kuchen-1" width="260" height="195" /> <img class="alignnone size-full wp-image-686" title="Muehlheim-Wuerstchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Wuerstchen.jpg" alt="Muehlheim-Wuerstchen" width="261" height="195" /></p>
<p>Vielleicht sollte ich „vor Neu-Isenburg“ wieder die Tropfen mit der &#8220;Bitteren Schleifenblume&#8221; nehmen. Jetzt freuen sich meine 1,8 qm Hautoberfläche aber erst mal auf mein 0,7 Bad am Tag.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-687 aligncenter" title="Muehlheim-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muehlheim-Kuchen.jpg" alt="Muehlheim-Kuchen" width="382" height="286" /></p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s hier: <a href="http://www.turngemeinde-dietesheim.de/">www.turngemeinde-dietesheim.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Mühlheim-Dietesheim?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=M%FChlheim%20Dietesheim&amp;address=L%E4mmerspieler%20Weg%2016%2C%20M%FChlheim%20Dietesheim&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255796456" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
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		<title>Vom Leben und Laufen am Ende des Feldes.</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Aug 2007 15:53:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nidderau-Eichen zu finden ist ganz einfach: man fährt Richtung Nidderau, wird an einer Abzweigung umgeleitet, verliert den Weg, fährt durch niegekannte Ortschaften, fragt an einer Tankstelle, von wo aus einen jemand zu einer weiteren Tankstelle leitet, an der man seine Orientierung wiederfindet. Ab da ist sowieso alles ganz problemlos.



Ich trete heute an zu einem leicht hügeligen Halbmarathon im Wald. Die Strecke ist mir gut bekannt und es könnte (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2007)</h2>
<p>Nidderau-Eichen zu finden ist ganz einfach: man fährt Richtung Nidderau, wird an einer Abzweigung umgeleitet, verliert den Weg, fährt durch niegekannte Ortschaften, fragt an einer Tankstelle, von wo aus einen jemand zu einer weiteren Tankstelle leitet, an der man seine Orientierung wiederfindet. Ab da ist sowieso alles ganz problemlos.</p>
<p><img class="size-full wp-image-752 alignright" title="wappen_klein" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/wappen_klein.jpg" alt="wappen_klein" width="120" height="116" /></p>
<p>Ich trete heute an zu einem leicht hügeligen Halbmarathon im Wald. Die Strecke ist mir gut bekannt und es könnte fast ein wenig langweilig werden, wenn ich heute nicht eine besondere Aufgabe hätte: ich bin Hase. Oder nobler ausgedrückt: Brems- und Zugläuferin. Der mich zum Bremsen und Ziehen engagiert hat, ist ein erfahrener Läufer, der sich allerdings erst wieder an lange Strecken herantrainiert. Deshalb wollen wir einen ruhigen Lauf um die 2:15h versuchen.</p>
<p>Vor Ort schallt die berühmte Nidderauer Muntermachmusik aus den Lautsprechern und wir träumen ein wenig von einer CD-Zusammenstellung, die „Best of German Volkslauf“ heißt. Cyndie Lauper wäre dabei, Right Said Fred und Status Quo und Songs wie „Final Countdown“, „Sunshine Reggae“, oder „Wake me up before you gogo“. Und ohne „Holding out for a hero“ von Bonnie Tyler trete praktisch schon gar nicht mehr an.</p>
<p> </p>
<p>Vermutlich gibt es diese Platte längst und sie wurde kostenlos unter Sportvereinen und Feuerwehren verteilt. Deshalb hört man das alles so oft – ob man will oder nicht.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-753" title="Nidderau1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau1.jpg" alt="Nidderau1" width="480" height="360" /></p>
<p>In diesem Jahr gibt es in dem kleinen Gebäude, in dem man sich umzieht, einen „VIP-Bereich“. Wir warten also gespannt auf Paul Tergat oder wenigstens auf jemanden, der mal wieder etwas Geld und gute Worte braucht, wie z.B. <a href="https://www.xing.com/profile/Tegla_Loroupe">Tegla Loroupe</a>. Aber man erzählt uns, dass der VIP-Bereich für die „Sponsoren“ gedacht ist, womit vermutlich Repräsentanten des örtlichen Autohauses oder Brillengeschäfts gemeint sind. Schade eigentlich. Die Damenumkleide ist allerdings dann auch ein bisschen exklusiv, denn es ist sehr wenig los. Genau genommen, bin ich zunächst die einzige, die sich dort ausbreitet.</p>
<p><img class="size-full wp-image-754 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Nidderau-Moderator-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Moderator-2.jpg" alt="Nidderau-Moderator-2" width="278" height="371" /></p>
<p>Nachdem uns der freundliche Herr am Mikro seine Begrüßung vorgelesen hat („Für’s leibliche Wohl – sprich Speisen und Getränke &#8211; ist gesorgt“), wollen wir uns warmlaufen. Das gestaltet sich wenig erbaulich, denn die übliche Einlaufstrecke ins Feld ist versumpft. Der Regen der letzten Tage hat Spuren hinterlassen und es riecht seltsam. Mitten auf dem Weg liegt eine mausetote Ratte und in der riesigen Pfütze tummeln sich schwimmend dunkelbraune, regenwurmartige Tiere, die mir zutiefst unsympathisch sind, vermutlich, weil ich nicht weiß, wie sie heißen. Wir schütteln uns ein bisschen und drehen um. Ein Omen? Wer weiß. </p>
<p>Das Feld ist klein. Wir wollen uns hinten anstellen, aber es gibt kaum ein Hinten. Etwa 150 Läufer gehen beim Halbmarathon an den Start. Zunächst zischelt man noch ein wenig durch den Ort und dann geht’s ab in den Wald. Weil ich Hase bin, muss ich dauernd an „Hase und Igel“ denken, vermutlich eine frühkindliche Prägung. Zunächst läuft alles nach Plan. Beim ersten Kilometerschild stelle ich fest, dass wir unser Tempo perfekt getroffen haben und ich bin erfreut. Man hat ja Verantwortung als Hase. Der Igel nimmt‘s gelassen und plaudert ein bisschen. Allmählich gibt es im Feld ein deutliches hinten und vorne, was aber dadurch aufgemischt wird, dass jetzt die 10km-Läufer kommen. Die Armen müssen sich durch das ganze Halbmarathonfeld wurschteln, weil sie mit nur 5 Minuten Verzögerung auf der gleichen Strecke gestartet sind. Für uns hat das den Vorteil eines hübschen Unterhaltungsprogramms. Schnaufende junge Männer mit langen Beinen hechten an uns vorbei.</p>
<p>Nach wenigen Kilometern muss ich mal. Normalerweise muss ich beim Laufen nie mal, aber dieses ungewohnte Tempo bringt alles ein bisschen durcheinander. Vielleicht schwitze ich sonst alles raus. Ich springe hinter einen Holzstapel und danach geht es mir besser. Es ist ruhig geworden auf der Strecke. Wir kommen an einer Vogelhäuschenkolonie mit Hausnummern (oder heißt es Häuschennummern?) vorbei und malen uns die nachbarschaftlichen Gespräche der Bewohner aus. Da unsere gedachten Vögel hessisch sprechen, haben wir viel Spaß.</p>
<p>Besorgt schaue ich auf die Uhr. Die 2:15 sind praktisch schon kaum noch zu machen. Bei Kilometer 10 liegen wir bei 65 Minuten. Das ist zu langsam, aber der Igel mag nicht hetzen. Eine Verletzung an der Igelschulter bringt sich schmerzhaft in Erinnerung und lässt uns weiter zurückfallen. Es wird ruhiger um uns herum und immer öfter geraten die anderen Läufer außer Sichtweite. An jedem Getränkestand hält man uns mindestens fünf Becher entgegen – man wartet mit großem Einsatz auf uns. Ein paar Kilometer später fragt man uns undiplomatisch, ob wir die letzten sind, aber wir wissen es nicht, obwohl uns gelegentlich ein Verdacht in diese Richtung beschleicht.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Später nochmal lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/08/Nidderau07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Schließlich gibt der Igel den Hasen frei, das Zeitziel ist aufgegeben. Ich hadere mit mir. Soll ich jetzt Gas geben und mich auf den letzten Kilometern noch einmal austoben? Das Einsammeln von Läufern, die vorher an uns vorbeigezogen sind, könnte ziemlich Spaß machen. Eine gute Zeit wird es aber für mich nicht mehr geben. Oder soll ich dem Igel Gesellschaft leisten? Wenn wir tatsächlich die Letzten sind, wäre es vermutlich doof, allein am Ende des Feldes zurückzubleiben. Nerve ich oder kann ich für Unterhaltung und Erbauung sorgen? Als Hase, der keiner mehr ist, weiß ich noch nicht, was ich stattdessen bin.</p>
<p>Dann taucht ein Feuerwehrwagen hinter uns auf und beseitigt letzte Zweifel: wir sind der würdige Abschluss dieses Laufs. Beim „Two Oceans Ultramarathon“ in Südafrika bekämen wir dafür die „John Masureik Floating Trophy“. Wenn mein Trainingspartner, der inzwischen längst im Ziel ist, an uns denkt und uns mitversorgt, könnte es noch für den „Nidderau-Eichen Floating Streuselkuchen“ reichen. Schlecht ist das nicht. Während hinter uns die Kilometer-Schilder abgebaut werden, beschließe ich, einfach bei diesem Tempo zu bleiben. Wann bekommt man schon einmal die Chance, Letzte zu werden? Wann warten schon alle auf einen und spenden extra Applaus und Zuspruch? Wir lehnen eine Mitfahrgelegenheit im Feuerwehrauto dankend ab (hatten wir etwa den Daumen draußen?), genießen das letzte Stück Waldweg und schlumpfen locker ins Ziel.</p>
<p>Die Uhr zeigt 2:28. Mit dieser Zeit hätten wir beim Frankfurter Halbmarathon etwa 60 Läuferinnen und Läufer hinter uns gelassen. Es ist eben alles relativ. Und weil Zahlen Schall und Rauch sind, schaffe ich an diesem Tag gleich noch ein Kunststück: ich werde Letzte und gleichzeitig Dritte meiner Altersklasse. Die Siegerehrung verhallt im goldgelben Hefeteig eines Streuselkuchens.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-755" title="Nidderau-Kuchen-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Kuchen-2.jpg" alt="Nidderau-Kuchen-2" width="480" height="359" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Nidderau-Eichen&amp;address=Nidderau-Eichen&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255631651" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
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		</item>
		<item>
		<title>Von Ameisenlöwen, Fingerhüten und Badezusätzen.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/halbmarathon-kahl-07/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Jul 2007 20:13:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kahl]]></category>
		<category><![CDATA[Kahl07]]></category>
		<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Halbmarathon]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Kahler Sandhase ist ein Ameisenlöwe. Um regionale Besonderheiten dieser Art zu verstehen, muss man vermutlich in den Kahler Sandgruben aufgewachsen sein. Der Sandhase ist irgendein Tier, das sich früher immer dort herumgetrieben hat. Angeblich, wie gesagt – ein Ameisenlöwe. Da aber niemand weiß, was ein Ameisenlöwe ist, oder wie er aussieht, tat man so, als wäre der Sandhase ein Hase (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Kahl (2007)</h2>
<p>Der Kahler Sandhase ist ein Ameisenlöwe. Um regionale Besonderheiten dieser Art zu verstehen, muss man vermutlich in den Kahler Sandgruben aufgewachsen sein. Der Sandhase ist irgendein Tier, das sich früher immer dort herumgetrieben hat. Angeblich, wie gesagt – ein Ameisenlöwe. </p>
<p><img class="size-full wp-image-551 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Kahl-Wappen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Wappen1.jpg" alt="Kahl-Wappen" width="171" height="184" /></p>
<p>Da aber niemand weiß, was ein Ameisenlöwe ist, oder wie er aussieht, tat man so, als wäre der Sandhase ein Hase und steckte ihn ins Kahler Wappen. Was das alles mit dem Kahler Halbmarathon zu tun hat? Ich weiß es noch nicht genau, aber ich bin sicher, es wird sich ein Zusammenhang finden.</p>
<p>Ich habe eine mäßige Nacht hinter mir, in der ich träumte, ich müsste nach Johannesburg fliegen, weil ich die Haltestelle „Frankfurter Flughafen“ verschlafen habe. Wer so etwas träumt, ist nicht in Bestform. Dabei ist sonst in Kahl alles prima: das Wetter, die verschwenderische Toilettensituation und das freundliche mintfarbene Vereinshaus, in dem ich mich umziehen darf.</p>
<p style="text-align: center; "><img class="size-full wp-image-552 aligncenter" title="Kahl-Volkslauf-Vereinshaus" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Volkslauf-Vereinshaus.jpg" alt="Kahl-Volkslauf-Vereinshaus" width="426" height="319" /></p>
<p>Nachdem im vergangenen Jahr die Zeitmessung eher kreativ vor sich ging, ist man dieses Jahr seriös geworden: wir bekommen brettsteife Startnummern, auf deren Rückseite ein ominöses Kabel klebt, das der Veranstalter „Chip“ nennt. Wir dehnen fleißig und trippeln uns ein wenig warm, damit wir uns an dem Anstieg nach den ersten 20 Metern keine Zerrung holen. Das wäre schlecht für die verbleibenden 21 km.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/07/Kahl07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Als es losgeht, gibt das Feld Gas, als gäbe es eine Berg- wertung. Weil ich Sonntags morgens um 9 Uhr so schlecht denken kann, wenn ich gerade aus Johannesburg zurück- gekommen bin, renne ich genauso los wie die anderen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-553" title="Kahl-Tannenzapfen-6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Tannenzapfen-6.jpg" alt="Kahl-Tannenzapfen-6" width="39" height="39" /></p>
<p>Schon während des ersten Kilometers zieht sich die Truppe auseinander, was ich zunächst genieße. Hier kann man frei laufen, ohne dass einem jemand in die Parade fährt. Die Strecke führt durch den Wald und der Boden ist voller Tannenzäpfle. Womit freilich nicht die Biermarke gemeint ist, sondern diese kleinen braunen Freunde der Bänderdehnung. Man muss immer ein wenig aufpassen, dass man nicht auf so ein keckes Ding drauftritt, wofür es sich dann mit unkontrolliertem Wegrollen revanchiert. <img class="alignright size-full wp-image-555" title="Kahl-Tannenzapfen-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Tannenzapfen-1.jpg" alt="Kahl-Tannenzapfen-1" width="38" height="44" />Vorteil der Waldvegetation ist dafür ein wunderbarer Duft. Als Kind kam ich in den Genuss dieses Duftes, wenn meine Mutter ein Latschenkieferbad nahm – aber das hier ist ungleich besser. Ich inhaliere ein bisschen vor mich hin, während meine Beine immer schwerer werden. Bei Kilometer sieben <img class="alignleft size-full wp-image-558" title="Kahl-Tannenzapfen-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Tannenzapfen-11.jpg" alt="Kahl-Tannenzapfen-1" width="38" height="44" />beginnt ein sehr sandiger Streckenabschnitt. Sand ist ein Energiefresser. Allerdings hat er sich seinen ganzen Hunger scheinbar für mich aufgehoben, denn der Abstand zu den vor mir Laufenden wird dramatisch größer. Ameisenlöwe müsste man sein. Dann wäre man ein Sandhase und auf diesem Untergrund bestimmt besonders schnell. Ich bin jetzt allein auf weiter (sandiger) Flur. <img class="alignright size-full wp-image-557" title="Kahl-Tannenzapfen-8" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Tannenzapfen-8.jpg" alt="Kahl-Tannenzapfen-8" width="37" height="39" />Bei Kilometer acht ist mir mau. Ich habe gerade etwas mehr als ein Drittel geschafft und fühle mich unglaublich müde. Gut, die ersten Kilometer waren ein wenig zu munter, aber jetzt bin ich wahrlich nicht mehr schnell unterwegs. Kein gutes Zeichen. Zum Glück lockt weitere Motivation: Überall blüht der Fingerhut und ich finde es sehr hübsch, dass ein Mittel zur Herzstärkung am Rand einer Laufstrecke wächst.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-561" title="Kahl-Volkslauf-Fingerhut" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Volkslauf-Fingerhut.jpg" alt="Kahl-Volkslauf-Fingerhut" width="502" height="332" /></p>
<p>Außerdem ist von Zeit zu Zeit frisches Holz geschlagen worden und dieser Geruch übertrifft sogar noch die Badezusatznote. Der Wald gibt alles. Wenigstens einer.  An Endspurt ist nicht zu denken, ich laufe einfach nur so nach Hause. Bei 1:53:55 bin ich im Ziel, wo ein Mensch mit einer magischen Kelle die Drähte hinter meiner Startnummer entschärft. Für mich ist das eine Zeit, die man besser in den Kahler Sandgruben versenken sollte. Aber Kahl wäre nicht Kahl, wenn es nicht ein ordentliches Kuchenbuffet gäbe, bei Bedarf auch gern eine Grillwurst oder frisch gezapftes Bier, das man sich auf sonnigen Bierbänken genehmigen kann.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-564" title="Kahl-Volkslauf-Bier" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Volkslauf-Bier.jpg" alt="Kahl-Volkslauf-Bier" width="529" height="397" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-565" title="Kahl-Volkslauf-Baenke" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Volkslauf-Baenke.jpg" alt="Kahl-Volkslauf-Baenke" width="529" height="396" /></p>
<p>Das lässt die überzähligen Minuten schnell vergessen. Man kann ja auch nicht jeden Tag ein Sandhase sein.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-566" title="Kahl-Volkslauf-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Volkslauf-Kuchen.jpg" alt="Kahl-Volkslauf-Kuchen" width="530" height="395" /></p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: </em><a href="http://www.djk-kahl.de/"><em>www.djk-kahl.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Kahl?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Kahl&amp;address=Paul%20Gerhardt%20Schule%20Kahl&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255788449" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
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