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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Obertshausen</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von Rosamunde, Rotz und Rasen.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 21:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Laufbericht ist wie ein Rosamunde Pilcher Roman: Vorhersehbar und schnulzig. Am Ende wird der Held/die Heldin auf die ein oder andere Art ins Ziel kommen. Unterwegs begegnet er der Liebe zum Laufen, die &#252;ber weite Teile der Strecke freilich unerwidert bleibt. Doch die brutale Wahrheit sieht anders aus.]]></description>
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<p>Ein Laufbericht ist wie ein Rosamunde Pilcher Roman: Vorhersehbar und schnulzig. Am Ende wird der Held/die Heldin auf die ein oder andere Art ins Ziel kommen. Unterwegs begegnet er der Liebe zum Laufen, die &#252;ber weite Teile der Strecke freilich unerwidert bleibt. Gew&#252;rzt ist das ganze mit allerlei Hindernissen, wie schlechten Wetterlagen, k&#246;rperlichen Einschr&#228;nkungen und unzureichender Verpflegung. Dazu kommen garstige Mitl&#228;ufer, die erfolgreich um die Gegenliebe des Laufens buhlen und den Helden in verzweifelter Stimmung zur&#252;ck lassen. Der Held m&#246;chte aufgeben, gewinnt aber dann auf magische Weise den Glauben an sich selbst wieder. Ich gebe zu, dass gerade meine Laufberichte kein Klischee auslassen. Sie spielen auch noch zumeist auf dem Land, wo flei&#223;ige Hausfrauen mit flinken Fingern gar herrliches Backwerk zaubern. Hier wird immer alles gut, Rosen regnen &#252;ber die schwieligen F&#252;&#223;e, der Schleier des Vergessens senkt sich &#252;ber die L&#228;ufer im Ziel. Heute will ich deshalb einmal die nackte, brutale Realit&#228;t beschreiben. Ohne jede Verkl&#228;rung. Das Leben ist kein Bambini-Lauf. Nicht sonntags morgens um sechs Uhr. So fr&#252;h muss man aufstehen, wenn man in Obertshausen-Hausen antreten will. Und wie soll schon ein Tag werden, der mit einem Spruch von Paulo Coelho in einer Kirchenradiosendung beginnt?</p>
<p>Das Leben ist unerbittlich, das best&#228;tigt mir Gregor, den wir in Obertshausen-Hausen treffen. Er berichtet mir n&#228;mlich, dass das Laufschwein der Autobahnkiller sein soll. Ich wusste bis dato weder, dass es ein Laufschwein, noch dass es einen Autobahn-Killer gibt. Aber die Geschichte geht so: das Laufschwein ist ein mir unbekannter Volkslaufbesucher in der Region, der gern in einem Schweinekost&#252;m auftritt. Er wurde beschuldigt, einen Mord an der A5 begangen zu haben. „Dieses Schwein ist der Autobahn-Killer“ schrieb die Bild-Zeitung dazu und zeigte ein Bild vom Laufschwein im Kost&#252;m. Es stellte sich aber heraus, dass es das Laufschwein gar nicht gewesen sein konnte. (Niemals w&#252;rde Rosamunde Pilcher eine derart fiese Geschichte in ihren Roman einbauen!)</p>
<p>Auch im Keller der Picard-Halle, wo die Umkleiden sind, werde ich mit der brutalen Realit&#228;t konfrontiert. Die Toiletten neben der Umkleide miefen entsetzlich. Auf einem kargen Holzstuhl lasse ich meine Sporttasche fallen, im d&#252;nnen Schein der Kellerlampe ziehe ich mich um. Drau&#223;en ist Sommer, aber ich fr&#246;stele. Der Autobahn-Killer l&#228;uft noch immer frei herum. Am Ende ist es ein L&#228;ufer ohne Kost&#252;m.</p>
<div id="attachment_2515" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Betreten-Schild.jpg"><img class="size-full wp-image-2515  " title="Hausen Betreten Schild" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Betreten-Schild.jpg" alt="Bei M&#252;digkeit verlockend - aber diese Sportplatzmatte ist tabu." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Garstig: diese Sportplatzmatte ist tabu.</p></div>
<p>Wir laufen uns ein und sind tats&#228;chlich &#252;berrascht, wie k&#252;hl es im Wald ist. Der Lauf in Hausen ist normalerweise eine h&#246;chst schwei&#223;treibende Angelegenheit. Heute ist das Laufwetter geradezu perfekt. Hier sind keinerlei literarische Spannungsb&#246;gen zu erwarten. Was will ich denn heute laufen? Den Halben, klar. Aber wie schnell? Wie schnell kann ich denn schon wieder? Wie schnell sollte ich? Ich beschlie&#223;e, dass unter zwei Stunden drin sein muss. Wenn ich jemals einmal wieder unter 1:50 laufen will, sollte ich jetzt unter 2 Stunden laufen. (Ist doch vollkommen logisch.)</p>
<div id="attachment_2517" class="wp-caption aligncenter" style="width: 394px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Start-1000-Meter1.jpg"><img class="size-full wp-image-2517 " title="Hausen Start 1000 Meter" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Start-1000-Meter1.jpg" alt="Brutal: so enden hier Tennisb&#228;lle." width="384" height="512" /></a><p class="wp-caption-text">Brutal: so enden hier Tennisb&#228;lle.</p></div>
<p>Wir starten. &#220;ber die Strecke in Hausen gibt es nicht viel zu erz&#228;hlen. Sie ist ganz unpilcheresk. Flach. Wald, bis der Arzt kommt. (Der kommt dort nie. Ich bin hier einmal b&#246;s gest&#252;rzt, ich wei&#223; es.) Bereits auf der kleinen Stadionrunde zieht das Feld wie verr&#252;ckt. Man hat es furchtbar eilig. Ich ja eher nicht so. Auf dem Waldweg gibt es noch ein wenig Gedr&#228;nge, bis sich alles sortiert hat. Wir wackeln hintereinander her wie Erbsen auf dem Flie&#223;band. Vor mir tr&#228;gt jemand postgelbe Kompressionsstr&#252;mpfe. Bald gesellt sich ein Gef&#228;ngnisw&#228;rter zu mir. So nenne ich die L&#228;ufer, in deren Taschen &#252;berdimensionierte Schl&#252;sselb&#252;nde rasseln. Es gibt einige von ihnen, vielleicht ist es eine geheime Bruderschaft. Begegnet mir einer am Anfang eines Laufes, gerate ich augenblicklich in Panik. Was ist, wenn er jetzt 20 Kilometer neben mir bleibt? Was ist, wenn ich beim Versuch, ihn abzusch&#252;tteln, auf der Strecke versterbe und das letzte, was ich h&#246;re, ist ein rasselnder Schl&#252;sselbund, der langsam im Wald verhallt? In der Regel trennen sich unsere Wege gl&#252;cklicherweise ohne, dass einer von uns beiden das Zeitliche segnet. Es passiert einfach. So auch dieses Mal. Er ist schneller. Gef&#228;ngnisw&#228;rter m&#252;ssen ja auch fit sein.</p>
<p>Ich laufe ruhig und gleichm&#228;&#223;ig, nachdem es mir gegl&#252;ckt ist, der Hektik im Feld zu entkommen. Sollen sie doch. Pah! Nach wenigen Kilometern h&#246;re ich es hinter mir plaudern. Eine junge Frau redet. Und redet. Und redet. Es ist die Familiengeschichte. Liebe. Drama. Wahnsinn. Ihre Begleiterin sagt von Zeit zu Zeit Ah! oder Aha! oder Hihihi! Mehr geht nicht, sonst verpasst sie den Anschluss. In das Plaudern mischt sich auf einmal ein lautes Schnauben und Schneuzen. Dann spuckt es, schneuzt und rotzt. Dann schnaubt es wieder. Wenn das so weitergeht, verpasse ich die ganze Schilderung der Scheidung! Doch jetzt setzt das Schneuzen zum &#220;berholen an. Etwas rotzt an mir vorbei, bis es sich schlie&#223;lich vor mich setzt. Genaugenommen setzt es sich exakt einen Schritt vor mich und bremst leicht ab. Dann schneuzt es.  Vermutlich handelt es sich hier um so eine Art Volkslauf-Assessment-Center. Ich soll mit allerlei Pr&#252;fungen fertig werden. Oder es ist einfach das Schicksal. Erst klingelt es, dann plaudert es und jetzt rotzt es. Einen halben Schritt vor mir. Ich muss meinen Schritt verk&#252;rzen, was durch meinen ChiRunning-Modellversuch kaum m&#246;glich ist. Ich mache ohnehin schon kleine Schritte. Jetzt tripple ich hinter einer saftig gef&#252;llten Nase her. Ich schere zum &#220;berholen aus, es hilft ja nichts. Die Nase zieht die Nase hoch und das Tempo an. So laufen wir nebeneinander her. Durch das Schnorcheln zu meiner Rechten h&#246;re ich, wie es nach der Scheidung weiterging. Bei Rosamunde Pilcher k&#228;me jetzt wenigstens ein Reh aus dem Geb&#252;sch. Ein F&#246;rster w&#252;rde mich tr&#246;stend in den Arm nehmen und sagen: „Hier drau&#223;en ist das Leben nicht immer einfach. Aber es ist ehrlich, verstehen sie? Nie wird mich eine Bache so entt&#228;uschen, wie es eine Frau tun kann.“</p>
<p>Aber das hier ist die brutale Wahrheit des Volkslaufens. Im Wald rotzt es und man kann nichts dagegen tun. Nach der Scheidung kam man &#252;brigens wieder zusammen. Nach ein paar Jahren. Das darf ich noch erfahren, dann ziehen die beiden jungen Frauen an der Nase und mir vorbei. Und dann geschieht das Wunderbare. Ich bestehe die Pr&#252;fung und h&#228;nge das schniefende Etwas einfach ab. Ich laufe schneller als die Nase der Nase. Das geht einfach so. Herrlich.</p>
<p>Nach 10 km g&#246;nne ich mir einen Becher Wasser. Dieter Baumann sagt, das muss man nicht. Trinken bei einem Halbmarathon. Ich nehme mir einfach fest vor, wenn er mich eines Tages fragt: „Sag, hosch Du 2010 in Obertshouse was drunke?“ sag ich einfach: „Hanoi“. Brutal, aber so ischs L&#228;be.</p>
<p>Nach einer friedlichen Zeit hinter einem orangefarbenen R&#252;cken treffe ich Gregor, der mir mit einigen Kilometern Vorsprung entgegen kommt. Augenblicklich muss ich an das Laufschwein und den Autobahnkiller denken. Wie man Killer wird, kann ich mir leicht vorstellen. Aber wie wird man Laufschwein? Seltsam. Das Schwein tr&#228;gt mich &#252;ber den n&#228;chsten Kilometer und allm&#228;hlich wird es Zeit zu rechnen. Reicht es f&#252;r eine Zeit unter 2 Stunden? Eieiei, das wird knapp. Das wird einer dieser unangenehmen L&#228;ufe, wo man bis zum Schluss nicht nachlassen darf. Viel sch&#246;ner ist es, wenn man die Pflicht schon in der Tasche hat und alles weitere zur K&#252;r wird. Aber meine Hausaufgaben sind noch nicht gemacht, einen Puffer gibt es nicht. Im Gegenteil: jetzt muss ich watzen. Innerlich seufze ich. Ein 5,5er Schnitt. Wie anstrengend ist das denn. Fr&#252;her war das mal eine bevorzugte Reisegeschwindigkeit, aber davon bin ich weit entfernt. Ich rei&#223;e mich zusammen. Das geht schon, nicht nachlassen. Meine Moral war noch immer ganz ordentlich. Nur noch die Stadionrunde in dem kleinen Rund, das sich in den letzten zwei Stunden um mindestens 500 Meter ausgedehnt hat, dann bin ich am Ziel. 1:59:23. Ich kann den Autopiloten ausschalten. (Werbepause) Mein Trainingspartner erwartet mich mit dem besten alkoholfreien Bier der Welt. Es hei&#223;t <a href="http://www.faust.de/de/willkommen__/index.html" target="_blank">Faust</a>, schmeckt aber trotzdem. Unfassbar gut sogar. Faust hat die L&#228;uferzielgruppe im Auge und schenkt heute in Obertshausen aus. Einfach so. (Werbepause Ende)</p>
<div id="attachment_2518" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Faust.jpg"><img class="size-full wp-image-2518 " title="Hausen Faust" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Faust.jpg" alt="Das Bier schmeckt extrem gut. Das bleibt aber unter uns." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Das Bier schmeckt extrem gut. Das bleibt aber unter uns.</p></div>
<p>In Obertshausen obligatorisch ist eine kleine Barfu&#223;runde auf dem Sportplatz. Der hiesige Rasen ist so eine Art Velourauslegeware im Grashalmdesign, zumindest f&#252;hlt er sich so an. Auf der zweiten Runde wandelt sich das krampfige Eiern denn auch schon wieder in etwas, das entfernt an Laufen erinnert.</p>
<div id="attachment_2519" class="wp-caption aligncenter" style="width: 394px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Walking-Treff.jpg"><img class="size-full wp-image-2519 " title="Hausen Walking Treff" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Walking-Treff.jpg" alt="In Obertshausen-Hausen gibt es nur Minutenzeiger." width="384" height="512" /></a><p class="wp-caption-text">In Obertshausen-Hausen gibt es nur Minutenzeiger.</p></div>
<p>Und dann schl&#228;gt die Realit&#228;t noch einmal ganz hart zu. 1. Ich kriege keinen weiteren Becher vom besten alkoholfreien Bier der Welt, so lange nicht alle L&#228;ufer davon kosten d&#252;rfen (und etliche sind noch auf der Strecke). 2. Wir verpassen den Bambini-Lauf (das wichtigste Ereignis in Hausen) und 3. Der Kuchen schmeckt &#8230; wie soll man es sagen &#8230; nicht. Er schmeckt einfach nicht. Wir haben komische Sorten erwischt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-2010-Kuchen.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2521" title="Hausen 2010 Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-2010-Kuchen.jpg" alt="Hausen 2010 Kuchen" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Solche ersch&#252;tternden Wahrheiten m&#252;ssen auch einmal ausgesprochen werden, ohne jeden Zuckerguss. Gut, dank Sponsor <a href="http://www.bioshop-online.de/querbeet/?article=233" target="_blank">„Querbeet“</a> gab es wieder einmal Schnitze der besten &#196;pfel der Welt. Aber dieser Kuchen &#8230; Brutal. Und niemand von uns hat einen Altersklassensieg abbekommen! Nicht einmal etwas von der Tombola, obwohl es Groggl&#228;ser und eine W&#228;rmflasche zu gewinnen gab! Von dem Steingutkrug (0,2 Liter) ganz zu schweigen. So sieht das aus. Die Realit&#228;t – und das muss an dieser Stelle mal gesagt werden – ist n&#228;mlich mindestens so hart wie die Bauchdecke eines durchschnittlichen Rotkreuz-Helfers.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffe4b5; border-left-color: #ffe4b5; border-right-color: #ffe4b5; border-bottom-color: #ffe4b5; background-color: #dcdcdc; ">Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s bei der <a href="http://www.tgs-hausen.de/termine-und-veranstaltungen/volkslauf.html" target="_blank">TGS Hausen</a>.</div>

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		<title>Die ganze Welt des Laufens.</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jul 2009 12:43:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute fahren wir nach Obertshausen. Genauer gesagt, nach Hausen. Einem der zwei Ortsteile von Obertshausen. Der andere hei&#223;t nicht etwa Oberts, sondern auch Obertshausen. Das ist alles sehr verwirrend und ich bin froh, dass ich heute hier nicht die Ortschronik schreiben muss, sondern nur einen Laufbericht. Wir rollen also in den Ortsteil und gleich f&#228;llt mir ein Slogan f&#252;r ein Parkhaus ein, den ich gestern gelesen habe: (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Obertshausen-Hausen (2009)</h2>
<p>Heute fahren wir nach Obertshausen. Genauer gesagt, nach Hausen. Einem der zwei Ortsteile von Obertshausen. Der andere hei&#223;t nicht etwa Oberts, sondern auch Obertshausen. Das ist alles sehr verwirrend und ich bin froh, dass ich heute hier nicht die Ortschronik schreiben muss, sondern nur einen Laufbericht. Wir rollen also in den Ortsteil und gleich f&#228;llt mir ein Slogan f&#252;r ein Parkhaus ein, den ich gestern gelesen habe: <span id="more-771"></span> „Die ganze Welt des Parkens.“ Auch uns bietet sich hier die ganze, faszinierende Welt des Parkens: zwei Autos und dazwischen eine ausreichend gro&#223;e L&#252;cke. Herrlich.</p>
<p>Ich will heute nach langer Zeit einmal wieder einen Halbmarathon laufen. Das letzte Mal, dass ich 20 km gelaufen bin, war im November oder Dezember. Das macht mich – nun ja – ein wenig nerv&#246;s. Lange L&#228;ufe zwischen 15 und 20 km habe ich in den letzten Monaten auch reichlich wenige im Laufbuch. Dabei habe ich doch gelernt, dass es genau diese L&#228;ufe sind, die man machen muss. Damit die Muskulatur sich daran gew&#246;hnt, m&#246;glichst lange submaximal zu kontrahieren. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet, aber man kann es &#252;berall lesen. Weil mir der Begriff „submaximal“ so gut gef&#228;llt, habe ich es mir gemerkt.</p>
<p>Ich bin also heute sehr gespannt, wie, warum und wohin meine Muskulatur kontrahiert. Der Halbmarathon in Obertshausen (Hausen) ist eine einzige Waldschneiserei. Es schneist links, dann schneist es rechts, dann wieder links. Keine Anstiege, keine Seeumrundung. Einfach nur solider, deutscher Wald. Nicht sehr spektakul&#228;r. Im Grunde wei&#223; ich auch nicht, warum ich heute hier zum neunten Mal antrete. In Obertshausen gab es mal eine B&#252;rgermeisterkandidatin der SPD, die Mechthild Schmitt hie&#223;. Aber das allein kann es ja auch nicht sein. Au&#223;erdem hat sie die Wahl nicht gewonnen. Man erlebt hier bestenfalls die halbe Welt des Laufens. Es scheint also so zu sein, als w&#228;re bereits die mickrige H&#228;lfte f&#252;r mich au&#223;erordentlich anziehend und sch&#246;n.</p>
<p>Als Dame kleidet man sich in den Kellergew&#246;lben der Picard-Halle um, die nicht etwa nach Handtaschen benannt ist, obwohl das bekannte Lederwarenunternehmen in Obertshausen seinen Sitz hat. Sie hei&#223;t nach einem ehemaligen Vereinsvorsitzenden, den man damit vermutlich f&#252;r besondere Dienste um den Sportverein ehrte. Picard hei&#223;t man in Obertshausen &#246;fter, es ist anzunehmen, dass Jean-Luc Picard, Kapit&#228;n der USS Enterprise, auch von dort stammt.</p>
<p>Ich ziehe mich also in der Picard-Halle um und beobachte dabei eine Dame, die sich die kompletten Beine mit Vaseline einreibt. Es erinnert eher an die Vorbereitungen zu einem Bodybuilding-Wettbewerb, denn die Beine beginnen augenblicklich zu gl&#228;nzen. Vielleicht will sie die Konkurrenz m&#252;de spiegeln. Ich sehe von Vorbereitungen dieser Art ab und bin schnell fertig. Im Gang zur Umkleide haben sich inzwischen Horden apfelschorlengef&#252;llter Menschen angesammelt, denn hier sind die Toiletten. Wie so oft sind es zu wenige.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Sp&#228;ter weiterlesen? Bittesch&#246;n: die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/07/Obertshausen09.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Ich treffe mich mit meinem Trainingspartner drau&#223;en, in der Hoffnung, beim Einlaufen im Wald ein kuscheliges Geb&#252;sch   zu finden. Die erf&#252;llt sich nicht, rund um das kleine Stadion ist einfach zu viel los und auch nach so vielen Jahren Laufen gehe ich ungern pinkeln, wenn Menschen dabei an mir vor- beihasten. Das Problem l&#246;st sich, als wir den Weg zur anliegenden Schule sehen, die heute ihre Pforten ge&#246;ffnet hat. Obertshausen k&#252;mmert sich also doch um die Bed&#252;rfnisse seiner L&#228;ufer.</p>
<p>Ich gl&#228;tte noch einmal meine backblechgro&#223;e Startnummer &#252;ber meinem Bauch und dann geht es auch schon los. Nach einer ¾ Stadionrunde zielt der Weg in den Wald. Auf den ersten zwei Kilometern dr&#228;ngelt es sich ein bisschen, aber dann ist bald genug Platz f&#252;r alle. Meine Uhr zeigt seltsame Zwischenzeiten und ich bin irritiert. Sollte ich mein Tempogef&#252;hl v&#246;llig verloren haben? Bei km 5 ist aber alles im gr&#252;nen Bereich und ich beschlie&#223;e, dass die Kilometerschilder mit submaximaler Genauigkeit aufgestellt wurden. Seit einer Weile laufe ich mit einem Stein im Schuh. Es f&#252;hlt sich nach einem wahren Bergwerk an, ein Gef&#252;hl hinter dem erfahrungsgem&#228;&#223; ein Steinchen in Nanopartikelgr&#246;&#223;e steckt. Ich arbeite den Stein laufend unter das Fu&#223;gew&#246;lbe.</p>
<p>Schon bald l&#228;uft vor mir ein Riese. Zwar ist die Strecke nicht &#252;berm&#228;&#223;ig aufregend, aber es kann zuweilen n&#252;tzlich sein, wenn man sieht, wo man hinl&#228;uft. Mit dem Riesen als Hase ist das schwer m&#246;glich. Andererseits ist mir der in den Himmel ragende R&#252;cken irgendwie nicht unsympathisch. Er riecht nicht schlecht, macht keine unangenehmen Ger&#228;usche und hat keine n&#228;ssenden Ekzeme im Nacken. Also nehme ich mein Schicksal an und laufe ihm einfach nach. Schneller will ich einfach gerade nicht. Ich muss schlie&#223;lich mit meinen Kr&#228;ften haushalten. Und au&#223;erdem sind wir im Wald und nicht im Kino. Ich sehe noch genug. Der Stein im Schuh sitzt jetzt unter dem Ballen.</p>
<p>Zwei Kilometer sp&#228;ter hat sich das alles ohnehin erledigt, der nette Riese wird langsamer. Oder werde ich schneller? Naja, vielleicht ein bisschen. Jetzt l&#228;uft eine Dame in neongr&#252;nem Shirt an mir vorbei. In pinkfarbenen Lettern steht darauf: „Sch&#246;ne M&#228;nner und Weltfrieden Klein-Auheim“. W&#228;hrend ich noch dar&#252;ber nachdenke, ob in Klein-Auheim der Wunsch nach dem Genannten besonders dringlich ist, oder ob Klein-Auheim hier als Quell f&#252;r selbiges angepriesen werden soll, beschlie&#223;e ich, Ruhe zu bewahren. Nichts soll mich dazu verleiten, schneller zu laufen, als ich dauerhaft kann. Ich muss ja noch eine Weile kontrahieren. Und der Stein im Schuh ist an den Zehen angekommen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-772" title="Obertshausen-T-Shirt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-T-Shirt.jpg" alt="Obertshausen-T-Shirt" width="495" height="371" /></p>
<p>Als n&#228;chstes ereilt mich eine akustische Herausforderung. Ein L&#228;ufer hat Kleingeld einstecken. Viel Kleingeld. Ich bin ratlos? Warum nur? Was denken sich Volksl&#228;ufer, die Kleingeld mit auf die Strecke nehmen? Dass Ganoven unmittelbar nach dem Startschuss die Umkleide entern, um L&#228;ufern 4 Euro 80 (in zwanzig Cent-St&#252;cken) aus der Tasche zu rei&#223;en? Hat man ihnen nicht gesagt, dass die Verpflegung an der Strecke nichts extra kostet? Erwarten sie, unterwegs einzukehren, wie bei einer Bergwanderung? Ich wei&#223; es nicht. Ich muss gelegentlich mal so einen Klingelbeutel fragen. Mein steinerner Begleiter im Schuh probiert jetzt alle Zehen als Unterschlupf durch.</p>
<p>Die Kilometerbeschilderung ist nach dem Countdown-Prinzip beschrieben, was viele L&#228;ufer irritiert. Da steht etwa: „noch 9 km“. Mir ist das recht. Ich z&#228;hle in meinem Kopf ohnehin gerne herunter. F&#252;r heute habe ich mir eine besondere Rechnung ausgedacht, die ich immer dann anwende, wenn Schlaffheit droht und ich meiner Form nicht sicher bin. Mein Zeitziel f&#252;r heute ist verhalten: ich m&#246;chte weniger als 2 Stunden brauchen. Jetzt arbeite ich auf den Kilometer hin, ab dem ich dieses Ziel erreiche, selbst wenn mir durch einen Einbruch von da ab nur noch ein Tempo von 6 Minuten/km m&#246;glich sein sollte. Bei km 13 ist es soweit: wenn ich ab jetzt im 6er Schnitt weiter schlunze, komme ich immer noch unter 2 Stunden rein. Herrlich. Alles andere ist jetzt K&#252;r. Und der Stein ist weg. Keine Ahnung, wohin der sich verkrochen hat.</p>
<p>Inzwischen sind die 10km-L&#228;ufer an uns vorbeigezischelt, die 20 Minuten sp&#228;ter gestartet sind. Ich mag das gern, schnelleren L&#228;ufern zu begegnen. Es ist ein sch&#246;nes Unterhaltungsprogramm, wenn d&#252;nne Jungs mit Flatterhosen an einem vorbeihechten. Man kann auch gleich einen Siegertipp abgeben. Am Rand der Strecke stapft gerade ein Fotograf durch die Brennnesseln. Er h&#228;lt vermutlich Ausschau nach der ersten Frau der 10er. Bedauere, nein.</p>
<p>Jetzt l&#228;uft ein L&#228;ufer mit einem Saucony-Shirt vor mir. Obwohl der Hersteller Unmengen Werbegeld investiert hat, um mir beizubringen, wie man ihn ausspricht, vergesse ich es immer wieder. Sossoni? Sokoni? Ich w&#252;rde ja den T-Shirt-Besitzer fragen, aber der ist verkabelt. Wei&#223;e Schn&#252;re h&#228;ngen aus seinen Ohren. Wenigstens muss er so Mr. Viereuroachtzig nicht h&#246;ren.</p>
<p>Ich rechne bei jedem Kilometer meine m&#246;gliche Zielzeit aus, immer unter der Pr&#228;misse, dass ich auf der Stelle nur noch einen 6er-Schnitt w&#252;rde laufen k&#246;nnen. So wird die Zeit mit jedem Kilometer besser. Noch wage ich nicht zu prognostizieren, dass ich mein Tempo halten kann, obwohl ich im Grunde wei&#223;, dass jetzt nicht mehr viel passieren kann. Noch vier Kilometer Schneisensightseeing. Ein bisschen Wasser habe ich unterwegs getrunken, die letzte Station lasse ich aus. Ich mag jetzt nicht mehr wieder anlaufen m&#252;ssen. Ich ziehe an „Sch&#246;ne M&#228;nner und Weltfrieden“ vorbei und an vielen anderen auch. Das geht einfach so. Die Body-Memory funktioniert, mein K&#246;rper kennt die Strecke. Das mit dem Kontrahieren hat er noch nicht vergessen. Die Stadionrunde braucht noch einmal etwas Kraft, aber das ist der Fluch aller Stadionrunden. Ich holze mit 1:54:40 und einem triumphierenden Steinchen am gro&#223;en Zeh ins Ziel.</p>
<p>Das dichte, weiche Gras des Stadions riecht, als h&#228;tte man „Eau de Rasen“ darauf verspr&#252;ht. Hier liegt es sich hervorragend, w&#228;hrend man darauf wartet, dass Getr&#228;nkenachschub geholt wird. Hier l&#228;sst es sich auch hervorragend barfuss auslaufen, nachdem man das piesakende Steinchen aus dem Schuh gebastelt hat.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-773" title="Obertshausen-Bambini-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-1.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-1" width="490" height="366" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-774" title="Obertshausen-Bambini-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-2.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-2" width="515" height="386" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-775" title="Obertshausen-Bambini-3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-3.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-3" width="517" height="386" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-776" title="Obertshausen-Bambini-4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-4.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-4" width="523" height="392" /></p>
<p>Es folgt das Obertshausenritual: Kuchen und Kaffee holen, m&#252;mmeln und Bambini-L&#228;ufe gucken, bei denen winzige Kinder von gigantischen Startnummern beinahe v&#246;llig verdeckt werden. Und da ist sie dann doch wieder. Die ganze, maximale Welt des Laufens. Ohne jedes Sub.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-777" title="Obertshausen-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Kuchen.jpg" alt="Obertshausen-Kuchen" width="468" height="350" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr &#252;ber Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.tgs-hausen.de/">www.tgs-hausen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Obertshausen-Hausen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Obertshausen%20Hausen&amp;address=Obertshausen%20Hausen&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255632770" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
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		<title>Von Presslufth&#228;mmern, Tempotarifen und Wei&#223;w&#252;rsten.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/halbmarathon-obertshausen-07/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jul 2007 13:31:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
		<category><![CDATA[O - Z]]></category>
		<category><![CDATA[Obertshausen]]></category>
		<category><![CDATA[Obertshausen07]]></category>
		<category><![CDATA[Halbmarathon]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[„Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“ ist kein Film mit Sir Peter Ustinov und Lauren Bacall. Es ist vielmehr so etwas wie mein Schicksal, vor dem es kein Entrinnen gibt. Seit zwei N&#228;chten in Folge und zwei Wochenenden in Folge saniert man in unmittelbarer N&#228;he meiner Wohnung die Schienen der Stra&#223;enbahn, angek&#252;ndigt als „Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“. F&#252;r mich schienen die Schienen immer ganz in Ordnung, aber da steckt man ja nicht drin, h&#246;chstens mal mit dem Absatz. In der Nacht (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Obertshausen-Hausen (2007)</h2>
<p>„Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“ ist kein Film mit Sir Peter Ustinov und Lauren Bacall. Es ist vielmehr so etwas wie mein Schicksal, vor dem es kein Entrinnen gibt. Seit zwei N&#228;chten in Folge und zwei Wochenenden in Folge saniert man in unmittelbarer N&#228;he meiner Wohnung die Schienen der Stra&#223;enbahn, angek&#252;ndigt als „Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“. F&#252;r mich schienen die Schienen immer ganz in Ordnung, aber da steckt man ja nicht drin, h&#246;chstens mal mit dem Absatz. In der Nacht vor meinem geplanten Volkslauf in Obertshausen liege ich also zum wiederholten Mal wach und lausche einer reichen Vielfalt an Presslufth&#228;mmern, R&#252;ttlern, Aggregaten, Baggern und Pflastersteine- in-hohem-Bogen-in-Container-Werfern. Zum Gl&#252;ck muss ich um sechs Uhr aufstehen, das verk&#252;rzt die Pein.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-785" title="Gleisbau-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Gleisbau-1.jpg" alt="Gleisbau-1" width="480" height="360" /></p>
<p>Ich freue mich auf den Lauf. Vier Wochen musste ich krankheitsbedingt mit dem Laufen pausieren. Meine Beine – sonst als Anatomiemodell zur Bestimmung einzelner Muskelfasern geeignet &#8211; sehen nach drei Wochen UV-freiem Couch-Aufenthalt aus wie zwei Wei&#223;w&#252;rste. Schlimmer noch: sie f&#252;hlen sich auch so an. Es muss etwas getan werden.  </p>
<p>Obertshausen ist eine Abfahrt der A3 und auch der Ortsteil Hausen, in dem der Lauf startet, ist leicht zu finden. Es ist recht ruhig auf der Autobahn, erst in Hausen finden sich mehr und mehr g&#228;hnende Autofahrer zusammen. Ein Konvoi der Schlaflosen schl&#228;ngelt sich zu den Parkpl&#228;tzen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-786" title="Hausen-Sportplatz" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Sportplatz.jpg" alt="Hausen-Sportplatz" width="480" height="360" /></p>
<p>Die Sportanlage in Hausen ist eine der sch&#246;nsten der Region und man freut sich f&#252;r gew&#246;hnlich schon am Start, dass man hinterher barfu&#223; &#252;ber den teppichgleichen knallgr&#252;nen Rasen schlunzen darf. Heute ist allerdings alles anders. Heute ist es zugig, k&#252;hl und es riecht nach Regen. Und im Stimmengemurmel h&#246;rt man immer das L&#228;ufer-Mantra f&#252;r positives Denken: „Zum Laufen ist das Wetter ja gut.“</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-787" title="Hausen-Startkarten" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Startkarten.jpg" alt="Hausen-Startkarten" width="480" height="163" /></p>
<p>Mein Trainingspartner und ich melden uns an und es geht ruckzuck. In der kleinen Halle ist wieder einmal alles bestens organisiert. An einer Wand sind die Preise einer Tombola liebevoll aufgebaut, was nicht verhindern kann, dass man sich angesichts der Exponate sehnlichst w&#252;nscht, nicht gezogen zu werden. Aber was z&#228;hlt, ist ja auch nicht der Preis sondern die Idee einer Tombola.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-789" title="Hausen-Tombola-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Tombola-1.jpg" alt="Hausen-Tombola-1" width="480" height="360" /></p>
<p>Wir haben noch etwas Zeit und so laufen wir uns auf den Waldwegen ein. Die Schneisen verlaufen &#252;berkreuz und so kommen von allen Seiten hoppelnde L&#228;ufer aufeinander zu. Wer hier nicht hoppelt, steht am Baum. Mir tr&#252;ben die vielen Richtungen die Sinne und so wei&#223; ich bald nicht mehr so recht, wo es zum Stadion geht. Auch mein Trainings- partner ist sich nicht sicher und so kommt es, dass wir uns sehr ausf&#252;hrlich einlaufen. Im Stadion wieder gl&#252;cklich angekommen, treffen wir Markus, einen nicht-sehenden L&#228;ufer, und seinen Guide J&#246;rg, der begl&#252;ckt von 10 Stunden Schlaf schw&#228;rmt. Meine geschwollenen Lider heben sich beeindruckt. Wir alle wollen beim Halbmarathon starten. J&#246;rg und Markus wollen das Feld von hinten aufrollen, mein Trainingspartner fegt vorneweg und ich versuche, die goldene Mitte zu halten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-790 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Hausen-Schilder" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Schilder.jpg" alt="Hausen-Schilder" width="287" height="384" /></p>
<p>Die Strecke ist flach und unkompliziert. Schneise rechts, Schneise links und so weiter. Zwei Runden sind zu durchlaufen. Ich m&#246;chte einen 5:30er Schnitt versuchen. Das ist nicht &#252;berm&#228;&#223;ig gut f&#252;r mich, aber f&#252;r zwei Wei&#223;w&#252;rste in Asics scheint es mir ganz beachtlich zu sein. Los geht’s.  </p>
<p>Die folgenden Minuten sind unspektakul&#228;r. Vielleicht liegt es am unfreiwillig langen Einlaufen: ich finde sofort mein Tempo und halte es. Es l&#228;uft so bequem, dass ich mir vorstelle, ich h&#228;tte mit der 5:30 einen Vertrag geschlossen. „Vielen Dank, dass Sie sich f&#252;r mich entschieden haben“, sagt das Tempo. „Wenn sie noch Fragen haben, ich stehe ihnen jederzeit zur Verf&#252;gung.“ „Ja, habe ich!“, sage ich „wie lange ist denn die Vertragslaufzeit? Kann ich jederzeit in ein anderes Tempo wechseln, oder muss ich da vorher etwas tun?“ „Die Laufzeit bestimmen sie“, sagt die 5:30. „Der Wechsel in ein leistungsst&#228;rkeres Tempo geht vollautomatisch und sie k&#246;nnen dann jederzeit zur&#252;ck. Beim Wechsel in ein niedrigeres Tempo gen&#252;gt ein formloses R&#246;cheln. Dann k&#246;nnen sie allerdings nicht ohne weiteres wieder die 5:30 nutzen.“ Eigentlich h&#228;tte ich viel lieber ein Flatrate-Tempo: ich komme immer bei 1:49 an, ganz egal, wie langsam ich zwischendurch war. Aber ich f&#252;rchte, dabei kann mir die 5:30 auch nicht helfen und so beende ich mein Tempo-Gespr&#228;ch. Inzwischen bin ich auch bei km 10 angekommen und die Uhr zeigt exakt 55 Minuten. Wirklich, ausgesprochen zuverl&#228;ssig, diese 5:30.  </p>
<p>Wenige Meter sp&#228;ter l&#228;uft eine Dame an meine Seite. „Ich klink‘ mich mal ein“, sagt sie in zartem th&#252;ringisch und ich willige freundlich ein. Auf einer wenig aufregenden Strecke bin ich dankbar f&#252;r Abwechslung. Au&#223;erdem tr&#228;ume ich immer davon, in synchroner Harmonie wie weiland Sammy Korir und Paul Tergat in Berlin dem Ziel entgegenzufliegen. Leider kriegen wir die Synchronit&#228;t nicht hin: wenn mein Fu&#223; &#8220;Tipp&#8221; macht, macht ihrer eine halbe Sekunde sp&#228;ter &#8220;Tapp&#8221; und umgekehrt. Auch nach drei Kilometern ist nichts zu machen, unsere Schrittfrequenzen sind zu unterschiedlich.  Aber immerhin g&#246;nnen wir uns beide ein paar Gehschritte beim Trinken und bleiben auch sonst gleichauf. Die Dame stapelt tief – das Tempo k&#246;nne sie nicht bis zum Schluss halten, sagt sie, aber ihr Atem und ihre Neigung zum Plaudern sagen mir: sie kann. Gemeinsam versuchen wir andere Frauen aus dem Weg zu r&#228;umen und jedesmal, wenn es uns gelingt, schmunzeln wir ein bisschen. Das schwei&#223;t zusammen. Dabei denke ich an meinen Vertrag mit der 5:30 und bremse sie ein bisschen.  </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/07/Obertshausen07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Bei Kilometer 19 wehrt sich eine unserer Konkurrentinnen heftig gegen das &#220;berholt werden. Sie zieht an, sobald sie uns im Augenwinkel sieht. Immer wieder. Meine Mitl&#228;uferin reagiert genervt, aber ich freue mich. So etwas weckt meinen Kampfgeist. Wer sich so albern wehrt, wird zurechtgelegt und weggeputzt. Manchmal fr&#252;her, manchmal sp&#228;ter. Haps.   </p>
<p>Na gut, manchmal auch nie, aber daran sollte man nicht denken. Schw&#228;cht die Moral. Meine Moral ist gut, selbst als jetzt J&#246;rg und Markus an mir vorbeiziehen. L&#228;ssig. Demonstrativ pfeifend. Wenn ich jetzt dranbleiben w&#252;rde, w&#252;rde ich anschlie&#223;end den kompletten Sonntag mit tr&#252;bem Blick auf der Couch verbringen. Und da lag ich in den letzten Wochen schon zu lange. Au&#223;erdem hat man ja Verpflichtungen. Neben mir l&#228;uft eine Dame, die mit mir in unserem Tempo ins Ziel kommen will. Und genau so machen wir das auch. Wir putzen noch schnell die sich wehrende Dame weg und zischen ins Stadion. Pieps: 1:54:22. Prima.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-791" title="Hausen-Kuchen-3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Kuchen-31.jpg" alt="Hausen-Kuchen-3" width="480" height="360" /></p>
<p>In Obertshausen wird man f&#252;r seine M&#252;hen nicht nur mit Kuchen belohnt. Sondern auch mit zwei gro&#223;artigen Bambini-L&#228;ufen &#252;ber 400 und 200 Meter. Letzterer ist f&#252;r Kinder unter f&#252;nf. Die gr&#246;&#223;te H&#252;rde f&#252;r die Teilnahme ist hier die Tatsache, dass die Athletenk&#246;rper selten genug Platz f&#252;r die Startnummer bieten. Gelegentlich geschieht es, dass die L&#228;ufer von Mama oder Papa ins Ziel getragen werden, weil ihnen nach 50 Metern die Moral fehlt, manche setzen sich auch im Zielkanal hin oder verlassen die Strecke zur Seite in Richtung fotografierender Opa. Kurz: der Bambini-Lauf ist von gro&#223;em Unterhaltungswert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-792" title="Hausen-Bambini-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Bambini-2.jpg" alt="Hausen-Bambini-2" width="264" height="352" /> <img class="alignnone size-full wp-image-793" title="Hausen-Bambini-6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Bambini-6.jpg" alt="Hausen-Bambini-6" width="261" height="352" /></p>
<p>Leider f&#228;ngt es in diesem Jahr beim Start an zu regnen und das schl&#228;gt den Kleinen auf die Stimmung. Schade. Das hat Obertshausen nicht verdient. Dann eben im n&#228;chsten Jahr wieder.</p>
<p>Zufrieden fahren wir nach Hause &#8211; mein Trainingspartner zu seiner Badewanne und ich zur&#252;ck zu Presslufthammer, R&#252;ttler und Bagger.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-794" title="Hausen-Kuchen-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Kuchen-1.jpg" alt="Hausen-Kuchen-1" width="480" height="360" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr &#252;ber Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.tgs-hausen.de/">www.tgs-hausen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Obertshausen-Hausen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
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</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
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<p><!-- Do not change code! --></p>

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