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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Marathon</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Schön ist es auf der Welt zu sein.</title>
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		<comments>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/frankfurt-marathon-2010/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 06 Nov 2010 20:02:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt Marathon 10]]></category>
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		<description><![CDATA[In Deutschland gibt es in diesem Jahr 291 Marathon-Veranstaltungen. Da selbst das Leben eines Marathonläufers begrenzt ist, muss man sich also gut überlegen, ob man wirklich ein und die selbe Strecke mehrfach laufen will. Man könnte dadurch einen anderen schönen Marathon verpassen. Vor genau 10 Jahren lief ich den Frankfurt Marathon – meinen ersten überhaupt. Ich feiere also in diesem Jahr sozusagen Jubiläum – und es hilft nichts – das muss einfach in Frankfurt sein. ]]></description>
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<p>In Deutschland gibt es in diesem Jahr 291 Marathonveranstaltungen. Da selbst das Leben eines Marathonläufers begrenzt ist, muss man sich also gut überlegen, ob man wirklich ein und die selbe Strecke mehrfach laufen will. Man könnte dadurch einen anderen schönen Marathon verpassen.</p>
<p>Vor genau 10 Jahren lief ich den Frankfurt Marathon – meinen ersten überhaupt. Ich feiere also in diesem Jahr sozusagen Jubiläum – und es hilft nichts – das muss einfach in Frankfurt sein. Erfreulicherweise hat Renndirektor Jo Schindler extra für mich die komplette <a href="http://www.frankfurt-marathon.com/fileadmin/user_upload/startseite/FfMaraStrecke.pdf" target="_blank">Strecke</a> im Laufe der letzten Jahre immer wieder modifiziert. Von der teilweise recht fiesen Strecke von vor 10 Jahren ist nicht viel geblieben, der Kurs ist also im Grunde neu für mich.</p>
<p>Die Anmeldung zum Lauf war für mich die perfekte Motivation, wieder zu einem Training zu kommen, das den Namen verdient. Die letzten zwei Jahre waren dumdideldum, die Prioritäten lagen woanders als beim Laufen. Das Ergebnis: Halbmarathonzeiten von 2h und mehr und 5 Kilo überflüssige Rundumschwarte. Schon nach 6 Wochen Marathontraining hatte sich beides erledigt. Wäre doch nur alles so einfach. So schnell wie früher bin ich deshalb natürlich immer noch nicht. Eine Marathonzeit unter 4 Stunden ist illusorisch. Heute peile ich 4:15 bis 4:30 an, ein schöner Lauf ist mir viel wichtiger als die Zeit.</p>
<p>Morgens stehe ich an der Haltestelle mit meinem Marathonbeutel und sehe einen Nachbarn mit Hauspantoffeln Sonntagsbrötchen holen. Wie immer in diesen Situationen fühle ich mich wie ein Alien, das mit den anderen Menschen nichts gemein hat. Ein Gefühl, das ein bisschen erhebend und ein bisschen beängstigend ist. In der Straßenbahn sitzen zum Glück bereits andere Aliens, erkennbar an ihren großen gelben Plastikbeuteln, den Laufschuhen und einem Getränk in den Händen. Der Außerirdische neben mir nuckelt alle 30 Sekunden hektisch an seiner Wasserflasche. In wenigen Minuten Fahrt hat er beinahe einen Liter weggeschlorkt. Verrückt.</p>
<div class='stb-grey_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffefd5; border-left-color: #ffefd5; border-right-color: #ffefd5; border-bottom-color: #ffefd5; background-color: #d3d3d3; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s ein <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Schön-ist-es-auf-der-Welt-zu-sein.pdf" target="_blank">PDF zum Ausdrucken</a> (ohne Bilder).</div>
<p>An der Messe kommen immer mehr Aliens zusammen, als wollten sie die Stadtherrschaft übernehmen – und in gewisser Weise tun sie das ja auch. Ich gehe in die Festhalle, um dort ein paar Menschen zu treffen, aber noch niemand, den ich kenne, ist da. Ich setze meinen Fuß probehalber auf den roten Teppich. Weich. Werde ich das nachher auch noch wahrnehmen? Die Halle ist ein bisschen düster. Überall sitzen versprengte Läufer auf den Rängen oder sie stehen beisammen, um lässige Ruhe bemüht. Schließlich treffe ich doch noch bekannte Gesichter und wir plaudern. Es kommt mir vor, als fiele kein einziges vernünftiges Wort. Wir wollen ja auch eigentlich gar nicht reden, dafür sind wir schließlich nicht hier. Man ist doch aufgeregter, als man denkt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2685" title="Frankfurt Marathon 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-1.jpg" alt="Frankfurt Marathon 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p>In der Kleiderbeutelabgabe ist es schon wieder ziemlich dunkel. Alle versuchen, ihren Platz zu finden und es ist ein Hin- und Her wie in einem Ameisenhaufen. Ich habe zwar keine Unmengen getrunken, aber einmal vorher einen Ort aufsuchen, wäre nicht schlecht. Die Örtchen sind leicht zu finden, sie sind da, wo mindestens 20 Läufer davorstehen. Mir ist das alles zu viel und mich zieht es an die frische Luft.</p>
<p>Die Dixies im Freien sind gar nicht so leicht zu finden. Auch hier gibt es Staus. Wir Anstehenden schauen auf die Uhr. Noch fünf Minuten. Das schaffen wir. Ich schiebe mich danach schnell zu meinem Startblock, nicht ohne den einsamen rosa Hasen zu bemerken, der angesichts dieser riesigen Menge umherflatternder Läufer ein wenig ratlos wirkt. Das macht ihn mir sympathisch und wir nicken uns wissend zu.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Hase.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2686" title="Frankfurt Marathon Hase" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Hase.jpg" alt="Frankfurt Marathon Hase" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Und wieder: stehen und warten. Im Startblock herrscht eine Atmosphäre wie unter 5-jährigen kurz vor Heiligabend. Aber weil wir alle erwachsen sind, hüpfen wir nicht auf und ab und rufen: „Wo ist denn der Start? Wann geht’s denn los? Läuft der dicke Mann da vorne auch so schnell wie wir? Sind wir bald da? Wo ist denn der Mann mit der Pistole?“. Wir stehen einfach nur cool herum, zupfen an unseren Shirts und schauen in den Himmel.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Start.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2687" title="Frankfurt Marathon Start" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Start.jpg" alt="Frankfurt Marathon Start" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Endlich. Laufen. Direkt in die Sonne hinein. Zunächst muss nur eine kleine Schleife gelaufen werden – 3 Kilometer später werde ich wieder an der gleichen Stelle sein. Das ist schön, sozusagen zum Eingewöhnen. Ich programmiere einen 6er Schnitt ein und plane Zeit für gemütliche Trinkpausen. Ich habe zwar zunächst kein Gefühl für mein Tempo, aber alles passt. Auf den Tempomat ist Verlass. Schon nach kurzer Zeit fallen mir die Staffelläufer auf, die mit einer gelben Startnummer gekennzeichnet sind. Sie sind vor mir gestartet und die Langsamen unter ihnen werden nach und nach eingeholt. In den nächsten Stunden habe ich reichlich Zeit, mir über Staffelläufer Gedanken zu machen. Immer wenn ich sehr schwergewichtige Läufer sehe, bin ich voller Respekt und ich weiß, dass das Staffelkonzept richtig ist. Nicht nur, weil es Geld in die Kasse bringt, sondern weil es perfekt ist, um Leute für den Laufsport zu begeistern. Wann sonst könnte man an einer Strecke von 6, 7 km Sambatrommler genießen? Aber dann, immer wieder, schüttle ich über Staffelläufer innerlich den Kopf. Über solche, die wenige Kilometer nach der Wechselstelle Gehpausen machen, gern mitten auf der Strecke. Können sich halbwegs junge Menschen nicht einmal im Jahr so vorbereiten, dass sie in der Lage sind, 7 km am Stück zu laufen? Rätselhaft. Vielleicht kann ich an dieser Stelle auch noch mit einem Missverständnis aufräumen: Staffel bedeutet, dass die Läufer <em>nach</em>einander laufen. Nicht <em>neben</em>einander. Immer wieder finden sich drei oder vier Staffelläufer plaudernd zusammen, die nebeneinander her laufen. Puh.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00604.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2688" title="DSC00604" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00604.JPG" alt="DSC00604" width="384" height="512" /></a></p>
<p>So umdribble ich ab und zu einen schnaubenden Geher oder eine Volkstanzformation, lasse mich aber nicht weiter stören. Zu schön ist das Wetter, zu prall die Farben und überhaupt – wie toll ist das denn? Ich laufe durch Frankfurt, meine Stadt, die Straßen gehören uns! Gerade bin ich durchs Westend geschwebt und darf jetzt an der Alten Oper vorbei durch die Fressgass zischen. Das Feld ist noch sehr dicht beisammen und so entsteht hier eine kleine Engstelle. Nichts Dramatisches, aber man muss etwas Acht geben.</p>
<p>Auf meinem Weg an der Hauptwache vorbei entdecke ich einen Läufer, der einen laminierten Zettel auf dem Rücken trägt. Darauf steht so etwas wie: „Ich laufe mit Jesus und komme immer an. Und Du??“ Am Vorabend war ich das erste Mal in meinem Leben bei einem Läufergottestdienst in der Festhalle. Der Pfarrer, selbst ein passionierter Läufer, wäre sicher nie auf die Idee gekommen, ein derart albernes Schild zu tragen. Unwillkürlich möchte ich dem Läufer mitteilen, dass Jesus möglicherweise in einer anderen Leistungsklasse läuft als er selbst und längst mit einem der Kenianer die Halbmarathonmarke passiert hat. Und dann dieses leicht drohende „Und Du??“ Es klingt so, als würde jeder Läufer ohne ein laminiertes Jesus-Hemd am Wegesrand verdorren und die Frankfurter Eichhörnchen würden alsbald Nüsse zwischen seinen Rippen verstecken. Schnell ziehe ich an dem Läufer vorbei. Soll er doch sein Läuferleben zwischen laminierten Zetteln verbringen.</p>
<p>Andere T-Shirts sind viel schöner. Die Sonne taucht alles in ein wunderbares Licht – nie waren die modernen Neonfarben praller, das Feld bunter. Der Karneval in Rio könnte kaum farbenfroher sein – die pinkfarbenen und neongrünen Kompressionsstrümpfe färben die Läufer bis in die Zehenspitzen. Immer häufiger wird auch mit den Farben experimentiert, Läufer tragen auf der einen Seite einen grünen und auf der anderen Seite einen schwarzen oder pinkfarbenen Strumpf. Es gibt die eher elegante Kombination aus schwarz und grün, die etwas gewagterere aus neongelb und royalblau, die von Kopf bis Fuß rot gewandeten, aber auch pink und lila in Kombination. Die Schuhfarbe wird immer häufiger mit dem Rest abgestimmt und sogar die Kappen leuchten. Zu dem Farbenmeer der Läufer kommt das pralle Orange, Gelb und Rot der Bäume. Es ist, als hätte jemand bei der ganzen Welt am Farbsättigungsknopf gedreht. Was für ein Tag!</p>
<p>Außer auf die Shirts und Tights schaue ich natürlich auch darauf, was die Läufer sonst noch alles so dabei haben. Bei vielen glitzert es rund um die ganze Taille, Gels sind beliebt. Und manch einer konnte sich nicht dazu durchringen, den Hausrat ein paar Stunden allein zu lassen und nimmt ihn kurzerhand komplett mit auf die Strecke.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Gepäck.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2689" title="Frankfurt Marathon Gepäck" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Gepäck.jpg" alt="Frankfurt Marathon Gepäck" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Während ich abermals an der Alten Oper vorbei tappe, höre ich Herbert Steffny aus dem Lautsprecher die Elite-Verpflegung erklären. Die Stimme von Steffny begleitet mich bei fast jedem Marathon – und sei es nur in meinem Kopf. Vor 11 Jahren habe ich ein Laufseminar bei ihm gemacht, unzählige Marathonübertragungen mit ihm gesehen. Er ist mein „Mister Marathon“, ein großer Läufer mit einer freundlichen, ruhigen Art. Und wenn ich an eine schwierige Stelle komme, kann ich ihn zu mir sprechen lassen. Ich weiß etwa, was er sagen würde und das hilft mir weiter. Ein Frankfurt Marathon ohne Steffny – undenkbar.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00616.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2690" title="DSC00616" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00616.JPG" alt="DSC00616" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Wir laufen jetzt ein Stück Richtung Norden – und gleich wieder hinunter zum Eschenheimer Turm. Unterwegs begrüßt mich ein Freund an der Strecke und ich bekomme einen Übermutsschub – den ersten von vielen. Zwar halte ich das Tempo einigermaßen im Zaum, aber manchmal muss ich kurz über ein Lübecker Hütchen hüpfen. Oder innerlich „dideldei dideldum“ rufen und dabei grinsen. Wir rollen hinüber nach Sachsenhausen und ich frage mich, ob ich wohl heute noch braun werde von der vielen Sonne. Bei jedem Getränkestand nehme ich etwas Wasser und Tee. Ich fürchte, ich bin ein bisschen zu warm angezogen und schwitze reichlich. Einen so sonnigen Tag hat niemand prophezeit.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Brücke.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2691" title="Frankfurt Marathon Brücke" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Brücke.jpg" alt="Frankfurt Marathon Brücke" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Nun geht es ein Stückchen am Mainufer entlang und danach über die Kennedyallee nach Niederrad. Schon jetzt ist der Streckenverlauf viel attraktiver, als noch vor 10 Jahren. An der Strecke entdecke ich ein paar gruselige Gestalten, die ich sofort fotografieren muss.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Scream.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2692" title="Frankfurt Marathon Scream" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Scream.jpg" alt="Frankfurt Marathon Scream" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Ansonsten halte ich mich mit Fotos etwas zurück, da ich das Stop&amp;Go fürchte, in New York hat das meinen Muskeln den Garaus gemacht. Irgendwo in Niederrad hat jemand Lautsprecher aufgestellt und alte Schlager aufgelegt. Während ich vorbei laufe, singt Roy Black mit der kleinen Anita, dass es schön ist, auf der Welt zu sein und dass das ja schon die Biene zu dem Stachelschwein gesagt habe. Nichtläufern sei an dieser Stelle gesagt, dass glückliche Läufer im Augenblick großen Glücks zur Tumbheit neigen. Intellektueller Lyrik und anspruchsvollen Musikstilen sind sie weit weniger zugänglich als beispielsweise der Titelmusik von „Rocky“, einer Blaskapelle oder eben Roy Black. Mich trifft der Song in einem Zustand völliger Unbeschwertheit und vollkommener Wunschlosigkeit. Die Beine laufen, die Sonne scheint. Mehr ist nicht und mehr muss auch nicht sein. Na Bravo, Frau Schmitt, jetzt heulst Du schon bei Roy Black. Weit vor km 30 (klassische Heulmarke) Das kann ja heiter werden. Roy Black trägt mich durch die eher unattraktive Bürostadt, die ihren Schrecken heute völlig verloren hat.</p>
<p>Irgendwann treffe ich auf der Strecke zufällig Torsten, einen Staffelläufer, den ich am Abend vorher kennengelernt habe. Das ist aber mal nett. 13.000 Läufer sind ja doch gar nicht so viele. Wir legen ein Stück gemeinsam zurück. An der Halbmarathonmarke steht die Uhr bei 2:06:34. Vielleicht eine kleine Idee zu schnell, aber im Rahmen. Ich lasse den Tempomat drin und tapse weiter. Seit geraumer Zeit stört mich irgendetwas an meinem Zeh. Ich bin nicht sicher, was es ist, aber es könnte eine Falte in der Socke sein. An der Schwanheimer Brücke ist mir die Sache endgültig nicht geheuer. ich gehe hinter eine Leitplanke, damit ich nicht im Weg bin und ziehe mir den Schuh aus. Ist da was? Hm. Nicht so richtig zu sehen. ich ziehe mir den Strumpf straff und ziehe den Schuh wieder an. Und weiter geht’s. Scheinbar war es die richtige Entscheidung. Das Scheuern lässt nach.</p>
<p>Das erste Mal trage ich heute bei einem Marathon Kompressionsstrümpfe. Ich bin sehr gespannt, ob sie sich bewähren. Auch eine Kompressionstight steht auf dem Prüfstand. Die macht sich, wie so oft, hervorragend, die Oberschenkel fühlen sich noch frisch und locker an.</p>
<p>Für die nächste Band auf der Brücke gehe ich sogar ein paar Schritte zurück. Zwar hält sich der optische Reiz des Motivs objektiv betrachtet möglicherweise in Grenzen, aber die beiden Jungs sind fröhlich und entspannt und genau so ist auch ihre Musik, die man lange Zeit hören kann. Sie stehen im Niemandsland und grooven vor sich hin. Das ist wirklich schön.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Band.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2693" title="Frankfurt Marathon Band" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Band.jpg" alt="Frankfurt Marathon Band" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Gemessen am Lauf vor 10 Jahren sind auch die Bands an der Strecke häufiger. Hier ist viel passiert. Meistens ist auch das Niveau ganz prima.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Trommeln.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2695" title="Frankfurt Marathon Trommeln" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Trommeln.jpg" alt="Frankfurt Marathon Trommeln" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Einen Ausreißer bietet eine Karaoke-Sängerin die „I’m your venus, I’m your fire at your desire“ so unfassbar schepprig und schief singt, dass sich mir die Zehennägel aufrollen. Wahrscheinlich ist mir dabei auch die Socke verrutscht.</p>
<p>In Höchst ist die Stimmung erwartungsgemäß gut. Als Wiege des Marathons weiß Höchst, was Marathonläufer brauchen und macht immer Rabbatz. Überhaupt tun gerade die Orte weit ab der Innenstadt, was sie können. Besonders Kirchengemeinden und Kleingärtnervereine sind an der Strecke immens gut gelaunt und ein dezenter Weinduft weht über den Asphalt. So ein Frühschöppchen ist eben nicht zu verachten. Die gespielte Musik entspricht zwar nicht immer dem eigenen Geschmack, aber das ist nicht wichtig (siehe: Roy Black). Hauptsache, die Laune stimmt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00641.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2694" title="DSC00641" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00641.JPG" alt="DSC00641" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Wir nehmen noch eine Kurve durch Nied und als wir auf die gefürchtete Mainzer Landstraße einbiegen, sind wir schon bei km 30. Ich habe großen Durst, trinke immer mehr. Jetzt denke ich – eine Cola könnte gut tun. Ich habe schon mehrfach gute Erfahrungen damit gemacht. Zwar habe ich zwei Gel Chips einstecken, aber mir ist mehr nach Flüssigem als nach einem Marshmellow. Die Cola ist nicht zu kalt und ich trinke einen ganzen Becher. Ein unseliger Fehler. Bald danach krampft sich mein Zwerchfell auf der rechten Seite zusammen. Es sticht und schmerzt ungeheuer und erwischt mich völlig unvorbereitet. Bis eben ging es mir sehr gut.  Das Stechen ist so heftig, dass ich gehen muss. Ich atme tief aus, ich nehme die Arme nach oben, ich drücke auf die Stelle – nichts hilft. So ein Mist. Was ist das denn? Die Cola hat es wohl ausgelöst – aber warum? Ursachenforschung hilft jetzt nicht weiter. Ich habe überhaupt keine Lust zu gehen – ich will laufen. Langsam trottend rette ich mich von Kilometer zu Kilometer. Von der Mainzer Landstraße bekomme ich kaum etwas mit – zu sehr bin ich mit mir und dem Rätsel der Schmerzen beschäftigt. Bei der nächsten Getränkestation unternehme ich einen Versuch. irgendetwas muss ich ja tun! Ich trinke zwei Becher warmen Tee. Ich hoffe, dass die Wärme die Verkrampfung löst. Und tatsächlich: der Schmerz lässt etwas nach. Ich kann wieder ohne Gehpausen weiterlaufen. Aber immer wenn ich versuche, das Tempo etwas anzuziehen, wird der Schmerz stärker. ich fühle mich ausgebremst und muss erst einmal meine Moral wieder finden. Blöd, blöd, blöd.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00649.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2696" title="DSC00649" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00649.JPG" alt="DSC00649" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fan.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2704" title="Frankfurt Marathon Fan" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fan.jpg" alt="Frankfurt Marathon Fan" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurioserweise habe ich bei km 35 das Gefühl, gleich zuhause zu sein, obwohl noch der ein oder andere Kilometer kommt. Aber die Messe ist schon zum Greifen nah. Jetzt müssen nur noch ein paar Schleifen in der Innenstadt  genommen werden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00659n.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2697" title="DSC00659n" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00659n.jpg" alt="DSC00659n" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Ich freue mich, noch einmal am Kaiserplatz vorbei zu kommen. Hier macht die Samba-Truppe Bloco X eine Mörderstimmung.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Samba1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2699" title="Frankfurt Marathon Samba" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Samba1.jpg" alt="Frankfurt Marathon Samba" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Noch einmal Hauptwache und der Kurs auf die Alte Oper. Hier stehen richtig viele Menschen. Aber was Kleingärtnervereine in Schwanheim hervorragend können, haben die Menschen in der Stadt nicht unbedingt drauf. Gemessen an der Menge der Menschen ist die Stimmung eher zäh. Ausdruckslose Gesichter schauen mir entgegen. Nicht, dass ich bei einem Marathon immer Zuschauer brauche. Aber wenn sie da sind, sollten sie mir nicht so versteinert entgegen sehen, dass ist schlimmer, als wenn gar niemand da wäre. Manchmal hilft schon ein Lächeln oder ein lustiges Schild. Ein einziges liebevoll bedichtetes Betttuch habe ich auf der Strecke gesehen. Ansonsten liebt man in Frankfurt eher vorgefertigte Schilder von der Messe, auf denen „Run, run, run“ steht und man nur noch den entsprechenden Namen dazu eintragen muss.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00661.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2700" title="DSC00661" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00661.JPG" alt="DSC00661" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurz darauf werde ich aber gleich wieder entschädigt. Zuerst treffe ich den Freund von vorhin wieder und werde gehätschelt. Und dann, wenige Meter weiter, etwa dort wo sonst ich stehe, steht eine Dame. Mit einem Puschel. Einem weißen. Und ihr Begleiter hat kleinere glitzernde Puschel. Es gibt sie also doch, die leidenschaftlichen Marathon Fans in Frankfurt! Jetzt kann mich nichts mehr aushebeln. Die Beine sind müde, aber schmerzen nicht, die Stelle in der Seite tut nicht mehr ganz so weh und der letzte Kilometer ist angebrochen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00666.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2703" title="DSC00666" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00666.JPG" alt="DSC00666" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurz vor der Festhalle – noch ein nettes bekanntes Gesicht. Wunderbar. Rein in die gut’ Stubb! Ich erinnere mich, der Teppich war weich. Vor Stunden, als die Welt noch eine andere war. Die vor dem Frankfurt Marathon. Der Zieleinlauf ist schön und einzigartig, wenngleich für mich nicht so bewegend, wie oft geschildert. Vielleicht kann nach der Farbenpracht im Freien der rote Teppich nicht noch einen drauf setzen.</p>
<p>Kurz nach mir kommt Fauja Singh, der 99jährige Staffelläufer ins Ziel. Schnell -  ein Foto!</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fauja.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2701" title="Frankfurt Marathon Fauja" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fauja.jpg" alt="Frankfurt Marathon Fauja" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Dann zieht es mich an die frische Luft. Ich bekomme eine knisternde Wärmedecke (Ich liebe Wärmedecken!), eine Rose und eine fette Medaille. 4:24. Ging eben nicht schneller. Ich setze mich in die Sonne, knistere ein bisschen mit meiner Decke und trinke mehrere Becher von dem köstlichen Rosbacher Wasser mit Kohlensäure. An der Strecke gab es ja nur das ohne.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00672.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2702" title="DSC00672" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00672.JPG" alt="DSC00672" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Zwei Jahre ohne Marathon. Wie hab ich das nur ausgehalten? Und welchen der 291 Marathons laufe ich nächstes Jahr? Es wäre mein 10ter. Ein Jubiläum läuft sich eigentlich ganz gut in Frankfurt&#8230;</p>
<div id="attachment_2705" class="wp-caption aligncenter" style="width: 262px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2000.jpg"><img class="size-full wp-image-2705 " title="FM 2000" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2000.jpg" alt="Frankfurt Marathon 2000 bei km 41" width="252" height="372" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurt Marathon 2000 bei km 41</p></div>
<div id="attachment_2706" class="wp-caption aligncenter" style="width: 259px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2010.jpg"><img class="size-full wp-image-2706 " title="FM 2010" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2010.jpg" alt="Frankfurt Marathon 2010 bei km 40,5" width="249" height="372" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurt Marathon 2010 bei km 40,5</p></div>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #778899; border-left-color: #778899; border-right-color: #778899; border-bottom-color: #778899; background-color: #faf0e6; ">Mehr zum Frankfurt Marathon gibt&#8217;s hier: <a href="http://www.frankfurt-marathon.com" target="_blank">www.frankfurt-marathon.com</a></div>
<p>Einen Teil der Fotos verwende ich mit freundlicher Genehmigung von Heiko Bartlog. Vielen Dank Heiko &#8211; so schnell und so viele Bilder &#8211; das schaff ich nie! <a href="http://twitter.com/bartlog" target="_blank">http://twitter.com/bartlog</a></p>

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		<title>Der Puschel-Marathon.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:16:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt Marathon 09]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Marathon]]></category>
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		<description><![CDATA[Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in Österreich („Der Kaiser fährt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausgeübt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonläufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgeschäft für Clownsbedarf einen riesengroßen, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. (...)]]></description>
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<p>Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in Österreich („Der Kaiser fährt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausgeübt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonläufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgeschäft für Clownsbedarf einen riesengroßen, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. Ich wollte bei einer Marathonveranstaltung ein paar Menschen zujubeln und brauchte ein passendes Utensil.</p>
<p>Aus leidvoller eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht alles, was zum Anfeuern angeboten wird, auch dafür geeignet ist. Als ich einmal in Hamburg Marathon lief, hatte der damalige Sponsor Hansaplast Tröten verteilt. Genaugenommen waren es Plastikmundstücke mit einer aufgesteckten Papprolle. Sie machten etwa das Geräusch, das Luftballons fabrizieren, wenn man den Gumminippel auseinanderzieht, während die Luft entweicht. Widerlich. Bei Kilometer 10 hatte ich das Gefühl, dass jedes Kind in ganz Hamburg mit dieser Tröte ausgestattet war und die Strecke beschallte. Bei Kilometer 20 war ich mir sicher, dass auch die Eltern je eine Tröte besaßen. Bei Kilometer 30 wusste ich, dass jedes Kind vier Tröten hatte, und die Eltern, Großeltern, Onkel, und Tanten auch. Es ging mir nicht gut bei diesem Lauf und ich litt zusätzlich an vier Stunden schrillem Füüpen. Ich denke, der berühmte „Mann mit dem Hammer“ sollte in „der Mann mit der Tröte“ umbenannt werden. Sponsoren sollten bedenken, was sie tun. Ich habe nie wieder ein Hansaplast-Produkt gekauft.</p>
<p>Ich habe vieles ausprobiert beim Anfeuern: eine kleine Glocke (war zu leise und ging nach einer Stunde kaputt), Topfdeckel (war lustig, ruinierte aber auf Dauer die Deckel), rufen (macht nach einer Stunde heiser). Obendrein ist beim persönlichen Anfeuern noch etwas anderes wichtig: es muss auch dann noch wahrgenommen werden, wenn der Geräuschpegel der Umgebung groß ist. So kam ich auf den Puschel. Er kann nicht nerven, denn er macht kein stresserzeugendes Geräusch. Er ist weithin sichtbar (wenn man ihn über dem Kopf schwenkt) und so wird man auch von den Läufern in der Menge gefunden. Und er löst Heiterkeit aus. Das durfte ich heute beim Frankfurt Marathon wieder einmal feststellen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png"><img class="size-full wp-image-2013 aligncenter" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="Bild-9" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png" alt="Bild-9" width="302" height="402" /></a><br />
Ich beziehe am Morgen meinen traditionellen Standplatz, pünktlich 10 Minuten vor dem Start. Er liegt an der Mainzer Landstraße, dort, wo die Läufer vier mal vorbeikommen: bei km 1, 3, 35 und 41. Zwischendurch kann man an die Alte Oper watscheln, um dort noch einmal Läufer bei km 6 zu sehen. Mehr Läufereindrücke bei weniger logistischem Aufwand sind kaum machbar. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass man sich entscheiden muss: während die einen Läufer noch bei km 1 sind, kommen andere schon bei km 3 auf der gegenüberliegenden Seite vorbei. Gleiches gilt für 35 und 41. Hier muss man die Anfeuerungskräfte nach Bedarf verteilen: die Langsamen brauchen mehr Zuspruch.</p>
<p>Wer Marathonlaufen liebt und schon einmal an der Strecke stand, wird es bestätigen: es gibt kaum etwas aufregenderes, als den Moment, wenn sich der Hubschrauber nähert und das erste Polizeifahrzeug auftaucht. Dann folgen meistens mehrere Motorräder, ein paar Fahrräder und dann das wichtigste: das Auto mit der magischen Uhr auf dem Dach. Hinter dem Auto laufen Menschen, die das gleiche tun, das man selbst so oft tut. Und doch sieht es ganz anders aus. Dunkelhäutige Männer schweben vorbei, mit glänzenden, sehnigen Waden, mit Flatterhosen und dünnen Trägerhemdchen, mit schön geformten Hinterköpfen und großen Zähnen. Man sieht sie vorbeifliegen und fühlt sich sofort wie ein Germknödel neben einer Vanilleschote.</p>
<p><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2016" title="Frankfurt-Marathon 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Niemand in der Menge ruft „Wilfred!“, „Henry!“ oder „Joseph!“ obwohl es auf den Startnummern steht. Der Menge ist es im Grunde egal, welcher der Schwarzen gewinnt. In Frankfurt ist das besonders ausgeprägt. Denn dort starten viele Eliteläufer. Man will die Konkurrenz und man will den Streckenrekord. Sie sind alle phantastisch. Sie sind alle Elite. Aber sie sind nicht wie Paul Tergat oder Haile Gebrselassie. Sie sind keine Stars. Sicher können sie gut damit leben. Aber mir tut es leid. Ich suche mir immer einen aus, den ich besonders anfeure. Auch mit Namen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2018" title="Frankfurt-Marathon 5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 5" width="512" height="384" /></a><br />
Während der Hubschrauber noch über uns steht, reißt das Feld weit auseinander. Wenn man noch einen Kaffee trinken muss, sollte man das jetzt tun. Ich habe immer eine Thermoskanne Kaffee dabei. Als Fan an der Strecke muss man wach und warm bleiben. Zum Glück ist es heute nicht kalt – bei 15 Grad lässt es sich gut eingepackt lange stehen. Dann wird es spannend: jetzt kommen die, die nicht mit Laufen ihr Geld verdienen und trotzdem abenteuerlich schnell sind. Ich erkenne ein paar Läufer aus der Region. Wie schnell sie sind! Für meinen Puschel haben sie überhaupt keinen Blick. Es ist der erste Kilometer, man ist noch damit beschäftigt, sich auf die kommenden Stunden zu konzentrieren. Manche konzentrieren sich so sehr, dass sie grimmig aussehen. Sie runzeln die Stirn und grübeln.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2027" title="Frankfurt-Marathon 6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 6" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">War die Entscheidung für das T-Shirt richtig? Hätte man nicht doch besser das Singlet nehmen sollen? Hätte es statt der Kappe nicht auch ein Tuch getan? Stört da gerade etwas im Schuh? War der erste Kilometer zu optimistisch angegangen? Läufer, die deutlich unter drei Stunden laufen, sehen meistens nicht besonders entspannt aus. Doch dann entdecke ich das erste bekannte Gesicht, das sehr entspannt aussieht und ich bin wieder zufrieden. Es ist gar nicht so einfach, an eine Wand aus stirnrunzelnden Läufergesichtern hinzupuscheln. Jenseits der drei Stunden-Marke wird es langsam anders. Der Frauenanteil ist zwar nach wie vor verschwindend, aber es gibt sie. Sie sind gebräunt, tragen Zöpfchen und Triathlon-Oberteile. Hauteng natürlich.  Die Schuhe sind neongelb oder orange. Neben ihnen laufen Männer mit dunklen Sonnenbrillen und ihr Gesichtsausdruck sagt: Seht her! So schnell läuft sie nur, wenn ich sie begleite!</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle und puschle. Alle drei Minuten muss ich den Arm wechseln, sonst wird es zu anstrengend. Das Feld wird jetzt immer entspannter. Man redet viel miteinander. Nervtötend sind nur die Staffelläufer: sie zerstören den Rhythmus des Feldes. Mehrfach rennt ein Staffelläufer über den Bordstein auf meine Verkehrsinsel, so dass ich mich in Sicherheit bringen muss. Sie rempeln und holzen. Ich weiß, warum Veranstalter Staffeln mögen. Sie machen den Marathon auch bei denen populär, die die ganze Strecke nicht schaffen. Sie halten die Teilnehmerzahlen hoch und tragen den guten Ruf des Marathons in die Familien, Freundeskreise und Büros. Aber viele haben leider immer noch nicht begriffen, dass 6-Kilometer-Läufer an diesem Tag nicht der Nabel der Welt sind. Mich macht das sauer.</p>
<p style="text-align: left;"><div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; "><em>Zu viel Text am Bildschirm? </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Puschel-Marathon.pdf" target="_blank"><em>Hier</em></a><em> gibt&#8217;s ein PDF zum Ausdrucken.</em></div></div></p>
<p style="text-align: left;">Jetzt finde ich immer mehr bekannte Gesichter und das macht mich dann wieder ganz froh. Man kann Albernheiten rufen und etwas zurück gerufen bekommen. Eine Sekundenbegegnung hat im Marathon eine andere Bedeutung, als im normalen Leben. Sie brennt sich sofort auf die innere DVD, die den Marathon beschreibt. Treffen an der Strecke sind wie ein Foto, das man sich später innerlich immer wieder anschauen kann. Deshalb gebe ich mir Mühe. Die Läufer sollen ein schönes Foto bekommen.</p>
<p style="text-align: left;">Langsam taucht der Ballon mit dem Vier-Stunden-Zugläufer auf. Er schart einen riesigen Pulk Menschen um sich. Nein, hier in der Enge zu laufen wäre mir zu anstrengend. Aber die Läufer, die danach kommen sind mir besonders lieb. Sie werden immer dicker, immer weiblicher und immer älter. Und sie sind immer wärmer angezogen. Und sie lächeln mehr. Viele sind gewillt, heute einfach nur Spaß zu haben, das kann man deutlich merken. Sie winken mir und lachen über das pinkfarbene Ungetüm am Ende meines Armes.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2028" title="Frankfurt-Marathon 7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 7" width="512" height="384" /></a><br />
An der Fünf-Stunden-Marke sieht man besonders viele Veteranen. Ältere Herren, die vermutlich abenteuerlich viele Marathons hinter sich haben. Sie laufen oft ein bisschen krumm, blinzeln (weil sie natürlich keine coole Sonnenbrille tragen), und sind auffällig dünn angzogen. Die Frage „Bist Du ein Mann oder eine Maus?“ muss man diesen Herrschaften nicht stellen. Sie sehen aus, als hätten sie schon jeden ihrer Zehennägel einmal bei einem Lauf  verloren. Ich denke, sie müssen die Brustwarzen nicht mehr abkleben, weil sie inzwischen keine mehr haben. Diese Laufwesen sind perfekt an das Laufen durch Städte angepasst. Ich nenne sie „Zausel“ und habe größten Respekt vor ihrer Leistung.</p>
<p style="text-align: left;">Ganz am Ende des Feldes kommt Peter. Er ist heute Zugläufer für 5:59 und hat damit die Mission, alle Schäflein möglichst vor dem Zielschluss in die Festhalle zu bringen. Viel Begleitung hat er nicht, aber das kann sich ja ändern.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2020" title="Frankfurt-Marathon 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 3" width="512" height="384" /></a><br />
Nach etwa einer halben Stunde ist auch der letzte Läufer bei Kilometer 1 vorbeigekommen. ich drehe mich herum und schaue mir einen großen Teil des Feldes noch einmal an, während es Kilometer 3 passiert. Ein Nichtläufer würde sich vielleicht fragen, worin um alles in der Welt, hier der Reiz liegt. Das kann ich mir aussuchen. Ich kann mir das ganze Feld als eine riesengroße Lauf-Modenschau vorstellen. „Streetwear“ sozusagen. Nie werde ich mehr Kombinationen von Jacken, Shirts, Hosen und Strümpfen sehen, als hier. Ich kann die Tchibo-Passform mit der von Nike vergleichen und feststellen, dass Adidas-Jacken immer ein bisschen kurz sind. Ich sehe, wie schwarze Kompressionsstrümpfe bei kleinen Frauen wirken (besser als weiße) und dass es jetzt immer mehr pinkfarbene gibt. Das macht Spaß. Ich kann mich aber auch auf die Kostüme konzentrieren und darauf hoffen, dass bald eine laufende Sebamed-Flasche vorbeiläuft. Oder Michel mit einem Riesen-Baguette unter dem Arm. Ich kann mich darüber freuen, dass es Menschen gibt, die in einem Kuhkostüm laufen und dabei einen Rucksack in Form von „Shaun dem Schaf“ tragen. Und ich kann die Frauen mit lilafarbenem Haar zählen, die gestern offensichtlich noch auf einer Halloween-Party waren.</p>
<p style="text-align: left;">Ebenso gut könnte ich mich auf orthopädische Aspekte konzentrieren. O-Beine betrachten, hüpfende Vorfußläufer, stampfende Entenfüßler oder kraftvolle Beine-in-die-Luft-Werfer. Es gibt endlos viele Möglichkeiten, das Feld zu betrachten. Am liebsten sind mir Gesichter. Aber das wird erst bei Kilometer 35 richtig spannend.</p>
<p style="text-align: left;">Ich warte wieder bis Peter vorbei ist und ziehe zur Alten Oper. Etliche Zuschauer machen das gleiche. Von weitem hört man schon die Einpeitscher-Musik an der hr-Bühne („Let’s get loud!“).  Hier sehe ich nur noch das letzte Viertel des Feldes und schon jetzt ist abzusehen, dass sich einige schwer tun werden. Bereits bei Kilometer 6 sieht man hochrote Köpfe und hört schweren Atem. Mit diesen Läufern möchte ich nicht tauschen.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist ganz nett, ein wenig Musik und Moderation zu haben. Aber vier Stunden wollte ich hier nicht stehen. Auch als Zuschauer braucht man seine nachdenklichen Minuten. Wo ist Peter? Ah, da. Jetzt kann ich ja wieder gehen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2021" title="Frankfurt-Marathon 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 4" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Dann kriege ich noch ein Stück des Mini-Marathons der Kinder mit. Kinder anfeuern ist viel einfacher als Erwachsene. Leider reagieren die allerdings so unmittelbar auf Motivation, dass sie sich sofort übernehmen und dann gleich wieder gehen müssen. Einmal zu kräftig gerufen und der kleine Läufer hechtet sich die Seele aus dem Leib – für die nächsten 20 Meter. „Hau rein!“, wäre also die falsche Ansage. Hier muss man eher maßvoll vorgehen und die Regieanweisung am besten gleich mitliefern: „Schön langsam durchlaufen, du hast es gleich geschafft!“ Oder bei denen, die schon gehen: „Du kannst bestimmt schon wieder ein Stückchen laufen! Ist nicht mehr weit.“ Das klappt ganz gut.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt hab ich mir einen Kaffee und einen Riegel verdient. Manchmal habe ich auch Streuselkuchen dabei, aber das hat heute nicht geklappt. Jetzt kann ich mich kurz auf den Randstein setzen und mich für die kommenden Aufgaben stärken.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2022" title="Marathon-Imbiss" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg" alt="Marathon-Imbiss" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">In einer halben Stunde geht es weiter und dann wird es keinen Moment mehr geben, an dem man guten Gewissens ausruhen kann. Wieder kündigen der Hubschrauber und das magische Auto mit der Uhr die Elite an. Zwei Männer haben sich abgesetzt – mein Favorit ist nicht dabei. Der mit dem blauen Hemd, Gilbert, fletscht ein wenig die Zähne. Er sieht angestrengt aus. Robert neben ihm wirkt lockerer. Aber was weiß man schon über kenianische Gesichter bei km 35? Vielleicht läuft Gilbert einfach immer so.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2023" title="Frankfurt-Marathon 8" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 8" width="512" height="384" /></a><br />
Man muss es 5 Stunden-Läufern einmal zum Trost sagen: schnelle Läufer sehen bei km 35 auch oft nicht mehr gut aus. Hier werden Zähne gefletscht, Augenbrauen hochgezogen und Salz aus den Augen gerieben. Auch die Schnellen müssen kämpfen. Sie haben Krämpfe und machen Gehpausen. Ein Äthiopier weit vorne geht. Er sieht nicht so aus, als wollte er das Rennen fortsetzen. Aber die Abkürzung zurück zur Messe nimmt er auch nicht. Er geht einfach weiter, als würde ihm die Enttäuschung jede logische Überlegung rauben. Hier kann mein Puschel absolut nichts mehr tun. Das sind für mich die schwierigsten Momente. Was ruft man jemandem zu, der mit schmerzverzerrtem Gesicht an einem vorbei humpelt? „Du siehst gut aus“? „Ist nicht mehr weit“? Beides wäre gelogen. Es ist bei km 35 noch verdammt weit, wenn es einem schlecht geht. Und wenn es einem schlecht geht, ich meine, richtig schlecht, dann kann man Zuschauer auch hassen. Man kann sie dafür hassen, dass sie gerade etwas trinken, was man selbst gern hätte. Dass sie da sind, wo man sie nicht haben will. Dass sie nicht da sind, wo man sie haben will. Und am meisten hasst man sie, wenn sie da stehen und einen mit regungslosem Gesicht anstarren. Man kann als Zuschauer nicht stundenlang ununterbrochen klatschen, brüllen oder klappern. Aber man muss irgendetwas tun. Sonst muss man nach Hause gehen. Man darf nicht regungslos Leute anstarren, das ist einfach nicht fair. Man kann lächeln und nicken und jemandem zuzwinkern, eine kleine Verbeugung machen. Das macht nicht viel Mühe und sagt doch, dass man noch im Spiel ist. Und nicht nur ein verständnisloser Voyeur von anderer Leute Qual. Wenn es einem als Läufer gut geht, ist es egal – aber wie vielen Läufern geht es bei km 35 richtig gut? Ich will noch im Spiel sein und ich will nicht gehasst werden. Ich will helfen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle, lächle und nicke.  Die Frau eines Läufers aus dem Runners World Forum gesellt sich zu mir und wir scannen das Feld nach bekannten Gesichtern. Ich fühle mich wie ein Kind, das Wimmelbilder guckt. „Wo ist Walter?“ heißt eine Kinderbuchreihe. „Wo ist Gregor?“, „Wo ist Kathrin?“ „Wo ist Joe?“, „Wo ist Daniela?“ Wo sind denn all die anderen?</p>
<p style="text-align: left;">Prominenz kommt vorbei. „Lumi!“ Luminita Zaituc verdient eine extra Würdigung. Sie ist schließlich so alt wie ich und läuft beinahe doppelt so schnell. Naja, jedenfalls fast.</p>
<p style="text-align: left;">Das Feld ist jetzt auch deutlich zu riechen. Das ist in Ordnung. Wer 35 Kilometer gelaufen ist, hat ein gutes Recht, zu miefen. Salzkrusten zeichnen sich auf Schläfen und T-Shirts ab. Die ersten blutigen Brustwarzen sind zu sehen, Singlets werden zu abenteuerlichen, Borat-artigen Konstruktionen geknotet, um empfindliche Brust frei zu legen. Ein Läufer hat den Kragen seines T-Shirts im Mund. Ein anderer mit einer weißen Tight hat sich einen unübersehbaren blutigen Wolf gelaufen. Was tragen diese Menschen nur alle im Training?</p>
<p style="text-align: left;">Auf der anderen Seite, bei km 41, geht jetzt ein Raunen durch die Zuschauer. Der führende ist im Anmarsch. Gilbert hat Robert abgehängt. Er fletscht immer noch die Zähne. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren, es macht anscheinend schnell. Robert folgt bald darauf. Das war es wohl.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2024" title="Frankfurt-Marathon 11" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 11" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2025" title="Frankfurt-Marathon 12" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 12" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2026" title="Frankfurt-Marathon 13" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 13" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Jedes bekannte Gesicht, das ich im Feld entdecke, ist eine Freude. In meinem Wimmelbildbuch darf ich eine Seite umschlagen. Mindestens ebenso schön ist es, wenn die Läufer mich entdecken. Sie rufen meinen Namen und dann muss ich schnell reagieren. Wo, wo, wo? Da! Wir haben uns gefunden – yeah! Manche grüßen mich, obwohl ich sie gar nicht kenne. Egal. Schon ist wieder jemand kurz von seinem Schmerz abgelenkt. Kathrin muss ich verpasst haben. Sie sollte längst hier sein, der 3:30-Luftballon ist vorbei. Wie schade. Und dann sehe ich sie plötzlich doch, inmitten der tausenden unbekannten verschwitzten Gesichter. Ich freue mich enorm. Gefunden! Es läuft nicht so gut. Kann man trösten? Nein. Ein enttäuschter Läufer ist während des Laufs untröstlich. Bestenfalls vernünftig. Man kann nur da sein.</p>
<p style="text-align: left;">Viele Läufer sehen wild entschlossen aus. Nicht jeder hat gerade ein Tief. Manche lachen und begrüßen ihre persönlichen Groupies. Obwohl hier nicht viele stehen. Mein Standplatz ist ein Geheimtipp. Immer mehr Läufer lachen auch über den rosa Puschel. Jemand läuft extra zu mir herüber und sagt mit gebrochenem Deutsch: „Das sieht sehr schön aus.“ Besonders jetzt, wo die Läufer immer langsamer werden, ist Zeit da für Begegnungen. „Das rosa Ding hab ich doch vorhin schon gesehen!“ „Ich stand ja auch vorhin schon hier!“  Und immer mehr Leute rufen aus dem Feld: „Du stehst ja immer noch da!“ und ich rufe: „Ich musste doch auf dich warten, wo bleibst du denn!“ Wir kennen uns gar nicht, aber das ist ganz egal. Mit etwas Glück werden sie sich noch einen Kilometer lang darüber freuen (die Gedanken fließen zäh beim Marathon). Ein gutes inneres Foto für später.</p>
<p style="text-align: left;">Joe taucht auf und erzählt, dass er bei km 32 Party gemacht und Bier getrunken hat und sich deshalb leider heute verspätet. Auch das gibt es. Es gibt alles. Verdorbene Mägen, verkrampfte Oberschenkel, gezerrte Waden, und Glück. Unendliches Glück, dass das hier alles möglich ist. Man kann es durch die Salzkrusten sehen. Vor allem, wenn ich mich umdrehe und die Läufer bei km 41 betrachte. Noch einen Kilometer. Was ist ein Kilometer gegen die 41 zurückliegenden und die unzähligen Trainingskilometer davor? Ein Pups. Er bläht sich auf, als wäre er der wichtigste, der längste und der schwerste Kilometer. Der letzte Kilometer ist ein Blender. Aber die Läufer lassen sich nicht blenden. Sie wissen im Grunde ihres Herzens, dass sie diesen Kilometer auf einer halben blutigen Zehe nach Hause laufen. Und das kann man in den Gesichtern sehen. Manchmal entgleiten die Gesichtszüge schon jetzt. Zähne zusammenbeißen, lachen und heulen liegt sehr nah beieinander.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt wird das Feld langsam löchrig. Man kann für einzelne Läufer die Welle machen. Namen rufen. Uga-Aga-Uga tanzen. Ältere Damen laufen mit Stil. „Oh, Dankeschön für die Anfeuerung!“ Mir tut der Rücken weh. Seit Vier-einhalb Stunden stehe ich jetzt hier. Ich kann jetzt nicht gehen, wo noch so viele langsame Läufer unterwegs sind. Wenn die kommen, die am meisten Anfeuerung brauchen, leeren sich die Straßen. Zum Glück wird es heute nicht auch noch kühl, wie sonst oft. Und wieder: „Stehst du da immer noch?“ „Du läufst ja auch immer noch, was soll ich machen?“ Manchmal wollen Läufer nicht gestört werden. Sie sind in sich gekippt und versuchen einfach nur, sich vorwärts zu bewegen. Dann bin ich still und lächle und nicke. Jetzt warte ich nur noch auf Peter, den Schlussläufer. Nach über fünf Stunden puscheln geht nichts mehr. Ich muss nach Hause. Peter hat einen asiatischen Laufveteranen neben sich. Ich freue mich, die beiden zu sehen. Auch, weil sie meinen Feierabend bedeuten. Und dann laufe ich ein bisschen mit. Das Tempo ist langsam genug für einen Menschen mit Thermoskanne im Rucksack. Wir sind ein lustiges Trio. Der unverdrossene, wild entschlossene Asiate, der große Mann mit dem Luftballon und die kleine Frau mit einem rosa Puschel um den Hals. Fast einen Kilometer laufe ich mit. Ich wünschte, ich hätte Laufschuhe an und keine Daunenweste, sondern Laufsachen. Ich würde jetzt so gerne mitlaufen und auch ins Ziel kommen. Aber der Puschel-Marathon in Frankfurt hat eben nicht ein großes Ziel, sondern 12.000 kleine.</p>

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		<title>Wie man vergnügt einen großen Apfel durchläuft, obwohl der Wurm drin ist. Teil 1.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 20:18:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[New York Frühstückslauf]]></category>
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		<description><![CDATA[Erst einmal das Wichtigste vorweg: beim New Yorker Frühstückslauf, einen Tag vor dem New York City Marathon, gibt es kein Frühstück. Nicht in diesem Jahr, denn in diesem Jahr ist alles anders. Die Amerikaner möchten nämlich heute herausfinden, wen sie zu den Olympischen Spielen nach Peking schicken sollen und deshalb gibt es einen Marathon vor dem Marathon. Der würde unter normalen Umständen mit der Strecke des berühmten Frühstückslaufs kollidieren, und deshalb (...)]]></description>
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<h2>Prolog: Der Continental Airlines International Friendship Run</h2>
<p>Erst einmal das Wichtigste vorweg: beim New Yorker Frühstückslauf, einen Tag vor dem New York City Marathon, gibt es kein Frühstück. Nicht in diesem Jahr, denn in diesem Jahr ist alles anders. Die Amerikaner möchten nämlich heute herausfinden, wen sie zu den Olympischen Spielen nach Peking schicken sollen und deshalb gibt es einen Marathon vor dem Marathon. Der würde unter normalen Umständen mit der Strecke des berühmten Frühstückslaufs kollidieren, und deshalb ist der Frühstückslauf nicht nur um einiges kürzer als sonst, sondern auch kalorienärmer. Außerdem heißt er Friendship-Run. Weil er so kurz ist, wird das Freundschaften schließen zu einem wahren Speed-Dating. Aber dazu später mehr</p>
<p>Zunächst einmal müssen wir überhaupt zum Start kommen. Damit wir das schaffen, holen uns freundliche Menschen von Interair-Reisen vom Hotel ab und gehen mit uns zum UN-Gebäude. Nicht ohne uns vorher schwarz-rot-goldene Striche auf die Backe zu malen. Seit der Fußball-WM 2006 wissen ja sogar die Deutschen, an welchen Stellen des Körpers man überall Nationalstolz tragen kann. Auf dem Weg zum feierlichen Versammlungsort begegnen wir bereits etlichen Franzosen und Niederländern, die von überall her herbeiströmen, ebenfalls hübsch dekoriert. Die Holländer müssen sich allerdings nicht anmalen, sie tragen sowieso alle orange. Eine kleine, auf den Kopf geschnallte Windmühle räumt letzte Zweifel über die Nationalität aus</p>
<p>Der große Platz vor dem Gebäude der Vereinten Nationen ist dann der Sammelplatz für alle anderen würdigen Ländervertreter. Und obendrein ein Reservat für Klischees: Die Holländer sind laut, Franzosen stolz, Japanerinnen tragen kindliche Hello-Kitty-Shirts, die Deutschen ein Equipment, mit dem man auch auf den Mond fliegen kann, wohingegen die Engländerinnen am liebsten nur im BH gehen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-79" title="nyc_breakfast_1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_breakfast_1.jpg" alt="nyc_breakfast_1" width="429" height="315" /> <img class="alignnone size-full wp-image-81" title="nyc_breakfast_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_breakfast_2.jpg" alt="nyc_breakfast_2" width="420" height="315" /></p>
<p>Dazwischen drängeln sich Individualisten, die sich alles auf den Kopf setzen, was sich dort befestigen lässt, zum Beispiel überdimensionierte Sushis. Karnevalisten haben hier ihre helle Freude.</p>
<p><img class="size-full wp-image-175 alignnone" title="nyc_breakfast_3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_3.jpg" alt="nyc_breakfast_3" width="421" height="316" /></p>
<p>Im Nu haben wir die Interair-Fahne aus den Augen verloren, aber Deutsche sind hier ohnehin überall. Während wir uns noch fragen, wann es losgeht, setzt sich die Masse in Bewegung. Da wir nur drei Kilometer vor uns haben, genießen wir jeden Schritt. Die anderen machen es genauso &#8211; es wird gejuxt und gejohlt, geflachst und geflirtet. Originelle Kostüme bekommen Komplimente aus allen Ländern. Es scheint, als löst sich ein kleines Stück der Anspannung vor dem großen Tag. Hier darf man endlich, was man sich seit Tagen versagt: laufen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-177" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_breakfast_4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_4.jpg" alt="nyc_breakfast_4" width="324" height="432" /></p>
<p>Auf der Strecke schlägt die Stunde der Frühstückslaufkenner. Sie tragen in einer Plastiktüte etliche Volkslauf-T-Shirts mit sich, um sie mit den anderen Kennern zu tauschen. Leider habe ich kein Egelsbach-T-Shirt dabei – ich hätte es zu gern an einem strahlenden Norweger oder Brasilianer gesehen. Und wann bekommt man schon einmal ein Volkslauf-Shirt aus Hammerfest? Manches Mal verstummen Abschnitte des getüpfelten Läuferbandwurms für die eine oder andere Minute. Es passiert, wenn die bange Vorfreude plötzlich überhand nimmt. Und in allen Köpfen, in allen Sprachen die gleiche Frage auftaucht: Wie wird es sein, morgen?</p>
<p>Der Lauf endet so unvermittelt, wie er begann. Wir stehen irgendwo auf der Sixth Avenue und fühlen uns ein wenig unterbrochen – weiter zum Central Park dürfen wir in diesem Jahr nicht. Nur eine Stunde zuvor kam dort ein junger amerikanischer Läufer zu Tode, der sich für die Olympischen Spiele 2008 qualifizieren wollte. Aber das können wir natürlich nicht wissen, und das ist auch ganz gut so. Die letzten T-Shirts werden getauscht, Verbrüderungsfotos geschossen, Schultern geklopft und Glückwünsche gewechselt.</p>
<p><img class="size-full wp-image-185 alignnone" title="nyc_breakfast_6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_6.jpg" alt="nyc_breakfast_6" width="420" height="315" /> <img class="alignnone size-full wp-image-186" title="nyc_breakfast_7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_7.jpg" alt="nyc_breakfast_7" width="420" height="315" /></p>
<p>Wir greifen uns ein Taxi und fahren zurück ins Hotel – in Erwartung einer vierstündigen Stadtrundfahrt, eines kräftigenden Abendessens und einer unruhigen Nacht.</p>

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		<title>Wie man vergnügt einen großen Apfel durchläuft, obwohl der Wurm drin ist. Teil 2.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 15:51:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendjemand hat mir über Nacht die Augen zugenäht. Sie gehen einfach nicht auf. Es ist viel zu früh. Doch kaum ist das Licht im Zimmer an, mischt sich geschäftige Aufregung in die Müdigkeit. Zwar liegen alle Kleidungsstücke bereit, aber man kann sie immer noch von rechts nach links legen. Und die Mütze suchen. Und die Sonnenbrille putzen. Dann die Sonnenbrille verlegen und suchen. Man kann den Fotoapparat noch einmal aufladen und das Zimmer abwandern, um die beste Steckdose zu finden. Ach, man kann so vieles, wenn  (...)]]></description>
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<h2>Der New York Marathon.</h2>
<p>Irgendjemand hat mir über Nacht die Augen zugenäht. Sie gehen einfach nicht auf. Es ist viel zu früh. Doch kaum ist das Licht im Zimmer an, mischt sich geschäftige Aufregung in die Müdigkeit. Zwar liegen alle Kleidungsstücke bereit, aber man kann sie immer noch von rechts nach links legen. Und die Mütze suchen. Und die Sonnenbrille putzen. Dann die Sonnenbrille verlegen und suchen. Man kann den Fotoapparat noch einmal aufladen und das Zimmer abwandern, um die beste Steckdose zu finden. Ach, man kann so vieles, wenn man doch eigentlich gar nichts mehr muss. Oder doch, man muss. Schon wieder. Ich war doch erst. Man kann auch den Fernseher anmachen, um zum 274sten Mal den Wetterbericht zu sehen. Kühl und sonnig. Der beste Tag der Woche. Na bitte. Die schönste Gelegenheit, um die Sonnenbrille zu verlegen, zu suchen und wieder zu finden. Man muss sich ja beschäftigen. Es ist viel zu früh.</p>
<p>Um halb sechs gehen wir frühstücken. In dem kleinen Frühstücksraum riecht es wie jeden Morgen nach irgendetwas Klebrigem mit Apfel und Zimt. Am Buffet stehen Läufer und laden Bagel auf ihre Plastikteller als gäbe es kein Morgen. Viele sind ungeheuer dünn angezogen, und ich fange sofort an, meine Mütze zu suchen. Verstohlen schiele ich auf die Startnummern. Die mit den blauen Zahlen sind die schnellsten. Die mit den grünen müssen auf der Verrazano-Brücke unten laufen. Die orangenen sind die Langsamen. Ich habe orange. Alle mümmeln ihre Bagels und Muffins, als wäre es ein ganz normaler Tag. Man gibt sich betont lässig. Nur der ein oder andere Lacher gerät auffällig laut.</p>
<p>Um kurz vor sechs steigen wir in den Bus ein, den Interair für uns bereitstellt. Der Reiseleiter ist aufgeregt. Werden alle pünktlich sein? Immer wieder vergisst ein Dussel seinen Chip und muss noch einmal zurück in den 12. Stock. Wartezeit am und im Aufzug: 10 Minuten. Wir jedenfalls sitzen im Bus. Ich habe nicht verschlafen, bin warm angezogen und drücke meinen riesigen Läuferbeutel an mich. Der Chip ist da, die Sonnenbrille, die Mütze, die Getränke, der Fotoapparat – alles wird gut. Dies ist mein achter Marathon, aber alles ist eben etwas anders. Das kann einen schon mal ein bisschen kribbelig machen.</p>
<p>Der schwarze und lässige Busfahrer löscht das Licht im Bus. Die Männer rufen „Whoo“, und die Frauen kichern wie Teenager. Der Busfahrer schnalzt mit der Zunge und brummt „Behave!“. Interair versorgt uns noch mit gelben Plastikwesten gegen die Morgenkälte am Fort Wadsworth, dem Militärareal, wo uns der Bus wieder ausspucken wird und auf dem wir dem Lauf entgegenlagern – und los geht’s. Alle tun, so, als ob sie noch etwas dösen, was nahezu unmöglich ist, wenn in beinahe menschenleeren Straßen die Sonne aufgeht. Menschen sieht man in der Tat kaum, dafür umso mehr Busse. Alle streben sie der Verrazano Brücke zu, als wäre dahinter die Arche Noah zu erwarten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-198 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_bus" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_bus.jpg" alt="nyc_bus" width="350" height="263" /></p>
<p>Die Brücke wird um sieben gesperrt, das macht das Ganze spannender. Eine Reifenpanne sollte man jetzt nicht haben. Natürlich haben wir keine (man wird doch mal unken dürfen!), der schwarze Busfahrer wünscht uns viel Glück und wir sind mit den anderen 38.700 Läufern allein. Damit wir uns nicht einsam fühlen, empfangen uns gleich am Bus einige Helfer. Es ist Sonntagmorgen, kurz vor sieben, und hier stehen Menschen in der Kälte, die dafür nicht einmal bezahlt werden und machen für uns die Welle.</p>
<p><img class="size-full wp-image-200 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_1.jpg" alt="nyc_fort_1" width="352" height="262" /></p>
<p>Sie wünschen uns Glück und einen schönen Tag, sie fragen uns wo wir herkommen und wie wir heißen, sie bejubeln uns, noch bevor wir einen einzigen Laufschritt getan haben. Noch nie habe ich so fantastische Helfer gesehen. Bevor ich an unseren Wartezonen angekommen bin, bin ich den Tränen nahe. Wo gibt’s denn sowas!</p>
<p><img class="size-full wp-image-201 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_2.jpg" alt="nyc_fort_2" width="352" height="262" /></p>
<p>Die orangefarbene Zone heißt „Grete Waitz-Area“ und wir freuen uns über die Würdigung der schwerkranken Läuferin, die neun Mal den New York Marathon gewonnen hat. Wir suchen uns einen Platz auf der Wiese, als wären wir im Freibad und an Stelle der Handtücher breiten wir Plastikfolien, Zeitungen und Alukissen aus. Die besten Plätze sind hier an der Sonne, und wir erhaschen einen davon. Was nun beginnt, ist eine Mischung aus Woodstock, Camping und der größten Altkleider-Modenschau der Welt. Die Läufer tragen Mützen, die Zwerg Nase zu peinlich wären, Trainingsanzüge aus dem frühen Tertiär, Sweatshirts vom letzten John Denver Konzert und Skijacken aus der Zeit von Toni Sailer. Dazu sitzen sie auf Pappkartons und Folie und hüsteln ein bisschen vor sich hin. Würden wir nicht alle so aussehen, würden wir uns gegenseitig bestimmt einen Dollar hinwerfen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-209 aligncenter" title="nyc_fort_zeitung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_zeitung.jpg" alt="nyc_fort_zeitung" width="430" height="322" /></p>
<p>Natürlich gibt es auch die Luxusvariante: ein offensichtlich verwöhntes Pärchen lagert auf einem 20 Zentimeter hohen aufblasbaren Gäste-Doppelbett. Keine Ahnung, wo sie das später lassen wollen. Viele rollen sich in alte Decken und Schlafsäcke, Hartgesottene liegen ohne Unterlage flach auf der Erde, die Arme verschränkt, die Kappe im Gesicht. So gilt es, drei Stunden zu überbrücken.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-211 aligncenter" title="nyc_fort_bagels_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_bagels_2.jpg" alt="nyc_fort_bagels_2" width="437" height="321" /></p>
<p>Meine Großeltern haben mir keinerlei warme Kleidung hinterlassen und so trage ich eine Steppjacke, die ich eigens für diesen Zweck bei ebay erstanden habe. Für einen Euro, versteht sich. Eine Jacke kaufen, einmal tragen und dann wegwerfen – heute bin ich Paris Hilton für einen Tag.</p>
<p>Ich gehe durch das Geraschel und Geknister der Folien die Lage peilen. Es gibt Bagel (schnell) und warmen Tee (mit Wartezeit). Die Toilettenlage erscheint großzügig. Man kann sich noch einmal aus Vaseline-Bechern bedienen, die so groß sind wie ein Familienglas Nutella. </p>
<p><img class="size-full wp-image-212 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_vaseline" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_vaseline.jpg" alt="nyc_fort_vaseline" width="385" height="288" /></p>
<p>Und man kann sich noch einmal fotografieren lassen, jetzt, wo die Frisur noch sitzt. Die Größe des Areals lässt den ganzen Wahnsinn der Logistik erahnen. Am Fotopoint treffen wir einen Freund (man kann sich hier sogar verabreden), und ich begebe mich wieder in die Clochard-Haltung auf der Plastikfolie. In dem großen Zelt nebenan (wer will bei strahlendem Sonnenschein schon in ins Zelt) beginnt jemand in ein Mikro zu singen, der beim besten Willen nicht singen kann. Ich flüchte schnell zu den Dixie Häuschen, die hier Portapotties genannt werden und fantasievolle Aufdrucke haben &#8211; „Royal Flush“, zum Beispiel. An dieser Stelle ein kleiner Tipp für alle, die noch in New York laufen wollen: es gibt zwei verschiedene Sorten Toilettenhäuschen. Die, an denen man sich gegenseitig die Lebensgeschichte erzählt, Kochrezepte austauscht und den kompletten Text von „New York, New York“ rekonstruiert. Und die, in die man einfach hineingeht und pieselt. Die ersteren sind deutlich beliebter. Vor ihnen bilden sich lange Schlangen. Die anderen liegen etwas weiter weg im hinteren Teil des Areals. Dort steht kaum jemand. Man kommt schlecht ins Gespräch, ist aber schnell erleichtert. Man muss eben Prioritäten setzen.</p>
<p><em> <div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><span style="color: #000000; font-style: italic;" title="Zum Schmittcast und zum New York Hörspiel">Diesen Bericht gibt es auch als zweiteiliges Hörspiel mit vielen Originalsounds <br />
aus New York </span><a style="font-family: Arial, sans-serif; font-style: normal; font-size: 100%; font-weight: normal; text-decoration: none; color: #c24844;" title="Zum Schmittcast und zum New York Hörspiel" href="http://frauschmitt.podspot.de/" target="_blank"><span style="font-style: italic;">im Rahmen des Schmittcast Podcasts.</span></a></div></em></p>
<p>Als ich zurückkomme, hat das Wesen am Mikro das Zelt beinahe leergesungen. Ich mache ein paar Fotos, und dann beginnt auch bald der Strip: vorsichtig entledigen wir uns testhalber der ersten Kleidungsstücke. Auch die Menschen um uns herum lassen gähnend ihre antiken Joggingbuxen fallen. Als reine Übersprungshandlung beißen wir noch einmal leidenschaftslos in irgendetwas aus unserer Tüte, das essbar aussieht, und dann heben wir unser Lager auf.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-218 aligncenter" title="nyc+start+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+start+1.jpg" alt="nyc+start+1" width="426" height="319" /></p>
<p>Irgendwann muss ein Läufer tun, was ein Läufer tun muss: den Kleiderbeutel abgeben. Wir sind gelassen, schließlich wissen wir genau, wo wir hin müssen. Die folgende halbe Stunde entwickelt sich allerdings zum Desaster und ist der einzige schwarze Fleck auf der ansonsten blütenweißen Weste der Organisation. Die nummerierten UPS-Wagen, die unsere Kleiderbeutel entgegen nehmen, stehen in einem teilweise eingezäunten Areal. Zu viele Läufer kommen auf einmal dorthin und verstopfen Ein- und Ausgang. Niemand kommt mehr hinaus oder hinein. Wir stehen starr und hoffen. Hoffen, dass der Ordner am Zaun eine Lösung findet, dass der aufkeimende Unmut nicht in Aggression umschlägt, dass niemand in der dichten Menge eine Panikattacke bekommt, dass die von hinten hinzukommende Menge die Lage begreift und nicht drückt. Glücklicherweise sind Läufer Wunderwesen, die auch solche Situationen mit relativer Ruhe überstehen. Beutel werden über den Köpfen durchgegeben und wir finden ein Entkommen zwischen den engstehenden Wagen. Jetzt schnell noch eines der unkommunikativen Portapotties aufsuchen und ab in den Startblock.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; ">In Ruhe auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/New-York-City-Marathon-07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div>
<p>Die Startzonen, sogenannte Corrals, sind nach Startnummern in tausender Schritten unterteilt. Wir schieben uns irgendwo zwischen die langsamsten der schnellen Frauen und die schnellsten der langsamen Männer. Ein 4:30 Pace-Luftballon weht über unseren Köpfen, das passt ungefähr. Wieder einmal befolgen einige Läufer die berühmte Dummbatz-Regel: Entledige Dich Deiner alten Jogginghose erst, wenn Du in der Menge stehst und weder Platz noch Halt hast, um das ganze reibungslos zu tun. Darauf folgt unmittelbar die Dummbatz-Regel Nr. 2: Lass die ollen Klamotten dort liegen, wo Du stehst, damit sich nachfolgende Läufer sich darin verfangen und stolpern. Während wir langsam Richtung Brücke geführt werden, bemerken wir, wie beliebt die zweite Regel ist. Die Menge stapft wie Störche im Salat über das Weggeworfene, um nicht daran hängen zu bleiben.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-219 aligncenter" title="nyc+verazzano+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+1.jpg" alt="nyc+verazzano+1" width="435" height="326" /></p>
<p>Wir passieren ein Corral-Schild nach dem anderen, bis wir an F1-F100 vorbeikommen. Hier standen eben noch Catherine Ndereba und Paula Radcliffe. Die Brücke kommt immer näher und es wird alles immer unwirklicher. Plötzlich tut es einen großen Schlag – pünktlich erfolgt der Startschuss. Wir marschieren weiter, während auf der Fahrbahn neben uns bereits gelaufen wird, die „Blauen“ sind schon unterwegs. Bald laufen auch wir, vorsichtig, feierlich und unsicher. Wo ist denn der Start? Von irgendwoher ertönt der unvermeidliche Sinatra und brennt sich zusammen mit der Sonne, der Brücke und der bunten auf und ab wippenden Menge für immer ins Gedächtnis. „Da ist die Matte!“ rufe ich und wir lauschen mit feuchten Augen dem ersten Piepen der registrierten Chips. Für mich kommen jetzt ein paar Fotostops und ich verliere meinen Begleiter aus den Augen.</p>
<p><img class="size-full wp-image-220 alignnone" title="nyc+verazzano+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+2.jpg" alt="nyc+verazzano+2" width="260" height="350" /> <img class="alignnone size-full wp-image-226" title="nyc+verazzano+5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+51.jpg" alt="nyc+verazzano+5" width="260" height="350" /></p>
<p>Nachdem Sinatra außer Hörweite ist, wird es seltsam still. Es wird deutlich weniger geplaudert als sonst auf dem ersten Kilometer.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-229" title="nyc+verazzano+3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+3.jpg" alt="nyc+verazzano+3" width="252" height="166" /> <img class="size-full wp-image-230 alignnone" title="nyc+verazzano+boat" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+boat.jpg" alt="nyc+verazzano+boat" width="252" height="166" /></p>
<p>Als wir die Brücke verlassen, ist Schluss mit Stille. Brooklyn empfängt uns mit der geballten Kraft ausgeschlafener Lungen. Die Zuschauer haben auf uns gewartet und wir auf sie – so freuen wir uns einander zu sehen. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte. Nachdem ich langsam anfange zu begreifen, wo ich bin und was ich da gerade tue, habe ich Zeit für ein ausgiebiges T-Shirt-Studium.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-234" title="nyc+rote+hose" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+rote+hose.jpg" alt="nyc+rote+hose" width="329" height="438" />In New York ohne Botschaft zu laufen ist beinahe unmöglich. Die kürzeste Botschaft besteht im eigenen Namen, den man sich auf das T-Shirt malt oder pinnt. Die Message lautet: „Feuer mich an, brüll meinen Namen, das hilft mir.“ Varianten davon lauten z.B.: „Don’t let me stop!“ oder „Push me here“ (mit einer markierten Stelle auf dem Rücken). Manche wollen noch ein bisschen mehr erzählen wie „This is my very first marathon!“ oder „This is my father“ (mit einem Pfeil nach links). Dann gibt es natürlich die Ranschmeisser mit den schlichten „I love NY“-Shirts oder etwa in der holprigen, patriotischen Version: „Moin, moin – Ostfriesland is greeting New York“. Nicht zu vergessen all diejenigen, die den Lauf jemandem widmen, oft einem verstorbenen Angehörigen oder einfach den eigenen Kindern: „My Dad is watching me from the sky“ oder „I do this for Mia and Dennis“. Meistens gibt es auf diesen Shirts auch Fotos zu sehen, von lachenden Feuerwehrmännern und schlecht belichteten Kindergesichtern beim Essen. Die häufigsten Shirts sind allerdings die der zahlreichen Charity-Partner. Wer ein solches T-Shirt trägt, hat in den letzten Monaten fleißig Geld gesammelt. Eine vorgegebene Mindestsumme garantiert einen Startplatz – für Amerikaner neben der Qualifikation die einzige Möglichkeit, ohne Lotterieglück dabei zu sein. Eine der größten Charity-Gruppen bildet „Fred’s Team“, benannt nach dem an Krebs verstorbenen Vater des NYC Marathon Fred Lebow. Mit dem Slogan „Imagine a world without cancer“ sammelt Fred’s Team für ein Krebsforschungszentrum. Insgesamt kommen heute etwa 13 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke zusammen – nur durch Läufer.</p>
<p>In Brooklyn zu laufen ist großartig. Die Straßen sind breit, und überall stehen dunkelhäutige Kinder, die abgeklatscht werden wollen. Manches Mal sind die Hände so klein, dass man sich bücken und sehr genau zielen muss, um sie zu treffen. Die Hände sind winzig, weich und vollkommen schlapp. Vor allem bei den Jungs wird jeder Treffer wie ein persönlicher Triumph gefeiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-235" title="nyc+brooklyn+kinder" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+kinder.jpg" alt="nyc+brooklyn+kinder" width="234" height="176" /> <img class="alignnone size-full wp-image-236" title="nyc+meile" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+meile.jpg" alt="nyc+meile" width="233" height="175" /></p>
<p>Auf der anderen Straßenseite laufen, etwas versetzt von uns, immer noch die schnellen Blauen. Sie haben einen großen Vorteil: auf der rechten Seite stehen die meisten Bands. Sie sind ganz und gar unglaublich. Durchschnittlich alle 500 Meter steht eine Band. Damit ist nicht etwa eine Handvoll Sambatrommler gemeint, sondern oft eine Rocktruppe in bester Besetzung. Sie heißen Happy Anarchy, Superman’s Guest List oder Death by Choice. Sie sind laut und groovy. Der New York City Marathon ist ein riesengroßes Openair-Konzert. Zwischen Meile 8 und 9, nachdem orange, grün und blau vereint laufen (der erwartete Stau bleibt aus), komme ich an Bishop Loughlin High School’s marching band vorbei. Sie spielen den Titelsong von „Rocky“. Sie haben ihn auch schon für Paula Radcliffe gespielt. Und für Lance Armstrong. Sie spielen ihn auch für RTL Anchorman Peter Kloeppel. Für die laufende Banane, für den Schweizer, der in einem Schaumstoff-Käse läuft, für Chewbacca aus Star Wars, für Katie Holmes und für den Paddington Bär. Sie spielen dieses eine Stück den ganzen Tag. Jedes Jahr, seit 30 Jahren. <a href="http://www.nytimes.com/2007/11/05/nyregion/05bands.html?_r=1&amp;oref=slogin" target="_blank">(Mehr über die Bands beim NYC Marathon gibt&#8217;s hier)</a></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-241" title="nyc+kingkong" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+kingkong.jpg" alt="nyc+kingkong" width="257" height="341" /> <img class="alignnone size-full wp-image-242" title="nyc+brooklyn+veranda" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+veranda.jpg" alt="nyc+brooklyn+veranda" width="257" height="340" /></p>
<p>Vor mir laufen Menschen, die so aussehen, wie Pacemaker. „Pace Team“ steht auf ihrem Rücken. Die Sache hat nur einen Haken: darunter steht bei dem einen 4:20, bei dem anderen 5:40. Hier stimmt etwas nicht. Mit detektivischem Spürsinn finde ich heraus, dass es sich nicht um Pacemaker handelt, sondern um „Ich-würde-gern-ungefähr- so-lange-brauchen-Läufer“. Jeder konnte sich auf der Marathon-Messe einen solchen Zettel mit einer beliebigen Zeit besorgen und sich auf den Rücken pinnen. Es ist eine der vielen Maßnahmen, die hier die Kommunikation fördern. Rein sportlich gesehen ist das ganze völlig nutzlos, da viele der Läufer offensichtlich keinen Schimmer haben, wie schnell sie eigentlich unterwegs sind. Macht nix. War ja gut gemeint. Apropos rein sportlich gesehen: ich merke schon jetzt, dass dies nicht mein Tag ist. Die Beine sind schwer und steif und ich kann sie deutlich spüren, obwohl ich mich sehr langsam durch Brooklyn schiebe. Außerdem habe ich ungeheuren Durst. Es sind nicht einmal 15 Grad und ich trinke wie ein Pferd.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-245 aligncenter" title="nyc+brooklyn+wasser" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+wasser.jpg" alt="nyc+brooklyn+wasser" width="414" height="310" /></p>
<p>Mein mitgebrachtes Getränk ist schon zu Hälfte ausgetrunken und ganz gegen meine Planung trinke ich knallgrünes Gatorade und Wasser. Seltsam ist das mit dem Durst. Zur Erheiterung will mich der Stadtteil ein bisschen necken und zeigt mir den Stinkefinger in Form eines großen Gebäudes, auf das wir jetzt zulaufen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-246 aligncenter" title="nyc+brooklyn+finger" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+finger.jpg" alt="nyc+brooklyn+finger" width="324" height="431" /></p>
<p>In Williamsburg wird es merklich ruhiger. Nur wenige Zuschauer haben sich hier plaziert. Die Juden, die dieses Viertel bewohnen, scheinen am Marathon beinahe demonstrativ uninteressiert. Ich atme durch, falle ein wenig in mich und bemerke, dass meine Oberschenkel verdächtig ziehen. Und wir haben nicht einmal die Hälfte erreicht. Ich bin verblüfft, so kenne ich mich gar nicht. Im letzten Teil von Brooklyn steppt wieder der Bär, es wird gerufen, gejubelt und geklappert. Bei deutschen Marathons sind die hochgehaltenen Schilder oft an einen Läufer gerichtet, man liest „Dieter, Du schaffst es“ oder „Papa, Du bist der Größte“. Hier sind die meisten Schilder für alle gedacht. „Go, go, go!“ oder „You’re great, almost there“ findet man überall. Letzteres tatsächlich noch vor der Halbmarathonmarke. Optimismus ist etwas Wunderbares.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-247 aligncenter" title="nyc+kind" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+kind.jpg" alt="nyc+kind" width="348" height="463" /></p>
<p>Bei Meile 13 halte ich nach der Interair-Fahne Ausschau. Hier soll jemand fotografieren. Ein guter Plan, wer weiß, wie ich später aussehe, wenn das so weiter geht. Aber ich verpeile die Fahne und konzentriere mich stattdessen auf den fantastischen Ausblick von der Pulaski-Bridge. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-248 aligncenter" title="nyc+pulaski+bridge+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+1.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+1" width="472" height="353" /></p>
<p>Es ist ein Jammer: im Zusammenhang mit dem NYC Marathon liest man über die Brücken immer nur von Höhenmetern, Steigungen, Gehpausen und Krämpfen. Aber selten wird darüber berichtet, wie unglaublich schön diese Brücken sind. Die schönste von allen ist die Queensborough-Bridge, die man schon zwei Meilen zuvor sehen kann. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-249 aligncenter" title="nyc+pulaski+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+2.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+2" width="465" height="348" /></p>
<p>Sie ist einer der Höhepunkte der Strecke. Lang und anstrengend und wenn man sie durchmessen hat, kann man sie noch einmal von unten betrachten. Dank der schmerzhaften Muskelverspannung in den Oberschenkeln wird mir die Brücke zum Freund. Bergauflaufen tut mir gut, der Aufprall erscheint nicht so hart. </p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-250" title="nyc+welcome" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+welcome.jpg" alt="nyc+welcome" width="246" height="186" /> <img class="alignnone size-full wp-image-251" title="nyc+pulaski+bridge+3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+3.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+3" width="216" height="186" /></p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-252 aligncenter" title="nyc+queensborough+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+queensborough+bridge.jpg" alt="nyc+queensborough+bridge" width="468" height="350" /></p>
<p>Nach der Queensborough-Bridge sind wir in Manhattan. An Queens habe ich kaum besondere Erinnerungen. Außer, dass ich mich mit einer jungen Dame beinahe um ein Portapottie prügelte. Sie gewann und ich zog zur nächsten Meile. Anstehen bei einem Marathon ist blöde aber unvermeidlich, wenn man als Gatoradeflasche auf zwei Beinen unterwegs ist. Aber zurück (bzw. vor) zu Manhattan. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-255 aligncenter" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="nyc+first+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+first+1.jpg" alt="nyc+first+1" width="420" height="314" /></p>
<p>Vier Meilen stracks geradeaus sind nicht jedermanns Sache. Wenn man allerdings wie ich den „Is jetzt auch egal“-Status schon bei Kilometer 28 erreicht (sonst frühestens bei km 38), dann ist das jetzt auch egal. Die First Avenue ist lustig. Man schaut nach rechts (und es jubelt), dann schaut man nach links (und es jubelt auch). Ich fühle mich ein bisschen wie der Papst. Ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, jetzt in einem gläsernen Auto gefahren zu werden, denn die Beine schmerzen mehr und mehr. Außerdem müsste ich dann diesen seltsamen Geruch nicht mehr einatmen, der seit einer Weile über der Stadt hängt. Was ist das bloß? Anfangs dachte ich, es wäre die Chemie aus den Toilettenhäuschen. Aber die könnte unmöglich so nachhaltig sein. Es riecht chemisch, ein bisschen süß, ein bisschen minzig. Bald habe ich eine Salbe in Verdacht. Die medizinische Versorgung ist großartig, nach jeder Wasserstation kann man Vaseline nachlegen, Pillen einwerfen, sich mit Eisbeuteln schockfrosten und Salbe schmieren. Da die Strecke praktisch eine einzige Wasserstation ist, gibt es auch überall Salbe. Obwohl sich meine Beine am Ende der First Avenue bereits anfühlen wie Bohrtürme, komme ich nicht auf die Idee, mich an einer der Stationen versorgen zu lassen. Ich habe keine Ahnung, was mir helfen könnte, außerdem habe ich Angst, es könnte dadurch schlimmer werden (es wurde schlimmer, ganz ohne Salbe und Eis). </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-256 aligncenter" title="nyc+medical" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+medical.jpg" alt="nyc+medical" width="465" height="349" /></p>
<p>Also mache ich einfach ein Foto von der Medizinstation. Wenn Paula an ein Titanhalsband glaubt <a href="http://www.phiten.de/" target="_blank">(phiten)</a>, kann ich ja wohl auch daran glauben, dass mir das Foto einer Salbe helfen wird. Und weiter geht’s.</p>
<p>Die Willis Ave. Bridge (auch schön) führt hinein in die Bronx. Sie ist mit einem gelben Teppich ausgelegt, um das harte Gitter etwas zu mildern. Der gelbe Teppich sieht mit der grauen Brücke hervorragend aus. Man sollte ihn liegen lassen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-257 aligncenter" title="nyc+willis+av+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+willis+av+bridge.jpg" alt="nyc+willis+av+bridge" width="460" height="345" /></p>
<p>Am Ende der Brücke erwarten uns Dudelsackpfeifer. Ein Musiker trägt Laufschuhe zum Schottenrock. Solidarität, wohin man schaut. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-259 aligncenter" title="nyc+willis+av+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+willis+av+bridge+2.jpg" alt="nyc+willis+av+bridge+2" width="460" height="344" /></p>
<p>Es ist still geworden im Feld. Wir sind jetzt etwa bei Kilometer 32 und auf dem Weg durch die Bronx. Die Zuschauer hier scheinen noch herzlicher und engagierter als andere. Kinderhände strecken uns drei Bonbons hin, manche Anfeurer haben etwas Schokolade kleingeschnitten und halten uns den Teller entgegen. Wie schon in Brooklyn gibt es auch hier Frauen, die Tücher von einer Küchenrolle abreißen, um sie den Läufern hinzuhalten. Tatsächlich ist es angenehm, einmal zu schneuzen oder die verklebte Stirn zu wischen. Die Tücher werden dankbar angenommen. Nie habe ich das in Deutschland gesehen. Hier gibt jeder, was er kann, mindestens ein herzhaftes „You’re looking good!“. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-260 aligncenter" title="nyc+bronx" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+bronx.jpg" alt="nyc+bronx" width="466" height="348" /></p>
<p>Fast bedaure ich, dass wir die Bronx verlassen, aber so langsam nach Hause kommen, das wäre mir schon auch recht. Ich dachte, durch meine Fotopausen würde ich zwischen 4:20 und 4:30 brauchen, aber das ist längst nicht mehr möglich. Vor meinem inneren Auge sieht mein rechter Oberschenkel unter der Haut aus wie ein Bündel gerissener Gitarrenseiten. Es tut ungeheuer weh. Ich kann die Beine kaum heben, schleiche immer wieder auf Zehenspitzen. Mein Tempo ist für meine Verhältnisse inzwischen grotesk langsam. Den Abschnitt zwischen km 30 und 35 laufe ich in 41 Minuten. Meine einzige Erklärung ist, dass ich in den letzten zwei Wochen viel zu wenig schlief und die letzten Tage in New York kaum geeignet waren, sich auszuruhen. Trainiert bin ich bestens, noch vor drei Wochen lief ich meine persönliche Halbmarathon-Bestzeit. Sei’s drum – der Marathon ist und bleibt ein Abenteuer. Meine gute Grundkondition verhindert zwar nicht die Schmerzen, hilft mir aber jede Steigung ohne Probleme zu nehmen. Dann muss es eben langsam gehen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-261 aligncenter" title="nyc+madison+av+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+madison+av+bridge.jpg" alt="nyc+madison+av+bridge" width="439" height="329" /></p>
<p>Die Madison Ave. Bridge (sagte ich schon, dass die Brücken hier schön sind?) ist die letzte Brücke hinein nach Manhattan.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-262 aligncenter" title="nyc+madison+av+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+madison+av+bridge+2.jpg" alt="nyc+madison+av+bridge+2" width="446" height="333" /></p>
<p>Gleich zu Beginn, in Harlem, treten zwei Rapper auf, die so gut sind, dass ich kurz stehenbleiben muss (die „Is jetzt auch egal-Phase dauert an). Ich mag gar keine Rap-Musik, aber das ist wirklich großartig. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-263 aligncenter" title="nyc+rapper+harlem" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+rapper+harlem.jpg" alt="nyc+rapper+harlem" width="449" height="335" /></p>
<p>Und weiter geht’s. Der Central Park ruft schließlich. Noch immer sind die Straßen übersät mit Handschuhen. Auf den ersten Kilometern dachte ich: Bald werden doch wohl alle ihre Handschuhe weggeworfen haben. Aber es hört nie auf. Weißer Handschuh, schwarzer Handschuh, noch ein schwarzer Handschuh, wieder ein weißer Handschuh. Sogar die ganz neuen „Five Borough“-Handschuhe von der Marathonmesse sind dabei. Schade drum, die waren schön. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-264 aligncenter" title="Nyc+Handschuhe" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/Nyc+Handschuhe.jpg" alt="Nyc+Handschuhe" width="438" height="327" /></p>
<p>So schleiche ich von Handschuh zu Handschuh, während an der Seite immer noch Menschen glauben, ich sei der Papst. „Almost there!“ Donnerwetter, jetzt stimmt es ja sogar! Es ist toll, hier zu laufen. Bergauf ist eine große Erleichterung und bergab gehe ich einfach ein paar Schritte. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-265 aligncenter" title="nyc+fith+central+park" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+fith+central+park.jpg" alt="nyc+fith+central+park" width="439" height="328" /></p>
<p>Es wird immer grüner um uns herum und ein paar Verwegene ziehen das Tempo an. Ach, würde es doch noch länger dauern. Ach, wäre es doch schon zu Ende. Körper und Geist sind sich wieder einmal nicht einig. 800 Yards to go. Sagt ein Schild. Wieviel um alles in der Welt sind 800 Yards? Sie machen es einem auch nicht einfach, diese Amerikaner. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-485 aligncenter" title="nyc_central_park_option" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_central_park_option.jpg" alt="nyc_central_park_option" width="439" height="329" /></p>
<p>Um mich herum jubelts und kreischts. Jetzt fühle ich mich ein bisschen wie Tokio Hotel. Sie machen’s einem ganz schön einfach, diese Amerikaner. Almost there! 200 Yards. Es stehen schon Flaggen zwischen den Zuschauern. Ich tue so, als könnte ich noch laufen und laufe einfach ins Ziel. Klar heule ich ein bisschen, ich heule immer im Marathonziel. Dieses Mal heule ich vielleicht ein klitzekleines bisschen mehr. 4:57 – wie kann ich nur so langsam gewesen sein? Diese Medaille war wirklich hart erkämpft. Gleich kann man ein Foto machen lassen, damit man seine Frisur mit der auf dem Foto vor fünf Stunden vergleichen kann.</p>
<p>Dann geht alles wie auf einem sehr langsamen Fließband. Wir bekommen eine Folie gegen die Auskühlung und einen bleischweren Picknickbeutel mit Wasser, Gatorade, einem Riegel und einem echten Macintosh Apfel (die Sorte heißt wirklich so). </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-266 aligncenter" title="nyc+folien" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+folien.jpg" alt="nyc+folien" width="451" height="338" /></p>
<p>Auf einmal ist alles still. Jemand hat den Knopf gedrückt. Niemand brüllt und rasselt mehr. Eine silbern glitzernde Karawane schiebt sich durch den Park. Ein paar Handys werden gezückt, aber die Gespräche sind leise. Ich setze mich kurz auf einen Randstein.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-267 aligncenter" title="nyc_Ziel" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_Ziel.jpg" alt="nyc_Ziel" width="454" height="340" /></p>
<p>Sofort sind Helfer zur Stelle um darauf zu achten, dass niemand von uns umkippt. Manche tun es trotzdem. Ich wuchte mich wieder hoch, zu groß ist die Sehnsucht nach trockener Kleidung. Die Sonne ist inzwischen verschwunden und ich mag nicht frieren. Siebenundsiebzig UPS Wagen stehen im Park, meiner ist die Nummer 56. Langsam zieht die Karawane. Kaum habe ich trockene Sachen an, geht es mir ausgezeichnet.</p>
<p>Ich bin in New York.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-268 aligncenter" title="nyc+pancake" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pancake.jpg" alt="nyc+pancake" width="461" height="346" /></p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Die Strecke des NYC Marathon als PDF gibt es <a href="http://www.nycmarathon.org/documents/coursemap.pdf" target="_blank">hier.</a></em></div>
<p><em><br />
</em></p>

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		<title>Ganz schön schön: der Marathon im Weiltal.</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2007 13:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Weiltalweg]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[Marathonläufe und Urlaubsreisen haben eines gemeinsam: man sollte sie nicht verschlafen. Für beide stelle ich mir deshalb nicht nur einen Wecker, sondern mehrere. Heute morgen meldet sich allerdings eine Uhr, die ich gar nicht gestellt habe: die Innere. Ein bisschen aufgeregt ist man eben immer und so wache ich pünktlich gegen 5:30 Uhr auf. Ich will den Landschaftsmarathon im Weiltal laufen und das verspricht hübsch zu werden.  (...)]]></description>
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<h2>Der Weiltalweg-Landschaftsmarathon (2007).</h2>
<p>Marathonläufe und Urlaubsreisen haben eines gemeinsam: man sollte sie nicht verschlafen. Für beide stelle ich mir deshalb nicht nur einen Wecker, sondern mehrere. Heute morgen meldet sich allerdings eine Uhr, die ich gar nicht gestellt habe: die Innere. Ein bisschen aufgeregt ist man eben immer und so wache ich pünktlich gegen 5:30 Uhr auf. Ich will den Landschaftsmarathon im Weiltal laufen und das verspricht hübsch zu werden.   </p>
<p>Der Weiltalmarathon startet in Schmitten Arnoldshain und landet in Weilburg. Dazwischen liegen ein paar kleine Ortschaften, in denen vereinzelte Menschen mit vereinzelten Instrumenten Stimmung machen. Der Rest ist Wiese, Wald, Pferd, Huhn  und Berg – kurz: der Naturpark Hochtaunus.   </p>
<p>Bevor man starten darf, muss man ein paar Herausforderungen annehmen. Die erste ist die Busfahrt vom Ziel zum Start. In Arnoldshain sind die Parkplätze nämlich rar und obendrein ist man ja irgendwann hoffentlich in Weilburg und möchte nur ungern wieder nach Arnoldshain zurücklaufen, nur weil dort das Auto steht. Deshalb also die Busfahrt. Wir setzen uns in das beinahe noch leere Gefährt und sehen den einsteigenden Läufern entgegen. Das sind zumeist Herren in den besten Jahren, in deren Gesichtern man noch das Muster der Bettwäsche erahnen kann. Ersteres liegt daran, dass ein profilierter Landschaftsmarathon eher altgedienten Vereinsläufern zusagt als Eventjoggern, letzteres erklärt sich durch die unchristliche Uhrzeit. Was ein richtiger Weiltal-Läufer werden will, der verschwendet keine Zeit mit dünnbuttrigem Honigtoast – die Jungs, die gerade den Bus betreten haben, packen lieber ein ordentliches Leberwurstbrötchen aus. Schnell wird es warm und gemütlich.   </p>
<p>Hinter uns sitzen eine Dame und ein Herr nebeneinander, die sich nicht kennen. So passiert das Unausweichliche: die halbe Stunde Fahrt wird genutzt, um die läuferische Lebensgeschichte gegenseitig investigativ zu durchleuchten. Während wir auf der langen Landstraße durchgeschüttelt werden und dabei immer wieder unsere Laufstrecke einsehen können, blubbern Gewichtsverluste, schlecht organisierte Läufe (nie wieder Wetzlar!), laufende Vorfahren und fünf Knie-OPs an unseren schutzlosen Ohren vorbei. Ich beschließe, gelegentlich Herbert Steffny anzusprechen, ob er nicht ein gutes Trainingsprogramm kennt, mit dem man sich ordentlich auf solche Gespräche vor- bereiten kann. Die Dame hinter mir ist jedenfalls glänzend trainiert und berichtet, heute endlich mit ihrem Vater laufen zu wollen. Bevor sie näheres über ihre Mutter erzählen kann, sind wir zum Glück an Ort und Stelle.  </p>
<p>Bei unseren Startunterlagen findet sich ein riesengroßer schwarzer Müllsack. Dort hinein stopfen wir die Kleidung, in der wir ein paar Stunden später heldenhaft herumsitzen wollen. Die Säcke werden mit Aufklebern versehen und zum Ziel zurückgebracht. In einer kleinen Sporthalle präparieren wir uns zuvor. Ich will heute ein bisschen experimentieren und so nehme ich den Fotoapparat mit und großartige Dinge aus dem Labor von Dr. Feil: zwei Fläschchen Ultra Buffer und einen Gel Chip, wegen seiner eigenwilligen Konsistenz auch „Frosch“ genannt. Außerdem laufe ich heute den ersten langen Lauf mit Sonnbrille. Noch sind es etwa 10 Grad, bis zur Zielankunft werden es 24 Grad sein.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-963" title="Weiltal-halle" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-halle.jpg" alt="Weiltal-halle" width="257" height="193" /> <img class="alignnone size-full wp-image-964" title="Weiltal-gebabbelt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-gebabbelt-258x194-custom.jpg" alt="Weiltal-gebabbelt" width="258" height="194" /></p>
<p>Auf dem Weg zum Start entdecken wir eine Kanone und die dazugehörigen Schützen in stolzer Uniform. Wir werden also würdig auf die Strecke geschickt. Bevor es losgehen kann treffen wir Jörg und Markus. Während wir die beschauliche Gegend loben und Läuferoutfits vergleichen, unterscheidet Markus im wesentlichen helldunkel, mitteldunkel und dunkeldunkel. Markus gehört zur Kategorie der nichtsehenden Läufer. Jörg ist sein Guide, der über ein Band am Handgelenk mit ihm verbunden ist. Die beiden wollen so schnell laufen wie wir und so bleiben wir beieinander. Meine Aufregung ist inzwischen völlig verflogen. Alles fühlt sich nach einem ganz normalen Sonntagmorgenvolkslauf an. Nur das Warten dauert etwas länger. Man munkelt, ein letzter Bus sei noch unterwegs und der Start verschiebt sich um etwa eine Viertelstunde. Jetzt sehen wir auch die Dame aus unserem Bus wieder. Von ihrem Vater zeigt sich allerdings keine Spur. Dann knallt die Kanone endlich und die Herren vom Schützenverein machen keine Gefangenen: es klingt, als hätten sie versucht, den Ort in Schutt und Asche zu legen. Wir tappeln los.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-965" title="Weiltal-kanone" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-kanone.jpg" alt="Weiltal-kanone" width="247" height="185" /> <img class="alignnone size-full wp-image-966" title="Weiltal-kanone2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-kanone2-246x185-custom.jpg" alt="Weiltal-kanone2" width="246" height="185" /></p>
<p>In den letzten Tagen habe ich viel über die Strecke gelesen. Bei der Premiere 2003 soll es 20% Aussteiger gegeben haben. Ich bin gewarnt. Zudem habe ich versucht, das Höhenprofil auswendig zu lernen, das ein bisschen aussieht wie ein Aktienkurs – Tendenz fallend, aber mit starken Schwankungen. Der erste und gleichzeitig der dickste Anstieg kommt schon bei Kilometer 5,5. Bei Kilometer 7 ist dann aber schon alles vorbei und wir werden wieder nach unten katapultiert. Das Bremsen im starken Gefälle ist unangenehm, aber darauf waren wir vorbereitet. Die Herren pieseln im Kollektiv und ich fotografiere rücksichtsvoll an ihnen vorbei.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-967 aligncenter" title="Weiltalwald" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalwald.jpg" alt="Weiltalwald" width="298" height="398" /></p>
<p>Weiter geht es im angenehmen 6er Schnitt. Bei Kilometer 11 der nächste Anstieg und das nächste Gefälle. Die ersten 10 Kilometer sind verflogen als wären wir auf einem Spaziergang. Das Wetter ist perfekt, noch ist es nicht zu warm, die Sonne scheint am knallblauen Himmel – Läuferparadies. Jörg beschreibt Markus nicht vorhandene leicht- bekleidete Damen, Markus sagt: es lebe die Phantasie und so witzeln wir uns zu viert über Wege, die uns vorkommen, wie ein roter Teppich. Das Läuferfeld hat sich rasch auseinandergezogen, man hat genügend Platz zum Laufen. Asphalt wechselt mit teils steinigen, teils weichen Feldwegen. Manchmal staubt es ein wenig und dann knirscht es zwischen den Zähnen, aber das ist nicht weiter schlimm.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-968 aligncenter" title="Weiltal-drei" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-drei.jpg" alt="Weiltal-drei" width="372" height="279" /></p>
<p>Die Verpflegung ist prima. Alle fünf Kilometer gibt es Wasser und Apfelschorle, später auch Bananen. Ich brauche nur Wasser, schließlich nehme ich ab und zu auch noch einen Schluck von meinem Wundergetränk. Die Bewohner der Ortschaften, durch die   wir kommen, haben es sich an der Straße bequem gemacht. Man sitzt beim Bembel   oder beim Sonntagsfrühstück und schaut – zwar nicht frenetisch – aber freundlich den Läufern zu. Es gibt hier kein Gegröle und Gehupe, keine Sambatrommler und nur selten ein Transparent. Es ist eine ruhige Freundlichkeit, die uns empfängt und die perfekt zur beschaulichen geschwungenen Landschaft passt. Einzige Ausnahme sind schepprige Boxen, die uns plötzlich „Football is coming home“ entgegendonnern. Aber diese Sport- artenverirrung hat natürlich auch seinen Reiz. Ansonsten kommen die lautesten Geräu- sche von den Motorrädern, die das Weiltal bei schönem Wetter fest in ihrer Hand haben. Das Motorradcafé Waltraud, an dem wir jetzt vorbeilaufen, trotzt allerdings dem Klima- wandel und öffnet erst ab 1. Mai – hier ist noch alles still. Trotzdem hat man – ebenso still – ein Transparent aufgestellt: Das Café Waltraud wünscht allen Läufern viel Erfolg. Daneben vertreten sich ein paar Hühner ein wenig die Krallen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-969 aligncenter" title="Weiltal-rod" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-rod.jpg" alt="Weiltal-rod" width="312" height="247" /></p>
<p>Vor uns torkelt ein Fahrrad dessen Fahrer ein „4:00 Stunden“ Transparent trägt. Wir sehen auf die Uhr und schütteln die Köpfe. Vielleicht sollte der Vier-Stunden-Fahrrad- fahrer sich an einem Vier-Stunden-Läufer orientieren. Bei uns ist er jedenfalls völlig falsch. Wir laufen artig unseren 6er Schnitt, anfangs ein bisschen drunter, später wegen der ausgiebigen Getränkepausen ein bisschen drüber. Später ruft uns ein Bekannter vom Fahrrad aus zu, wir wären „Drei Minuten hinter dem 4-Stunden Fahrrad“. Welcher Garmin könnte je so eine wunderbare Zeitangabe machen? Leider will nicht jeder Weiltalläufer auf Technik verzichten und so treffen wir irgendwann einen Herrn, der im Wald eine wahre Piepsshow veranstaltet. Sein Pulsmesser klingt, als könnte er jeden Augenblick explodieren. Ich frage ihn, ob das Ding auch einen Ausknopf hat. „Weiß isch net, den hab isch geliehe.“ Sagt der Herr und ich bin mir nicht sicher, ob er von mir oder seiner Herz-Lungen-Maschine genervt ist. „Isch hör des net mehr“ sagt er daraufhin und ich kann nur „Haben sie’s gut“ antworten. Aber weil alles fließt, schwimmen wir einfach mit der Zeit aus seiner Hörweite und alles ist gut.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-970" title="Weiltal-weg" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-weg.jpg" alt="Weiltal-weg" width="248" height="186" /> <img class="alignnone size-full wp-image-971" title="Weiltal-weg2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-weg2-248x186-custom.jpg" alt="Weiltal-weg2" width="248" height="186" /></p>
<p>Ab und zu gebe ich – wegen meiner exzellenten Kenntnis des Höhenprofils – eine Weissagung ab. Doch immer wenn ich sage „jetzt geht’s gleich bergab“ geht es bergauf und umgekehrt. Ach, egal. Es geht auf km 30 zu, viel Steigungen kann es jetzt nicht mehr geben. Ich fühle mich gut und laufe ein wenig voraus. So habe ich immer das Gefühl, mein Tempo selbst zu kontrollieren, auch wenn wir alle das selbe laufen. Vor uns ist nicht viel los, wir laufen in ein regelrechtes Loch. In einem der Orte wissen wir plötzlich nicht mehr, wo es langgeht. Es gibt Straßen, aber keinen Ordner. Jetzt beginnt langsam die Phase, wo ich ins Grübeln käme, würde man mich nach Name und Adresse fragen. Ab jetzt bin ich nicht mehr in der Lage, nach Ordnern zu suchen. Zum Glück leuchtet aber dann doch irgendwo eine neongelbe Weste auf und wir laufen wie die Hamster im Versuchslabor in ihre Richtung. Etwas später wird unsere kleine Gruppe gesprengt. Einer der Jungs verspürt ein menschliches Bedürfnis, mein Trainingspartner und ich laufen alleine weiter. An einer weiteren Kreuzung stehen ein paar Polizisten, die gerne hätten, dass wir in eine bestimmte Richtung laufen. Ich kann aber überhaupt nicht erkennen, in welche. Kopfwedeln kann ich jetzt nicht mehr deuten. Zu mehr sind meine Freunde und Helfer aber nicht bereit, obwohl wir „wohin?“ rufen. Schließlich finden wir den Weg doch, merken an dem kleinen Zwischenfall aber, dass unser Kopf müde wird.   </p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Ausdrucken und aufheben? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalweg07.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Immer mehr Läufer gehen jetzt, Bäume werden zu Dehn- stationen, im schlimmsten Fall müssen sie Halt bieten, wenn sich jemand übergeben muss. Es ist warm geworden in der letzten Stunde und die Steigungen und Gefälle – einzeln ziemlich harmlos – haben sich summiert. Bei mir sind es die Oberschenkelmuskeln, die langsam hart werden und ziepen. Irgendwann läuft vor uns die Dame aus dem Bus mit ohne Vater. Ich gebe es zu: es tut gut, sie zu überholen. Bei Kilometer 30 habe ich den Frosch in den Backentaschen abgelegt. Inzwischen ist er verschwunden und ich bilde mir ein, dass mir der Zucker gut tut. Zumindest fällt es mir nicht allzu schwer, das Tempo zu halten. Nach wie vor sind wir in unserem Plan für 4:12/13. Die Strecke ist immer noch schön, aber nicht mehr so paradiesisch wie vorher. Es geht jetzt geradeaus, die eleganten Schwünge der Wege, der Reiz durch den Wechsel von Wald, Ortschaft und Wiese, von Berg und Tal ist ver- schwunden. Dafür geht es flach voran. Auf meinem Ausdruck des Höhenprofils sah es aus, als würde es jetzt spürbar bergab gehen, aber ich bin heilfroh, dass es nicht so ist. Mehr Aufprall würden meine Oberschenkel gar nicht mögen.</p>
<p>Bei den Wasserstellen werden wir jetzt immer gieriger. Meine Lippen sind trocken und ich fühle mich sehr verkrustet. Ich laufe weiter. Ich hatte in diesem Jahr schon ein paar Volksläufe, um meine Moral zu trainieren. Das klappt bei mir zum Ende hin eigentlich ganz gut: ich quäl mich, ich Sau. Ich laufe und laufe und bemerke irgendwann, dass die Schritte hinter mir leiser werden. Mein Trainingspartner plagt sich mit Krämpfen. Ich denke, der kommt schon wieder oder was man eben so denkt, wenn das Gehirn allenfalls beste Puddingqualitäten hat. Bei einem winzigen Anstieg zähle ich die Läufer in meinem Blickfeld. Es sind zwölf Stück. Kein einziger läuft, alle gehen, bis auf zwei, die stehen und dehnen. Das kann doch gar nicht sein. Was ist denn los? Sollte ich auch besser gehen? Bei km 39? Unfug! Jetzt laufen wir nach Hause! Die letzten beiden Kilometer sind zäh. Die Oberschenkel zicken herum und ich muss ein bisschen drosseln. Ich laufe so schnell, wie es eben geht. Mir ist ein bisschen übel, aber nur ein bisschen. Niemand überholt mich, ich überhole dauernd. Es fühlt sich aber nicht besonders triumphal an. Das Ziel, das Ziel, Mensch, wo ist das blöde Ziel? Warum sieht man denn noch nichts? Ah, da sind Menschen, das sieht gut aus. Es kann nicht mehr weit sein. Beinahe hätte ich das Ziel übersehen. Aber nur beinahe. Ich fühle mich ein wenig wie die Bahn &#8211; planmäßige Ankunft nach 4:13:24. Irgendetwas, was ich nicht unter Kontrolle habe, macht mich froh, so froh, dass mir die Tränen kommen. Im Ziel gibt es eine schöne Medaille und „Silvretta sport“ mit Grapefruit-Geschmack &#8211; selten habe ich etwas Großartigeres getrunken. Auch der Rasen, in den wir unsere Bleikörper ablassen, ist großartig. Ich will nur noch sein. Und dann will ich wieder nur noch trinken. Und dann wieder sein.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-972" title="Weiltalmedaille" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalmedaille.jpg" alt="Weiltalmedaille" width="330" height="335" /></p>
<p>Später folgen wir unserer Volkslauftradition: es gibt Kaffee und Kuchen. Nur das Radler, mit dem wir danach anstoßen, würde Eingeweihten verraten, dass wir soeben einen Marathon gelaufen sind.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr über den Marathon im Weiltal gibt&#8217;s unter: </em><a style="font-family: Arial, sans-serif; font-style: normal; font-size: 100%; font-weight: normal; text-decoration: none; color: #c24844;" href="http://www.weiltalweg-landschaftsmarathon.de/" target="_blank"><em>www.weiltalweg-landschaftsmarathon.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Weiltalweg?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Weiltalweg&amp;address=Schmitten%20Arnoldshain&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255979511" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		<title>Von Marschtabellen, Moderatoren und Böllerschützen.</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2005 13:26:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[City]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer beim 6. Medien Marathon in München antritt, muss auf eines verzichten: die Medien. Während Herbert Steffny sonst beinahe jeden großen Marathon in Deutschland mit unerschütterlicher Begeisterung zu kommentieren versucht, während ihm wechselnde Moderatoren dabei das Wort abschneiden, schweigen die TV-Medien beim München Marathon ganz. (...)]]></description>
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<h2>Der Medien Marathon in München (2005)</h2>
<p>Wer beim 6. Medien Marathon in München antritt, muss auf eines verzichten: die Medien. Während Herbert Steffny sonst beinahe jeden großen Marathon in Deutschland mit unerschütterlicher Begeisterung zu kommentieren versucht, während ihm wechselnde Moderatoren dabei das Wort abschneiden, schweigen die TV-Medien beim München Marathon ganz.</p>
<p>Ich will aber mal nicht so sein und starte trotzdem in München. Kurz nach dem Start, weiß ich auch warum. Für den Startschuss sorgt nämlich die Böllerschützenkompanie Feldmoching e.V.. Die Herren sind keine Freunde halber Sachen: der Startschuss klingt, als würden alle tragenden Teile des olympischen Zeltdachs mit einem Mal in die Tiefe stürzen. Es ist mein sechster Marathon, aber eine so eindrückliche Aufforderung zum Loslaufen habe ich bislang noch nie erhalten. Aufgescheucht wie englische Stockenten stieben wir los.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-954" title="München 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/München-1.jpg" alt="München 1" width="460" height="307" /></p>
<p>Die Sonne scheint schon jetzt und alles ist so prall und bunt, dass 8000 Läufer gleichzeitig versuchen, nicht ihre 5 km Bestzeit zu knacken. Mir kann das nicht passieren. Schließlich habe ich meine Marschtabelle wie immer am Vorabend auf ein Heftpflaster geschrieben, um sie mir auf den Arm zu kleben. Doch als ich jetzt auf meinen Arm schauen will, ist der ganz und gar nackt. Ich habe meine legendäre Marschtabelle in meiner Kleidertasche vergessen. Aber wie heißt ein altes Marsch- tabellen-Vergesser-Sprichwort: was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Na gut. Dann laufen wir eben willenlos und unkontrolliert.</p>
<p>&#8220;Sie läuft sehr kontrolliert&#8221; sagt Herbert Steffny. Aha, er kommentiert also doch. Außer mir kann ihn zwar niemand hören, aber das macht ja nichts. &#8220;Wie ist das Herbert&#8221;, sagt der Wortabschneider- kommentator &#8220;wenn man seine Marschtabelle vergisst, kann man dann überhaupt noch Bestzeit laufen? &#8220;Na ja, ich will mal so sagen&#8221;, sagt Steffny. &#8220;Einfacher wird das dadurch natürlich nicht.&#8221; &#8220;Ich muss Dich mal unterbrechen, Herbert&#8221;, sagt der Wortabschneider &#8220;da vorne stehen Sabine und Marcus.&#8221; Tatsächlich, jetzt sehe ich sie auch. Und freue mich. Zwischen den hunderten von Augen, die mich scannen, um möglichst schnell festzustellen, ob ich Papi, Holgi oder Susi bin, sind wahrhaftig zwei Augenpaare, die feststellen wollen, ob ich Frau Schmitt bin. Freunde an der Strecke tun gut.</p>
<p>Ich reiße die Arme nach oben wie Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste, rufe ein sinnfreies &#8220;Ich hab Euch gesehen&#8221; in die Menge und laufe weiter. Dieser Vorgang wieder- holt sich später an anderer Stelle, mit dem Unterschied, dass ich in der letzten Sekunde ein Schild bemerke, das Marcus in der Hand hält. Darauf steht &#8220;Frau Schmitt, ich will ein Kind von Dir&#8221;. Ich brauche zwei Kilometer, um mich wieder einigermaßen zu fassen.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Später nochmal lesen? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muenchen05.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Ich bin völlig ortsunkundig und so wartet hinter jeder Biegung eine neue Überraschung. Das ist das Schöne an Citymara- thons: die Autos, sonst aggressive Herrscher über die Stadt, müssen weichen und die Prachtstraßen mit der schönsten Aussicht gehören auf einmal mir. Mir ganz allein. Na ja, fast. Ein Van, der jetzt von rechts kommt, kann es nicht glauben. Dort ist eine Straße und er darf sie nicht überqueren. Der Fahrer mag sich von ein paar tausend mickrigen Läufern nicht daran hindern lassen und fährt beherzt die Absperrung um. Es knirscht und kracht. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist.</p>
<p><img class="size-full wp-image-956 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="München 2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/München-2.jpg" alt="München 2" width="279" height="421" /></p>
<p>Zum Marienplatz zu laufen ist wunderbar. Erstaunlich, in wie vielen deutschen Haus- halten es Trommeln gibt. Es kommen Läufer entgegen, aber ich bin viel zu verwirrt, um zu begreifen, ob sie schneller oder langsamer sind als ich. Bei der 10km-Marke schaue ich besonders gründlich auf die Uhr. &#8220;55 Minuten&#8221;, sagt Herbert Steffny &#8220;da hat sie sich aber viel vorgenommen&#8221;. &#8220;Ist das nicht zu schnell, Herbert?&#8221; sagt der Unterbrecher. &#8220;Na, sie ist ja an sich ne erfahrene Läuferin, ich nehme mal an, sie weiß, was sie heute drauf hat&#8221;. Ich bin froh, dass Steffny an mich glaubt, ich hatte selbst da schon so meine Bedenken. Aber um mich herum trommelt’s und winkt’s und blasmusikt’s, da fällt das bremsen schwer. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich wage sogar die Anstiege bis km17 im beinahe unverändertem Tempo. Vielleicht auch, weil die Strecke hier nur mäßig attraktiv ist. Das gilt sogar für die Musik: irgendwo scheppert ein Möchtegern- Franz-Lambert schauerlichen Alleinunterhalterbeat über den Asphalt. Zum Glück treffe ich bald einen lieben Bekannten, was mich wieder weiter nach vorne schiebt.</p>
<p>Inzwischen sind es 20 Grad im Schatten, was ich zwar nicht wissen kann, aber deutlich spüre. Ich tue es ungern, aber ich muss mir eingestehen, dass heute kein Bestzeitentag ist. Selbst ein Gelmarshmellow, das ich jetzt mümmle, macht mir unglaublichen Durst. Im Grunde macht mir alles unglaublichen Durst – trinken, mümmeln, atmen, Mund schließen, Mund öffnen, Uschi begrüßen, weiterlaufen, &#8230; Moment, Uschi? Tatsache,</p>
<p>da ist ja wieder eine Freundin, wie angekündigt, bei km 32. Schön. Ich bin längst im englischen Garten, ich bin im Schatten, ich bin gerettet. Bin ich das wirklich? Ich starre auf die Uhr und versuche, in den Zahlen einen Sinn zu erkennen. Mit der Bestzeit kann es nichts mehr werden, aber unter vier Stunden sollten es schon sein. Kann das noch klappen? Was man nicht in den Beinen hat, muss man im Kopf haben (altes Marathon- Zielzeiten-Kopfrechner-Sprichwort) und ich versuche auszurechnen, ob ich auf den letzten Kilometern noch etwas schlunzen darf, ohne über die Vier-Stunden-Marke zu kommen. Hier noch ein Becherchen Wasser, dort noch ein Schlückchen eigenes Getränk im Gehen – schön wäre das. Wieso sagt Steffny eigentlich nichts dazu? Kann der das nicht für mich rechnen? &#8220;Jetzt muss sie dem hohen Anfangstempo Tribut zollen&#8221; sagt der Worthäcksler &#8220;das hätte sie eigentlich wissen müssen bei der Wärme&#8221;. &#8220;Ja, aber ich sag‘ mal, wenn sie dieses Tempo hält, wird es auf jeden Fall für eine Zeit unter vier Stunden reichen&#8221;. Na endlich Herbert, wo warst du bloß? Dann muss ich ja nur noch so weiter- schwanken. Schwer genug, wenn sich die Oberschenkel höflich, aber bestimmt verabschieden. Und man jetzt über eine RedBull gesättigte Straße läuft, auf der man beinahe festklebt.</p>
<p>Es sind noch weniger als 2 km. Es sind, wie bei jedem meiner Marathons, die schönsten. Ich schaue neben mich und sehe Gerd Rubenbauer auf dem Motorrad. Er ist ganz außer sich. Ich kann nicht richtig hören was er sagt, es klingt wie &#8220;unglaublich&#8221; und &#8220;mit großen Schritten nähert sie sich dem Ziel&#8221;. Meine Schritte sind zwar alles andere als groß, aber so ist er eben, der Rubenbauer. Im großen Marathontor, dem Eingang zum Olympiastadion, werde ich mit buntem Licht und Trockeneis übergossen. Ich muss heulen und husten gleichzeitig und während mir die Gesichtszüge entgleisen, drückt ein Fotograf im Tunnel auf den Auslöser. Im Olympiastadion einlaufen zu dürfen, das ist völlig unwirklich. Im Innenraum stehen bunte Skulpturen und Häuschen einer chine- sischen Installation und ich fühle mich, als hätte ich seltsame Drogen eingenommen.</p>
<p>Ich laufe wie aufgezogen. Steffny hat Recht gehabt, es hat gereicht. Die Uhr zeigt 3:58:39.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-957" title="München 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/München-3.jpg" alt="München 3" width="468" height="352" /></p>
<p>Setzen. Jetzt setzen. Ich schaue nach unten und stelle fest, dass der Boden sich ca. vier Meter unter mir befindet. Gefühlte Höhe. Wie soll ich dort mit meinem Hintern hinkommen? Ich schaue mich um. Überall versuchen, in weiße Folien gehüllte Wesen den Boden zu erreichen. Ich mache es den anderen nach und probiere die &#8220;Ein-Kleinkind- setzt-sich-auf-den-Stuhl-Methode.&#8221; Rückwärts auf allen vieren geht es. Sitzen, Wasser schlürfen und heimlich eine Medaille an die Brust drücken. &#8220;Das hat sie sich auch verdient&#8221;, sagt Herbert Steffny. &#8220;Sie hat ja dann doch noch ihre zweitbeste Zeit erreicht&#8221;.</p>
<p>Danke Herbert. Danke München. Stadt des Marathons der Medien.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-958" title="München 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/München-4.jpg" alt="München 4" width="464" height="348" /></p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zum Marathon in München gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.muenchenmarathon.de/">www.muenchenmarathon.de</a></div>

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		<item>
		<title>Out of Egelsbach.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/koberstaedter-waldmarathon/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2004 13:03:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Koberstädter Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Egelsbach]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[ "Ich lauf dieses Jahr New York." Das klingt cool. Man sagt ja auch nicht IN New York, sondern nur: "Ich lauf New York." Oder auch "Was läufst`n Du dieses Jahr?" "Ich lauf Berlin. Vielleicht lauf ich auch Köln." Aber was sollte ich sagen? "Ich laufe Egelsbach." Das klingt ähnlich cool wie "Ich fahre dieses Jahr mit meinem Stammtisch zum Wandern in den Harz." Aber in einer vermeintlich coolen Welt hat gerade das Uncoole einen großen Reiz.  Also wollte ich "Egelsbach laufen" und habe mich unglaublich darauf gefreut. Kollegen haben gesagt "Wo gibt`s denn in Egelsbach 42 Kilometer?" Man dachte wohl, (...)]]></description>
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<h2>Der Koberstädter Waldmarathon (2004).</h2>
<p> &#8221;Ich lauf dieses Jahr New York.&#8221; Das klingt cool. Man sagt ja auch nicht IN New York, sondern nur: &#8220;Ich lauf New York.&#8221; Oder auch &#8220;Was läufst`n Du dieses Jahr?&#8221; &#8220;Ich lauf Berlin. Vielleicht lauf ich auch Köln.&#8221; Aber was sollte ich sagen? &#8220;Ich laufe Egelsbach.&#8221; Das klingt ähnlich cool wie &#8220;Ich fahre dieses Jahr mit meinem Stammtisch zum Wandern in den Harz.&#8221; Aber in einer vermeintlich coolen Welt hat gerade das Uncoole einen großen Reiz.  Also wollte ich &#8220;Egelsbach laufen&#8221; und habe mich unglaublich darauf gefreut. Kollegen haben gesagt &#8220;Wo gibt`s denn in Egelsbach 42 Kilometer?&#8221; Man dachte wohl, ich wollte die Hauptstraße auf und ab hoppeln. Es sind bedauernswerte Menschen, die den Wald bei Egelsbach nicht kennen. Soviel kann ich jetzt sagen.  </p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #ffefd5; "><em>Diesen Text gibt es auch als </em><a href="http://frauschmitt.podspot.de/"><em>Podcast</em></a><em>-Episode zu Hören.</em></div>
<p>Schon der Stadionsprecher am morgen gab alles. &#8220;Die Luftfeuschtischkeit ist relativ hoch, aber nischt bedrohlisch.&#8221; Das sind Nachrichten, die man Sonntags morgens um  7 Uhr 30 schätzt. Schon rein mental gesehen. &#8220;Wir haben auch wieder wundeschöne Klohäusschen aufgestellt, machen sie bitte reischlisch davon Gebrauch.&#8221; Noch nie bin  ich so schön und eindringlich dazu aufgefordert worden, mich zu entleeren. Ich tat es. &#8220;Liebe Läuwerinnen und Läuwe, es gibt Pepsi an der Stregge und lecke Wasse, Bananen, Isogedränge und auch Pepsi &#8211; eben alles möglische, damit sie gut dorsch kommen.&#8221;  Ich mag gar kein Pepsi, aber der Mann gab mir das Gefühl, Kastenweise Pepsi sei nur  für mich herangeschafft worden. Nein, ich habe keine Samba- Einpeitschmusik vermisst.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-943 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Logo" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Logo.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Logo" width="455" height="363" /></p>
<p>Dann gings los. Tatsächlich: viel &#8220;Luftfeuschtischkeit.&#8221; Aber das fand ich prima. Noch etwas Salz und man hätte ein Soledampfbad machen können. Egelsbach hat manchmal so etwas Tropisches.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-944 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Wald" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Wald.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Wald" width="447" height="332" /></p>
<p>Es war wunderbar friedlich. Das kleine Feld von ca. 200 Herrschaften hat sich schnell verteilt. Extremer Männerüberschuss, gravierende Zauselquote. (Zausel = Herr jenseits der 50, unrasiert, das verbliebene Haar im Kopfkissenlook, klein, sehnig, zäh, trägt T-Shirt mit dem Aufdruck &#8220;Dumpelheimer Wiesenultramarathon 1982&#8243; o.ä. und Schuhe aus dem Nachlass von Spiridon Louis. Zausel riechen oft säuerlich, sind aber rücksichts- voll, freundlich und gutgelaunt). Ich fühlte mich gut aufgehoben.  </p>
<p>6er Schnitt war der Plan, den hielt ich ein &#8211; mal ein bissel drüber, mal etwas drunter,  je nach Steigung. Bei Kilometer 13 musste ich mal. Trotz der Benutzung der &#8220;wunde- schönen Toilettenwagen&#8221;. Ich musste noch nie bei einem Marathon. In Egelsbach ist eben alles anders. Und das ist das Schöne am Wald: dem Blasengefüllten erscheint praktisch die ganze Strecke als eine einzige Pieselmöglichkeit. Soll ich hinter diesen Holzstapel? Oder hinter dieses zauberhafte Gesträuch mit den knackig grünen Blättchen? Wer schon einmal mit sich gekämpft hat, ob er sich zwischen zwei parkende Autos hocken will, sollte mal im Wald Marathon laufen. Überall ein Klo. Raumduft Sorte Waldesglück.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-945" title="Egelsbach 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-1.jpg" alt="Egelsbach 1" width="150" height="230" /> <img class="alignnone size-full wp-image-946" title="Egelsbach-Marathon-Strecke" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Strecke-345x230-custom.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Strecke" width="345" height="230" /></p>
<p>Und wer sich erleichtert hat, läuft gleich viel beschwingter. Doch war ich eben noch  eins mit der Natur, so stand jetzt etwas zwischen uns. Läufer. Unglaublich viele Läufer. Das Halbmarathonfeld war gestartet und vereinzelte, bereits völlig eins mit der Natur gewordene Marathonis liefen in eine Horde aufgehübschter, ausgeschlafener Läufer, die größtenteils technisch besser ausgerüstet waren als die Nasa.  Das Bild veränderte sich: statt sehniger Zausel beherrschten breitere Hinterteile die Szenerie. Ich war am Ende des Halbmarathonfeldes. Die Schuhe wurden bunter, die T-Shirts geschmackvoller. Leider war von Waldgeräuschen nichts mehr zu hören. Die Frauenquote war hoch, der Gesprächsstoff reichlich (das ist nicht politisch korrekt,  aber wahr). Pulsmesser mit Schrittzähler soweit das Ohr reichte. Hüfttaschen mit vier (ich hab sie gezählt) Reißverschlüssen, die alle klapperten. Haustürschlüssel in Hosentaschen.  </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Ausdrucken und aufheben? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2004/08/Egelsbach04.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Sogar Geld (kann man bei Eichhörnchen Nüsse kaufen?). Diese hochmotivierten Halb- marathonläufer waren gerade drei Kilometer gelaufen, aber viele sahen jetzt schon elender aus als Paula Radcliffe nach ihrem Kreislaufkollaps. Irritiert lief ich Slalom. Solange bis das Feld wieder etwa mein Tempo hatte. Aber es war nicht mehr dasselbe. Da: schon wieder eine laufende Intensivstation: Piep, Piep, Piep, Piep. Nichts wie weg. Gedacht, aber nicht so einfach getan. Jetzt kamen noch mal die Steigungen. Oder was man nach drei Stunden laufen so dafür hält. km 31: Puh. km 33: Öff. km 37: Jetzt is aber mal gut. Ich konnte nichts mehr drauflegen, musste bei meinem 6er Schnitt bleiben.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-947 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Profil" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Profil.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Profil" width="482" height="283" /></p>
<p>Ein Rotkreuz-Wagen sorgt für rot-weiße Abwechslung im grünen Forst. Viele Rot-Kreuz Mitarbeiter sind richtig dick, denke ich. Ist ja auch kein Wunder. Während ich durch den Wald zischen darf, müssen die in viel zu kleinen Campingstühlchen sitzen und darauf warten, dass irgendwo ein Pulsmesser überhitzt.  Nachdem ich die letzte Steigung überstanden habe, bin ich wieder guter Dinge. Die Sonne scheint, wir biegen wieder in den Ort ein. Eine ältere Dame steht im Morgenrock am Tor. Sie ist begeistert. In regelmäßigen Abständen ruft sie: &#8220;Suppää!&#8221;. Ich liebe Egelsbach.  </p>
<p>Dann darf ich in ein kleines blitzsauber gepflegtes Stadion einlaufen. Tatsächlich: sie spielen Sambamusik. Der Stadionsprecher sagt: &#8220;Liebe Zuschauerinne und Zuschaue, ist des net hällisch?&#8221; Recht hat er. Im Ziel fängt es an zu regnen. So sieht zum Glück niemand, dass sich bei mir ein paar Tränen ankündigen. Sofort trinke ich eine Pepsi.  Das bin ich Egelsbach schuldig.  Ich war 4:14:38 unterwegs. Mehr war bei der Strecke und Vorbereitung nicht drin.  Ich bin zufrieden. Ich habe nichts vermisst, den Zeitdruck schon gar nicht. Läufer aller Länder, kommt nach Egelsbach.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-948 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Kuchen.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Kuchen" width="298" height="397" /></p>
<h6>(Bilder mit freundlicher Genehmigung der Veranstalter SG Egelsbach und SV Erzhausen.)</h6>
<div class='stb-grey_box' ><em>Die Veranstalterseite ist im Augenblick leider gerade in Überarbeitung: </em><a href="http://www.koberstaedter-marathon.de/"><em>www.koberstaedter-marathon.de</em></a></div>
<h4>Egelsbach?</h4>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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