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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Nidderau</title>
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		<title>Von Sonnenattrappen, Spinnebeinen und halben Tassen.</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 14:51:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die meisten Volksläufe in Deutschland gibt es im Süden Hessens. Das stand so vor ein paar Jahren zumindest bei Spiegel online. Während in anderen Gegenden der Republik also gelegentlich Volkslaufosteoporose herrscht, eine Löchrigkeit im Jahreskalender, ist die Volkslaufdichte in meiner Heimat beeindruckend. Die Kehrseite der Auswahl ist die Entscheidungsnot. (...)]]></description>
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<h4>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen. (2010)</h4>
<p>Die meisten Volksläufe in Deutschland gibt es im Süden Hessens. Das stand so vor ein paar Jahren zumindest bei Spiegel online. Während in anderen Gegenden der Republik also gelegentlich Volkslaufosteoporose herrscht, eine Löchrigkeit im Jahreskalender, ist die Volkslaufdichte in meiner Heimat beeindruckend. Die Kehrseite der Auswahl ist die Entscheidungsnot. An diesem Wochenende könnte ich Samstags in Nidderau-Eichen einen Halbmarathon laufen und Sonntags den 25km Mainuferlauf in Seligenstadt oder den Feldberglauf. Alle drei sind tolle Läufe. Samstags UND Sonntags einen zu laufen ist mir unmöglich. Für ein heiteres Auslaufen sind weder der 25er noch der Berglauf geeignet. Mein Trainingspartner und ich wählen Nidderau. Der Halbmarathon ist lang genug, um sich auszupowern und dabei angenehm genug, um Spaß zu haben. Von allen drei Läufen ist er der kleinste und abgelegenste. Ein Schnuckelchen.</p>
<p>Nidderau-Eichen leistet einen wackeren Beitrag zur Volkslaufdichte der Region, hier finden nämlich gleich zwei Volksläufe im Jahr statt. Den einen veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr, den anderen ein Sportverein, der TV Windecken. Der Wald in Nidderau ist groß und schön genug, um zwei unterschiedliche, attraktive Strecken zu zimmern. Auf „profilierter Strecke“. Wo die Strecke schon profiliert ist, kann man sich als Läufer nicht mehr profilieren und das beruhigt. Man kann es langsam angehen lassen. Es ist Samstag Nachmittag und irgendwer hat eine Sonnenattrappe eingeschaltet. Es sieht aus wie Sonne, wärmt aber nicht. Nidderau war bereits mehrere Jahre der sonnenreichste Ort Hessens. Bestimmt wegen der Attrappe. Nervös hüpfen die Läufer am Sportlerheim auf und ab und wissen nicht, was sie anziehen sollen. Das Auge sagt „kurz“, das Gefühl sagt „brrrrr“. Die Startnummer in Nidderau kommt ohne Sponsorenaufdruck aus und hat deshalb ausnahmesweise einmal nicht das Format eines Kuchenblechs. Die wärmt also schon mal nicht.</p>
<p style="text-align: center;"><a style="text-decoration: none;" href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Anmeldung.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2272" title="Nidderau Anmeldung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Anmeldung.jpg" alt="Nidderau Anmeldung" width="512" height="384" /></a></p>
<p>In der Umkleidekabine liegen Sportschuhe im Papierkorb und ich bilde mir ein, sie dort schon einmal gesehen zu haben. Vielleicht ist es eine Dauerinstallation.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Papierkorb.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2268" title="Nidderau Papierkorb" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Papierkorb.jpg" alt="Nidderau Papierkorb" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Eines Tages werde ich vielleicht einmal eine Umkleidekabinen-Fotoserie machen. Umkleiden bei Volksläufen bilden ein wahres Kuriositätenkabinet. Sie sind kalt und muffig, fensterlos und eng. Sie haben mit Glück eine einzige Steckdose und halbblinde Spiegel, in denen man aussieht wie Gemälde von Picasso. Aus ihren Duschen tröpfelt ein arktisches Rinnsal, Toiletten sind selten vorhanden und wenn, dann ist es eine Kabine, deren Tür nicht mehr richtig schließt und deren Spülkasten auf Druck die Wassermenge vom Volumen eines Cognacschwenkers freigibt. Davor stehen 47 Frauen. So ist das beinahe immer.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Spinne.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2273" title="Nidderau Spinne" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Spinne.jpg" alt="Nidderau Spinne" width="448" height="336" /></a></p>
<p>Ich werfe meine Tasche in die Ecke und starre neidisch auf die Beine einer Spinne, die hier wohnt. Die hat’s gut. Kann schnell rennen und hat nie Muskelkater. Und muss sich nicht mit solchen Albernheiten herumschlagen wie ¾-Hosen. Ich probiere heute das erste Mal eine zum Laufen aus, sonst ziehe ich sie nur zum Rudern an. Eigentlich finde ich die Dinger doof, aber noch doofer wäre es, immer noch lange Hosen tragen zu müssen. Die kann ich einfach nicht mehr sehen.</p>
<p>Wir laufen uns ein und wie immer bei Nachmittagsläufen bin ich ganz durcheinander. Vorm Lauf zu essen ließ sich hier nicht vermeiden und ich hoffe, dass der zeitliche Abstand ausreicht. Mein Magen läuft lieber leer. Überall im Wald sind Sägespäne aufgestreut, die auf die Strecke hindeuten, auch der Start ist einfach aufgestreuselt. Kein Transparent, keine Zeitnahme deutet daraufhin, dass hier gleich Großes stattfindet. Das liegt daran, dass das Ziel an einer anderen Stelle ist, als der Start. Aha! Erst starten die 5km Läufer, aber da wir mal wieder nicht richtig aufgepasst haben, halten wir sie für 10er. Danach kommen wir. Der Halbmarathon heißt „Ralf Pagels Gedächtnislauf“. Ich weiß leider nicht, wer Ralf Pagels war. Bei Google findet sich in erster Linie ein Wasserbettenverkäufer ähnlichen Namens, der wird es wohl nicht sein.</p>
<p>Das Feld des Halbmarathons ist klein, etwa 150 Läufer machen sich auf den Weg. Es dauert nicht lang, da geht es auch schon bergauf. Da ist es schon, das Profilierte am Streckenprofil. Ich bin hier länger nicht mehr gelaufen, deshalb habe ich das Profil nicht im Kopf. Ich versuche einfach vorsichtig zu laufen. Es geht mir gut und die Sonnenattrappe ist gut für’s Gemüt. Der Wald riecht phantastisch. Überall ist frisches Holz geschlagen. Und überall liegen Pfeile aus Sägespänen. Verlaufen unmöglich. Ein Mädchen mit einer roten Jacke überholt mich und setzt sich vor mich. Sie drosselt ihr Tempo und ich sitze ihr fast in den Hacken. Volkslaufen ist manchmal ein bisschen wie auf der Autobahn. Es gibt immer diese Dussel, die sich nicht vorstellen können, was hinter ihnen passiert. Ich laufe neben die rote Jacke, damit ich sie nicht am Ende noch trete. „Der Berg ist vorbei, jetzt angreifen!“ ruft der Streckenposten und ich vermute, er tut es, um sich ein bisschen zu belustigen. Weder ist der Berg wirklich vorbei, noch mag ich bei km4 angreifen. Wen auch? Ich habe doch noch gar keinen Überblick. Mich überholt ein sehr schwerer, großer Mann, der nach Leberwust riecht. Keine Ahnung, wie er das hinbekommt. Es ist eindeutig Leberwurst. Grobe Pfälzer. Ich lasse ihn besser mal davonziehen. Mein Magen reagiert ohnehin schon etwas verblüfft darauf, dass er mit Inhalt laufen soll. Obwohl meine Mahlzeit über 3 Stunden zurückliegt, kneift es mal hier und mal dort. Schon bald gibt es etwas zu trinken und heute greife ich gern zu. Vielleicht hat mich die virtuelle Leberwurst durstig gemacht. Ich schüttle die rote Jacke ab und schiebe mich weiter bergauf.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; ">Lieber auf dem Sofa lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-2010.pdf" target="_blank">Druckversion als PDF.</a></div></div></em></p>
<p>Überall zwitschert es und winzigkleine hellgrüne Blättchen tun so, als wären sie schon erwachsen. Es ist sowas von Frühling. Der Weg im Wald ist für mich völlig undurchsichtig. Die Schneisen verlaufen nicht gerade sondern schief und krumm und sie haben attraktive, langgezogene Kurven. Es ist immer wieder toll, auf einer fremden Strecke zu laufen, sich aber um nichts kümmern zu müssen. Eine Zeitlang laufen vor mir drei Triathleten, die sich über Trainingslager, Laservermessung und alles mögliche unterhalten, bergauf, als wäre es nichts. So etwas verblüfft mich immer wieder. Aber dann zieht sich das Feld weit auseinander, auch die drei Hörbücher auf Beinen verschwinden aus dem Blickfeld. Mein einziger Fixpunkt ist ein grünes T-Shirt, das Frau und Kinder an der Strecke bergüßt.  Nach einem kleinen Asphaltstück geht es einen verwunschenen Waldpfad entlang. Mal wieder bergauf. Bergabpassagen gibt es natürlich auch, aber sie sind nie lange und besonders erholsam. „Das sieht sehr gut aus“ sagt ein Streckenposten und ich finde es schön, selbst wenn es gelogen ist. Von Zeit zu Zeit kommen mir 10 km Läufer entgegen, was ich nicht verstehe, weil ich ja denke, dass sie vor mir gestartet sind. Rolf Gerhard Klos ist wieder dabei, der in der M80 startet. Ich hoffe, dem ruft man auch zu, dass er gut aussieht. Das wäre nämlich gar nicht gelogen. Herr Klos sieht großartig aus.</p>
<p>Langsam wird es Zeit, sich über eine mögliche Zielzeit Gedanken zu machen. Unter 2 Stunden, das wäre schon schön. Aber das ist derzeit schon die Zielzeit für einen flachen Halbmarathon. Wie soll das bei diesen Steigungen gehen? Die 10 km habe ich nach knapp 57 Minuten passiert. Und ich weiß nicht, was noch kommt. Wie viele Steigungen lauern noch vor dem Ziel? Ein paar der Menschen, die mich vorhin überholt haben, habe ich inzwischen schon wieder eingesammelt. Auch an der Leberwurst bin ich vorbeigezogen. Jetzt arbeite ich an dem grünen T-Shirt. Aber erst nochmal trinken. Boah, tut das gut. Weiter geht’s. Zack, das grüne T-Shirt ist kassiert. Das war ja einfach. Die nächsten km verbringe ich mit laufen und rechnen. Ich muss unter die letzten drei Kilometer unter 5:30 bleiben, dann kann es gelingen. Das versuche ich. Man muss es immer wenigstens versuchen. Bei km 19 scheint es aussichtslos. Das schaffe ich niemals. Jetzt beutelt mich die Moral. Es tut schon mächtig weh und ein wippender Pferdeschwanz zieht an mir vorbei. Unmöglich, dranzubleiben. Ich schaffs nicht. Wenn ich’s eh nicht schaffe, warum quäle ich mich dann noch? Ich könnte jetzt ganz gemütlich ins Ziel traben. Ich schaff es eh nicht. „Noch 700 Meter“ ruft der Streckenposten und ich schaue wieder auf die Uhr. Oh Mann, ist das schrecklich knapp. Vielleicht geht es doch. Meine Lunge macht schon komische Geräusche. Ich öffne den Mund ganz weit, bilde mir ein, es würde helfen. Von weitem sehe ich die Zeitnahme. Wieder der Blick auf die Uhr. Noch ist es möglich. Versuch’s. Mach einen Spurt. Ich gebe Gas und rausche ins Ziel. Die Uhr sagt: 1:59:54. Hätt ich mich ja gar nicht so hetzen müssen. Ich hätt ja noch 5 Sekunden Zeit gehabt.</p>
<p>Ich bin völlig im Eimer. Sofort wird es eiskalt und wir sehen zu, dass wir schnell ins Warme kommen. Ich schleppe mich zu meiner Spinne und erzähle ihr von meinen Abenteuern. Sie nickt anerkennend und verweist mich darauf, dass die Duschen heute heiß sind.</p>
<p>Zum Kuchenbuffet muss man sich anstellen. Eine der Kaffeemaschinen hat sich verabschiedet und so wird der Kaffee streng rationiert. Jeder kriegt nur eine halbe Tasse.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Kuchen.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2274" title="Nidderau Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Kuchen.jpg" alt="Nidderau Kuchen" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Wir mümmeln unseren Kuchen, während es immer kälter wird. Nicht etwa nur Windjacken-kalt, sondern Rote-Nasen-kalt. Wir bibbern der Siegerehrung entgegen, denn mein Trainingspartner ist zweiter seiner AK geworden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Siegerehrung.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2275" title="Nidderau Siegerehrung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/04/Nidderau-Siegerehrung.jpg" alt="Nidderau Siegerehrung" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Dafür bekommt er eine Urkunde, ein Ladegerät und Batterien. Mit denen man alles machen kann, außer sie in das Ladegerät zu stecken. Sie sind nicht wieder aufladbar. Vielleicht mache ich irgendwann auch einmal eine Serie über die schönsten Volkslauf-Geschenke.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s auf der </em><a href="http://www.tv-windecken.de/abteilungen/leichtathletik.html" target="_blank"><em>Website des TV Windecken</em></a><em>.</em></div>

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		<title>Evita und die tätowierte Wade.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 15:16:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nein, ich erkläre jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt dämmert’s. Auf jeden Fall ist es schön dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf nämlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte. (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2009)</h2>
<p>Nein, ich erkläre jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt dämmert’s. Auf jeden Fall ist es schön dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf nämlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Heute will ich nicht Letzte werden. Sonst will ich eigentlich nichts. Nur laufen. Wir melden uns an. Neben der Kasse steht ein frisches Schälchen mit Pommes. Ein ungewohnter Anblick um 8:20 Uhr am Sonntag morgen. Nidderau rüstet sich eben für alles und dazu gehört auch die kulinarische Rundumverpflegung nach dem Lauf.  Wir stürmen die Umkleiden. Normalerweise ist das der Moment, an dem man uns in Nidderau mit „Best of Volkslauf“-Musik einstimmt. Ich spitze die Ohren und warte auf Bonnie Tyler oder doch wenigstens die Spider Murphy Gang. Nichts. Doch dann wird eine CD eingelegt. „Määmry!  Ohl älon in the Muunleit &#8230;“ Oh weh. Cats. Musical am Sonntag morgen. Sind denn so viele Homosexuelle hier? Schläfrigkeit erfasst mich. Langsam ziehe ich mich um.</p>
<p>Zum Glück ergreift der Moderator bald das Mikro. Das ist viel erbaulicher. Er hofft, dass alle bei dem schönen Wetter nach dem Lauf noch bleiben und „etwas verkonsumieren“.  Wenn es nicht gerade die Pommes sein müssen, kommen wir der Aufforderung sicher gerne nach. Wozu macht man denn Volksläufe, wenn nicht, um hinterher etwas zu verkonsumieren? In meinem Fall würde es sich bestimmt lohnen, mir ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love verkonsumieren“ drucken zu lassen.  </p>
<p><img class="size-full wp-image-727 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 9px; margin-right: 9px;" title="Nidderau-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Kuchen.jpg" alt="Nidderau-Kuchen" width="269" height="359" /></p>
<p>Mein Trainingspartner ist jetzt auch fertig- gewurschtelt und wir können uns einlaufen. Doch plötzlich steht eine Dame vor uns, um uns zu fragen, ob wir unsere Startnummern von zuhause mitgebracht hätten. Ich bringe viel von zuhause mit. Kugelschreiber, Vaseline, Getränke, in Härtefällen auch Kaffee und Kuchen. Aber Startnummern? Nein. Hintergrund der Frage ist, dass die Dame mit zwei Startnummern wedelt. Unseren Startnummern. Obwohl wir sie doch schon am Bauch tragen. Offensichtlich sind die Nummern doppelt vergeben worden. Wir sind ratlos und wollen auch andere Menschen mit diesem Zustand verraut machen. Es gelingt: hinter der Kasse, dort wo die Pommes blüh’n, hat man keine Erklärung für die Doppelvergabe. Ein Fehldruck. Eine kurze Amnesie der Druckmaschine. Etwas in der Art. Weil die Dame im Gegensatz zu uns noch nicht umgezogen ist, tauschen wir freiwillig unsere Startnummern um.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-729" title="Nidderau-Anmeldung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Anmeldung.jpg" alt="Nidderau-Anmeldung" width="480" height="360" /></p>
<p>Dann, endlich, können wir uns einlaufen. Auf dem Weg Richtung Feld liegt eine tote Maus. Hier liegt immer ein totes Tier, das gehört zur Tradition. Jetzt kann also nichts mehr schiefgehen. Als wir zurückkehren, singt jemand, dass Argentinien nicht um sie weinen soll. Sie gibt sich Mühe, dass man sie auch wirklich bis Argentinien hören kann, obwohl das ja noch hinter Windecken liegt. Evita beim Volkslauf passt ungefähr so gut wie die Johannes-Passion zum Kindergeburtstag. Aber hessische Läufer am Sonntag morgen sind entspannter als jede Yoga Gruppe. Welche Musik ihre „Ei Guude!“-Rufe untermalt, ist da herzlich egal.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-730" title="Nidderau-Haarstudio" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Haarstudio.jpg" alt="Nidderau-Haarstudio" width="443" height="332" /></p>
<p>Wir starten mit einer kleinen Verspätung, weil wir erst einen Zug abwarten. In Eichen ist man da umsichtig. Nichts soll die persönlichen Bestzeiten behindern. Die lassen sich freilich nur an den Vorjahren bemessen. Die hügelige Strecke taugt für keine besonderen Rekorde. Auf der Straße des Starts lehnen sich etwa 200 Läufer an Fachwerkhäuser und dehnen ihre Waden. Um ihre Heimstatt besorgte Einwohner schauen ihnen dabei aus dem Fenster zu. Der Moderator trägt sein Megaphon wie eine kostbare Handtasche und gibt den Startschuss. Es geht wenige hundert Meter durch den Ort, dann eine große Straße entlang. Der Laufweg ist hier mit Lübecker Hütchen abgesperrt. Vor mir läuft ein Paar, als er plötzlich an einem Pylon strauchelt. Es sieht aus, als ob er sich fängt, doch dann legt er einen filmreifen Sturz hin. Seine Begleiterin kommentiert das Fallen mit einem spitzen Schrei. Es war eine Unkonzentriertheit, ein unnötiger Sturz (falls es nötige geben sollte). Die Lübecker Hütchen stehen in Reih und Glied, der Veranstalter hat nichts falsch gemacht. (Ich erwähne an dieser Stelle den Begriff „Lübecker Hütchen“ übrigens so oft, weil ich festgestellt habe, dass etliche Besucher meiner Seite über diesen Suchbegriff bei Google kommen. Vielleicht komme ich so unter die Top Ten der Suchergebnisse und alle Straßenbauer werden dann zu Läufern.) Der kleine Stunt des Läufers hat mich hellwach gemacht. Stürze braucht kein Mensch.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf der Couch lesen? Hier gibt&#8217;s die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/Nidderau-09.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Schon bald sind wir im Wald. Die Strecke ist wunderschön, überwiegend schattig, abwechslungs- reich – und ein einziges Auf und Ab. Bis zum Schluss. Nie hat man das Schlamassel hinter sich, die nächste Steigung kommt bestimmt. Trotz des anspruchsvollen Profils wird im Feld noch viel geplaudert. Urlaubserlebnisse. Vor mir läuft ein Läufer (was sonst) mit einer tätowierten Wade. Er ist nicht übermäßig schnell und ich habe ihn bald überholt. Auf der gesamten Strecke hängen Vogelhäuschen mit Hausnummern. Vermutlich wegen der Post. Schon nach vier Kilometern gibt es etwas zu Trinken und Schwämme. Vorbildlich. Die Sonne blinzelt durch das Blätterdach, das Feld hat sich schnell weit auseinandergezogen und es ist ungeheuer friedlich. Vor mir: ein Läufer (was sonst) mit einer tätowierten Wade. Moment mal. Das hatten wir doch schon mal. Wo kommt der denn jetzt her? Und war es nicht eben die andere Wade? Ah! Kein Wunder. Ist ja auch ein anderer Läufer. Man hat das jetzt mit den Waden. Auch sonst sind sich die beiden ähnlich: blaues T-Shirt, dunkle Haare. Na gut. Überhole ich diesen eben auch. Das geht nicht ganz so leicht, aber dann doch. Jetzt bin ich beinahe allein. Weit vorne tüpfelt etwas Rotes im Grün herum. Was hinten tüpfelt, sehe ich ja nicht. Nach 10 km zeigt meine Uhr 55:55. Das ist vollkommen in Ordnung. Mehr muss bei dieser Strecke heute nicht sein. Ich schwitze wie ein Hirsch. Man könnte meinen, es wäre August.</p>
<p>Ich wage mir nicht vorzustellen, wie Martina jetzt unter ihrer Perücke schwitzt. Martina ist eine transsexuelle Läuferin, die noch etliche männliche Attribute besitzt, für immer besitzen wird. Zum Beispiel ihr Lungenvolumen und ihre Sauerstoffaufnahmekapazität. Veranstalter wissen deshalb oft nicht, ob das „W“-Kreuzchen auf dem Anmeldezettel wirklich gerechtfertigt ist. Ein Dilemma. Das IOC lässt seit 2004 transsexuelle Sportler zu. Im DLV scheint es noch Klärungsbedarf zu geben.  Einstweilen bin ich froh, „dass ich ein Mähähähädchen bin.“ Mit schlechten VO2max Werten, unpraktischen Muskelfasern und ganz unbrauchbaren Testosteronmengen. Das macht zwar langsam, aber man kann sich den Reifen wechseln lassen, ohne dass man als Memme gilt.</p>
<p>Plötzlich schnauft es hinter mir. Das ist die tätowierte Wade, ich bin ganz sicher. Na gut. Dann lauf halt vorbei. Aber nix da. Die Wade ist eine Klette. Sie bleibt hinter mir. Bergauf, bergab. Schnauft, hustet, schnieft. Ohne Wade wäre der Wald irgendwie idyllischer. Aber künstlich langsam machen mag ich jetzt auch nicht. Eine Getränkestation klärt die Situation. Ich gehe ein paar Schritte und gönne mir die winzige Ruheinsel eines Wasserbechers. Jetzt zieht die Wade an mir vorbei. Es ist die linke. Der Läufer, den ich zuerst gesehen hatte. Heute wollen mich irgendwie alle verwirren. Und wo ist der andere? Der war doch schneller. Ich sag’s ja. Tätowierten Waden kann man nicht trauen. Fortan habe ich sie wieder vor mir. In einigem Abstand, aber der wird nicht größer. Lieber eine Karotte als eine Klette: ich bleibe dran. Bis zum Schluss. Das ist anstrengend. Als ich mit 1:56:56 ins Ziel komme (schon wieder so eine hübsche Zahl), möchte ich mich am Liebsten auf der Stelle zu der toten Maus legen. Doch dann sticht mich eine Bremse, für die der Zielbereich so etwas wie ein Feinschmeckerrestaurant zu sein scheint, und ich bin wieder munter.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-731" title="Nidderau-Konsum" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Konsum.jpg" alt="Nidderau-Konsum" width="250" height="187" /> <img class="alignnone size-full wp-image-732" title="Nidderau-Zelt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Zelt.jpg" alt="Nidderau-Zelt" width="254" height="186" /></p>
<p>Beim obligatorischen Verkonsumieren von Backwaren wird Evita durch die Siegerehrung ersetzt und ich bin froh. Über Eichen, die Strecke, meine langsam wiederkehrende Form, die Sonne und das Sein. Und mein Trainingspartner heißt seit heute Ewald. Fluch der umgetauschten, aber nicht richtig registrierten Startnummer.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Nidderau-Eichen&amp;address=Nidderau-Eichen&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255631651" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		<title>Vom Leben und Laufen am Ende des Feldes.</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Aug 2007 15:53:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nidderau-Eichen zu finden ist ganz einfach: man fährt Richtung Nidderau, wird an einer Abzweigung umgeleitet, verliert den Weg, fährt durch niegekannte Ortschaften, fragt an einer Tankstelle, von wo aus einen jemand zu einer weiteren Tankstelle leitet, an der man seine Orientierung wiederfindet. Ab da ist sowieso alles ganz problemlos.



Ich trete heute an zu einem leicht hügeligen Halbmarathon im Wald. Die Strecke ist mir gut bekannt und es könnte (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2007)</h2>
<p>Nidderau-Eichen zu finden ist ganz einfach: man fährt Richtung Nidderau, wird an einer Abzweigung umgeleitet, verliert den Weg, fährt durch niegekannte Ortschaften, fragt an einer Tankstelle, von wo aus einen jemand zu einer weiteren Tankstelle leitet, an der man seine Orientierung wiederfindet. Ab da ist sowieso alles ganz problemlos.</p>
<p><img class="size-full wp-image-752 alignright" title="wappen_klein" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/wappen_klein.jpg" alt="wappen_klein" width="120" height="116" /></p>
<p>Ich trete heute an zu einem leicht hügeligen Halbmarathon im Wald. Die Strecke ist mir gut bekannt und es könnte fast ein wenig langweilig werden, wenn ich heute nicht eine besondere Aufgabe hätte: ich bin Hase. Oder nobler ausgedrückt: Brems- und Zugläuferin. Der mich zum Bremsen und Ziehen engagiert hat, ist ein erfahrener Läufer, der sich allerdings erst wieder an lange Strecken herantrainiert. Deshalb wollen wir einen ruhigen Lauf um die 2:15h versuchen.</p>
<p>Vor Ort schallt die berühmte Nidderauer Muntermachmusik aus den Lautsprechern und wir träumen ein wenig von einer CD-Zusammenstellung, die „Best of German Volkslauf“ heißt. Cyndie Lauper wäre dabei, Right Said Fred und Status Quo und Songs wie „Final Countdown“, „Sunshine Reggae“, oder „Wake me up before you gogo“. Und ohne „Holding out for a hero“ von Bonnie Tyler trete praktisch schon gar nicht mehr an.</p>
<p> </p>
<p>Vermutlich gibt es diese Platte längst und sie wurde kostenlos unter Sportvereinen und Feuerwehren verteilt. Deshalb hört man das alles so oft – ob man will oder nicht.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-753" title="Nidderau1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau1.jpg" alt="Nidderau1" width="480" height="360" /></p>
<p>In diesem Jahr gibt es in dem kleinen Gebäude, in dem man sich umzieht, einen „VIP-Bereich“. Wir warten also gespannt auf Paul Tergat oder wenigstens auf jemanden, der mal wieder etwas Geld und gute Worte braucht, wie z.B. <a href="https://www.xing.com/profile/Tegla_Loroupe">Tegla Loroupe</a>. Aber man erzählt uns, dass der VIP-Bereich für die „Sponsoren“ gedacht ist, womit vermutlich Repräsentanten des örtlichen Autohauses oder Brillengeschäfts gemeint sind. Schade eigentlich. Die Damenumkleide ist allerdings dann auch ein bisschen exklusiv, denn es ist sehr wenig los. Genau genommen, bin ich zunächst die einzige, die sich dort ausbreitet.</p>
<p><img class="size-full wp-image-754 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Nidderau-Moderator-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Moderator-2.jpg" alt="Nidderau-Moderator-2" width="278" height="371" /></p>
<p>Nachdem uns der freundliche Herr am Mikro seine Begrüßung vorgelesen hat („Für’s leibliche Wohl – sprich Speisen und Getränke &#8211; ist gesorgt“), wollen wir uns warmlaufen. Das gestaltet sich wenig erbaulich, denn die übliche Einlaufstrecke ins Feld ist versumpft. Der Regen der letzten Tage hat Spuren hinterlassen und es riecht seltsam. Mitten auf dem Weg liegt eine mausetote Ratte und in der riesigen Pfütze tummeln sich schwimmend dunkelbraune, regenwurmartige Tiere, die mir zutiefst unsympathisch sind, vermutlich, weil ich nicht weiß, wie sie heißen. Wir schütteln uns ein bisschen und drehen um. Ein Omen? Wer weiß. </p>
<p>Das Feld ist klein. Wir wollen uns hinten anstellen, aber es gibt kaum ein Hinten. Etwa 150 Läufer gehen beim Halbmarathon an den Start. Zunächst zischelt man noch ein wenig durch den Ort und dann geht’s ab in den Wald. Weil ich Hase bin, muss ich dauernd an „Hase und Igel“ denken, vermutlich eine frühkindliche Prägung. Zunächst läuft alles nach Plan. Beim ersten Kilometerschild stelle ich fest, dass wir unser Tempo perfekt getroffen haben und ich bin erfreut. Man hat ja Verantwortung als Hase. Der Igel nimmt‘s gelassen und plaudert ein bisschen. Allmählich gibt es im Feld ein deutliches hinten und vorne, was aber dadurch aufgemischt wird, dass jetzt die 10km-Läufer kommen. Die Armen müssen sich durch das ganze Halbmarathonfeld wurschteln, weil sie mit nur 5 Minuten Verzögerung auf der gleichen Strecke gestartet sind. Für uns hat das den Vorteil eines hübschen Unterhaltungsprogramms. Schnaufende junge Männer mit langen Beinen hechten an uns vorbei.</p>
<p>Nach wenigen Kilometern muss ich mal. Normalerweise muss ich beim Laufen nie mal, aber dieses ungewohnte Tempo bringt alles ein bisschen durcheinander. Vielleicht schwitze ich sonst alles raus. Ich springe hinter einen Holzstapel und danach geht es mir besser. Es ist ruhig geworden auf der Strecke. Wir kommen an einer Vogelhäuschenkolonie mit Hausnummern (oder heißt es Häuschennummern?) vorbei und malen uns die nachbarschaftlichen Gespräche der Bewohner aus. Da unsere gedachten Vögel hessisch sprechen, haben wir viel Spaß.</p>
<p>Besorgt schaue ich auf die Uhr. Die 2:15 sind praktisch schon kaum noch zu machen. Bei Kilometer 10 liegen wir bei 65 Minuten. Das ist zu langsam, aber der Igel mag nicht hetzen. Eine Verletzung an der Igelschulter bringt sich schmerzhaft in Erinnerung und lässt uns weiter zurückfallen. Es wird ruhiger um uns herum und immer öfter geraten die anderen Läufer außer Sichtweite. An jedem Getränkestand hält man uns mindestens fünf Becher entgegen – man wartet mit großem Einsatz auf uns. Ein paar Kilometer später fragt man uns undiplomatisch, ob wir die letzten sind, aber wir wissen es nicht, obwohl uns gelegentlich ein Verdacht in diese Richtung beschleicht.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Später nochmal lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/08/Nidderau07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Schließlich gibt der Igel den Hasen frei, das Zeitziel ist aufgegeben. Ich hadere mit mir. Soll ich jetzt Gas geben und mich auf den letzten Kilometern noch einmal austoben? Das Einsammeln von Läufern, die vorher an uns vorbeigezogen sind, könnte ziemlich Spaß machen. Eine gute Zeit wird es aber für mich nicht mehr geben. Oder soll ich dem Igel Gesellschaft leisten? Wenn wir tatsächlich die Letzten sind, wäre es vermutlich doof, allein am Ende des Feldes zurückzubleiben. Nerve ich oder kann ich für Unterhaltung und Erbauung sorgen? Als Hase, der keiner mehr ist, weiß ich noch nicht, was ich stattdessen bin.</p>
<p>Dann taucht ein Feuerwehrwagen hinter uns auf und beseitigt letzte Zweifel: wir sind der würdige Abschluss dieses Laufs. Beim „Two Oceans Ultramarathon“ in Südafrika bekämen wir dafür die „John Masureik Floating Trophy“. Wenn mein Trainingspartner, der inzwischen längst im Ziel ist, an uns denkt und uns mitversorgt, könnte es noch für den „Nidderau-Eichen Floating Streuselkuchen“ reichen. Schlecht ist das nicht. Während hinter uns die Kilometer-Schilder abgebaut werden, beschließe ich, einfach bei diesem Tempo zu bleiben. Wann bekommt man schon einmal die Chance, Letzte zu werden? Wann warten schon alle auf einen und spenden extra Applaus und Zuspruch? Wir lehnen eine Mitfahrgelegenheit im Feuerwehrauto dankend ab (hatten wir etwa den Daumen draußen?), genießen das letzte Stück Waldweg und schlumpfen locker ins Ziel.</p>
<p>Die Uhr zeigt 2:28. Mit dieser Zeit hätten wir beim Frankfurter Halbmarathon etwa 60 Läuferinnen und Läufer hinter uns gelassen. Es ist eben alles relativ. Und weil Zahlen Schall und Rauch sind, schaffe ich an diesem Tag gleich noch ein Kunststück: ich werde Letzte und gleichzeitig Dritte meiner Altersklasse. Die Siegerehrung verhallt im goldgelben Hefeteig eines Streuselkuchens.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-755" title="Nidderau-Kuchen-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Kuchen-2.jpg" alt="Nidderau-Kuchen-2" width="480" height="359" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Nidderau-Eichen&amp;address=Nidderau-Eichen&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255631651" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		<title>Von schlafenden Bürgermeistern, bedruckten Außerirdischen.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/halbmarathon-nidderau-06/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Aug 2006 08:06:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Liebe Läuferinnen und Läufer, ich hoffe, dass Sie eine mit ohne Probleme verbundene Anreise hier nach Nidderau-Eichen hatten." Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist, aber es steht zu vermuten, dass die Moderationen bei hessischen Volksläufen eine deutschlandweit unerreichte Qualität haben. Wenn man sehr viel Glück hat, spricht sogar ein Bürgermeister ins pfeifende Mikro. Der Nidderauer Bürgermeister schläft allerdings wohl noch. Man kann das ja verstehen. Es ist Sonntag morgen, 8 Uhr 30. (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2006)</h2>
<p>&#8220;Liebe Läuferinnen und Läufer, ich hoffe, dass Sie eine mit ohne Probleme verbundene Anreise hier nach Nidderau-Eichen hatten.&#8221; Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist, aber es steht zu vermuten, dass die Moderationen bei hessischen Volksläufen eine deutschlandweit unerreichte Qualität haben. Wenn man sehr viel Glück hat, spricht sogar ein Bürgermeister ins pfeifende Mikro. Der Nidderauer Bürgermeister schläft allerdings wohl noch. Man kann das ja verstehen. Es ist Sonntag morgen, 8 Uhr 30. </p>
<p>Dunkle Regenwolken hängen über dem kuchenduftigen Platz vor der Sporthalle. Mein Trainingspartner und ich sind optimistisch. Es wird nicht regnen, wir werden pfeilschnell sein und wir werden bald der Beschallung entkommen. Der Moderator ist ein Segen, verglichen mit dem eingelegten Musiksampler. Es läuft Bonnie Tyler. Und wenn nicht Bonnie Tyler läuft, dann läuft etwas, das klingt wie Bonnie Tyler. Vermutlich ist Bonnie Tyler Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Eichen, die den Lauf veranstaltet. Da kann man nichts machen.</p>
<p>Ich freue mich auf den Lauf. Statt zu trainieren, bin ich in den letzten Monaten eher planlos umeinandergehoppelt. Sensationelles ist also absolut nicht zu erwarten und das macht gelassen. Ich will nichts, ich muss nichts, ich darf alles. Meinem Begleiter geht es genauso, er ist verletzungsbedingt im Schongang.</p>
<p>Am Start stehen nette, sonnengebräunte Menschen und ein paar Außerirdische. Besonders gut gefällt mir der vom Planeten &#8220;Degussa&#8221;, ein Herr mittleren Alters und kurioser Langhaarfrisur. Auf seinem T-Shirt steht neben dem Planetennamen: &#8220;Sehen Sie, was mit Spezialchemie alles läuft.&#8221;. Das toppt sogar meine bisherigen Lieblingslaufshirts: das mit dem Aufdruck &#8220;Koch’s Meerrettich&#8221; und das der Frankfurter Hebammen, auf dem steht &#8220;Heute hecheln wir&#8221;.</p>
<p>Ein weiterer Außerirdischer weist seinen Planeten nicht aus. Er trägt obenherum ein enges Triathlonshirt ohne Arm, um die Hüften allerdings ein Langarm-Fleeceshirt im Röckchenmodus und dazu ein paar schwarze Snowboardstrümpfe mit Schienbeinpolsterung. Wenn man aus dem All kommt, kann man schließlich nie so genau wissen, wo man landet. Hawaii, Sibirien – dieser Mann ist für alles gerüstet.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau06.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Das Feld verspricht also gute Unterhaltung unterwegs und so starten alle bester Laune. Ich versuche einen 5:30er Schnitt, mein Trainingspartner weiß es noch nicht so genau und zockelt erst einmal neben mir her. Obwohl ich ungeheuer formschön laufe, wird es ihm bald zu bunt und ich muss ihn ziehen lassen. Nein, hetzen mag ich heute nicht. Wer weiß, was da noch so kommt. </p>
<p>Ich. Ich weiß genau, was da noch so kommt, schließlich bin ich die Strecke schon öfter gelaufen. Sie ist wunderschön, aber nicht gerade flach. Es ist dauernd etwas los. Zack &#8211; eine Kurve, öfz &#8211; ein Anstieg, zisch – ein Bergabstück, huch – ein Kilometerschild. In Eichen gibt es die schönsten Kilometerschilder überhaupt – riesengroß, handgeschrieben und zweifarbig. Sie sehen aus, als wären sie noch aus der Zeit, als es Menschen gab, die gerne Bonnie Tyler hörten. </p>
<p>Ich laufe vor mich hin und fühle mich wohl. Bei km 11 kann man es richtig rollen lassen. Kein Zweifel – die Strecke hat mich lieb. Ich erwidere die Zuneigung, in dem ich sie mit Hingabe belaufe. Und mich überhaupt nicht daran störe, als eine Dame meiner Altersklasse an mir vorbeigazellt. Verliebte sind unangreifbar. Ich schaue auf die Uhr – mein heimlicher Plan, unter 1:55 zu bleiben, sollte drin sein.</p>
<p>Machen wir es kurz: wenige Kilometer später arbeite ich mich wieder an die Dame heran. Und komme sogar vorbei. Davon beflügelt rasiere ich kurz vor Schluss noch den schwarzsockigen Außerirdischen. Einfach so. Ich laufe vergnügte 1:53. Das sind zwar satte sechs Minuten langsamer als letztes Jahr, aber da war ich auch eine Außerirdische vom Planeten Ehrgeiz mit 70 Wochenkilometern.</p>
<p>Wir mümmeln unseren Kuchen und lauschen zufrieden der Siegerehrung. Solange bis wieder zur Musik gewechselt wird und das Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Eichen damit beginnt, die Bierbänke leer zu singen.</p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
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<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
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