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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Seligenstadt</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Von mutigen Boxern, schlafenden Truckern und &#252;blichen Verd&#228;chtigen.</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2007 15:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Laufberichte]]></category>
		<category><![CDATA[O - Z]]></category>
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		<category><![CDATA[25km]]></category>

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		<description><![CDATA[Die A3 kann so sch&#246;n sein. Vorausgesetzt, es ist sonntags, kurz vor acht und man ist nach Seligenstadt zum Laufen unterwegs. An der gro&#223;en Rastst&#228;tte stehen dutzende schwerer Trucks mit zugezogenen Vorh&#228;ngen vor der Fahrerkabine. Alle LKW-Fahrer schlafen noch einen gerechten Truckerschlaf. Die Sonne scheint schon durch den Dunst am Horizont, die Wettervorhersage ist phantastisch. Die Autos, die hier unterwegs sind, lassen sich noch problemlos z&#228;hlen. Alles ist wunderbar, sonntags morgens auf dem Weg nach Seligenstadt. (...)]]></description>
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<h2>25 km in Seligenstadt (2007)</h2>
<p>Die A3 kann so sch&#246;n sein. Vorausgesetzt, es ist sonntags, kurz vor acht und man ist nach Seligenstadt zum Laufen unterwegs. An der gro&#223;en Rastst&#228;tte stehen dutzende schwerer Trucks mit zugezogenen Vorh&#228;ngen vor der Fahrerkabine. Alle LKW-Fahrer schlafen noch einen gerechten Truckerschlaf. Die Sonne scheint schon durch den Dunst am Horizont, die Wettervorhersage ist phantastisch. Die Autos, die hier unterwegs sind, lassen sich noch problemlos z&#228;hlen. Alles ist wunderbar, sonntags morgens auf dem Weg nach Seligenstadt.   </p>
<p>Der Ort hat eine h&#252;bsche kleine Altstadt, die durch ein ganz und gar nicht h&#252;bsches Parkdeck verschandelt ist. Dort will ich parken &#8211; wenn es nun schon einmal da ist. Aber ein Ordner schickt mich in eine Seitenstra&#223;e. Wahrscheinlich sieht man mir an, dass mich das Parkdeck gruselt.   </p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Diesen Text gibt es auch als </em><a href="http://frauschmitt.podspot.de/"><em>Podcast-Episode </em></a><em>zum H&#246;ren.</em></div>
<p>Man kann wirklich nicht sagen, dass L&#228;ufer auf dem Land am Sonntag Morgen ein aggressives V&#246;lkchen sind. Aber heute gleicht die Friedlichkeit einem Bhagwan-Camp. Ich vermute, dass es demn&#228;chst eine neue L&#228;uferverletzung gibt – Sehnenscheidenentz&#252;ndung im Oberarm durch Schulterklopfen. Es wird geklopft und gel&#228;chelt und begr&#252;&#223;t, als g&#228;be es kein Morgen. Was so ein bisschen Sonne doch ausmacht.   </p>
<p>Die Nachmeldung ist schnell erledigt, deutlich schneller als bei den Vorangemeldeten. Verkehrte, sch&#246;ne Welt. Die Kleiderfrage ist nicht so schnell gekl&#228;rt, schlie&#223;lich geht es um 25 km und da k&#246;nnte es irgendwann warm werden. Andererseits hetzt man dann nicht so und ein w&#228;rmendes Wams kann nicht schaden. Ich beschlie&#223;e, eitel zu sein und meine schneewei&#223;en Beine noch einmal bedeckt zu halten. Schlie&#223;lich zieht es in Seligenstadt immer ein bisschen.   </p>
<p>Die Strecke ist topfeben und f&#252;hrt am Main entlang. Alles ist alphaltiert, man kann also gute Zeiten laufen. W&#228;re da nicht eine kleine psychologische Herausforderung. Man l&#228;uft 7,5 km hin, 7,5 km wieder zur&#252;ck. Dann ist man am Ziel. Aber noch lange nicht im Ziel, denn daf&#252;r muss man noch einmal 5 km hin und 5 km zur&#252;ck – nur dieses Mal in die andere Richtung. Am Ziel vorbeilaufen, das kann an einem schlechten Tag ein bisschen wurmen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-859" title="Seligenstadt-Turm" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Seligenstadt-Turm.jpg" alt="Seligenstadt-Turm" width="504" height="336" /></p>
<p>Aber heute ist kein schlechter Tag, daran gibt es keinen Zweifel. Dieses Jahr hei&#223;t der Mainuferlauf nach einem neuen Sponsor &#8220;Wasserlauf&#8221;, was zahlreiche L&#228;ufer inspiriert, in den Main zu pieseln. Ich w&#252;rde auch gern, aber das s&#228;he sicher bl&#246;d aus.   </p>
<p>Kurz vor dem Start treffe ich noch einen Bekannten. Beim Frankfurter Halbmarathon sind wir mit einer Sekunde Abstand ins Ziel gekommen, ohne uns zu sehen. Aber hier sind es statt 3000 L&#228;ufern etwas &#252;ber 400 und das ist doch gleich viel netter.   </p>
<p>Mein Plan ist, die 2:16 der letzten Woche zu unterbieten und dabei m&#246;glichst nah an eine 2:13 zu kommen, was meine Bestzeit auf dieser Strecke ist. Die steht immerhin seit 2001, also betrachte ich sie mit Respekt. Am Start bin ich wie immer etwas m&#252;de, heute sogar besonders. Schlie&#223;lich wollte ich unbedingt Henry Maske dekorativ im Ring herumstehen sehen. Ihm geh&#246;rt meine Sympathie. Dinge zu tun, die andere vollkommen bekloppt finden und dabei an sich selbst zu glauben ist schlie&#223;lich ein Langstreckenl&#228;ufersyndrom. </p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-860" title="Seligenstadt-Start" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Seligenstadt-Start.jpg" alt="Seligenstadt-Start" width="501" height="375" /></p>
<p>Dies ist also heute mein Fight. Dabei f&#252;hlt es sich gar nicht so an. Es weht ein L&#252;ftchen, nicht stark genug, dass es st&#246;ren w&#252;rde und es kann nicht oft genug gesagt werden: die Sonne scheint. Alles ist gut. Noch ist ein bisschen Unruhe im Feld, aber das &#252;bliche Gedr&#228;ngel bleibt aus. Vor mir l&#228;uft &#8220;Maxi Sport&#8221; (zumindest steht das auf seinem Shirt), ein Herr mit einem h&#252;bschen Haarschnitt. Man l&#228;uft doch gleich viel beschwingter, wenn man auf einen netten Hinterkopf schaut. Leider macht Maxi-Sport bald langsamer und ich muss &#252;berholen. Wenige hundert Meter ist er wieder vor mir. Ich wundere mich ein bisschen, schaue auf die Uhr – nein, an mir liegt es nicht. Ich laufe gleichm&#228;&#223;ig.   </p>
<p>Bald werde ich abgelenkt durch den Gegenverkehr. Ich mag Wendepunktstrecken. So &#252;berblickt man das ganze Feld und ist au&#223;er L&#228;ufer auch noch Zuschauer. Im Pulk mache ich viele der &#252;blichen Verd&#228;chtigen aus, die wie die Schausteller von Volkslauf zu Volkslauf ziehen. </p>
<p><img class="size-full wp-image-861 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Seligenstadt-Alfred" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Seligenstadt-Alfred.jpg" alt="Seligenstadt-Alfred" width="265" height="354" /></p>
<p>Jetzt kommt mir zum Beispiel Alfred entgegen. Alfred (M70) hat anders als ich die Kurz-Saison eingel&#228;utet. Statt der &#252;blichen (und schwer verd&#228;chtigen) lilafarbenen langen Hose tr&#228;gt er eine rote kurze und das dazu passende rote Singlet. Die Schuhe sind allerdings Alljahrsmodelle: Nike Air, die ihrem Namen alle Ehre machen. Irgendwo in der D&#228;mpfung muss ein Loch sein. Deshalb h&#246;rt man Alfred von weitem &#8211; durch das rhythmische pffft, pffft, pffft seiner guten alten Nikes. Normalerweise ist er schneller als ich, nur in dieser Saison ist er noch nicht ganz da. Was ihn nicht daran hindert, erst einmal in der gewohnten Geschwindigkeit &#8220;pfft, pfft, pfft&#8221; loszuwatzen.</p>
<p>Nach dem Wendepunkt irritiert mich Maxi-Sport zunehmend. Er l&#228;uft so ungleichm&#228;&#223;ig, dass wir uns bestimmt sechs mal gegenseitig &#252;berholen. Ein munterer Herr in orange sieht das vermutlich ebenso, denn er bleibt in meiner N&#228;he und spielt die &#220;berholspielchen mit. Nach 15 km finde ich den Mut, das Hin und Her zu beenden und ziehe das Tempo an. Adieu, Maxi Sport mit dem netten Hinterkopf. Leider gibt es bei der dringend herbeigesehnten Verpflegungsstelle keinen Tee. Hei&#223;t ja auch Wasserlauf. Da muss das Gekr&#246;se durch und einen Schluck Kaltes verkraften.</p>
<p>Die Tempoversch&#228;rfung macht mir nichts aus, obwohl es auf dem n&#228;chsten Streckenabschnitt richtig windig wird. Ich suche Schutz hinter einem gro&#223;en L&#228;ufer. Aber der ist vermutlich der gro&#223;e Bruder von Maxi-Sport und bremst pl&#246;tzlich, um danach wieder anzuziehen. Keine Hilfe also. So k&#228;mpfe ich mit dem Wind und versuche, das Tempo zu halten. Es wird jetzt recht z&#252;gig und ich wei&#223;, dass ich die 2:13 erreichen kann. Dann will ich nat&#252;rlich auch gern noch schneller laufen. Wenn schon, denn schon.   </p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Seligenstadt07.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Zum Gl&#252;ck kommt wieder Ablenkung und ich sehe, h&#246;re und rieche die Top Ten-L&#228;ufer. Ich freue mich &#252;ber den Anblick der Entgegenlaufenden. Der einzige, den ich f&#252;rchte, ist der Unterhemdenl&#228;ufer. Er hat die Eigenschaft, Nase und Ohren schwer zu strapazieren, denn er riecht nicht nur am Start schon schlecht (selbst wenn er statt im Unterhemd mit freiem Oberk&#246;rper l&#228;uft), er beginnt etwa ab der H&#228;lfte der Strecke laut und langgezogen zu st&#246;hnen. Aber weil er nun mal zu den &#252;blichen Verd&#228;chtigen geh&#246;rt, st&#246;hnt und riecht er bald an mir vorbei. Vermutlich w&#252;rde er mir fehlen, wenn er nicht da w&#228;re.  Der Gegenwind macht mir Mut, denn ich vertraue darauf, dass er sich irgendwann in R&#252;ckenwind verwandelt. Doch es ist wie verhext. Der Wind bleibt. Und der gro&#223;e Bruder von Maxi Sport unkt: &#8220;Irgendwie ist &#252;berall Gegenwind&#8221;. Aber ich k&#228;mpfe jetzt weniger mit dem Wind, als mit ihm. Der Begriff &#8220;Zug- und Bremsl&#228;ufer&#8221; bekommt eine ganz eigene Bedeutung. Ich will jetzt vorbei. Wie vorhin habe ich auch hier einen Mitstreiter, statt orange tr&#228;gt er gelb. &#8220;Auf!&#8221; sagt er zu mir und zieht an Mr. Gegenwind vorbei. Aber ich komme einfach nicht weg. Kaum bin ich neben meinem &#220;berholobjekt, zieht das wieder an.</p>
<p><img class="size-full wp-image-862 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="Seligenstadt-Getr&#228;nk" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Seligenstadt-Getr&#228;nk.jpg" alt="Seligenstadt-Getr&#228;nk" width="267" height="356" /></p>
<p>Und dann passiert endlich das Wunderbare. Der Wind kommt pl&#246;tzlich von hinten. Darauf habe ich gewartet. Es sind noch knapp vier Kilometer und meine F&#252;&#223;e sind noch wach. Ich gebe einfach Gas. Ich ziehe an meinem Qu&#228;lgeist vorbei und an meinem Mitstreiter auch gleich. Ich hab’s jetzt satt. Noch drei Kilometer. Ich halte das jetzt.  </p>
<p>Es kann nichts mehr passieren. Die Sonne scheint, mir tut nichts weh, Henry Maske  hat gewonnen. Wann kommt denn endlich dieses Ziel? Vor mir taucht ein L&#228;uferpaar auf. Na gut. Nehm ich die eben auch noch mit. Ich f&#252;hle mich ziemlich unerschrocken und ziehe noch etwas an. Was alles m&#246;glich ist! Ich w&#252;rde w&#228;hrend des Laufens erstaunt den Kopf sch&#252;tteln, wenn ich nicht so mit Laufen besch&#228;ftigt w&#228;re. Im Ziel stoppe ich die Uhr bei 2:10:17. Fast dreieinhalb Minuten schneller als meine Bestzeit von 2001. Mehr als 11 Minuten schneller als im letzten Jahr.  </p>
<p>Der L&#228;ufer in gelb spricht mich an und bedankt sich f&#252;r’s Ziehen und das gleichm&#228;&#223;ige Laufen. Ein mir wildfremder Mensch klopft mir auf die Schulter (da ist es wieder) und sagt: &#8220;Toll gelaufen – wie in Friedberg.&#8221; Ich freue mich dar&#252;ber sehr. Und bin heute wahrlich stolz, selbst eine der &#252;blichen Verd&#228;chtigen zu sein.</p>
<h6>(Fotos: Thomas Guthmann)</h6>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zu Lauf und Veranstalter gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.evo-wasserlauf.de/" target="_blank">http://www.evo-wasserlauf.de/</a></div>
<p> </p>
<h4>Seligenstadt?</h4>
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<p><!-- Do not change code! --></p>

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