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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Kahl08</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von sch&#246;nen R&#252;cken, gl&#228;nzenden Augen und nackten Hintern.</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 19:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute habe ich einen freien Sonntag Nachmittag. Einen Laufbericht muss ich nicht schreiben. Kann ich ja auch gar nicht. &#220;ber Kahl, wo ich heute antreten will, habe ich n&#228;mlich schon alles gesagt. Ich habe in den letzten Jahren &#252;ber Bodenbeschaffenheiten schwadroniert, den Kahler Sandhasen erkl&#228;rt, die Strecke beschrieben, das Vereinshaus,  (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Kahl (2008)</h2>
<p>Heute habe ich einen freien Sonntag Nachmittag. Einen Laufbericht muss ich nicht schreiben. Kann ich ja auch gar nicht. &#220;ber Kahl, wo ich heute antreten will, habe ich n&#228;mlich schon alles gesagt. Ich habe in den letzten Jahren &#252;ber Bodenbeschaffenheiten schwadroniert, den Kahler Sandhasen erkl&#228;rt, die Strecke beschrieben, das Vereinshaus, den Kuchen – einfach alles. &#220;ber Kahl habe ich so viel und so hingebungsvoll geschrieben, dass ich lange auf ein lukratives Angebot des Kahler Fremdenverkehrsamts gewartet habe. Bis ich festgestellt habe, dass es gar keines gibt. Kurz: nach dem Lauf in Kahl gibt es voraussichtlich nichts zu schreiben und nichts zu wollen. Denke ich am Morgen und denke wie so oft v&#246;llig falsch.</p>
<p>Wir fahren den &#252;blichen Weg auf der A 661 Richtung Hanau, die etwa so anmutet, als w&#228;re heute einer der autofreien Sonntage der 70er Jahre. Andere Menschen schlafen jetzt noch und ich bin ein bisschen neidisch. Mein Trainingspartner ist auch neidisch und zwar auf mich. Ich habe n&#228;mlich weder Kopfschmerzen noch &#220;belkeit. Zwei Symptome, da sind wir uns einig, die man nur mit einem h&#252;bschen kleinen Halbmarathon bek&#228;mpfen kann. Rituale sind eben gesundheitsf&#246;rdernd. Deshalb f&#228;llt auch bei der Anmeldung sofort der Kugelschreiber aus. Ich muss gelegentlich der Sache nachgehen, welcher Hersteller kaputte Kugelschreiber anbietet. Irgendwoher m&#252;ssen die Laufvereine diese Dinger doch bekommen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-532" title="Kahl-Willkommen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Willkommen.jpg" alt="Kahl-Willkommen" width="483" height="362" /></p>
<p>Ich trotte &#252;ber eine nasse Wiese zum Vereinshaus, um mich dort umzuziehen. Die Startnummer mit Chip (der aus einem dahintergepappten Draht besteht) ist so starr, dass ein beleibter L&#228;ufer fordert, es m&#252;sste sie „in gew&#246;lbt“ geben. Die Wetterlage ruft nach einem d&#252;nnen Shirt mit dar&#252;berliegendem Singlet. Es ist feucht und warm. Wir laufen uns ein wenig ein und versuchen, dabei keine nassen F&#252;&#223;e zu bekommen. Die breite Startaufstellung erfolgt mitten auf der Wiese. Nach wenigen Metern wird man durch ein Nadel&#246;hr in Form einer steilen Rampe gef&#252;hrt. Danach ist man wach. &#220;ber 200 Teilnehmer gehen heute auf die gro&#223;e Strecke, aber das verteilt sich rasch. Zun&#228;chst muss man kurz durch den Ort, vorbei an dem Sieger des Wettbewerbs „gruseligster Vorgarten Deutschlands“.  Vor einem Flachdachbau hat jemand Zypressen und Buchsb&#228;ume in grotesker Anordnung gepflanzt. Statt Rasen liegt Granulat dazwischen. Wei&#223;e Gartenlaternen, Gipsl&#246;wen auf Sockeln und Pinienzapfen auf dem Dach runden den Wahnsinn ab. Die Nachbarn von Familie Buchs bearbeiten ihren Rasen offensichtlich mit dem Nagelknipser. Auch das ist Kahl.</p>
<p>Aber dann geht es schnell in den Wald und der sieht so aus, wie ein Wald aussehen soll. Zwar vermute ich, in Kahl besitzt man schnell wachsende Zaubereicheln, wie sie in „Asterix und die Trabantenstadt“ vorkommen, denn in jedem Jahr sind hier gro&#223;e Mengen frisches Holz geschlagen. Aber das ist mir nur Recht, denn es duftet herrlich.</p>
<p>Die Strecke ist schwer zu belaufen. Nicht dass es allzu herausfordernde Steigungen g&#228;be. Aber der sandige Untergrund in Verbindung mit Schotter und Tannenzapfen erfordert stabile Sehnen und B&#228;nder und kostet Kraft. Im letzten Jahr habe ich hier schwer gek&#228;mpft. Aber ich bin guten Mutes. Ich habe nichts Besonderes vor, denn mein Training ist im Augenblick sehr minimalistisch.</p>
<p>Bald m&#252;ssen wir &#252;ber eine gro&#223;e Stra&#223;e, die von der Feuerwehr gesichert wird. Eine junge blasse Frau steht in Uniform an der Strecke und raucht uns an. Was sie wohl beim Anblick der sehnigen L&#228;uferk&#246;rper denkt? Warum gilt Brandbek&#228;mpfung eigentlich nicht f&#252;r Tabak? Nach wenigen Kilometern bin ich schwei&#223;gebadet. Die feuchtwarme Luft macht alles nass und klebrig.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffa500; border-left-color: #ffa500; border-right-color: #ffa500; border-bottom-color: #ffa500; background-color: #fff5ee; ">&#220;brigens: Diesen Text gibt es auch als <a href="http://frauschmitt.podspot.de/" target="_blank">Podcast-Episode</a> zum H&#246;ren!</div>
<p>Vor mir l&#228;uft jemand in einem K&#246;strizer-T-Shirt und es f&#228;llt mir gar nicht so leicht, mich von dem Gedanken an ein k&#252;hles Bier zu l&#246;sen. Ich mag K&#246;strizer und deshalb ist mir der L&#228;ufer auch sofort sympathisch. An den werde ich mich halten, beschlie&#223;e ich und w&#228;hrend ich noch innerlich zufrieden nicke, wird K&#246;strizer langsamer. Das ist doch nicht fair, so was. Widerwillig laufe ich an ihm vorbei. Was au&#223;erdem l&#228;uft, ist mein Schwei&#223; und zwar in die Augen. Es brennt sehr und erinnert mich an eine Geschichte, die geschah, als ich etwa 12 Jahre alt war.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; "><em>Lieber offline weiterlesen? Bittesch&#246;n: die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2008/06/Kahl08.pdf" target="_blank">Druckversion als PDF</a></em><em> ohne Bilder.</em></div></div>
<p>Damals bekam ich einen Sch&#246;nheitsratgeber aus den 50er Jahren in die H&#228;nde. In dem stand geschrieben, um besonders gl&#228;nzende Augen zu bekommen, m&#252;sste man sich einige Spritzer Zitronensaft in die Augen tr&#228;ufeln. „Keine Sorge“, stand dabei „es brennt nicht mehr als Wasser“. Nat&#252;rlich musste ich das gleich ausprobieren. Ich wei&#223; nicht, ob Frauenhornh&#228;ute in den 50er Jahren robuster waren. Jedenfalls brannte es wie H&#246;lle. Zweifelsohne konnte man anschlie&#223;end allerdings meinen tr&#228;nenger&#246;teten Augen einen gewissen Glanz nicht absprechen. Trotzdem habe ich die Tipps aus den Kapiteln „Das Ei und seine Verwendungsm&#246;glichkeiten“, „Schminktechnik der Slawin“,  „Gr&#252;bchenpresser“, „Die Petersilie als Kosmetikum“ und „Quecksilberpr&#228;parate“ nicht weiter verfolgt. (Wer sich dennoch daf&#252;r interessiert -  das Buch hei&#223;t „Pfleg dich sch&#246;n“ von G. v. Hilgendorff. Es steht allerdings zu bef&#252;rchten, dass es, wie viele gro&#223;artige Dinge, aus dem regul&#228;ren Handel verschwunden ist.) Aber zur&#252;ck zum Thema.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-534" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Pfleg-Dich-sch&#246;n" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Pfleg-Dich-sch&#246;n.jpg" alt="Pfleg-Dich-sch&#246;n" width="257" height="438" /></p>
<p>Nachdem man sich in Kahl ca. 10 km lang durch unebene lehmig weiche und schotterige Wege gekippelt hat, immer wieder sanft bergauf, wird man belohnt. Es folgt ein Asphaltst&#252;ck bergab und auch danach wird der Weg besser. Und das Beste ist: jedes Jahr vergesse ich die Belohnung und bin hocherfreut und &#252;berrascht, wenn sie erscheint. Um mein Gl&#252;ck vollkommen werden zu lassen, weht inzwischen ein Mini-Wind und K&#246;strizer ist wieder in meinem Blickfeld. Sein unaufgeregter Laufschritt und sein h&#252;bscher R&#252;cken sind genau das, was ich vor mir haben will. Das gelingt nicht immer, aber immer wieder. Es sind nur noch vier Kilometer und ich werde immer optimistischer. Vielleicht geht da noch was. „Weine nicht, k&#228;mpfe“, steht auf einem T-Shirt vor mir. Sehr richtig. Allerdings steht es da nicht in deutsch, weshalb es sich ein Mitl&#228;ufer &#252;bersetzen l&#228;sst. Der Mitl&#228;ufer entpuppt sich sogleich als Hans-Uwe, der mir schon gelegentlich bei L&#228;ufen begegnet ist. Ich h&#228;tte also m&#246;glicherweise noch einen Mitstreiter f&#252;r den Endspurt. K&#246;strizer, der Gute, f&#228;llt leider aus – er wird langsamer und ich muss auf seinen R&#252;cken verzichten. Neben mir l&#228;uft noch jemand mit Kopfh&#246;rern, aber an verst&#246;pselte Kandidaten halte ich mich grunds&#228;tzlich nicht. Man muss immer damit rechnen, dass sie ihre Geschwindigkeit der Musik anpassen und Wechsel sind mir ein Gr&#228;uel. Ich beschlie&#223;e den Alleingang. Wenn es schief geht, geht es eben schief. Luft habe ich noch und man muss es ja versuchen. Legend&#228;r wird die Zeit nicht mehr, aber egal. Ich ziehe an. Jetzt hei&#223;t es schnaufen, stapfen und rudern. Es gelingt mir, etliche L&#228;ufer zu &#252;berholen – hach, wie fein. Das hatte ich schon l&#228;nger nicht mehr.  Es geht zur&#252;ck in den Ort, vorbei an dem Gruselvorgarten, um zwei Ecken und dann – schwupp – die Rampe wieder runter und &#252;ber die Wiese ins Ziel. „Biep“ – meine Startnummer wird entwertet und die Mischung aus Kabeln, Plastikfolie und Papier geh&#246;rt nun mir. Im Sinne der M&#252;llvermeidung ist mir eine einfache Papierstartnummer oder ein wieder verwendbarer Chip deutlich lieber. Sei’s drum.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-535 aligncenter" title="Kahl-Wiese" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Wiese.jpg" alt="Kahl-Wiese" width="484" height="362" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-536" title="Kahl-Bonkasse" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Bonkasse.jpg" alt="Kahl-Bonkasse" width="251" height="187" /> <img class="alignnone size-full wp-image-537" title="Kahl-Bonkasse2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Bonkasse2.jpg" alt="Kahl-Bonkasse2" width="248" height="189" /></p>
<p>Mit schlaffen 1:52:07 werde ich noch Vierte (von 14) meiner heute augenscheinlich verweichlichten Altersklasse. Auch Mr. Migr&#228;ne hat nur noch drei L&#228;ufer vor und die Kopfschmerzen hinter sich. Damit kommen wir zwar in den Genuss von hausgemachtem Kahler Kuchen, aber leider nicht in den des Pokals.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-543" title="Kahl-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Kuchen.jpg" alt="Kahl-Kuchen" width="490" height="367" /></p>
<p style="text-align: left;">Man kann Pokale als Augenschmeichler gar nicht genug r&#252;hmen &#8211; in diesem speziellen Fall gilt das noch mehr.  Denn in Kahl kam jemand auf die Idee, aus einem Pokal einen Po-Kahl zu machen. Was zu dem unglaublichen Entwurf einer Figur f&#252;hrte, die dem siegreichen Troph&#228;enempf&#228;nger den blanken Hintern zeigt. Weit &#252;ber die Region hinaus sei dieser „Po-Kahl“ bekannt, berichtet der Moderator bei der Siegerehrung stolz und macht uns in jeder Hinsicht staunen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-539 aligncenter" title="Kahl-Pokahl" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Kahl-Pokahl.jpg" alt="Kahl-Pokahl" width="404" height="539" /></p>
<p>Nicht zuletzt dieses Kunstwerk ist es, das mir den freien Nachmittag raubt. Ich muss einfach zugeben: &#252;ber Volksl&#228;ufe in Kahl war eben doch noch nicht alles gesagt.</p>
<div class='stb-grey_box' >M<em>ehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: </em><a href="http://www.djk-kahl.de/"><em>www.djk-kahl.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Kahl?</h4>
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