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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Obertshausen</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von Rosamunde, Rotz und Rasen.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 21:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Laufbericht ist wie ein Rosamunde Pilcher Roman: Vorhersehbar und schnulzig. Am Ende wird der Held/die Heldin auf die ein oder andere Art ins Ziel kommen. Unterwegs begegnet er der Liebe zum Laufen, die über weite Teile der Strecke freilich unerwidert bleibt. Doch die brutale Wahrheit sieht anders aus.]]></description>
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<p>Ein Laufbericht ist wie ein Rosamunde Pilcher Roman: Vorhersehbar und schnulzig. Am Ende wird der Held/die Heldin auf die ein oder andere Art ins Ziel kommen. Unterwegs begegnet er der Liebe zum Laufen, die über weite Teile der Strecke freilich unerwidert bleibt. Gewürzt ist das ganze mit allerlei Hindernissen, wie schlechten Wetterlagen, körperlichen Einschränkungen und unzureichender Verpflegung. Dazu kommen garstige Mitläufer, die erfolgreich um die Gegenliebe des Laufens buhlen und den Helden in verzweifelter Stimmung zurück lassen. Der Held möchte aufgeben, gewinnt aber dann auf magische Weise den Glauben an sich selbst wieder. Ich gebe zu, dass gerade meine Laufberichte kein Klischee auslassen. Sie spielen auch noch zumeist auf dem Land, wo fleißige Hausfrauen mit flinken Fingern gar herrliches Backwerk zaubern. Hier wird immer alles gut, Rosen regnen über die schwieligen Füße, der Schleier des Vergessens senkt sich über die Läufer im Ziel. Heute will ich deshalb einmal die nackte, brutale Realität beschreiben. Ohne jede Verklärung. Das Leben ist kein Bambini-Lauf. Nicht sonntags morgens um sechs Uhr. So früh muss man aufstehen, wenn man in Obertshausen-Hausen antreten will. Und wie soll schon ein Tag werden, der mit einem Spruch von Paulo Coelho in einer Kirchenradiosendung beginnt?</p>
<p>Das Leben ist unerbittlich, das bestätigt mir Gregor, den wir in Obertshausen-Hausen treffen. Er berichtet mir nämlich, dass das Laufschwein der Autobahnkiller sein soll. Ich wusste bis dato weder, dass es ein Laufschwein, noch dass es einen Autobahn-Killer gibt. Aber die Geschichte geht so: das Laufschwein ist ein mir unbekannter Volkslaufbesucher in der Region, der gern in einem Schweinekostüm auftritt. Er wurde beschuldigt, einen Mord an der A5 begangen zu haben. „Dieses Schwein ist der Autobahn-Killer“ schrieb die Bild-Zeitung dazu und zeigte ein Bild vom Laufschwein im Kostüm. Es stellte sich aber heraus, dass es das Laufschwein gar nicht gewesen sein konnte. (Niemals würde Rosamunde Pilcher eine derart fiese Geschichte in ihren Roman einbauen!)</p>
<p>Auch im Keller der Picard-Halle, wo die Umkleiden sind, werde ich mit der brutalen Realität konfrontiert. Die Toiletten neben der Umkleide miefen entsetzlich. Auf einem kargen Holzstuhl lasse ich meine Sporttasche fallen, im dünnen Schein der Kellerlampe ziehe ich mich um. Draußen ist Sommer, aber ich fröstele. Der Autobahn-Killer läuft noch immer frei herum. Am Ende ist es ein Läufer ohne Kostüm.</p>
<div id="attachment_2515" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Betreten-Schild.jpg"><img class="size-full wp-image-2515  " title="Hausen Betreten Schild" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Betreten-Schild.jpg" alt="Bei Müdigkeit verlockend - aber diese Sportplatzmatte ist tabu." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Garstig: diese Sportplatzmatte ist tabu.</p></div>
<p>Wir laufen uns ein und sind tatsächlich überrascht, wie kühl es im Wald ist. Der Lauf in Hausen ist normalerweise eine höchst schweißtreibende Angelegenheit. Heute ist das Laufwetter geradezu perfekt. Hier sind keinerlei literarische Spannungsbögen zu erwarten. Was will ich denn heute laufen? Den Halben, klar. Aber wie schnell? Wie schnell kann ich denn schon wieder? Wie schnell sollte ich? Ich beschließe, dass unter zwei Stunden drin sein muss. Wenn ich jemals einmal wieder unter 1:50 laufen will, sollte ich jetzt unter 2 Stunden laufen. (Ist doch vollkommen logisch.)</p>
<div id="attachment_2517" class="wp-caption aligncenter" style="width: 394px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Start-1000-Meter1.jpg"><img class="size-full wp-image-2517 " title="Hausen Start 1000 Meter" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Start-1000-Meter1.jpg" alt="Brutal: so enden hier Tennisbälle." width="384" height="512" /></a><p class="wp-caption-text">Brutal: so enden hier Tennisbälle.</p></div>
<p>Wir starten. Über die Strecke in Hausen gibt es nicht viel zu erzählen. Sie ist ganz unpilcheresk. Flach. Wald, bis der Arzt kommt. (Der kommt dort nie. Ich bin hier einmal bös gestürzt, ich weiß es.) Bereits auf der kleinen Stadionrunde zieht das Feld wie verrückt. Man hat es furchtbar eilig. Ich ja eher nicht so. Auf dem Waldweg gibt es noch ein wenig Gedränge, bis sich alles sortiert hat. Wir wackeln hintereinander her wie Erbsen auf dem Fließband. Vor mir trägt jemand postgelbe Kompressionsstrümpfe. Bald gesellt sich ein Gefängniswärter zu mir. So nenne ich die Läufer, in deren Taschen überdimensionierte Schlüsselbünde rasseln. Es gibt einige von ihnen, vielleicht ist es eine geheime Bruderschaft. Begegnet mir einer am Anfang eines Laufes, gerate ich augenblicklich in Panik. Was ist, wenn er jetzt 20 Kilometer neben mir bleibt? Was ist, wenn ich beim Versuch, ihn abzuschütteln, auf der Strecke versterbe und das letzte, was ich höre, ist ein rasselnder Schlüsselbund, der langsam im Wald verhallt? In der Regel trennen sich unsere Wege glücklicherweise ohne, dass einer von uns beiden das Zeitliche segnet. Es passiert einfach. So auch dieses Mal. Er ist schneller. Gefängniswärter müssen ja auch fit sein.</p>
<p>Ich laufe ruhig und gleichmäßig, nachdem es mir geglückt ist, der Hektik im Feld zu entkommen. Sollen sie doch. Pah! Nach wenigen Kilometern höre ich es hinter mir plaudern. Eine junge Frau redet. Und redet. Und redet. Es ist die Familiengeschichte. Liebe. Drama. Wahnsinn. Ihre Begleiterin sagt von Zeit zu Zeit Ah! oder Aha! oder Hihihi! Mehr geht nicht, sonst verpasst sie den Anschluss. In das Plaudern mischt sich auf einmal ein lautes Schnauben und Schneuzen. Dann spuckt es, schneuzt und rotzt. Dann schnaubt es wieder. Wenn das so weitergeht, verpasse ich die ganze Schilderung der Scheidung! Doch jetzt setzt das Schneuzen zum Überholen an. Etwas rotzt an mir vorbei, bis es sich schließlich vor mich setzt. Genaugenommen setzt es sich exakt einen Schritt vor mich und bremst leicht ab. Dann schneuzt es.  Vermutlich handelt es sich hier um so eine Art Volkslauf-Assessment-Center. Ich soll mit allerlei Prüfungen fertig werden. Oder es ist einfach das Schicksal. Erst klingelt es, dann plaudert es und jetzt rotzt es. Einen halben Schritt vor mir. Ich muss meinen Schritt verkürzen, was durch meinen ChiRunning-Modellversuch kaum möglich ist. Ich mache ohnehin schon kleine Schritte. Jetzt tripple ich hinter einer saftig gefüllten Nase her. Ich schere zum Überholen aus, es hilft ja nichts. Die Nase zieht die Nase hoch und das Tempo an. So laufen wir nebeneinander her. Durch das Schnorcheln zu meiner Rechten höre ich, wie es nach der Scheidung weiterging. Bei Rosamunde Pilcher käme jetzt wenigstens ein Reh aus dem Gebüsch. Ein Förster würde mich tröstend in den Arm nehmen und sagen: „Hier draußen ist das Leben nicht immer einfach. Aber es ist ehrlich, verstehen sie? Nie wird mich eine Bache so enttäuschen, wie es eine Frau tun kann.“</p>
<p>Aber das hier ist die brutale Wahrheit des Volkslaufens. Im Wald rotzt es und man kann nichts dagegen tun. Nach der Scheidung kam man übrigens wieder zusammen. Nach ein paar Jahren. Das darf ich noch erfahren, dann ziehen die beiden jungen Frauen an der Nase und mir vorbei. Und dann geschieht das Wunderbare. Ich bestehe die Prüfung und hänge das schniefende Etwas einfach ab. Ich laufe schneller als die Nase der Nase. Das geht einfach so. Herrlich.</p>
<p>Nach 10 km gönne ich mir einen Becher Wasser. Dieter Baumann sagt, das muss man nicht. Trinken bei einem Halbmarathon. Ich nehme mir einfach fest vor, wenn er mich eines Tages fragt: „Sag, hosch Du 2010 in Obertshouse was drunke?“ sag ich einfach: „Hanoi“. Brutal, aber so ischs Läbe.</p>
<p>Nach einer friedlichen Zeit hinter einem orangefarbenen Rücken treffe ich Gregor, der mir mit einigen Kilometern Vorsprung entgegen kommt. Augenblicklich muss ich an das Laufschwein und den Autobahnkiller denken. Wie man Killer wird, kann ich mir leicht vorstellen. Aber wie wird man Laufschwein? Seltsam. Das Schwein trägt mich über den nächsten Kilometer und allmählich wird es Zeit zu rechnen. Reicht es für eine Zeit unter 2 Stunden? Eieiei, das wird knapp. Das wird einer dieser unangenehmen Läufe, wo man bis zum Schluss nicht nachlassen darf. Viel schöner ist es, wenn man die Pflicht schon in der Tasche hat und alles weitere zur Kür wird. Aber meine Hausaufgaben sind noch nicht gemacht, einen Puffer gibt es nicht. Im Gegenteil: jetzt muss ich watzen. Innerlich seufze ich. Ein 5,5er Schnitt. Wie anstrengend ist das denn. Früher war das mal eine bevorzugte Reisegeschwindigkeit, aber davon bin ich weit entfernt. Ich reiße mich zusammen. Das geht schon, nicht nachlassen. Meine Moral war noch immer ganz ordentlich. Nur noch die Stadionrunde in dem kleinen Rund, das sich in den letzten zwei Stunden um mindestens 500 Meter ausgedehnt hat, dann bin ich am Ziel. 1:59:23. Ich kann den Autopiloten ausschalten. (Werbepause) Mein Trainingspartner erwartet mich mit dem besten alkoholfreien Bier der Welt. Es heißt <a href="http://www.faust.de/de/willkommen__/index.html" target="_blank">Faust</a>, schmeckt aber trotzdem. Unfassbar gut sogar. Faust hat die Läuferzielgruppe im Auge und schenkt heute in Obertshausen aus. Einfach so. (Werbepause Ende)</p>
<div id="attachment_2518" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Faust.jpg"><img class="size-full wp-image-2518 " title="Hausen Faust" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Faust.jpg" alt="Das Bier schmeckt extrem gut. Das bleibt aber unter uns." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Das Bier schmeckt extrem gut. Das bleibt aber unter uns.</p></div>
<p>In Obertshausen obligatorisch ist eine kleine Barfußrunde auf dem Sportplatz. Der hiesige Rasen ist so eine Art Velourauslegeware im Grashalmdesign, zumindest fühlt er sich so an. Auf der zweiten Runde wandelt sich das krampfige Eiern denn auch schon wieder in etwas, das entfernt an Laufen erinnert.</p>
<div id="attachment_2519" class="wp-caption aligncenter" style="width: 394px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Walking-Treff.jpg"><img class="size-full wp-image-2519 " title="Hausen Walking Treff" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-Walking-Treff.jpg" alt="In Obertshausen-Hausen gibt es nur Minutenzeiger." width="384" height="512" /></a><p class="wp-caption-text">In Obertshausen-Hausen gibt es nur Minutenzeiger.</p></div>
<p>Und dann schlägt die Realität noch einmal ganz hart zu. 1. Ich kriege keinen weiteren Becher vom besten alkoholfreien Bier der Welt, so lange nicht alle Läufer davon kosten dürfen (und etliche sind noch auf der Strecke). 2. Wir verpassen den Bambini-Lauf (das wichtigste Ereignis in Hausen) und 3. Der Kuchen schmeckt &#8230; wie soll man es sagen &#8230; nicht. Er schmeckt einfach nicht. Wir haben komische Sorten erwischt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-2010-Kuchen.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2521" title="Hausen 2010 Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/07/Hausen-2010-Kuchen.jpg" alt="Hausen 2010 Kuchen" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Solche erschütternden Wahrheiten müssen auch einmal ausgesprochen werden, ohne jeden Zuckerguss. Gut, dank Sponsor <a href="http://www.bioshop-online.de/querbeet/?article=233" target="_blank">„Querbeet“</a> gab es wieder einmal Schnitze der besten Äpfel der Welt. Aber dieser Kuchen &#8230; Brutal. Und niemand von uns hat einen Altersklassensieg abbekommen! Nicht einmal etwas von der Tombola, obwohl es Groggläser und eine Wärmflasche zu gewinnen gab! Von dem Steingutkrug (0,2 Liter) ganz zu schweigen. So sieht das aus. Die Realität – und das muss an dieser Stelle mal gesagt werden – ist nämlich mindestens so hart wie die Bauchdecke eines durchschnittlichen Rotkreuz-Helfers.</p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffe4b5; border-left-color: #ffe4b5; border-right-color: #ffe4b5; border-bottom-color: #ffe4b5; background-color: #dcdcdc; ">Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s bei der <a href="http://www.tgs-hausen.de/termine-und-veranstaltungen/volkslauf.html" target="_blank">TGS Hausen</a>.</div>

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		<title>Die ganze Welt des Laufens.</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jul 2009 12:43:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute fahren wir nach Obertshausen. Genauer gesagt, nach Hausen. Einem der zwei Ortsteile von Obertshausen. Der andere heißt nicht etwa Oberts, sondern auch Obertshausen. Das ist alles sehr verwirrend und ich bin froh, dass ich heute hier nicht die Ortschronik schreiben muss, sondern nur einen Laufbericht. Wir rollen also in den Ortsteil und gleich fällt mir ein Slogan für ein Parkhaus ein, den ich gestern gelesen habe: (...)]]></description>
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<h2>Der Halbmarathon in Obertshausen-Hausen (2009)</h2>
<p>Heute fahren wir nach Obertshausen. Genauer gesagt, nach Hausen. Einem der zwei Ortsteile von Obertshausen. Der andere heißt nicht etwa Oberts, sondern auch Obertshausen. Das ist alles sehr verwirrend und ich bin froh, dass ich heute hier nicht die Ortschronik schreiben muss, sondern nur einen Laufbericht. Wir rollen also in den Ortsteil und gleich fällt mir ein Slogan für ein Parkhaus ein, den ich gestern gelesen habe: <span id="more-771"></span> „Die ganze Welt des Parkens.“ Auch uns bietet sich hier die ganze, faszinierende Welt des Parkens: zwei Autos und dazwischen eine ausreichend große Lücke. Herrlich.</p>
<p>Ich will heute nach langer Zeit einmal wieder einen Halbmarathon laufen. Das letzte Mal, dass ich 20 km gelaufen bin, war im November oder Dezember. Das macht mich – nun ja – ein wenig nervös. Lange Läufe zwischen 15 und 20 km habe ich in den letzten Monaten auch reichlich wenige im Laufbuch. Dabei habe ich doch gelernt, dass es genau diese Läufe sind, die man machen muss. Damit die Muskulatur sich daran gewöhnt, möglichst lange submaximal zu kontrahieren. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet, aber man kann es überall lesen. Weil mir der Begriff „submaximal“ so gut gefällt, habe ich es mir gemerkt.</p>
<p>Ich bin also heute sehr gespannt, wie, warum und wohin meine Muskulatur kontrahiert. Der Halbmarathon in Obertshausen (Hausen) ist eine einzige Waldschneiserei. Es schneist links, dann schneist es rechts, dann wieder links. Keine Anstiege, keine Seeumrundung. Einfach nur solider, deutscher Wald. Nicht sehr spektakulär. Im Grunde weiß ich auch nicht, warum ich heute hier zum neunten Mal antrete. In Obertshausen gab es mal eine Bürgermeisterkandidatin der SPD, die Mechthild Schmitt hieß. Aber das allein kann es ja auch nicht sein. Außerdem hat sie die Wahl nicht gewonnen. Man erlebt hier bestenfalls die halbe Welt des Laufens. Es scheint also so zu sein, als wäre bereits die mickrige Hälfte für mich außerordentlich anziehend und schön.</p>
<p>Als Dame kleidet man sich in den Kellergewölben der Picard-Halle um, die nicht etwa nach Handtaschen benannt ist, obwohl das bekannte Lederwarenunternehmen in Obertshausen seinen Sitz hat. Sie heißt nach einem ehemaligen Vereinsvorsitzenden, den man damit vermutlich für besondere Dienste um den Sportverein ehrte. Picard heißt man in Obertshausen öfter, es ist anzunehmen, dass Jean-Luc Picard, Kapitän der USS Enterprise, auch von dort stammt.</p>
<p>Ich ziehe mich also in der Picard-Halle um und beobachte dabei eine Dame, die sich die kompletten Beine mit Vaseline einreibt. Es erinnert eher an die Vorbereitungen zu einem Bodybuilding-Wettbewerb, denn die Beine beginnen augenblicklich zu glänzen. Vielleicht will sie die Konkurrenz müde spiegeln. Ich sehe von Vorbereitungen dieser Art ab und bin schnell fertig. Im Gang zur Umkleide haben sich inzwischen Horden apfelschorlengefüllter Menschen angesammelt, denn hier sind die Toiletten. Wie so oft sind es zu wenige.</p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffdab9; border-left-color: #ffdab9; border-right-color: #ffdab9; border-bottom-color: #ffdab9; background-color: #f5f5f5; ">Später weiterlesen? Bitteschön: die <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/07/Obertshausen09.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Ich treffe mich mit meinem Trainingspartner draußen, in der Hoffnung, beim Einlaufen im Wald ein kuscheliges Gebüsch   zu finden. Die erfüllt sich nicht, rund um das kleine Stadion ist einfach zu viel los und auch nach so vielen Jahren Laufen gehe ich ungern pinkeln, wenn Menschen dabei an mir vor- beihasten. Das Problem löst sich, als wir den Weg zur anliegenden Schule sehen, die heute ihre Pforten geöffnet hat. Obertshausen kümmert sich also doch um die Bedürfnisse seiner Läufer.</p>
<p>Ich glätte noch einmal meine backblechgroße Startnummer über meinem Bauch und dann geht es auch schon los. Nach einer ¾ Stadionrunde zielt der Weg in den Wald. Auf den ersten zwei Kilometern drängelt es sich ein bisschen, aber dann ist bald genug Platz für alle. Meine Uhr zeigt seltsame Zwischenzeiten und ich bin irritiert. Sollte ich mein Tempogefühl völlig verloren haben? Bei km 5 ist aber alles im grünen Bereich und ich beschließe, dass die Kilometerschilder mit submaximaler Genauigkeit aufgestellt wurden. Seit einer Weile laufe ich mit einem Stein im Schuh. Es fühlt sich nach einem wahren Bergwerk an, ein Gefühl hinter dem erfahrungsgemäß ein Steinchen in Nanopartikelgröße steckt. Ich arbeite den Stein laufend unter das Fußgewölbe.</p>
<p>Schon bald läuft vor mir ein Riese. Zwar ist die Strecke nicht übermäßig aufregend, aber es kann zuweilen nützlich sein, wenn man sieht, wo man hinläuft. Mit dem Riesen als Hase ist das schwer möglich. Andererseits ist mir der in den Himmel ragende Rücken irgendwie nicht unsympathisch. Er riecht nicht schlecht, macht keine unangenehmen Geräusche und hat keine nässenden Ekzeme im Nacken. Also nehme ich mein Schicksal an und laufe ihm einfach nach. Schneller will ich einfach gerade nicht. Ich muss schließlich mit meinen Kräften haushalten. Und außerdem sind wir im Wald und nicht im Kino. Ich sehe noch genug. Der Stein im Schuh sitzt jetzt unter dem Ballen.</p>
<p>Zwei Kilometer später hat sich das alles ohnehin erledigt, der nette Riese wird langsamer. Oder werde ich schneller? Naja, vielleicht ein bisschen. Jetzt läuft eine Dame in neongrünem Shirt an mir vorbei. In pinkfarbenen Lettern steht darauf: „Schöne Männer und Weltfrieden Klein-Auheim“. Während ich noch darüber nachdenke, ob in Klein-Auheim der Wunsch nach dem Genannten besonders dringlich ist, oder ob Klein-Auheim hier als Quell für selbiges angepriesen werden soll, beschließe ich, Ruhe zu bewahren. Nichts soll mich dazu verleiten, schneller zu laufen, als ich dauerhaft kann. Ich muss ja noch eine Weile kontrahieren. Und der Stein im Schuh ist an den Zehen angekommen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-772" title="Obertshausen-T-Shirt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-T-Shirt.jpg" alt="Obertshausen-T-Shirt" width="495" height="371" /></p>
<p>Als nächstes ereilt mich eine akustische Herausforderung. Ein Läufer hat Kleingeld einstecken. Viel Kleingeld. Ich bin ratlos? Warum nur? Was denken sich Volksläufer, die Kleingeld mit auf die Strecke nehmen? Dass Ganoven unmittelbar nach dem Startschuss die Umkleide entern, um Läufern 4 Euro 80 (in zwanzig Cent-Stücken) aus der Tasche zu reißen? Hat man ihnen nicht gesagt, dass die Verpflegung an der Strecke nichts extra kostet? Erwarten sie, unterwegs einzukehren, wie bei einer Bergwanderung? Ich weiß es nicht. Ich muss gelegentlich mal so einen Klingelbeutel fragen. Mein steinerner Begleiter im Schuh probiert jetzt alle Zehen als Unterschlupf durch.</p>
<p>Die Kilometerbeschilderung ist nach dem Countdown-Prinzip beschrieben, was viele Läufer irritiert. Da steht etwa: „noch 9 km“. Mir ist das recht. Ich zähle in meinem Kopf ohnehin gerne herunter. Für heute habe ich mir eine besondere Rechnung ausgedacht, die ich immer dann anwende, wenn Schlaffheit droht und ich meiner Form nicht sicher bin. Mein Zeitziel für heute ist verhalten: ich möchte weniger als 2 Stunden brauchen. Jetzt arbeite ich auf den Kilometer hin, ab dem ich dieses Ziel erreiche, selbst wenn mir durch einen Einbruch von da ab nur noch ein Tempo von 6 Minuten/km möglich sein sollte. Bei km 13 ist es soweit: wenn ich ab jetzt im 6er Schnitt weiter schlunze, komme ich immer noch unter 2 Stunden rein. Herrlich. Alles andere ist jetzt Kür. Und der Stein ist weg. Keine Ahnung, wohin der sich verkrochen hat.</p>
<p>Inzwischen sind die 10km-Läufer an uns vorbeigezischelt, die 20 Minuten später gestartet sind. Ich mag das gern, schnelleren Läufern zu begegnen. Es ist ein schönes Unterhaltungsprogramm, wenn dünne Jungs mit Flatterhosen an einem vorbeihechten. Man kann auch gleich einen Siegertipp abgeben. Am Rand der Strecke stapft gerade ein Fotograf durch die Brennnesseln. Er hält vermutlich Ausschau nach der ersten Frau der 10er. Bedauere, nein.</p>
<p>Jetzt läuft ein Läufer mit einem Saucony-Shirt vor mir. Obwohl der Hersteller Unmengen Werbegeld investiert hat, um mir beizubringen, wie man ihn ausspricht, vergesse ich es immer wieder. Sossoni? Sokoni? Ich würde ja den T-Shirt-Besitzer fragen, aber der ist verkabelt. Weiße Schnüre hängen aus seinen Ohren. Wenigstens muss er so Mr. Viereuroachtzig nicht hören.</p>
<p>Ich rechne bei jedem Kilometer meine mögliche Zielzeit aus, immer unter der Prämisse, dass ich auf der Stelle nur noch einen 6er-Schnitt würde laufen können. So wird die Zeit mit jedem Kilometer besser. Noch wage ich nicht zu prognostizieren, dass ich mein Tempo halten kann, obwohl ich im Grunde weiß, dass jetzt nicht mehr viel passieren kann. Noch vier Kilometer Schneisensightseeing. Ein bisschen Wasser habe ich unterwegs getrunken, die letzte Station lasse ich aus. Ich mag jetzt nicht mehr wieder anlaufen müssen. Ich ziehe an „Schöne Männer und Weltfrieden“ vorbei und an vielen anderen auch. Das geht einfach so. Die Body-Memory funktioniert, mein Körper kennt die Strecke. Das mit dem Kontrahieren hat er noch nicht vergessen. Die Stadionrunde braucht noch einmal etwas Kraft, aber das ist der Fluch aller Stadionrunden. Ich holze mit 1:54:40 und einem triumphierenden Steinchen am großen Zeh ins Ziel.</p>
<p>Das dichte, weiche Gras des Stadions riecht, als hätte man „Eau de Rasen“ darauf versprüht. Hier liegt es sich hervorragend, während man darauf wartet, dass Getränkenachschub geholt wird. Hier lässt es sich auch hervorragend barfuss auslaufen, nachdem man das piesakende Steinchen aus dem Schuh gebastelt hat.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-773" title="Obertshausen-Bambini-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-1.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-1" width="490" height="366" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-774" title="Obertshausen-Bambini-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-2.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-2" width="515" height="386" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-775" title="Obertshausen-Bambini-3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-3.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-3" width="517" height="386" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-776" title="Obertshausen-Bambini-4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Bambini-4.jpg" alt="Obertshausen-Bambini-4" width="523" height="392" /></p>
<p>Es folgt das Obertshausenritual: Kuchen und Kaffee holen, mümmeln und Bambini-Läufe gucken, bei denen winzige Kinder von gigantischen Startnummern beinahe völlig verdeckt werden. Und da ist sie dann doch wieder. Die ganze, maximale Welt des Laufens. Ohne jedes Sub.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-777" title="Obertshausen-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Obertshausen-Kuchen.jpg" alt="Obertshausen-Kuchen" width="468" height="350" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.tgs-hausen.de/">www.tgs-hausen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Obertshausen-Hausen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
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<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
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		<title>Von Presslufthämmern, Tempotarifen und Weißwürsten.</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jul 2007 13:31:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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<h2>Der Halbmarathon in Obertshausen-Hausen (2007)</h2>
<p>„Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“ ist kein Film mit Sir Peter Ustinov und Lauren Bacall. Es ist vielmehr so etwas wie mein Schicksal, vor dem es kein Entrinnen gibt. Seit zwei Nächten in Folge und zwei Wochenenden in Folge saniert man in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung die Schienen der Straßenbahn, angekündigt als „Gleisbauarbeiten in den Nachtstunden“. Für mich schienen die Schienen immer ganz in Ordnung, aber da steckt man ja nicht drin, höchstens mal mit dem Absatz. In der Nacht vor meinem geplanten Volkslauf in Obertshausen liege ich also zum wiederholten Mal wach und lausche einer reichen Vielfalt an Presslufthämmern, Rüttlern, Aggregaten, Baggern und Pflastersteine- in-hohem-Bogen-in-Container-Werfern. Zum Glück muss ich um sechs Uhr aufstehen, das verkürzt die Pein.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-785" title="Gleisbau-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Gleisbau-1.jpg" alt="Gleisbau-1" width="480" height="360" /></p>
<p>Ich freue mich auf den Lauf. Vier Wochen musste ich krankheitsbedingt mit dem Laufen pausieren. Meine Beine – sonst als Anatomiemodell zur Bestimmung einzelner Muskelfasern geeignet &#8211; sehen nach drei Wochen UV-freiem Couch-Aufenthalt aus wie zwei Weißwürste. Schlimmer noch: sie fühlen sich auch so an. Es muss etwas getan werden.  </p>
<p>Obertshausen ist eine Abfahrt der A3 und auch der Ortsteil Hausen, in dem der Lauf startet, ist leicht zu finden. Es ist recht ruhig auf der Autobahn, erst in Hausen finden sich mehr und mehr gähnende Autofahrer zusammen. Ein Konvoi der Schlaflosen schlängelt sich zu den Parkplätzen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-786" title="Hausen-Sportplatz" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Sportplatz.jpg" alt="Hausen-Sportplatz" width="480" height="360" /></p>
<p>Die Sportanlage in Hausen ist eine der schönsten der Region und man freut sich für gewöhnlich schon am Start, dass man hinterher barfuß über den teppichgleichen knallgrünen Rasen schlunzen darf. Heute ist allerdings alles anders. Heute ist es zugig, kühl und es riecht nach Regen. Und im Stimmengemurmel hört man immer das Läufer-Mantra für positives Denken: „Zum Laufen ist das Wetter ja gut.“</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-787" title="Hausen-Startkarten" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Startkarten.jpg" alt="Hausen-Startkarten" width="480" height="163" /></p>
<p>Mein Trainingspartner und ich melden uns an und es geht ruckzuck. In der kleinen Halle ist wieder einmal alles bestens organisiert. An einer Wand sind die Preise einer Tombola liebevoll aufgebaut, was nicht verhindern kann, dass man sich angesichts der Exponate sehnlichst wünscht, nicht gezogen zu werden. Aber was zählt, ist ja auch nicht der Preis sondern die Idee einer Tombola.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-789" title="Hausen-Tombola-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Tombola-1.jpg" alt="Hausen-Tombola-1" width="480" height="360" /></p>
<p>Wir haben noch etwas Zeit und so laufen wir uns auf den Waldwegen ein. Die Schneisen verlaufen überkreuz und so kommen von allen Seiten hoppelnde Läufer aufeinander zu. Wer hier nicht hoppelt, steht am Baum. Mir trüben die vielen Richtungen die Sinne und so weiß ich bald nicht mehr so recht, wo es zum Stadion geht. Auch mein Trainings- partner ist sich nicht sicher und so kommt es, dass wir uns sehr ausführlich einlaufen. Im Stadion wieder glücklich angekommen, treffen wir Markus, einen nicht-sehenden Läufer, und seinen Guide Jörg, der beglückt von 10 Stunden Schlaf schwärmt. Meine geschwollenen Lider heben sich beeindruckt. Wir alle wollen beim Halbmarathon starten. Jörg und Markus wollen das Feld von hinten aufrollen, mein Trainingspartner fegt vorneweg und ich versuche, die goldene Mitte zu halten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-790 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Hausen-Schilder" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Schilder.jpg" alt="Hausen-Schilder" width="287" height="384" /></p>
<p>Die Strecke ist flach und unkompliziert. Schneise rechts, Schneise links und so weiter. Zwei Runden sind zu durchlaufen. Ich möchte einen 5:30er Schnitt versuchen. Das ist nicht übermäßig gut für mich, aber für zwei Weißwürste in Asics scheint es mir ganz beachtlich zu sein. Los geht’s.  </p>
<p>Die folgenden Minuten sind unspektakulär. Vielleicht liegt es am unfreiwillig langen Einlaufen: ich finde sofort mein Tempo und halte es. Es läuft so bequem, dass ich mir vorstelle, ich hätte mit der 5:30 einen Vertrag geschlossen. „Vielen Dank, dass Sie sich für mich entschieden haben“, sagt das Tempo. „Wenn sie noch Fragen haben, ich stehe ihnen jederzeit zur Verfügung.“ „Ja, habe ich!“, sage ich „wie lange ist denn die Vertragslaufzeit? Kann ich jederzeit in ein anderes Tempo wechseln, oder muss ich da vorher etwas tun?“ „Die Laufzeit bestimmen sie“, sagt die 5:30. „Der Wechsel in ein leistungsstärkeres Tempo geht vollautomatisch und sie können dann jederzeit zurück. Beim Wechsel in ein niedrigeres Tempo genügt ein formloses Röcheln. Dann können sie allerdings nicht ohne weiteres wieder die 5:30 nutzen.“ Eigentlich hätte ich viel lieber ein Flatrate-Tempo: ich komme immer bei 1:49 an, ganz egal, wie langsam ich zwischendurch war. Aber ich fürchte, dabei kann mir die 5:30 auch nicht helfen und so beende ich mein Tempo-Gespräch. Inzwischen bin ich auch bei km 10 angekommen und die Uhr zeigt exakt 55 Minuten. Wirklich, ausgesprochen zuverlässig, diese 5:30.  </p>
<p>Wenige Meter später läuft eine Dame an meine Seite. „Ich klink‘ mich mal ein“, sagt sie in zartem thüringisch und ich willige freundlich ein. Auf einer wenig aufregenden Strecke bin ich dankbar für Abwechslung. Außerdem träume ich immer davon, in synchroner Harmonie wie weiland Sammy Korir und Paul Tergat in Berlin dem Ziel entgegenzufliegen. Leider kriegen wir die Synchronität nicht hin: wenn mein Fuß &#8220;Tipp&#8221; macht, macht ihrer eine halbe Sekunde später &#8220;Tapp&#8221; und umgekehrt. Auch nach drei Kilometern ist nichts zu machen, unsere Schrittfrequenzen sind zu unterschiedlich.  Aber immerhin gönnen wir uns beide ein paar Gehschritte beim Trinken und bleiben auch sonst gleichauf. Die Dame stapelt tief – das Tempo könne sie nicht bis zum Schluss halten, sagt sie, aber ihr Atem und ihre Neigung zum Plaudern sagen mir: sie kann. Gemeinsam versuchen wir andere Frauen aus dem Weg zu räumen und jedesmal, wenn es uns gelingt, schmunzeln wir ein bisschen. Das schweißt zusammen. Dabei denke ich an meinen Vertrag mit der 5:30 und bremse sie ein bisschen.  </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/07/Obertshausen07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF ohne Bilder.</div></div></em></p>
<p>Bei Kilometer 19 wehrt sich eine unserer Konkurrentinnen heftig gegen das Überholt werden. Sie zieht an, sobald sie uns im Augenwinkel sieht. Immer wieder. Meine Mitläuferin reagiert genervt, aber ich freue mich. So etwas weckt meinen Kampfgeist. Wer sich so albern wehrt, wird zurechtgelegt und weggeputzt. Manchmal früher, manchmal später. Haps.   </p>
<p>Na gut, manchmal auch nie, aber daran sollte man nicht denken. Schwächt die Moral. Meine Moral ist gut, selbst als jetzt Jörg und Markus an mir vorbeiziehen. Lässig. Demonstrativ pfeifend. Wenn ich jetzt dranbleiben würde, würde ich anschließend den kompletten Sonntag mit trübem Blick auf der Couch verbringen. Und da lag ich in den letzten Wochen schon zu lange. Außerdem hat man ja Verpflichtungen. Neben mir läuft eine Dame, die mit mir in unserem Tempo ins Ziel kommen will. Und genau so machen wir das auch. Wir putzen noch schnell die sich wehrende Dame weg und zischen ins Stadion. Pieps: 1:54:22. Prima.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-791" title="Hausen-Kuchen-3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Kuchen-31.jpg" alt="Hausen-Kuchen-3" width="480" height="360" /></p>
<p>In Obertshausen wird man für seine Mühen nicht nur mit Kuchen belohnt. Sondern auch mit zwei großartigen Bambini-Läufen über 400 und 200 Meter. Letzterer ist für Kinder unter fünf. Die größte Hürde für die Teilnahme ist hier die Tatsache, dass die Athletenkörper selten genug Platz für die Startnummer bieten. Gelegentlich geschieht es, dass die Läufer von Mama oder Papa ins Ziel getragen werden, weil ihnen nach 50 Metern die Moral fehlt, manche setzen sich auch im Zielkanal hin oder verlassen die Strecke zur Seite in Richtung fotografierender Opa. Kurz: der Bambini-Lauf ist von großem Unterhaltungswert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-792" title="Hausen-Bambini-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Bambini-2.jpg" alt="Hausen-Bambini-2" width="264" height="352" /> <img class="alignnone size-full wp-image-793" title="Hausen-Bambini-6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Bambini-6.jpg" alt="Hausen-Bambini-6" width="261" height="352" /></p>
<p>Leider fängt es in diesem Jahr beim Start an zu regnen und das schlägt den Kleinen auf die Stimmung. Schade. Das hat Obertshausen nicht verdient. Dann eben im nächsten Jahr wieder.</p>
<p>Zufrieden fahren wir nach Hause &#8211; mein Trainingspartner zu seiner Badewanne und ich zurück zu Presslufthammer, Rüttler und Bagger.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-794" title="Hausen-Kuchen-1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Hausen-Kuchen-1.jpg" alt="Hausen-Kuchen-1" width="480" height="360" /></p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr über Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.tgs-hausen.de/">www.tgs-hausen.de</a></div>
<p> </p>
<h4>Obertshausen-Hausen?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
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<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
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