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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Rodgau-Jügesheim06</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von putzigen Umkleiden, nutzlosen Zahlen und fliegenden Omas.</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Apr 2006 19:04:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Frisch + Fromm + Fr&#246;hlich + Frei“ steht &#252;ber der B&#252;hne der kleinen Halle in Rodgau-J&#252;gesheim, die dem Verein heute morgen als Wettkampfb&#252;ro dient. Frisch sehen die feiertagsm&#252;den L&#228;ufer nun nicht gerade aus und wenn sie fromm w&#228;ren, dann w&#252;rden sie jetzt nicht in einem labberigen Trainingsanzug in die Umkleide schlurfen, sondern stattdessen in ordentlichem Aufzug in den Ostergottesdienst schreiten. Was die beiden anderen Begriffe betrifft, stimmt aber alles: (...)]]></description>
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<h2>25 km in Rodgau-J&#252;gesheim (2006)</h2>
<p>„Frisch + Fromm + Fr&#246;hlich + Frei“ steht &#252;ber der B&#252;hne der kleinen Halle in Rodgau-J&#252;gesheim, die dem Verein heute morgen als Wettkampfb&#252;ro dient. Frisch sehen die feiertagsm&#252;den L&#228;ufer nun nicht gerade aus und wenn sie fromm w&#228;ren, dann w&#252;rden sie jetzt nicht in einem labberigen Trainingsanzug in die Umkleide schlurfen, sondern stattdessen in ordentlichem Aufzug in den Ostergottesdienst schreiten. Was die beiden anderen Begriffe betrifft, stimmt aber alles: die Laune ist gut, unz&#228;hlige juxige Ostererlebnisse schwirren durch den Raum. Und wer ist schon freier, als ein Mensch, der ohne Not 25 Kilometer laufen will – und kann?</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-525" title="Juegesheim-Halle-2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Juegesheim-Halle-2.jpg" alt="Juegesheim-Halle-2" width="431" height="324" /></p>
<p>Wie immer in J&#252;gesheim ist die Umkleidesituation etwas verworren. Es gibt vier verschiedene Umkleiden und jede ist in einem anderen Geb&#228;ude versteckt. Zum Teil liegen sie gute vierhundert Meter auseinander. &#220;berall stehen Frauen und halten nach ihren Gatten und Laufbr&#252;dern Ausschau, die aus allen Richtungen frisch geschn&#252;rt herbeistr&#246;men – selten sind Herren und Damenumkleide so weit voneinander getrennt. Meine Umkleide ist f&#252;r etwa zehn Personen ausgelegt, nach dem Lauf werden sich gef&#252;hlte 47 schweisskrustige Frauen die nassen Kleider vom Leib rollen, mit schlagbohrer&#228;hnlichen Haartrocknern f&#246;hnen und danach mit gro&#223;er Geste alte Haare aus ihrer B&#252;rste rupfen. Doch noch sind wir nicht so weit.  </p>
<p>Ein in der Region gef&#252;rchteter Moderator verbreitet Jahrmarktsstimmung und l&#228;sst den B&#252;rgermeister ein Gru&#223;wort der Kategorie „gut gemeint“ sprechen. Akustisch umrahmt wird der wichtigste Mann im Ort von munterer Musik, wie sie in keinem guten Abschleppschuppen auf Ibiza fehlen darf. Vermutlich eine Ma&#223;nahme zur Sonnenbeschw&#246;rung, die zeitweise sogar gelingt. Dazu zeigen sich sehnige Triathleten gegenseitig ihre frischen Wadent&#228;towierungen – es wird Fr&#252;hling.  </p>
<p>Die Strecke ist „eine klassische Wendepunktstrecke“, wie der Moderator wei&#223; und ich freue mich drauf. Ein bisschen Bammel habe ich vor 25 Kilometern immer, aber das ist zu vernachl&#228;ssigen. Mein Ziel f&#252;r heute: 2:20. Das sind mehr als anderthalb Minuten weniger als vor zwei Wochen, also darf ich nicht gar so l&#228;ssig sein. Gleich zu Beginn schie&#223;t Alfred Ditzinger an mir vorbei, mein pers&#246;nlicher Held der AK M70. Gegen ihn sehe ich alt aus, im Allgemeinen und wie es scheint heute auch im Besonderen. Alfred schiebt sich nach vorne, als h&#228;tte er Rollen unter den F&#252;&#223;en. Mein Schritt ist dagegen schwer. Sonst mit einem guten Tempomaten gesegnet, laufe ich heute gro&#223;en Mist zusammen. Der erste Kilometer viel zu schnell, der zweite zu langsam, der dritte wieder zu schnell. Grober Unfug auf der Strecke wird f&#252;r gew&#246;hnlich mit sp&#228;terer Jammerlappigkeit nicht unter vier Kilometern bestraft und ich versuche, diszipliniert zu laufen. Aber ich finde keinen Schritt und meine Moral sinkt mit jedem Kilometer. Schon t&#228;nzeln Greise, Adip&#246;se und Einbeinige an mir vorbei, eine kleine aerobe Fr&#252;hlingsweise auf den Lippen. Ich muss dringend etwas tun.   </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2006/04/Juegesheim06.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Am Wegesrand steht eine Oma mit einem Trinkbecher und l&#228;chelt. Das gef&#228;llt mir und gleich geht es etwas leichter. Bald kommt mir der F&#252;hrende entgegen. Er hat mehr als f&#252;nf Kilometer Vorsprung. Das gef&#228;llt mir dann wieder gar nicht. Deprimiert stampfe ich weiter und sehe wenige Meter sp&#228;ter wieder die kleine Oma mit dem Trinkbecher. Mit ihrem Fahrrad an uns vorbeigefahren ist sie nicht. Wie ist sie so schnell an diese Stelle gekommen? Eindeutig. Das ist eine Zauberoma. Sie l&#228;chelt auch so, wie sonst nur die Omas in tschechischen Kinderfilmen l&#228;cheln. Ich beschlie&#223;e nach ihr Ausschau zu halten. Zauberomas geben sich nie mit zweimaligem Erscheinen zufrieden. Ich bin jetzt bei Kilometer 11. Muss also noch 17. Halt, Quatsch. 25 minus 11 sind &#8230; also der Wendepunkt kommt bei Kilometer 12,5, das sind jetzt also noch anderthalb, davon bin ich inzwischen ja schon wieder einen halben gelaufen, jetzt also noch einer und das plus 12,5 das sind dann 13,5, davon bin ich jetzt ja wieder einen halben gelaufen, also wie weit muss ich jetzt noch? Ich bin mal wieder begeistert, mit welcher unbestechlichen Sch&#228;rfe und Brillanz mein Gehirn bei Volksl&#228;ufen die Lage erfasst. Da kommt der Wendepunkt. Also die H&#228;lfte. Das ist doch mal eine klare Information. Besser als diese Zahlen. Vielleicht sollte man bei Volksl&#228;ufen mal &#252;ber Schilder wie „Du bist schon viel mehr gelaufen, als du jetzt noch musst.“ nachdenken. Sagt doch viel mehr als so eine Zahl.   </p>
<p>Leider pfeift auf dem R&#252;ckweg der Wind ganz ordentlich. Das ist nicht sch&#246;n und doch hilft der Wind meiner Moral auf die Spr&#252;nge. Jetzt habe ich einen Gegner. Und obendrein eine wunderbare Unterst&#252;tzerin: wieder und wieder steht die Zauberoma mit ihrem Becher am Wegrand und l&#228;chelt. In dem Kinderbuch „Elias und die Oma aus dem Ei“ habe ich gelesen, dass es Omas gibt, die aus Eiern schl&#252;pfen und fliegen k&#246;nnen. So eine muss das sein. Es ist schlie&#223;lich ja auch Ostern. Nach jeder Begegnung mit ihr geht es mir besser. Und ich ziehe das Tempo an. Mein Kopf sagt: das geht nicht gut. Aber das L&#228;cheln der alten Dame sagt: Wird schon. Ich wechsle von kleinen zu gro&#223;en Schritten und wieder zur&#252;ck. Irgendwo habe ich gelesen, das schiebt die Erm&#252;dung hinaus. Und so ist es. Die 21 Kilometer f&#252;hlen sich nicht an wie ein Halbmarathon, eher wie ein 15er. Das ist ein gutes Zeichen. Augen zu und durch.   </p>
<p>Im Ziel gibt mir jemand ein hartgekochtes Ei. Ich starre erst darauf, dann auf die Uhr. 2:18. Dreieinhalb Minuten schneller als vor zwei Wochen. Als ich wieder rechnen kann, stelle ich fest, dass ich die zweite H&#228;lfte zwei Minuten schneller durchlaufen bin als die erste. Das liegt zwar alles nur an einer kleinen fliegenden l&#228;chelnden Oma mit einem Trinkbecher, aber ihr erz&#228;hlt das ja niemandem weiter.</p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr &#252;ber Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s hier: </em><a href="http://tgmsvjuegesheim.de/"><em>http://tgmsvjuegesheim.de</em></a></div>
<h4>Rodgau J&#252;gesheim?</h4>
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