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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Nidderau09</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Evita und die t&#228;towierte Wade.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Aug 2009 15:16:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, ich erkl&#228;re jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt d&#228;mmert’s. Auf jeden Fall ist es sch&#246;n dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf n&#228;mlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte. (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Nidderau-Eichen (2009)</h2>
<p>Nein, ich erkl&#228;re jetzt nicht, wo Nidderau-Eichen liegt. Wozu gibt es Google Maps? Vielleicht nur so viel: es liegt gleich bei Windecken und Erbstadt. Gell, jetzt d&#228;mmert’s. Auf jeden Fall ist es sch&#246;n dort. Zumindest im Wald, den Rest kenne ich nicht so gut. Den Wald kenne ich umso besser, ich bin dort bei einem Lauf n&#228;mlich schon mal Letzte geworden. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Heute will ich nicht Letzte werden. Sonst will ich eigentlich nichts. Nur laufen. Wir melden uns an. Neben der Kasse steht ein frisches Sch&#228;lchen mit Pommes. Ein ungewohnter Anblick um 8:20 Uhr am Sonntag morgen. Nidderau r&#252;stet sich eben f&#252;r alles und dazu geh&#246;rt auch die kulinarische Rundumverpflegung nach dem Lauf.  Wir st&#252;rmen die Umkleiden. Normalerweise ist das der Moment, an dem man uns in Nidderau mit „Best of Volkslauf“-Musik einstimmt. Ich spitze die Ohren und warte auf Bonnie Tyler oder doch wenigstens die Spider Murphy Gang. Nichts. Doch dann wird eine CD eingelegt. „M&#228;&#228;mry!  Ohl &#228;lon in the Muunleit &#8230;“ Oh weh. Cats. Musical am Sonntag morgen. Sind denn so viele Homosexuelle hier? Schl&#228;frigkeit erfasst mich. Langsam ziehe ich mich um.</p>
<p>Zum Gl&#252;ck ergreift der Moderator bald das Mikro. Das ist viel erbaulicher. Er hofft, dass alle bei dem sch&#246;nen Wetter nach dem Lauf noch bleiben und „etwas verkonsumieren“.  Wenn es nicht gerade die Pommes sein m&#252;ssen, kommen wir der Aufforderung sicher gerne nach. Wozu macht man denn Volksl&#228;ufe, wenn nicht, um hinterher etwas zu verkonsumieren? In meinem Fall w&#252;rde es sich bestimmt lohnen, mir ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love verkonsumieren“ drucken zu lassen.  </p>
<p><img class="size-full wp-image-727 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 9px; margin-right: 9px;" title="Nidderau-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Kuchen.jpg" alt="Nidderau-Kuchen" width="269" height="359" /></p>
<p>Mein Trainingspartner ist jetzt auch fertig- gewurschtelt und wir k&#246;nnen uns einlaufen. Doch pl&#246;tzlich steht eine Dame vor uns, um uns zu fragen, ob wir unsere Startnummern von zuhause mitgebracht h&#228;tten. Ich bringe viel von zuhause mit. Kugelschreiber, Vaseline, Getr&#228;nke, in H&#228;rtef&#228;llen auch Kaffee und Kuchen. Aber Startnummern? Nein. Hintergrund der Frage ist, dass die Dame mit zwei Startnummern wedelt. Unseren Startnummern. Obwohl wir sie doch schon am Bauch tragen. Offensichtlich sind die Nummern doppelt vergeben worden. Wir sind ratlos und wollen auch andere Menschen mit diesem Zustand verraut machen. Es gelingt: hinter der Kasse, dort wo die Pommes bl&#252;h’n, hat man keine Erkl&#228;rung f&#252;r die Doppelvergabe. Ein Fehldruck. Eine kurze Amnesie der Druckmaschine. Etwas in der Art. Weil die Dame im Gegensatz zu uns noch nicht umgezogen ist, tauschen wir freiwillig unsere Startnummern um.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-729" title="Nidderau-Anmeldung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Anmeldung.jpg" alt="Nidderau-Anmeldung" width="480" height="360" /></p>
<p>Dann, endlich, k&#246;nnen wir uns einlaufen. Auf dem Weg Richtung Feld liegt eine tote Maus. Hier liegt immer ein totes Tier, das geh&#246;rt zur Tradition. Jetzt kann also nichts mehr schiefgehen. Als wir zur&#252;ckkehren, singt jemand, dass Argentinien nicht um sie weinen soll. Sie gibt sich M&#252;he, dass man sie auch wirklich bis Argentinien h&#246;ren kann, obwohl das ja noch hinter Windecken liegt. Evita beim Volkslauf passt ungef&#228;hr so gut wie die Johannes-Passion zum Kindergeburtstag. Aber hessische L&#228;ufer am Sonntag morgen sind entspannter als jede Yoga Gruppe. Welche Musik ihre „Ei Guude!“-Rufe untermalt, ist da herzlich egal.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-730" title="Nidderau-Haarstudio" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Haarstudio.jpg" alt="Nidderau-Haarstudio" width="443" height="332" /></p>
<p>Wir starten mit einer kleinen Versp&#228;tung, weil wir erst einen Zug abwarten. In Eichen ist man da umsichtig. Nichts soll die pers&#246;nlichen Bestzeiten behindern. Die lassen sich freilich nur an den Vorjahren bemessen. Die h&#252;gelige Strecke taugt f&#252;r keine besonderen Rekorde. Auf der Stra&#223;e des Starts lehnen sich etwa 200 L&#228;ufer an Fachwerkh&#228;user und dehnen ihre Waden. Um ihre Heimstatt besorgte Einwohner schauen ihnen dabei aus dem Fenster zu. Der Moderator tr&#228;gt sein Megaphon wie eine kostbare Handtasche und gibt den Startschuss. Es geht wenige hundert Meter durch den Ort, dann eine gro&#223;e Stra&#223;e entlang. Der Laufweg ist hier mit L&#252;becker H&#252;tchen abgesperrt. Vor mir l&#228;uft ein Paar, als er pl&#246;tzlich an einem Pylon strauchelt. Es sieht aus, als ob er sich f&#228;ngt, doch dann legt er einen filmreifen Sturz hin. Seine Begleiterin kommentiert das Fallen mit einem spitzen Schrei. Es war eine Unkonzentriertheit, ein unn&#246;tiger Sturz (falls es n&#246;tige geben sollte). Die L&#252;becker H&#252;tchen stehen in Reih und Glied, der Veranstalter hat nichts falsch gemacht. (Ich erw&#228;hne an dieser Stelle den Begriff „L&#252;becker H&#252;tchen“ &#252;brigens so oft, weil ich festgestellt habe, dass etliche Besucher meiner Seite &#252;ber diesen Suchbegriff bei Google kommen. Vielleicht komme ich so unter die Top Ten der Suchergebnisse und alle Stra&#223;enbauer werden dann zu L&#228;ufern.) Der kleine Stunt des L&#228;ufers hat mich hellwach gemacht. St&#252;rze braucht kein Mensch.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf der Couch lesen? Hier gibt&#8217;s die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/Nidderau-09.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Schon bald sind wir im Wald. Die Strecke ist wundersch&#246;n, &#252;berwiegend schattig, abwechslungs- reich – und ein einziges Auf und Ab. Bis zum Schluss. Nie hat man das Schlamassel hinter sich, die n&#228;chste Steigung kommt bestimmt. Trotz des anspruchsvollen Profils wird im Feld noch viel geplaudert. Urlaubserlebnisse. Vor mir l&#228;uft ein L&#228;ufer (was sonst) mit einer t&#228;towierten Wade. Er ist nicht &#252;berm&#228;&#223;ig schnell und ich habe ihn bald &#252;berholt. Auf der gesamten Strecke h&#228;ngen Vogelh&#228;uschen mit Hausnummern. Vermutlich wegen der Post. Schon nach vier Kilometern gibt es etwas zu Trinken und Schw&#228;mme. Vorbildlich. Die Sonne blinzelt durch das Bl&#228;tterdach, das Feld hat sich schnell weit auseinandergezogen und es ist ungeheuer friedlich. Vor mir: ein L&#228;ufer (was sonst) mit einer t&#228;towierten Wade. Moment mal. Das hatten wir doch schon mal. Wo kommt der denn jetzt her? Und war es nicht eben die andere Wade? Ah! Kein Wunder. Ist ja auch ein anderer L&#228;ufer. Man hat das jetzt mit den Waden. Auch sonst sind sich die beiden &#228;hnlich: blaues T-Shirt, dunkle Haare. Na gut. &#220;berhole ich diesen eben auch. Das geht nicht ganz so leicht, aber dann doch. Jetzt bin ich beinahe allein. Weit vorne t&#252;pfelt etwas Rotes im Gr&#252;n herum. Was hinten t&#252;pfelt, sehe ich ja nicht. Nach 10 km zeigt meine Uhr 55:55. Das ist vollkommen in Ordnung. Mehr muss bei dieser Strecke heute nicht sein. Ich schwitze wie ein Hirsch. Man k&#246;nnte meinen, es w&#228;re August.</p>
<p>Ich wage mir nicht vorzustellen, wie Martina jetzt unter ihrer Per&#252;cke schwitzt. Martina ist eine transsexuelle L&#228;uferin, die noch etliche m&#228;nnliche Attribute besitzt, f&#252;r immer besitzen wird. Zum Beispiel ihr Lungenvolumen und ihre Sauerstoffaufnahmekapazit&#228;t. Veranstalter wissen deshalb oft nicht, ob das „W“-Kreuzchen auf dem Anmeldezettel wirklich gerechtfertigt ist. Ein Dilemma. Das IOC l&#228;sst seit 2004 transsexuelle Sportler zu. Im DLV scheint es noch Kl&#228;rungsbedarf zu geben.  Einstweilen bin ich froh, „dass ich ein M&#228;h&#228;h&#228;h&#228;dchen bin.“ Mit schlechten VO2max Werten, unpraktischen Muskelfasern und ganz unbrauchbaren Testosteronmengen. Das macht zwar langsam, aber man kann sich den Reifen wechseln lassen, ohne dass man als Memme gilt.</p>
<p>Pl&#246;tzlich schnauft es hinter mir. Das ist die t&#228;towierte Wade, ich bin ganz sicher. Na gut. Dann lauf halt vorbei. Aber nix da. Die Wade ist eine Klette. Sie bleibt hinter mir. Bergauf, bergab. Schnauft, hustet, schnieft. Ohne Wade w&#228;re der Wald irgendwie idyllischer. Aber k&#252;nstlich langsam machen mag ich jetzt auch nicht. Eine Getr&#228;nkestation kl&#228;rt die Situation. Ich gehe ein paar Schritte und g&#246;nne mir die winzige Ruheinsel eines Wasserbechers. Jetzt zieht die Wade an mir vorbei. Es ist die linke. Der L&#228;ufer, den ich zuerst gesehen hatte. Heute wollen mich irgendwie alle verwirren. Und wo ist der andere? Der war doch schneller. Ich sag’s ja. T&#228;towierten Waden kann man nicht trauen. Fortan habe ich sie wieder vor mir. In einigem Abstand, aber der wird nicht gr&#246;&#223;er. Lieber eine Karotte als eine Klette: ich bleibe dran. Bis zum Schluss. Das ist anstrengend. Als ich mit 1:56:56 ins Ziel komme (schon wieder so eine h&#252;bsche Zahl), m&#246;chte ich mich am Liebsten auf der Stelle zu der toten Maus legen. Doch dann sticht mich eine Bremse, f&#252;r die der Zielbereich so etwas wie ein Feinschmeckerrestaurant zu sein scheint, und ich bin wieder munter.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-731" title="Nidderau-Konsum" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Konsum.jpg" alt="Nidderau-Konsum" width="250" height="187" /> <img class="alignnone size-full wp-image-732" title="Nidderau-Zelt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Nidderau-Zelt.jpg" alt="Nidderau-Zelt" width="254" height="186" /></p>
<p>Beim obligatorischen Verkonsumieren von Backwaren wird Evita durch die Siegerehrung ersetzt und ich bin froh. &#220;ber Eichen, die Strecke, meine langsam wiederkehrende Form, die Sonne und das Sein. Und mein Trainingspartner hei&#223;t seit heute Ewald. Fluch der umgetauschten, aber nicht richtig registrierten Startnummer.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter unter <a href="http://www.ff-eichen.de/">www.ff-eichen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Nidderau-Eichen?</h4>
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<p><!-- Do not change code! --></p>

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