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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Marathon</title>
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		<title>Der Puschel-Marathon.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:16:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in &#214;sterreich („Der Kaiser f&#228;hrt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausge&#252;bt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonl&#228;ufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgesch&#228;ft f&#252;r Clownsbedarf einen riesengro&#223;en, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. (...)]]></description>
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<p>Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in &#214;sterreich („Der Kaiser f&#228;hrt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausge&#252;bt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonl&#228;ufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgesch&#228;ft f&#252;r Clownsbedarf einen riesengro&#223;en, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. Ich wollte bei einer Marathonveranstaltung ein paar Menschen zujubeln und brauchte ein passendes Utensil.</p>
<p>Aus leidvoller eigener Erfahrung wei&#223; ich, dass nicht alles, was zum Anfeuern angeboten wird, auch daf&#252;r geeignet ist. Als ich einmal in Hamburg Marathon lief, hatte der damalige Sponsor Hansaplast Tr&#246;ten verteilt. Genaugenommen waren es Plastikmundst&#252;cke mit einer aufgesteckten Papprolle. Sie machten etwa das Ger&#228;usch, das Luftballons fabrizieren, wenn man den Gumminippel auseinanderzieht, w&#228;hrend die Luft entweicht. Widerlich. Bei Kilometer 10 hatte ich das Gef&#252;hl, dass jedes Kind in ganz Hamburg mit dieser Tr&#246;te ausgestattet war und die Strecke beschallte. Bei Kilometer 20 war ich mir sicher, dass auch die Eltern je eine Tr&#246;te besa&#223;en. Bei Kilometer 30 wusste ich, dass jedes Kind vier Tr&#246;ten hatte, und die Eltern, Gro&#223;eltern, Onkel, und Tanten auch. Es ging mir nicht gut bei diesem Lauf und ich litt zus&#228;tzlich an vier Stunden schrillem F&#252;&#252;pen. Ich denke, der ber&#252;hmte „Mann mit dem Hammer“ sollte in „der Mann mit der Tr&#246;te“ umbenannt werden. Sponsoren sollten bedenken, was sie tun. Ich habe nie wieder ein Hansaplast-Produkt gekauft.</p>
<p>Ich habe vieles ausprobiert beim Anfeuern: eine kleine Glocke (war zu leise und ging nach einer Stunde kaputt), Topfdeckel (war lustig, ruinierte aber auf Dauer die Deckel), rufen (macht nach einer Stunde heiser). Obendrein ist beim pers&#246;nlichen Anfeuern noch etwas anderes wichtig: es muss auch dann noch wahrgenommen werden, wenn der Ger&#228;uschpegel der Umgebung gro&#223; ist. So kam ich auf den Puschel. Er kann nicht nerven, denn er macht kein stresserzeugendes Ger&#228;usch. Er ist weithin sichtbar (wenn man ihn &#252;ber dem Kopf schwenkt) und so wird man auch von den L&#228;ufern in der Menge gefunden. Und er l&#246;st Heiterkeit aus. Das durfte ich heute beim Frankfurt Marathon wieder einmal feststellen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png"><img class="size-full wp-image-2013 aligncenter" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="Bild-9" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png" alt="Bild-9" width="302" height="402" /></a><br />
Ich beziehe am Morgen meinen traditionellen Standplatz, p&#252;nktlich 10 Minuten vor dem Start. Er liegt an der Mainzer Landstra&#223;e, dort, wo die L&#228;ufer vier mal vorbeikommen: bei km 1, 3, 35 und 41. Zwischendurch kann man an die Alte Oper watscheln, um dort noch einmal L&#228;ufer bei km 6 zu sehen. Mehr L&#228;ufereindr&#252;cke bei weniger logistischem Aufwand sind kaum machbar. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass man sich entscheiden muss: w&#228;hrend die einen L&#228;ufer noch bei km 1 sind, kommen andere schon bei km 3 auf der gegen&#252;berliegenden Seite vorbei. Gleiches gilt f&#252;r 35 und 41. Hier muss man die Anfeuerungskr&#228;fte nach Bedarf verteilen: die Langsamen brauchen mehr Zuspruch.</p>
<p>Wer Marathonlaufen liebt und schon einmal an der Strecke stand, wird es best&#228;tigen: es gibt kaum etwas aufregenderes, als den Moment, wenn sich der Hubschrauber n&#228;hert und das erste Polizeifahrzeug auftaucht. Dann folgen meistens mehrere Motorr&#228;der, ein paar Fahrr&#228;der und dann das wichtigste: das Auto mit der magischen Uhr auf dem Dach. Hinter dem Auto laufen Menschen, die das gleiche tun, das man selbst so oft tut. Und doch sieht es ganz anders aus. Dunkelh&#228;utige M&#228;nner schweben vorbei, mit gl&#228;nzenden, sehnigen Waden, mit Flatterhosen und d&#252;nnen Tr&#228;gerhemdchen, mit sch&#246;n geformten Hinterk&#246;pfen und gro&#223;en Z&#228;hnen. Man sieht sie vorbeifliegen und f&#252;hlt sich sofort wie ein Germkn&#246;del neben einer Vanilleschote.</p>
<p><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2016" title="Frankfurt-Marathon 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Niemand in der Menge ruft „Wilfred!“, „Henry!“ oder „Joseph!“ obwohl es auf den Startnummern steht. Der Menge ist es im Grunde egal, welcher der Schwarzen gewinnt. In Frankfurt ist das besonders ausgepr&#228;gt. Denn dort starten viele Elitel&#228;ufer. Man will die Konkurrenz und man will den Streckenrekord. Sie sind alle phantastisch. Sie sind alle Elite. Aber sie sind nicht wie Paul Tergat oder Haile Gebrselassie. Sie sind keine Stars. Sicher k&#246;nnen sie gut damit leben. Aber mir tut es leid. Ich suche mir immer einen aus, den ich besonders anfeure. Auch mit Namen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2018" title="Frankfurt-Marathon 5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 5" width="512" height="384" /></a><br />
W&#228;hrend der Hubschrauber noch &#252;ber uns steht, rei&#223;t das Feld weit auseinander. Wenn man noch einen Kaffee trinken muss, sollte man das jetzt tun. Ich habe immer eine Thermoskanne Kaffee dabei. Als Fan an der Strecke muss man wach und warm bleiben. Zum Gl&#252;ck ist es heute nicht kalt – bei 15 Grad l&#228;sst es sich gut eingepackt lange stehen. Dann wird es spannend: jetzt kommen die, die nicht mit Laufen ihr Geld verdienen und trotzdem abenteuerlich schnell sind. Ich erkenne ein paar L&#228;ufer aus der Region. Wie schnell sie sind! F&#252;r meinen Puschel haben sie &#252;berhaupt keinen Blick. Es ist der erste Kilometer, man ist noch damit besch&#228;ftigt, sich auf die kommenden Stunden zu konzentrieren. Manche konzentrieren sich so sehr, dass sie grimmig aussehen. Sie runzeln die Stirn und gr&#252;beln.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2027" title="Frankfurt-Marathon 6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 6" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">War die Entscheidung f&#252;r das T-Shirt richtig? H&#228;tte man nicht doch besser das Singlet nehmen sollen? H&#228;tte es statt der Kappe nicht auch ein Tuch getan? St&#246;rt da gerade etwas im Schuh? War der erste Kilometer zu optimistisch angegangen? L&#228;ufer, die deutlich unter drei Stunden laufen, sehen meistens nicht besonders entspannt aus. Doch dann entdecke ich das erste bekannte Gesicht, das sehr entspannt aussieht und ich bin wieder zufrieden. Es ist gar nicht so einfach, an eine Wand aus stirnrunzelnden L&#228;ufergesichtern hinzupuscheln. Jenseits der drei Stunden-Marke wird es langsam anders. Der Frauenanteil ist zwar nach wie vor verschwindend, aber es gibt sie. Sie sind gebr&#228;unt, tragen Z&#246;pfchen und Triathlon-Oberteile. Hauteng nat&#252;rlich.  Die Schuhe sind neongelb oder orange. Neben ihnen laufen M&#228;nner mit dunklen Sonnenbrillen und ihr Gesichtsausdruck sagt: Seht her! So schnell l&#228;uft sie nur, wenn ich sie begleite!</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle und puschle. Alle drei Minuten muss ich den Arm wechseln, sonst wird es zu anstrengend. Das Feld wird jetzt immer entspannter. Man redet viel miteinander. Nervt&#246;tend sind nur die Staffell&#228;ufer: sie zerst&#246;ren den Rhythmus des Feldes. Mehrfach rennt ein Staffell&#228;ufer &#252;ber den Bordstein auf meine Verkehrsinsel, so dass ich mich in Sicherheit bringen muss. Sie rempeln und holzen. Ich wei&#223;, warum Veranstalter Staffeln m&#246;gen. Sie machen den Marathon auch bei denen popul&#228;r, die die ganze Strecke nicht schaffen. Sie halten die Teilnehmerzahlen hoch und tragen den guten Ruf des Marathons in die Familien, Freundeskreise und B&#252;ros. Aber viele haben leider immer noch nicht begriffen, dass 6-Kilometer-L&#228;ufer an diesem Tag nicht der Nabel der Welt sind. Mich macht das sauer.</p>
<p style="text-align: left;"><div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; "><em>Zu viel Text am Bildschirm? </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Puschel-Marathon.pdf" target="_blank"><em>Hier</em></a><em> gibt&#8217;s ein PDF zum Ausdrucken.</em></div></div></p>
<p style="text-align: left;">Jetzt finde ich immer mehr bekannte Gesichter und das macht mich dann wieder ganz froh. Man kann Albernheiten rufen und etwas zur&#252;ck gerufen bekommen. Eine Sekundenbegegnung hat im Marathon eine andere Bedeutung, als im normalen Leben. Sie brennt sich sofort auf die innere DVD, die den Marathon beschreibt. Treffen an der Strecke sind wie ein Foto, das man sich sp&#228;ter innerlich immer wieder anschauen kann. Deshalb gebe ich mir M&#252;he. Die L&#228;ufer sollen ein sch&#246;nes Foto bekommen.</p>
<p style="text-align: left;">Langsam taucht der Ballon mit dem Vier-Stunden-Zugl&#228;ufer auf. Er schart einen riesigen Pulk Menschen um sich. Nein, hier in der Enge zu laufen w&#228;re mir zu anstrengend. Aber die L&#228;ufer, die danach kommen sind mir besonders lieb. Sie werden immer dicker, immer weiblicher und immer &#228;lter. Und sie sind immer w&#228;rmer angezogen. Und sie l&#228;cheln mehr. Viele sind gewillt, heute einfach nur Spa&#223; zu haben, das kann man deutlich merken. Sie winken mir und lachen &#252;ber das pinkfarbene Unget&#252;m am Ende meines Armes.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2028" title="Frankfurt-Marathon 7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 7" width="512" height="384" /></a><br />
An der F&#252;nf-Stunden-Marke sieht man besonders viele Veteranen. &#196;ltere Herren, die vermutlich abenteuerlich viele Marathons hinter sich haben. Sie laufen oft ein bisschen krumm, blinzeln (weil sie nat&#252;rlich keine coole Sonnenbrille tragen), und sind auff&#228;llig d&#252;nn angzogen. Die Frage „Bist Du ein Mann oder eine Maus?“ muss man diesen Herrschaften nicht stellen. Sie sehen aus, als h&#228;tten sie schon jeden ihrer Zehenn&#228;gel einmal bei einem Lauf  verloren. Ich denke, sie m&#252;ssen die Brustwarzen nicht mehr abkleben, weil sie inzwischen keine mehr haben. Diese Laufwesen sind perfekt an das Laufen durch St&#228;dte angepasst. Ich nenne sie „Zausel“ und habe gr&#246;&#223;ten Respekt vor ihrer Leistung.</p>
<p style="text-align: left;">Ganz am Ende des Feldes kommt Peter. Er ist heute Zugl&#228;ufer f&#252;r 5:59 und hat damit die Mission, alle Sch&#228;flein m&#246;glichst vor dem Zielschluss in die Festhalle zu bringen. Viel Begleitung hat er nicht, aber das kann sich ja &#228;ndern.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2020" title="Frankfurt-Marathon 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 3" width="512" height="384" /></a><br />
Nach etwa einer halben Stunde ist auch der letzte L&#228;ufer bei Kilometer 1 vorbeigekommen. ich drehe mich herum und schaue mir einen gro&#223;en Teil des Feldes noch einmal an, w&#228;hrend es Kilometer 3 passiert. Ein Nichtl&#228;ufer w&#252;rde sich vielleicht fragen, worin um alles in der Welt, hier der Reiz liegt. Das kann ich mir aussuchen. Ich kann mir das ganze Feld als eine riesengro&#223;e Lauf-Modenschau vorstellen. „Streetwear“ sozusagen. Nie werde ich mehr Kombinationen von Jacken, Shirts, Hosen und Str&#252;mpfen sehen, als hier. Ich kann die Tchibo-Passform mit der von Nike vergleichen und feststellen, dass Adidas-Jacken immer ein bisschen kurz sind. Ich sehe, wie schwarze Kompressionsstr&#252;mpfe bei kleinen Frauen wirken (besser als wei&#223;e) und dass es jetzt immer mehr pinkfarbene gibt. Das macht Spa&#223;. Ich kann mich aber auch auf die Kost&#252;me konzentrieren und darauf hoffen, dass bald eine laufende Sebamed-Flasche vorbeil&#228;uft. Oder Michel mit einem Riesen-Baguette unter dem Arm. Ich kann mich dar&#252;ber freuen, dass es Menschen gibt, die in einem Kuhkost&#252;m laufen und dabei einen Rucksack in Form von „Shaun dem Schaf“ tragen. Und ich kann die Frauen mit lilafarbenem Haar z&#228;hlen, die gestern offensichtlich noch auf einer Halloween-Party waren.</p>
<p style="text-align: left;">Ebenso gut k&#246;nnte ich mich auf orthop&#228;dische Aspekte konzentrieren. O-Beine betrachten, h&#252;pfende Vorfu&#223;l&#228;ufer, stampfende Entenf&#252;&#223;ler oder kraftvolle Beine-in-die-Luft-Werfer. Es gibt endlos viele M&#246;glichkeiten, das Feld zu betrachten. Am liebsten sind mir Gesichter. Aber das wird erst bei Kilometer 35 richtig spannend.</p>
<p style="text-align: left;">Ich warte wieder bis Peter vorbei ist und ziehe zur Alten Oper. Etliche Zuschauer machen das gleiche. Von weitem h&#246;rt man schon die Einpeitscher-Musik an der hr-B&#252;hne („Let’s get loud!“).  Hier sehe ich nur noch das letzte Viertel des Feldes und schon jetzt ist abzusehen, dass sich einige schwer tun werden. Bereits bei Kilometer 6 sieht man hochrote K&#246;pfe und h&#246;rt schweren Atem. Mit diesen L&#228;ufern m&#246;chte ich nicht tauschen.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist ganz nett, ein wenig Musik und Moderation zu haben. Aber vier Stunden wollte ich hier nicht stehen. Auch als Zuschauer braucht man seine nachdenklichen Minuten. Wo ist Peter? Ah, da. Jetzt kann ich ja wieder gehen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2021" title="Frankfurt-Marathon 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 4" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Dann kriege ich noch ein St&#252;ck des Mini-Marathons der Kinder mit. Kinder anfeuern ist viel einfacher als Erwachsene. Leider reagieren die allerdings so unmittelbar auf Motivation, dass sie sich sofort &#252;bernehmen und dann gleich wieder gehen m&#252;ssen. Einmal zu kr&#228;ftig gerufen und der kleine L&#228;ufer hechtet sich die Seele aus dem Leib – f&#252;r die n&#228;chsten 20 Meter. „Hau rein!“, w&#228;re also die falsche Ansage. Hier muss man eher ma&#223;voll vorgehen und die Regieanweisung am besten gleich mitliefern: „Sch&#246;n langsam durchlaufen, du hast es gleich geschafft!“ Oder bei denen, die schon gehen: „Du kannst bestimmt schon wieder ein St&#252;ckchen laufen! Ist nicht mehr weit.“ Das klappt ganz gut.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt hab ich mir einen Kaffee und einen Riegel verdient. Manchmal habe ich auch Streuselkuchen dabei, aber das hat heute nicht geklappt. Jetzt kann ich mich kurz auf den Randstein setzen und mich f&#252;r die kommenden Aufgaben st&#228;rken.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2022" title="Marathon-Imbiss" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg" alt="Marathon-Imbiss" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">In einer halben Stunde geht es weiter und dann wird es keinen Moment mehr geben, an dem man guten Gewissens ausruhen kann. Wieder k&#252;ndigen der Hubschrauber und das magische Auto mit der Uhr die Elite an. Zwei M&#228;nner haben sich abgesetzt – mein Favorit ist nicht dabei. Der mit dem blauen Hemd, Gilbert, fletscht ein wenig die Z&#228;hne. Er sieht angestrengt aus. Robert neben ihm wirkt lockerer. Aber was wei&#223; man schon &#252;ber kenianische Gesichter bei km 35? Vielleicht l&#228;uft Gilbert einfach immer so.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2023" title="Frankfurt-Marathon 8" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 8" width="512" height="384" /></a><br />
Man muss es 5 Stunden-L&#228;ufern einmal zum Trost sagen: schnelle L&#228;ufer sehen bei km 35 auch oft nicht mehr gut aus. Hier werden Z&#228;hne gefletscht, Augenbrauen hochgezogen und Salz aus den Augen gerieben. Auch die Schnellen m&#252;ssen k&#228;mpfen. Sie haben Kr&#228;mpfe und machen Gehpausen. Ein &#196;thiopier weit vorne geht. Er sieht nicht so aus, als wollte er das Rennen fortsetzen. Aber die Abk&#252;rzung zur&#252;ck zur Messe nimmt er auch nicht. Er geht einfach weiter, als w&#252;rde ihm die Entt&#228;uschung jede logische &#220;berlegung rauben. Hier kann mein Puschel absolut nichts mehr tun. Das sind f&#252;r mich die schwierigsten Momente. Was ruft man jemandem zu, der mit schmerzverzerrtem Gesicht an einem vorbei humpelt? „Du siehst gut aus“? „Ist nicht mehr weit“? Beides w&#228;re gelogen. Es ist bei km 35 noch verdammt weit, wenn es einem schlecht geht. Und wenn es einem schlecht geht, ich meine, richtig schlecht, dann kann man Zuschauer auch hassen. Man kann sie daf&#252;r hassen, dass sie gerade etwas trinken, was man selbst gern h&#228;tte. Dass sie da sind, wo man sie nicht haben will. Dass sie nicht da sind, wo man sie haben will. Und am meisten hasst man sie, wenn sie da stehen und einen mit regungslosem Gesicht anstarren. Man kann als Zuschauer nicht stundenlang ununterbrochen klatschen, br&#252;llen oder klappern. Aber man muss irgendetwas tun. Sonst muss man nach Hause gehen. Man darf nicht regungslos Leute anstarren, das ist einfach nicht fair. Man kann l&#228;cheln und nicken und jemandem zuzwinkern, eine kleine Verbeugung machen. Das macht nicht viel M&#252;he und sagt doch, dass man noch im Spiel ist. Und nicht nur ein verst&#228;ndnisloser Voyeur von anderer Leute Qual. Wenn es einem als L&#228;ufer gut geht, ist es egal – aber wie vielen L&#228;ufern geht es bei km 35 richtig gut? Ich will noch im Spiel sein und ich will nicht gehasst werden. Ich will helfen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle, l&#228;chle und nicke.  Die Frau eines L&#228;ufers aus dem Runners World Forum gesellt sich zu mir und wir scannen das Feld nach bekannten Gesichtern. Ich f&#252;hle mich wie ein Kind, das Wimmelbilder guckt. „Wo ist Walter?“ hei&#223;t eine Kinderbuchreihe. „Wo ist Gregor?“, „Wo ist Kathrin?“ „Wo ist Joe?“, „Wo ist Daniela?“ Wo sind denn all die anderen?</p>
<p style="text-align: left;">Prominenz kommt vorbei. „Lumi!“ Luminita Zaituc verdient eine extra W&#252;rdigung. Sie ist schlie&#223;lich so alt wie ich und l&#228;uft beinahe doppelt so schnell. Naja, jedenfalls fast.</p>
<p style="text-align: left;">Das Feld ist jetzt auch deutlich zu riechen. Das ist in Ordnung. Wer 35 Kilometer gelaufen ist, hat ein gutes Recht, zu miefen. Salzkrusten zeichnen sich auf Schl&#228;fen und T-Shirts ab. Die ersten blutigen Brustwarzen sind zu sehen, Singlets werden zu abenteuerlichen, Borat-artigen Konstruktionen geknotet, um empfindliche Brust frei zu legen. Ein L&#228;ufer hat den Kragen seines T-Shirts im Mund. Ein anderer mit einer wei&#223;en Tight hat sich einen un&#252;bersehbaren blutigen Wolf gelaufen. Was tragen diese Menschen nur alle im Training?</p>
<p style="text-align: left;">Auf der anderen Seite, bei km 41, geht jetzt ein Raunen durch die Zuschauer. Der f&#252;hrende ist im Anmarsch. Gilbert hat Robert abgeh&#228;ngt. Er fletscht immer noch die Z&#228;hne. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren, es macht anscheinend schnell. Robert folgt bald darauf. Das war es wohl.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2024" title="Frankfurt-Marathon 11" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 11" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2025" title="Frankfurt-Marathon 12" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 12" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2026" title="Frankfurt-Marathon 13" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 13" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Jedes bekannte Gesicht, das ich im Feld entdecke, ist eine Freude. In meinem Wimmelbildbuch darf ich eine Seite umschlagen. Mindestens ebenso sch&#246;n ist es, wenn die L&#228;ufer mich entdecken. Sie rufen meinen Namen und dann muss ich schnell reagieren. Wo, wo, wo? Da! Wir haben uns gefunden – yeah! Manche gr&#252;&#223;en mich, obwohl ich sie gar nicht kenne. Egal. Schon ist wieder jemand kurz von seinem Schmerz abgelenkt. Kathrin muss ich verpasst haben. Sie sollte l&#228;ngst hier sein, der 3:30-Luftballon ist vorbei. Wie schade. Und dann sehe ich sie pl&#246;tzlich doch, inmitten der tausenden unbekannten verschwitzten Gesichter. Ich freue mich enorm. Gefunden! Es l&#228;uft nicht so gut. Kann man tr&#246;sten? Nein. Ein entt&#228;uschter L&#228;ufer ist w&#228;hrend des Laufs untr&#246;stlich. Bestenfalls vern&#252;nftig. Man kann nur da sein.</p>
<p style="text-align: left;">Viele L&#228;ufer sehen wild entschlossen aus. Nicht jeder hat gerade ein Tief. Manche lachen und begr&#252;&#223;en ihre pers&#246;nlichen Groupies. Obwohl hier nicht viele stehen. Mein Standplatz ist ein Geheimtipp. Immer mehr L&#228;ufer lachen auch &#252;ber den rosa Puschel. Jemand l&#228;uft extra zu mir her&#252;ber und sagt mit gebrochenem Deutsch: „Das sieht sehr sch&#246;n aus.“ Besonders jetzt, wo die L&#228;ufer immer langsamer werden, ist Zeit da f&#252;r Begegnungen. „Das rosa Ding hab ich doch vorhin schon gesehen!“ „Ich stand ja auch vorhin schon hier!“  Und immer mehr Leute rufen aus dem Feld: „Du stehst ja immer noch da!“ und ich rufe: „Ich musste doch auf dich warten, wo bleibst du denn!“ Wir kennen uns gar nicht, aber das ist ganz egal. Mit etwas Gl&#252;ck werden sie sich noch einen Kilometer lang dar&#252;ber freuen (die Gedanken flie&#223;en z&#228;h beim Marathon). Ein gutes inneres Foto f&#252;r sp&#228;ter.</p>
<p style="text-align: left;">Joe taucht auf und erz&#228;hlt, dass er bei km 32 Party gemacht und Bier getrunken hat und sich deshalb leider heute versp&#228;tet. Auch das gibt es. Es gibt alles. Verdorbene M&#228;gen, verkrampfte Oberschenkel, gezerrte Waden, und Gl&#252;ck. Unendliches Gl&#252;ck, dass das hier alles m&#246;glich ist. Man kann es durch die Salzkrusten sehen. Vor allem, wenn ich mich umdrehe und die L&#228;ufer bei km 41 betrachte. Noch einen Kilometer. Was ist ein Kilometer gegen die 41 zur&#252;ckliegenden und die unz&#228;hligen Trainingskilometer davor? Ein Pups. Er bl&#228;ht sich auf, als w&#228;re er der wichtigste, der l&#228;ngste und der schwerste Kilometer. Der letzte Kilometer ist ein Blender. Aber die L&#228;ufer lassen sich nicht blenden. Sie wissen im Grunde ihres Herzens, dass sie diesen Kilometer auf einer halben blutigen Zehe nach Hause laufen. Und das kann man in den Gesichtern sehen. Manchmal entgleiten die Gesichtsz&#252;ge schon jetzt. Z&#228;hne zusammenbei&#223;en, lachen und heulen liegt sehr nah beieinander.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt wird das Feld langsam l&#246;chrig. Man kann f&#252;r einzelne L&#228;ufer die Welle machen. Namen rufen. Uga-Aga-Uga tanzen. &#196;ltere Damen laufen mit Stil. „Oh, Dankesch&#246;n f&#252;r die Anfeuerung!“ Mir tut der R&#252;cken weh. Seit Vier-einhalb Stunden stehe ich jetzt hier. Ich kann jetzt nicht gehen, wo noch so viele langsame L&#228;ufer unterwegs sind. Wenn die kommen, die am meisten Anfeuerung brauchen, leeren sich die Stra&#223;en. Zum Gl&#252;ck wird es heute nicht auch noch k&#252;hl, wie sonst oft. Und wieder: „Stehst du da immer noch?“ „Du l&#228;ufst ja auch immer noch, was soll ich machen?“ Manchmal wollen L&#228;ufer nicht gest&#246;rt werden. Sie sind in sich gekippt und versuchen einfach nur, sich vorw&#228;rts zu bewegen. Dann bin ich still und l&#228;chle und nicke. Jetzt warte ich nur noch auf Peter, den Schlussl&#228;ufer. Nach &#252;ber f&#252;nf Stunden puscheln geht nichts mehr. Ich muss nach Hause. Peter hat einen asiatischen Laufveteranen neben sich. Ich freue mich, die beiden zu sehen. Auch, weil sie meinen Feierabend bedeuten. Und dann laufe ich ein bisschen mit. Das Tempo ist langsam genug f&#252;r einen Menschen mit Thermoskanne im Rucksack. Wir sind ein lustiges Trio. Der unverdrossene, wild entschlossene Asiate, der gro&#223;e Mann mit dem Luftballon und die kleine Frau mit einem rosa Puschel um den Hals. Fast einen Kilometer laufe ich mit. Ich w&#252;nschte, ich h&#228;tte Laufschuhe an und keine Daunenweste, sondern Laufsachen. Ich w&#252;rde jetzt so gerne mitlaufen und auch ins Ziel kommen. Aber der Puschel-Marathon in Frankfurt hat eben nicht ein gro&#223;es Ziel, sondern 12.000 kleine.</p>

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		<title>Wie man vergn&#252;gt einen gro&#223;en Apfel durchl&#228;uft, obwohl der Wurm drin ist. Teil 1.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 20:18:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[New York Frühstückslauf]]></category>
		<category><![CDATA[Central Park]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst einmal das Wichtigste vorweg: beim New Yorker Fr&#252;hst&#252;ckslauf, einen Tag vor dem New York City Marathon, gibt es kein Fr&#252;hst&#252;ck. Nicht in diesem Jahr, denn in diesem Jahr ist alles anders. Die Amerikaner m&#246;chten n&#228;mlich heute herausfinden, wen sie zu den Olympischen Spielen nach Peking schicken sollen und deshalb gibt es einen Marathon vor dem Marathon. Der w&#252;rde unter normalen Umst&#228;nden mit der Strecke des ber&#252;hmten Fr&#252;hst&#252;ckslaufs kollidieren, und deshalb (...)]]></description>
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<h2>Prolog: Der Continental Airlines International Friendship Run</h2>
<p>Erst einmal das Wichtigste vorweg: beim New Yorker Fr&#252;hst&#252;ckslauf, einen Tag vor dem New York City Marathon, gibt es kein Fr&#252;hst&#252;ck. Nicht in diesem Jahr, denn in diesem Jahr ist alles anders. Die Amerikaner m&#246;chten n&#228;mlich heute herausfinden, wen sie zu den Olympischen Spielen nach Peking schicken sollen und deshalb gibt es einen Marathon vor dem Marathon. Der w&#252;rde unter normalen Umst&#228;nden mit der Strecke des ber&#252;hmten Fr&#252;hst&#252;ckslaufs kollidieren, und deshalb ist der Fr&#252;hst&#252;ckslauf nicht nur um einiges k&#252;rzer als sonst, sondern auch kalorien&#228;rmer. Au&#223;erdem hei&#223;t er Friendship-Run. Weil er so kurz ist, wird das Freundschaften schlie&#223;en zu einem wahren Speed-Dating. Aber dazu sp&#228;ter mehr</p>
<p>Zun&#228;chst einmal m&#252;ssen wir &#252;berhaupt zum Start kommen. Damit wir das schaffen, holen uns freundliche Menschen von Interair-Reisen vom Hotel ab und gehen mit uns zum UN-Geb&#228;ude. Nicht ohne uns vorher schwarz-rot-goldene Striche auf die Backe zu malen. Seit der Fu&#223;ball-WM 2006 wissen ja sogar die Deutschen, an welchen Stellen des K&#246;rpers man &#252;berall Nationalstolz tragen kann. Auf dem Weg zum feierlichen Versammlungsort begegnen wir bereits etlichen Franzosen und Niederl&#228;ndern, die von &#252;berall her herbeistr&#246;men, ebenfalls h&#252;bsch dekoriert. Die Holl&#228;nder m&#252;ssen sich allerdings nicht anmalen, sie tragen sowieso alle orange. Eine kleine, auf den Kopf geschnallte Windm&#252;hle r&#228;umt letzte Zweifel &#252;ber die Nationalit&#228;t aus</p>
<p>Der gro&#223;e Platz vor dem Geb&#228;ude der Vereinten Nationen ist dann der Sammelplatz f&#252;r alle anderen w&#252;rdigen L&#228;ndervertreter. Und obendrein ein Reservat f&#252;r Klischees: Die Holl&#228;nder sind laut, Franzosen stolz, Japanerinnen tragen kindliche Hello-Kitty-Shirts, die Deutschen ein Equipment, mit dem man auch auf den Mond fliegen kann, wohingegen die Engl&#228;nderinnen am liebsten nur im BH gehen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-79" title="nyc_breakfast_1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_breakfast_1.jpg" alt="nyc_breakfast_1" width="429" height="315" /> <img class="alignnone size-full wp-image-81" title="nyc_breakfast_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_breakfast_2.jpg" alt="nyc_breakfast_2" width="420" height="315" /></p>
<p>Dazwischen dr&#228;ngeln sich Individualisten, die sich alles auf den Kopf setzen, was sich dort befestigen l&#228;sst, zum Beispiel &#252;berdimensionierte Sushis. Karnevalisten haben hier ihre helle Freude.</p>
<p><img class="size-full wp-image-175 alignnone" title="nyc_breakfast_3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_3.jpg" alt="nyc_breakfast_3" width="421" height="316" /></p>
<p>Im Nu haben wir die Interair-Fahne aus den Augen verloren, aber Deutsche sind hier ohnehin &#252;berall. W&#228;hrend wir uns noch fragen, wann es losgeht, setzt sich die Masse in Bewegung. Da wir nur drei Kilometer vor uns haben, genie&#223;en wir jeden Schritt. Die anderen machen es genauso &#8211; es wird gejuxt und gejohlt, geflachst und geflirtet. Originelle Kost&#252;me bekommen Komplimente aus allen L&#228;ndern. Es scheint, als l&#246;st sich ein kleines St&#252;ck der Anspannung vor dem gro&#223;en Tag. Hier darf man endlich, was man sich seit Tagen versagt: laufen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-177" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_breakfast_4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_4.jpg" alt="nyc_breakfast_4" width="324" height="432" /></p>
<p>Auf der Strecke schl&#228;gt die Stunde der Fr&#252;hst&#252;ckslaufkenner. Sie tragen in einer Plastikt&#252;te etliche Volkslauf-T-Shirts mit sich, um sie mit den anderen Kennern zu tauschen. Leider habe ich kein Egelsbach-T-Shirt dabei – ich h&#228;tte es zu gern an einem strahlenden Norweger oder Brasilianer gesehen. Und wann bekommt man schon einmal ein Volkslauf-Shirt aus Hammerfest? Manches Mal verstummen Abschnitte des get&#252;pfelten L&#228;uferbandwurms f&#252;r die eine oder andere Minute. Es passiert, wenn die bange Vorfreude pl&#246;tzlich &#252;berhand nimmt. Und in allen K&#246;pfen, in allen Sprachen die gleiche Frage auftaucht: Wie wird es sein, morgen?</p>
<p>Der Lauf endet so unvermittelt, wie er begann. Wir stehen irgendwo auf der Sixth Avenue und f&#252;hlen uns ein wenig unterbrochen – weiter zum Central Park d&#252;rfen wir in diesem Jahr nicht. Nur eine Stunde zuvor kam dort ein junger amerikanischer L&#228;ufer zu Tode, der sich f&#252;r die Olympischen Spiele 2008 qualifizieren wollte. Aber das k&#246;nnen wir nat&#252;rlich nicht wissen, und das ist auch ganz gut so. Die letzten T-Shirts werden getauscht, Verbr&#252;derungsfotos geschossen, Schultern geklopft und Gl&#252;ckw&#252;nsche gewechselt.</p>
<p><img class="size-full wp-image-185 alignnone" title="nyc_breakfast_6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_6.jpg" alt="nyc_breakfast_6" width="420" height="315" /> <img class="alignnone size-full wp-image-186" title="nyc_breakfast_7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_breakfast_7.jpg" alt="nyc_breakfast_7" width="420" height="315" /></p>
<p>Wir greifen uns ein Taxi und fahren zur&#252;ck ins Hotel – in Erwartung einer vierst&#252;ndigen Stadtrundfahrt, eines kr&#228;ftigenden Abendessens und einer unruhigen Nacht.</p>

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		<title>Wie man vergn&#252;gt einen gro&#223;en Apfel durchl&#228;uft, obwohl der Wurm drin ist. Teil 2.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 15:51:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[New York Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Central Park]]></category>
		<category><![CDATA[Manhattan]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendjemand hat mir &#252;ber Nacht die Augen zugen&#228;ht. Sie gehen einfach nicht auf. Es ist viel zu fr&#252;h. Doch kaum ist das Licht im Zimmer an, mischt sich gesch&#228;ftige Aufregung in die M&#252;digkeit. Zwar liegen alle Kleidungsst&#252;cke bereit, aber man kann sie immer noch von rechts nach links legen. Und die M&#252;tze suchen. Und die Sonnenbrille putzen. Dann die Sonnenbrille verlegen und suchen. Man kann den Fotoapparat noch einmal aufladen und das Zimmer abwandern, um die beste Steckdose zu finden. Ach, man kann so vieles, wenn  (...)]]></description>
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<h2>Der New York Marathon.</h2>
<p>Irgendjemand hat mir &#252;ber Nacht die Augen zugen&#228;ht. Sie gehen einfach nicht auf. Es ist viel zu fr&#252;h. Doch kaum ist das Licht im Zimmer an, mischt sich gesch&#228;ftige Aufregung in die M&#252;digkeit. Zwar liegen alle Kleidungsst&#252;cke bereit, aber man kann sie immer noch von rechts nach links legen. Und die M&#252;tze suchen. Und die Sonnenbrille putzen. Dann die Sonnenbrille verlegen und suchen. Man kann den Fotoapparat noch einmal aufladen und das Zimmer abwandern, um die beste Steckdose zu finden. Ach, man kann so vieles, wenn man doch eigentlich gar nichts mehr muss. Oder doch, man muss. Schon wieder. Ich war doch erst. Man kann auch den Fernseher anmachen, um zum 274sten Mal den Wetterbericht zu sehen. K&#252;hl und sonnig. Der beste Tag der Woche. Na bitte. Die sch&#246;nste Gelegenheit, um die Sonnenbrille zu verlegen, zu suchen und wieder zu finden. Man muss sich ja besch&#228;ftigen. Es ist viel zu fr&#252;h.</p>
<p>Um halb sechs gehen wir fr&#252;hst&#252;cken. In dem kleinen Fr&#252;hst&#252;cksraum riecht es wie jeden Morgen nach irgendetwas Klebrigem mit Apfel und Zimt. Am Buffet stehen L&#228;ufer und laden Bagel auf ihre Plastikteller als g&#228;be es kein Morgen. Viele sind ungeheuer d&#252;nn angezogen, und ich fange sofort an, meine M&#252;tze zu suchen. Verstohlen schiele ich auf die Startnummern. Die mit den blauen Zahlen sind die schnellsten. Die mit den gr&#252;nen m&#252;ssen auf der Verrazano-Br&#252;cke unten laufen. Die orangenen sind die Langsamen. Ich habe orange. Alle m&#252;mmeln ihre Bagels und Muffins, als w&#228;re es ein ganz normaler Tag. Man gibt sich betont l&#228;ssig. Nur der ein oder andere Lacher ger&#228;t auff&#228;llig laut.</p>
<p>Um kurz vor sechs steigen wir in den Bus ein, den Interair f&#252;r uns bereitstellt. Der Reiseleiter ist aufgeregt. Werden alle p&#252;nktlich sein? Immer wieder vergisst ein Dussel seinen Chip und muss noch einmal zur&#252;ck in den 12. Stock. Wartezeit am und im Aufzug: 10 Minuten. Wir jedenfalls sitzen im Bus. Ich habe nicht verschlafen, bin warm angezogen und dr&#252;cke meinen riesigen L&#228;uferbeutel an mich. Der Chip ist da, die Sonnenbrille, die M&#252;tze, die Getr&#228;nke, der Fotoapparat – alles wird gut. Dies ist mein achter Marathon, aber alles ist eben etwas anders. Das kann einen schon mal ein bisschen kribbelig machen.</p>
<p>Der schwarze und l&#228;ssige Busfahrer l&#246;scht das Licht im Bus. Die M&#228;nner rufen „Whoo“, und die Frauen kichern wie Teenager. Der Busfahrer schnalzt mit der Zunge und brummt „Behave!“. Interair versorgt uns noch mit gelben Plastikwesten gegen die Morgenk&#228;lte am Fort Wadsworth, dem Milit&#228;rareal, wo uns der Bus wieder ausspucken wird und auf dem wir dem Lauf entgegenlagern – und los geht’s. Alle tun, so, als ob sie noch etwas d&#246;sen, was nahezu unm&#246;glich ist, wenn in beinahe menschenleeren Stra&#223;en die Sonne aufgeht. Menschen sieht man in der Tat kaum, daf&#252;r umso mehr Busse. Alle streben sie der Verrazano Br&#252;cke zu, als w&#228;re dahinter die Arche Noah zu erwarten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-198 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_bus" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_bus.jpg" alt="nyc_bus" width="350" height="263" /></p>
<p>Die Br&#252;cke wird um sieben gesperrt, das macht das Ganze spannender. Eine Reifenpanne sollte man jetzt nicht haben. Nat&#252;rlich haben wir keine (man wird doch mal unken d&#252;rfen!), der schwarze Busfahrer w&#252;nscht uns viel Gl&#252;ck und wir sind mit den anderen 38.700 L&#228;ufern allein. Damit wir uns nicht einsam f&#252;hlen, empfangen uns gleich am Bus einige Helfer. Es ist Sonntagmorgen, kurz vor sieben, und hier stehen Menschen in der K&#228;lte, die daf&#252;r nicht einmal bezahlt werden und machen f&#252;r uns die Welle.</p>
<p><img class="size-full wp-image-200 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_1.jpg" alt="nyc_fort_1" width="352" height="262" /></p>
<p>Sie w&#252;nschen uns Gl&#252;ck und einen sch&#246;nen Tag, sie fragen uns wo wir herkommen und wie wir hei&#223;en, sie bejubeln uns, noch bevor wir einen einzigen Laufschritt getan haben. Noch nie habe ich so fantastische Helfer gesehen. Bevor ich an unseren Wartezonen angekommen bin, bin ich den Tr&#228;nen nahe. Wo gibt’s denn sowas!</p>
<p><img class="size-full wp-image-201 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_2.jpg" alt="nyc_fort_2" width="352" height="262" /></p>
<p>Die orangefarbene Zone hei&#223;t „Grete Waitz-Area“ und wir freuen uns &#252;ber die W&#252;rdigung der schwerkranken L&#228;uferin, die neun Mal den New York Marathon gewonnen hat. Wir suchen uns einen Platz auf der Wiese, als w&#228;ren wir im Freibad und an Stelle der Handt&#252;cher breiten wir Plastikfolien, Zeitungen und Alukissen aus. Die besten Pl&#228;tze sind hier an der Sonne, und wir erhaschen einen davon. Was nun beginnt, ist eine Mischung aus Woodstock, Camping und der gr&#246;&#223;ten Altkleider-Modenschau der Welt. Die L&#228;ufer tragen M&#252;tzen, die Zwerg Nase zu peinlich w&#228;ren, Trainingsanz&#252;ge aus dem fr&#252;hen Terti&#228;r, Sweatshirts vom letzten John Denver Konzert und Skijacken aus der Zeit von Toni Sailer. Dazu sitzen sie auf Pappkartons und Folie und h&#252;steln ein bisschen vor sich hin. W&#252;rden wir nicht alle so aussehen, w&#252;rden wir uns gegenseitig bestimmt einen Dollar hinwerfen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-209 aligncenter" title="nyc_fort_zeitung" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_zeitung.jpg" alt="nyc_fort_zeitung" width="430" height="322" /></p>
<p>Nat&#252;rlich gibt es auch die Luxusvariante: ein offensichtlich verw&#246;hntes P&#228;rchen lagert auf einem 20 Zentimeter hohen aufblasbaren G&#228;ste-Doppelbett. Keine Ahnung, wo sie das sp&#228;ter lassen wollen. Viele rollen sich in alte Decken und Schlafs&#228;cke, Hartgesottene liegen ohne Unterlage flach auf der Erde, die Arme verschr&#228;nkt, die Kappe im Gesicht. So gilt es, drei Stunden zu &#252;berbr&#252;cken.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-211 aligncenter" title="nyc_fort_bagels_2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_bagels_2.jpg" alt="nyc_fort_bagels_2" width="437" height="321" /></p>
<p>Meine Gro&#223;eltern haben mir keinerlei warme Kleidung hinterlassen und so trage ich eine Steppjacke, die ich eigens f&#252;r diesen Zweck bei ebay erstanden habe. F&#252;r einen Euro, versteht sich. Eine Jacke kaufen, einmal tragen und dann wegwerfen – heute bin ich Paris Hilton f&#252;r einen Tag.</p>
<p>Ich gehe durch das Geraschel und Geknister der Folien die Lage peilen. Es gibt Bagel (schnell) und warmen Tee (mit Wartezeit). Die Toilettenlage erscheint gro&#223;z&#252;gig. Man kann sich noch einmal aus Vaseline-Bechern bedienen, die so gro&#223; sind wie ein Familienglas Nutella. </p>
<p><img class="size-full wp-image-212 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="nyc_fort_vaseline" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_fort_vaseline.jpg" alt="nyc_fort_vaseline" width="385" height="288" /></p>
<p>Und man kann sich noch einmal fotografieren lassen, jetzt, wo die Frisur noch sitzt. Die Gr&#246;&#223;e des Areals l&#228;sst den ganzen Wahnsinn der Logistik erahnen. Am Fotopoint treffen wir einen Freund (man kann sich hier sogar verabreden), und ich begebe mich wieder in die Clochard-Haltung auf der Plastikfolie. In dem gro&#223;en Zelt nebenan (wer will bei strahlendem Sonnenschein schon in ins Zelt) beginnt jemand in ein Mikro zu singen, der beim besten Willen nicht singen kann. Ich fl&#252;chte schnell zu den Dixie H&#228;uschen, die hier Portapotties genannt werden und fantasievolle Aufdrucke haben &#8211; „Royal Flush“, zum Beispiel. An dieser Stelle ein kleiner Tipp f&#252;r alle, die noch in New York laufen wollen: es gibt zwei verschiedene Sorten Toilettenh&#228;uschen. Die, an denen man sich gegenseitig die Lebensgeschichte erz&#228;hlt, Kochrezepte austauscht und den kompletten Text von „New York, New York“ rekonstruiert. Und die, in die man einfach hineingeht und pieselt. Die ersteren sind deutlich beliebter. Vor ihnen bilden sich lange Schlangen. Die anderen liegen etwas weiter weg im hinteren Teil des Areals. Dort steht kaum jemand. Man kommt schlecht ins Gespr&#228;ch, ist aber schnell erleichtert. Man muss eben Priorit&#228;ten setzen.</p>
<p><em> <div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><span style="color: #000000; font-style: italic;" title="Zum Schmittcast und zum New York H&#246;rspiel">Diesen Bericht gibt es auch als zweiteiliges H&#246;rspiel mit vielen Originalsounds <br />
aus New York </span><a style="font-family: Arial, sans-serif; font-style: normal; font-size: 100%; font-weight: normal; text-decoration: none; color: #c24844;" title="Zum Schmittcast und zum New York H&#246;rspiel" href="http://frauschmitt.podspot.de/" target="_blank"><span style="font-style: italic;">im Rahmen des Schmittcast Podcasts.</span></a></div></em></p>
<p>Als ich zur&#252;ckkomme, hat das Wesen am Mikro das Zelt beinahe leergesungen. Ich mache ein paar Fotos, und dann beginnt auch bald der Strip: vorsichtig entledigen wir uns testhalber der ersten Kleidungsst&#252;cke. Auch die Menschen um uns herum lassen g&#228;hnend ihre antiken Joggingbuxen fallen. Als reine &#220;bersprungshandlung bei&#223;en wir noch einmal leidenschaftslos in irgendetwas aus unserer T&#252;te, das essbar aussieht, und dann heben wir unser Lager auf.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-218 aligncenter" title="nyc+start+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+start+1.jpg" alt="nyc+start+1" width="426" height="319" /></p>
<p>Irgendwann muss ein L&#228;ufer tun, was ein L&#228;ufer tun muss: den Kleiderbeutel abgeben. Wir sind gelassen, schlie&#223;lich wissen wir genau, wo wir hin m&#252;ssen. Die folgende halbe Stunde entwickelt sich allerdings zum Desaster und ist der einzige schwarze Fleck auf der ansonsten bl&#252;tenwei&#223;en Weste der Organisation. Die nummerierten UPS-Wagen, die unsere Kleiderbeutel entgegen nehmen, stehen in einem teilweise eingez&#228;unten Areal. Zu viele L&#228;ufer kommen auf einmal dorthin und verstopfen Ein- und Ausgang. Niemand kommt mehr hinaus oder hinein. Wir stehen starr und hoffen. Hoffen, dass der Ordner am Zaun eine L&#246;sung findet, dass der aufkeimende Unmut nicht in Aggression umschl&#228;gt, dass niemand in der dichten Menge eine Panikattacke bekommt, dass die von hinten hinzukommende Menge die Lage begreift und nicht dr&#252;ckt. Gl&#252;cklicherweise sind L&#228;ufer Wunderwesen, die auch solche Situationen mit relativer Ruhe &#252;berstehen. Beutel werden &#252;ber den K&#246;pfen durchgegeben und wir finden ein Entkommen zwischen den engstehenden Wagen. Jetzt schnell noch eines der unkommunikativen Portapotties aufsuchen und ab in den Startblock.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; ">In Ruhe auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/New-York-City-Marathon-07.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div>
<p>Die Startzonen, sogenannte Corrals, sind nach Startnummern in tausender Schritten unterteilt. Wir schieben uns irgendwo zwischen die langsamsten der schnellen Frauen und die schnellsten der langsamen M&#228;nner. Ein 4:30 Pace-Luftballon weht &#252;ber unseren K&#246;pfen, das passt ungef&#228;hr. Wieder einmal befolgen einige L&#228;ufer die ber&#252;hmte Dummbatz-Regel: Entledige Dich Deiner alten Jogginghose erst, wenn Du in der Menge stehst und weder Platz noch Halt hast, um das ganze reibungslos zu tun. Darauf folgt unmittelbar die Dummbatz-Regel Nr. 2: Lass die ollen Klamotten dort liegen, wo Du stehst, damit sich nachfolgende L&#228;ufer sich darin verfangen und stolpern. W&#228;hrend wir langsam Richtung Br&#252;cke gef&#252;hrt werden, bemerken wir, wie beliebt die zweite Regel ist. Die Menge stapft wie St&#246;rche im Salat &#252;ber das Weggeworfene, um nicht daran h&#228;ngen zu bleiben.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-219 aligncenter" title="nyc+verazzano+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+1.jpg" alt="nyc+verazzano+1" width="435" height="326" /></p>
<p>Wir passieren ein Corral-Schild nach dem anderen, bis wir an F1-F100 vorbeikommen. Hier standen eben noch Catherine Ndereba und Paula Radcliffe. Die Br&#252;cke kommt immer n&#228;her und es wird alles immer unwirklicher. Pl&#246;tzlich tut es einen gro&#223;en Schlag – p&#252;nktlich erfolgt der Startschuss. Wir marschieren weiter, w&#228;hrend auf der Fahrbahn neben uns bereits gelaufen wird, die „Blauen“ sind schon unterwegs. Bald laufen auch wir, vorsichtig, feierlich und unsicher. Wo ist denn der Start? Von irgendwoher ert&#246;nt der unvermeidliche Sinatra und brennt sich zusammen mit der Sonne, der Br&#252;cke und der bunten auf und ab wippenden Menge f&#252;r immer ins Ged&#228;chtnis. „Da ist die Matte!“ rufe ich und wir lauschen mit feuchten Augen dem ersten Piepen der registrierten Chips. F&#252;r mich kommen jetzt ein paar Fotostops und ich verliere meinen Begleiter aus den Augen.</p>
<p><img class="size-full wp-image-220 alignnone" title="nyc+verazzano+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+2.jpg" alt="nyc+verazzano+2" width="260" height="350" /> <img class="alignnone size-full wp-image-226" title="nyc+verazzano+5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+51.jpg" alt="nyc+verazzano+5" width="260" height="350" /></p>
<p>Nachdem Sinatra au&#223;er H&#246;rweite ist, wird es seltsam still. Es wird deutlich weniger geplaudert als sonst auf dem ersten Kilometer.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-229" title="nyc+verazzano+3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+3.jpg" alt="nyc+verazzano+3" width="252" height="166" /> <img class="size-full wp-image-230 alignnone" title="nyc+verazzano+boat" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+verazzano+boat.jpg" alt="nyc+verazzano+boat" width="252" height="166" /></p>
<p>Als wir die Br&#252;cke verlassen, ist Schluss mit Stille. Brooklyn empf&#228;ngt uns mit der geballten Kraft ausgeschlafener Lungen. Die Zuschauer haben auf uns gewartet und wir auf sie – so freuen wir uns einander zu sehen. Wir begr&#252;&#223;en uns wie alte Bekannte. Nachdem ich langsam anfange zu begreifen, wo ich bin und was ich da gerade tue, habe ich Zeit f&#252;r ein ausgiebiges T-Shirt-Studium.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-234" title="nyc+rote+hose" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+rote+hose.jpg" alt="nyc+rote+hose" width="329" height="438" />In New York ohne Botschaft zu laufen ist beinahe unm&#246;glich. Die k&#252;rzeste Botschaft besteht im eigenen Namen, den man sich auf das T-Shirt malt oder pinnt. Die Message lautet: „Feuer mich an, br&#252;ll meinen Namen, das hilft mir.“ Varianten davon lauten z.B.: „Don’t let me stop!“ oder „Push me here“ (mit einer markierten Stelle auf dem R&#252;cken). Manche wollen noch ein bisschen mehr erz&#228;hlen wie „This is my very first marathon!“ oder „This is my father“ (mit einem Pfeil nach links). Dann gibt es nat&#252;rlich die Ranschmeisser mit den schlichten „I love NY“-Shirts oder etwa in der holprigen, patriotischen Version: „Moin, moin – Ostfriesland is greeting New York“. Nicht zu vergessen all diejenigen, die den Lauf jemandem widmen, oft einem verstorbenen Angeh&#246;rigen oder einfach den eigenen Kindern: „My Dad is watching me from the sky“ oder „I do this for Mia and Dennis“. Meistens gibt es auf diesen Shirts auch Fotos zu sehen, von lachenden Feuerwehrm&#228;nnern und schlecht belichteten Kindergesichtern beim Essen. Die h&#228;ufigsten Shirts sind allerdings die der zahlreichen Charity-Partner. Wer ein solches T-Shirt tr&#228;gt, hat in den letzten Monaten flei&#223;ig Geld gesammelt. Eine vorgegebene Mindestsumme garantiert einen Startplatz – f&#252;r Amerikaner neben der Qualifikation die einzige M&#246;glichkeit, ohne Lotteriegl&#252;ck dabei zu sein. Eine der gr&#246;&#223;ten Charity-Gruppen bildet „Fred’s Team“, benannt nach dem an Krebs verstorbenen Vater des NYC Marathon Fred Lebow. Mit dem Slogan „Imagine a world without cancer“ sammelt Fred’s Team f&#252;r ein Krebsforschungszentrum. Insgesamt kommen heute etwa 13 Millionen Dollar f&#252;r wohlt&#228;tige Zwecke zusammen – nur durch L&#228;ufer.</p>
<p>In Brooklyn zu laufen ist gro&#223;artig. Die Stra&#223;en sind breit, und &#252;berall stehen dunkelh&#228;utige Kinder, die abgeklatscht werden wollen. Manches Mal sind die H&#228;nde so klein, dass man sich b&#252;cken und sehr genau zielen muss, um sie zu treffen. Die H&#228;nde sind winzig, weich und vollkommen schlapp. Vor allem bei den Jungs wird jeder Treffer wie ein pers&#246;nlicher Triumph gefeiert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-235" title="nyc+brooklyn+kinder" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+kinder.jpg" alt="nyc+brooklyn+kinder" width="234" height="176" /> <img class="alignnone size-full wp-image-236" title="nyc+meile" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+meile.jpg" alt="nyc+meile" width="233" height="175" /></p>
<p>Auf der anderen Stra&#223;enseite laufen, etwas versetzt von uns, immer noch die schnellen Blauen. Sie haben einen gro&#223;en Vorteil: auf der rechten Seite stehen die meisten Bands. Sie sind ganz und gar unglaublich. Durchschnittlich alle 500 Meter steht eine Band. Damit ist nicht etwa eine Handvoll Sambatrommler gemeint, sondern oft eine Rocktruppe in bester Besetzung. Sie hei&#223;en Happy Anarchy, Superman’s Guest List oder Death by Choice. Sie sind laut und groovy. Der New York City Marathon ist ein riesengro&#223;es Openair-Konzert. Zwischen Meile 8 und 9, nachdem orange, gr&#252;n und blau vereint laufen (der erwartete Stau bleibt aus), komme ich an Bishop Loughlin High School’s marching band vorbei. Sie spielen den Titelsong von „Rocky“. Sie haben ihn auch schon f&#252;r Paula Radcliffe gespielt. Und f&#252;r Lance Armstrong. Sie spielen ihn auch f&#252;r RTL Anchorman Peter Kloeppel. F&#252;r die laufende Banane, f&#252;r den Schweizer, der in einem Schaumstoff-K&#228;se l&#228;uft, f&#252;r Chewbacca aus Star Wars, f&#252;r Katie Holmes und f&#252;r den Paddington B&#228;r. Sie spielen dieses eine St&#252;ck den ganzen Tag. Jedes Jahr, seit 30 Jahren. <a href="http://www.nytimes.com/2007/11/05/nyregion/05bands.html?_r=1&amp;oref=slogin" target="_blank">(Mehr &#252;ber die Bands beim NYC Marathon gibt&#8217;s hier)</a></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-241" title="nyc+kingkong" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+kingkong.jpg" alt="nyc+kingkong" width="257" height="341" /> <img class="alignnone size-full wp-image-242" title="nyc+brooklyn+veranda" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+veranda.jpg" alt="nyc+brooklyn+veranda" width="257" height="340" /></p>
<p>Vor mir laufen Menschen, die so aussehen, wie Pacemaker. „Pace Team“ steht auf ihrem R&#252;cken. Die Sache hat nur einen Haken: darunter steht bei dem einen 4:20, bei dem anderen 5:40. Hier stimmt etwas nicht. Mit detektivischem Sp&#252;rsinn finde ich heraus, dass es sich nicht um Pacemaker handelt, sondern um „Ich-w&#252;rde-gern-ungef&#228;hr- so-lange-brauchen-L&#228;ufer“. Jeder konnte sich auf der Marathon-Messe einen solchen Zettel mit einer beliebigen Zeit besorgen und sich auf den R&#252;cken pinnen. Es ist eine der vielen Ma&#223;nahmen, die hier die Kommunikation f&#246;rdern. Rein sportlich gesehen ist das ganze v&#246;llig nutzlos, da viele der L&#228;ufer offensichtlich keinen Schimmer haben, wie schnell sie eigentlich unterwegs sind. Macht nix. War ja gut gemeint. Apropos rein sportlich gesehen: ich merke schon jetzt, dass dies nicht mein Tag ist. Die Beine sind schwer und steif und ich kann sie deutlich sp&#252;ren, obwohl ich mich sehr langsam durch Brooklyn schiebe. Au&#223;erdem habe ich ungeheuren Durst. Es sind nicht einmal 15 Grad und ich trinke wie ein Pferd.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-245 aligncenter" title="nyc+brooklyn+wasser" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+wasser.jpg" alt="nyc+brooklyn+wasser" width="414" height="310" /></p>
<p>Mein mitgebrachtes Getr&#228;nk ist schon zu H&#228;lfte ausgetrunken und ganz gegen meine Planung trinke ich knallgr&#252;nes Gatorade und Wasser. Seltsam ist das mit dem Durst. Zur Erheiterung will mich der Stadtteil ein bisschen necken und zeigt mir den Stinkefinger in Form eines gro&#223;en Geb&#228;udes, auf das wir jetzt zulaufen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-246 aligncenter" title="nyc+brooklyn+finger" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+brooklyn+finger.jpg" alt="nyc+brooklyn+finger" width="324" height="431" /></p>
<p>In Williamsburg wird es merklich ruhiger. Nur wenige Zuschauer haben sich hier plaziert. Die Juden, die dieses Viertel bewohnen, scheinen am Marathon beinahe demonstrativ uninteressiert. Ich atme durch, falle ein wenig in mich und bemerke, dass meine Oberschenkel verd&#228;chtig ziehen. Und wir haben nicht einmal die H&#228;lfte erreicht. Ich bin verbl&#252;fft, so kenne ich mich gar nicht. Im letzten Teil von Brooklyn steppt wieder der B&#228;r, es wird gerufen, gejubelt und geklappert. Bei deutschen Marathons sind die hochgehaltenen Schilder oft an einen L&#228;ufer gerichtet, man liest „Dieter, Du schaffst es“ oder „Papa, Du bist der Gr&#246;&#223;te“. Hier sind die meisten Schilder f&#252;r alle gedacht. „Go, go, go!“ oder „You’re great, almost there“ findet man &#252;berall. Letzteres tats&#228;chlich noch vor der Halbmarathonmarke. Optimismus ist etwas Wunderbares.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-247 aligncenter" title="nyc+kind" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+kind.jpg" alt="nyc+kind" width="348" height="463" /></p>
<p>Bei Meile 13 halte ich nach der Interair-Fahne Ausschau. Hier soll jemand fotografieren. Ein guter Plan, wer wei&#223;, wie ich sp&#228;ter aussehe, wenn das so weiter geht. Aber ich verpeile die Fahne und konzentriere mich stattdessen auf den fantastischen Ausblick von der Pulaski-Bridge. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-248 aligncenter" title="nyc+pulaski+bridge+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+1.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+1" width="472" height="353" /></p>
<p>Es ist ein Jammer: im Zusammenhang mit dem NYC Marathon liest man &#252;ber die Br&#252;cken immer nur von H&#246;henmetern, Steigungen, Gehpausen und Kr&#228;mpfen. Aber selten wird dar&#252;ber berichtet, wie unglaublich sch&#246;n diese Br&#252;cken sind. Die sch&#246;nste von allen ist die Queensborough-Bridge, die man schon zwei Meilen zuvor sehen kann. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-249 aligncenter" title="nyc+pulaski+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+2.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+2" width="465" height="348" /></p>
<p>Sie ist einer der H&#246;hepunkte der Strecke. Lang und anstrengend und wenn man sie durchmessen hat, kann man sie noch einmal von unten betrachten. Dank der schmerzhaften Muskelverspannung in den Oberschenkeln wird mir die Br&#252;cke zum Freund. Bergauflaufen tut mir gut, der Aufprall erscheint nicht so hart. </p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-250" title="nyc+welcome" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+welcome.jpg" alt="nyc+welcome" width="246" height="186" /> <img class="alignnone size-full wp-image-251" title="nyc+pulaski+bridge+3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pulaski+bridge+3.jpg" alt="nyc+pulaski+bridge+3" width="216" height="186" /></p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-252 aligncenter" title="nyc+queensborough+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+queensborough+bridge.jpg" alt="nyc+queensborough+bridge" width="468" height="350" /></p>
<p>Nach der Queensborough-Bridge sind wir in Manhattan. An Queens habe ich kaum besondere Erinnerungen. Au&#223;er, dass ich mich mit einer jungen Dame beinahe um ein Portapottie pr&#252;gelte. Sie gewann und ich zog zur n&#228;chsten Meile. Anstehen bei einem Marathon ist bl&#246;de aber unvermeidlich, wenn man als Gatoradeflasche auf zwei Beinen unterwegs ist. Aber zur&#252;ck (bzw. vor) zu Manhattan. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-255 aligncenter" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="nyc+first+1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+first+1.jpg" alt="nyc+first+1" width="420" height="314" /></p>
<p>Vier Meilen stracks geradeaus sind nicht jedermanns Sache. Wenn man allerdings wie ich den „Is jetzt auch egal“-Status schon bei Kilometer 28 erreicht (sonst fr&#252;hestens bei km 38), dann ist das jetzt auch egal. Die First Avenue ist lustig. Man schaut nach rechts (und es jubelt), dann schaut man nach links (und es jubelt auch). Ich f&#252;hle mich ein bisschen wie der Papst. Ich h&#228;tte auch &#252;berhaupt nichts dagegen, jetzt in einem gl&#228;sernen Auto gefahren zu werden, denn die Beine schmerzen mehr und mehr. Au&#223;erdem m&#252;sste ich dann diesen seltsamen Geruch nicht mehr einatmen, der seit einer Weile &#252;ber der Stadt h&#228;ngt. Was ist das blo&#223;? Anfangs dachte ich, es w&#228;re die Chemie aus den Toilettenh&#228;uschen. Aber die k&#246;nnte unm&#246;glich so nachhaltig sein. Es riecht chemisch, ein bisschen s&#252;&#223;, ein bisschen minzig. Bald habe ich eine Salbe in Verdacht. Die medizinische Versorgung ist gro&#223;artig, nach jeder Wasserstation kann man Vaseline nachlegen, Pillen einwerfen, sich mit Eisbeuteln schockfrosten und Salbe schmieren. Da die Strecke praktisch eine einzige Wasserstation ist, gibt es auch &#252;berall Salbe. Obwohl sich meine Beine am Ende der First Avenue bereits anf&#252;hlen wie Bohrt&#252;rme, komme ich nicht auf die Idee, mich an einer der Stationen versorgen zu lassen. Ich habe keine Ahnung, was mir helfen k&#246;nnte, au&#223;erdem habe ich Angst, es k&#246;nnte dadurch schlimmer werden (es wurde schlimmer, ganz ohne Salbe und Eis). </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-256 aligncenter" title="nyc+medical" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+medical.jpg" alt="nyc+medical" width="465" height="349" /></p>
<p>Also mache ich einfach ein Foto von der Medizinstation. Wenn Paula an ein Titanhalsband glaubt <a href="http://www.phiten.de/" target="_blank">(phiten)</a>, kann ich ja wohl auch daran glauben, dass mir das Foto einer Salbe helfen wird. Und weiter geht’s.</p>
<p>Die Willis Ave. Bridge (auch sch&#246;n) f&#252;hrt hinein in die Bronx. Sie ist mit einem gelben Teppich ausgelegt, um das harte Gitter etwas zu mildern. Der gelbe Teppich sieht mit der grauen Br&#252;cke hervorragend aus. Man sollte ihn liegen lassen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-257 aligncenter" title="nyc+willis+av+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+willis+av+bridge.jpg" alt="nyc+willis+av+bridge" width="460" height="345" /></p>
<p>Am Ende der Br&#252;cke erwarten uns Dudelsackpfeifer. Ein Musiker tr&#228;gt Laufschuhe zum Schottenrock. Solidarit&#228;t, wohin man schaut. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-259 aligncenter" title="nyc+willis+av+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+willis+av+bridge+2.jpg" alt="nyc+willis+av+bridge+2" width="460" height="344" /></p>
<p>Es ist still geworden im Feld. Wir sind jetzt etwa bei Kilometer 32 und auf dem Weg durch die Bronx. Die Zuschauer hier scheinen noch herzlicher und engagierter als andere. Kinderh&#228;nde strecken uns drei Bonbons hin, manche Anfeurer haben etwas Schokolade kleingeschnitten und halten uns den Teller entgegen. Wie schon in Brooklyn gibt es auch hier Frauen, die T&#252;cher von einer K&#252;chenrolle abrei&#223;en, um sie den L&#228;ufern hinzuhalten. Tats&#228;chlich ist es angenehm, einmal zu schneuzen oder die verklebte Stirn zu wischen. Die T&#252;cher werden dankbar angenommen. Nie habe ich das in Deutschland gesehen. Hier gibt jeder, was er kann, mindestens ein herzhaftes „You’re looking good!“. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-260 aligncenter" title="nyc+bronx" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+bronx.jpg" alt="nyc+bronx" width="466" height="348" /></p>
<p>Fast bedaure ich, dass wir die Bronx verlassen, aber so langsam nach Hause kommen, das w&#228;re mir schon auch recht. Ich dachte, durch meine Fotopausen w&#252;rde ich zwischen 4:20 und 4:30 brauchen, aber das ist l&#228;ngst nicht mehr m&#246;glich. Vor meinem inneren Auge sieht mein rechter Oberschenkel unter der Haut aus wie ein B&#252;ndel gerissener Gitarrenseiten. Es tut ungeheuer weh. Ich kann die Beine kaum heben, schleiche immer wieder auf Zehenspitzen. Mein Tempo ist f&#252;r meine Verh&#228;ltnisse inzwischen grotesk langsam. Den Abschnitt zwischen km 30 und 35 laufe ich in 41 Minuten. Meine einzige Erkl&#228;rung ist, dass ich in den letzten zwei Wochen viel zu wenig schlief und die letzten Tage in New York kaum geeignet waren, sich auszuruhen. Trainiert bin ich bestens, noch vor drei Wochen lief ich meine pers&#246;nliche Halbmarathon-Bestzeit. Sei’s drum – der Marathon ist und bleibt ein Abenteuer. Meine gute Grundkondition verhindert zwar nicht die Schmerzen, hilft mir aber jede Steigung ohne Probleme zu nehmen. Dann muss es eben langsam gehen. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-261 aligncenter" title="nyc+madison+av+bridge" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+madison+av+bridge.jpg" alt="nyc+madison+av+bridge" width="439" height="329" /></p>
<p>Die Madison Ave. Bridge (sagte ich schon, dass die Br&#252;cken hier sch&#246;n sind?) ist die letzte Br&#252;cke hinein nach Manhattan.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-262 aligncenter" title="nyc+madison+av+bridge+2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+madison+av+bridge+2.jpg" alt="nyc+madison+av+bridge+2" width="446" height="333" /></p>
<p>Gleich zu Beginn, in Harlem, treten zwei Rapper auf, die so gut sind, dass ich kurz stehenbleiben muss (die „Is jetzt auch egal-Phase dauert an). Ich mag gar keine Rap-Musik, aber das ist wirklich gro&#223;artig. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-263 aligncenter" title="nyc+rapper+harlem" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+rapper+harlem.jpg" alt="nyc+rapper+harlem" width="449" height="335" /></p>
<p>Und weiter geht’s. Der Central Park ruft schlie&#223;lich. Noch immer sind die Stra&#223;en &#252;bers&#228;t mit Handschuhen. Auf den ersten Kilometern dachte ich: Bald werden doch wohl alle ihre Handschuhe weggeworfen haben. Aber es h&#246;rt nie auf. Wei&#223;er Handschuh, schwarzer Handschuh, noch ein schwarzer Handschuh, wieder ein wei&#223;er Handschuh. Sogar die ganz neuen „Five Borough“-Handschuhe von der Marathonmesse sind dabei. Schade drum, die waren sch&#246;n. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-264 aligncenter" title="Nyc+Handschuhe" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/Nyc+Handschuhe.jpg" alt="Nyc+Handschuhe" width="438" height="327" /></p>
<p>So schleiche ich von Handschuh zu Handschuh, w&#228;hrend an der Seite immer noch Menschen glauben, ich sei der Papst. „Almost there!“ Donnerwetter, jetzt stimmt es ja sogar! Es ist toll, hier zu laufen. Bergauf ist eine gro&#223;e Erleichterung und bergab gehe ich einfach ein paar Schritte. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-265 aligncenter" title="nyc+fith+central+park" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+fith+central+park.jpg" alt="nyc+fith+central+park" width="439" height="328" /></p>
<p>Es wird immer gr&#252;ner um uns herum und ein paar Verwegene ziehen das Tempo an. Ach, w&#252;rde es doch noch l&#228;nger dauern. Ach, w&#228;re es doch schon zu Ende. K&#246;rper und Geist sind sich wieder einmal nicht einig. 800 Yards to go. Sagt ein Schild. Wieviel um alles in der Welt sind 800 Yards? Sie machen es einem auch nicht einfach, diese Amerikaner. </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-485 aligncenter" title="nyc_central_park_option" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2007/11/nyc_central_park_option.jpg" alt="nyc_central_park_option" width="439" height="329" /></p>
<p>Um mich herum jubelts und kreischts. Jetzt f&#252;hle ich mich ein bisschen wie Tokio Hotel. Sie machen’s einem ganz sch&#246;n einfach, diese Amerikaner. Almost there! 200 Yards. Es stehen schon Flaggen zwischen den Zuschauern. Ich tue so, als k&#246;nnte ich noch laufen und laufe einfach ins Ziel. Klar heule ich ein bisschen, ich heule immer im Marathonziel. Dieses Mal heule ich vielleicht ein klitzekleines bisschen mehr. 4:57 – wie kann ich nur so langsam gewesen sein? Diese Medaille war wirklich hart erk&#228;mpft. Gleich kann man ein Foto machen lassen, damit man seine Frisur mit der auf dem Foto vor f&#252;nf Stunden vergleichen kann.</p>
<p>Dann geht alles wie auf einem sehr langsamen Flie&#223;band. Wir bekommen eine Folie gegen die Ausk&#252;hlung und einen bleischweren Picknickbeutel mit Wasser, Gatorade, einem Riegel und einem echten Macintosh Apfel (die Sorte hei&#223;t wirklich so). </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-266 aligncenter" title="nyc+folien" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+folien.jpg" alt="nyc+folien" width="451" height="338" /></p>
<p>Auf einmal ist alles still. Jemand hat den Knopf gedr&#252;ckt. Niemand br&#252;llt und rasselt mehr. Eine silbern glitzernde Karawane schiebt sich durch den Park. Ein paar Handys werden gez&#252;ckt, aber die Gespr&#228;che sind leise. Ich setze mich kurz auf einen Randstein.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-267 aligncenter" title="nyc_Ziel" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc_Ziel.jpg" alt="nyc_Ziel" width="454" height="340" /></p>
<p>Sofort sind Helfer zur Stelle um darauf zu achten, dass niemand von uns umkippt. Manche tun es trotzdem. Ich wuchte mich wieder hoch, zu gro&#223; ist die Sehnsucht nach trockener Kleidung. Die Sonne ist inzwischen verschwunden und ich mag nicht frieren. Siebenundsiebzig UPS Wagen stehen im Park, meiner ist die Nummer 56. Langsam zieht die Karawane. Kaum habe ich trockene Sachen an, geht es mir ausgezeichnet.</p>
<p>Ich bin in New York.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-268 aligncenter" title="nyc+pancake" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/08/nyc+pancake.jpg" alt="nyc+pancake" width="461" height="346" /></p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Die Strecke des NYC Marathon als PDF gibt es <a href="http://www.nycmarathon.org/documents/coursemap.pdf" target="_blank">hier.</a></em></div>
<p><em><br />
</em></p>

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		<title>Ganz sch&#246;n sch&#246;n: der Marathon im Weiltal.</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2007 13:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Weiltalweg]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[Marathonl&#228;ufe und Urlaubsreisen haben eines gemeinsam: man sollte sie nicht verschlafen. F&#252;r beide stelle ich mir deshalb nicht nur einen Wecker, sondern mehrere. Heute morgen meldet sich allerdings eine Uhr, die ich gar nicht gestellt habe: die Innere. Ein bisschen aufgeregt ist man eben immer und so wache ich p&#252;nktlich gegen 5:30 Uhr auf. Ich will den Landschaftsmarathon im Weiltal laufen und das verspricht h&#252;bsch zu werden.  (...)]]></description>
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<h2>Der Weiltalweg-Landschaftsmarathon (2007).</h2>
<p>Marathonl&#228;ufe und Urlaubsreisen haben eines gemeinsam: man sollte sie nicht verschlafen. F&#252;r beide stelle ich mir deshalb nicht nur einen Wecker, sondern mehrere. Heute morgen meldet sich allerdings eine Uhr, die ich gar nicht gestellt habe: die Innere. Ein bisschen aufgeregt ist man eben immer und so wache ich p&#252;nktlich gegen 5:30 Uhr auf. Ich will den Landschaftsmarathon im Weiltal laufen und das verspricht h&#252;bsch zu werden.   </p>
<p>Der Weiltalmarathon startet in Schmitten Arnoldshain und landet in Weilburg. Dazwischen liegen ein paar kleine Ortschaften, in denen vereinzelte Menschen mit vereinzelten Instrumenten Stimmung machen. Der Rest ist Wiese, Wald, Pferd, Huhn  und Berg – kurz: der Naturpark Hochtaunus.   </p>
<p>Bevor man starten darf, muss man ein paar Herausforderungen annehmen. Die erste ist die Busfahrt vom Ziel zum Start. In Arnoldshain sind die Parkpl&#228;tze n&#228;mlich rar und obendrein ist man ja irgendwann hoffentlich in Weilburg und m&#246;chte nur ungern wieder nach Arnoldshain zur&#252;cklaufen, nur weil dort das Auto steht. Deshalb also die Busfahrt. Wir setzen uns in das beinahe noch leere Gef&#228;hrt und sehen den einsteigenden L&#228;ufern entgegen. Das sind zumeist Herren in den besten Jahren, in deren Gesichtern man noch das Muster der Bettw&#228;sche erahnen kann. Ersteres liegt daran, dass ein profilierter Landschaftsmarathon eher altgedienten Vereinsl&#228;ufern zusagt als Eventjoggern, letzteres erkl&#228;rt sich durch die unchristliche Uhrzeit. Was ein richtiger Weiltal-L&#228;ufer werden will, der verschwendet keine Zeit mit d&#252;nnbuttrigem Honigtoast – die Jungs, die gerade den Bus betreten haben, packen lieber ein ordentliches Leberwurstbr&#246;tchen aus. Schnell wird es warm und gem&#252;tlich.   </p>
<p>Hinter uns sitzen eine Dame und ein Herr nebeneinander, die sich nicht kennen. So passiert das Unausweichliche: die halbe Stunde Fahrt wird genutzt, um die l&#228;uferische Lebensgeschichte gegenseitig investigativ zu durchleuchten. W&#228;hrend wir auf der langen Landstra&#223;e durchgesch&#252;ttelt werden und dabei immer wieder unsere Laufstrecke einsehen k&#246;nnen, blubbern Gewichtsverluste, schlecht organisierte L&#228;ufe (nie wieder Wetzlar!), laufende Vorfahren und f&#252;nf Knie-OPs an unseren schutzlosen Ohren vorbei. Ich beschlie&#223;e, gelegentlich Herbert Steffny anzusprechen, ob er nicht ein gutes Trainingsprogramm kennt, mit dem man sich ordentlich auf solche Gespr&#228;che vor- bereiten kann. Die Dame hinter mir ist jedenfalls gl&#228;nzend trainiert und berichtet, heute endlich mit ihrem Vater laufen zu wollen. Bevor sie n&#228;heres &#252;ber ihre Mutter erz&#228;hlen kann, sind wir zum Gl&#252;ck an Ort und Stelle.  </p>
<p>Bei unseren Startunterlagen findet sich ein riesengro&#223;er schwarzer M&#252;llsack. Dort hinein stopfen wir die Kleidung, in der wir ein paar Stunden sp&#228;ter heldenhaft herumsitzen wollen. Die S&#228;cke werden mit Aufklebern versehen und zum Ziel zur&#252;ckgebracht. In einer kleinen Sporthalle pr&#228;parieren wir uns zuvor. Ich will heute ein bisschen experimentieren und so nehme ich den Fotoapparat mit und gro&#223;artige Dinge aus dem Labor von Dr. Feil: zwei Fl&#228;schchen Ultra Buffer und einen Gel Chip, wegen seiner eigenwilligen Konsistenz auch „Frosch“ genannt. Au&#223;erdem laufe ich heute den ersten langen Lauf mit Sonnbrille. Noch sind es etwa 10 Grad, bis zur Zielankunft werden es 24 Grad sein.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-963" title="Weiltal-halle" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-halle.jpg" alt="Weiltal-halle" width="257" height="193" /> <img class="alignnone size-full wp-image-964" title="Weiltal-gebabbelt" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-gebabbelt-258x194-custom.jpg" alt="Weiltal-gebabbelt" width="258" height="194" /></p>
<p>Auf dem Weg zum Start entdecken wir eine Kanone und die dazugeh&#246;rigen Sch&#252;tzen in stolzer Uniform. Wir werden also w&#252;rdig auf die Strecke geschickt. Bevor es losgehen kann treffen wir J&#246;rg und Markus. W&#228;hrend wir die beschauliche Gegend loben und L&#228;uferoutfits vergleichen, unterscheidet Markus im wesentlichen helldunkel, mitteldunkel und dunkeldunkel. Markus geh&#246;rt zur Kategorie der nichtsehenden L&#228;ufer. J&#246;rg ist sein Guide, der &#252;ber ein Band am Handgelenk mit ihm verbunden ist. Die beiden wollen so schnell laufen wie wir und so bleiben wir beieinander. Meine Aufregung ist inzwischen v&#246;llig verflogen. Alles f&#252;hlt sich nach einem ganz normalen Sonntagmorgenvolkslauf an. Nur das Warten dauert etwas l&#228;nger. Man munkelt, ein letzter Bus sei noch unterwegs und der Start verschiebt sich um etwa eine Viertelstunde. Jetzt sehen wir auch die Dame aus unserem Bus wieder. Von ihrem Vater zeigt sich allerdings keine Spur. Dann knallt die Kanone endlich und die Herren vom Sch&#252;tzenverein machen keine Gefangenen: es klingt, als h&#228;tten sie versucht, den Ort in Schutt und Asche zu legen. Wir tappeln los.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-965" title="Weiltal-kanone" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-kanone.jpg" alt="Weiltal-kanone" width="247" height="185" /> <img class="alignnone size-full wp-image-966" title="Weiltal-kanone2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-kanone2-246x185-custom.jpg" alt="Weiltal-kanone2" width="246" height="185" /></p>
<p>In den letzten Tagen habe ich viel &#252;ber die Strecke gelesen. Bei der Premiere 2003 soll es 20% Aussteiger gegeben haben. Ich bin gewarnt. Zudem habe ich versucht, das H&#246;henprofil auswendig zu lernen, das ein bisschen aussieht wie ein Aktienkurs – Tendenz fallend, aber mit starken Schwankungen. Der erste und gleichzeitig der dickste Anstieg kommt schon bei Kilometer 5,5. Bei Kilometer 7 ist dann aber schon alles vorbei und wir werden wieder nach unten katapultiert. Das Bremsen im starken Gef&#228;lle ist unangenehm, aber darauf waren wir vorbereitet. Die Herren pieseln im Kollektiv und ich fotografiere r&#252;cksichtsvoll an ihnen vorbei.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-967 aligncenter" title="Weiltalwald" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalwald.jpg" alt="Weiltalwald" width="298" height="398" /></p>
<p>Weiter geht es im angenehmen 6er Schnitt. Bei Kilometer 11 der n&#228;chste Anstieg und das n&#228;chste Gef&#228;lle. Die ersten 10 Kilometer sind verflogen als w&#228;ren wir auf einem Spaziergang. Das Wetter ist perfekt, noch ist es nicht zu warm, die Sonne scheint am knallblauen Himmel – L&#228;uferparadies. J&#246;rg beschreibt Markus nicht vorhandene leicht- bekleidete Damen, Markus sagt: es lebe die Phantasie und so witzeln wir uns zu viert &#252;ber Wege, die uns vorkommen, wie ein roter Teppich. Das L&#228;uferfeld hat sich rasch auseinandergezogen, man hat gen&#252;gend Platz zum Laufen. Asphalt wechselt mit teils steinigen, teils weichen Feldwegen. Manchmal staubt es ein wenig und dann knirscht es zwischen den Z&#228;hnen, aber das ist nicht weiter schlimm.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-968 aligncenter" title="Weiltal-drei" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-drei.jpg" alt="Weiltal-drei" width="372" height="279" /></p>
<p>Die Verpflegung ist prima. Alle f&#252;nf Kilometer gibt es Wasser und Apfelschorle, sp&#228;ter auch Bananen. Ich brauche nur Wasser, schlie&#223;lich nehme ich ab und zu auch noch einen Schluck von meinem Wundergetr&#228;nk. Die Bewohner der Ortschaften, durch die   wir kommen, haben es sich an der Stra&#223;e bequem gemacht. Man sitzt beim Bembel   oder beim Sonntagsfr&#252;hst&#252;ck und schaut – zwar nicht frenetisch – aber freundlich den L&#228;ufern zu. Es gibt hier kein Gegr&#246;le und Gehupe, keine Sambatrommler und nur selten ein Transparent. Es ist eine ruhige Freundlichkeit, die uns empf&#228;ngt und die perfekt zur beschaulichen geschwungenen Landschaft passt. Einzige Ausnahme sind schepprige Boxen, die uns pl&#246;tzlich „Football is coming home“ entgegendonnern. Aber diese Sport- artenverirrung hat nat&#252;rlich auch seinen Reiz. Ansonsten kommen die lautesten Ger&#228;u- sche von den Motorr&#228;dern, die das Weiltal bei sch&#246;nem Wetter fest in ihrer Hand haben. Das Motorradcafé Waltraud, an dem wir jetzt vorbeilaufen, trotzt allerdings dem Klima- wandel und &#246;ffnet erst ab 1. Mai – hier ist noch alles still. Trotzdem hat man – ebenso still – ein Transparent aufgestellt: Das Café Waltraud w&#252;nscht allen L&#228;ufern viel Erfolg. Daneben vertreten sich ein paar H&#252;hner ein wenig die Krallen.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-969 aligncenter" title="Weiltal-rod" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-rod.jpg" alt="Weiltal-rod" width="312" height="247" /></p>
<p>Vor uns torkelt ein Fahrrad dessen Fahrer ein „4:00 Stunden“ Transparent tr&#228;gt. Wir sehen auf die Uhr und sch&#252;tteln die K&#246;pfe. Vielleicht sollte der Vier-Stunden-Fahrrad- fahrer sich an einem Vier-Stunden-L&#228;ufer orientieren. Bei uns ist er jedenfalls v&#246;llig falsch. Wir laufen artig unseren 6er Schnitt, anfangs ein bisschen drunter, sp&#228;ter wegen der ausgiebigen Getr&#228;nkepausen ein bisschen dr&#252;ber. Sp&#228;ter ruft uns ein Bekannter vom Fahrrad aus zu, wir w&#228;ren „Drei Minuten hinter dem 4-Stunden Fahrrad“. Welcher Garmin k&#246;nnte je so eine wunderbare Zeitangabe machen? Leider will nicht jeder Weiltall&#228;ufer auf Technik verzichten und so treffen wir irgendwann einen Herrn, der im Wald eine wahre Piepsshow veranstaltet. Sein Pulsmesser klingt, als k&#246;nnte er jeden Augenblick explodieren. Ich frage ihn, ob das Ding auch einen Ausknopf hat. „Wei&#223; isch net, den hab isch geliehe.“ Sagt der Herr und ich bin mir nicht sicher, ob er von mir oder seiner Herz-Lungen-Maschine genervt ist. „Isch h&#246;r des net mehr“ sagt er daraufhin und ich kann nur „Haben sie’s gut“ antworten. Aber weil alles flie&#223;t, schwimmen wir einfach mit der Zeit aus seiner H&#246;rweite und alles ist gut.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-970" title="Weiltal-weg" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-weg.jpg" alt="Weiltal-weg" width="248" height="186" /> <img class="alignnone size-full wp-image-971" title="Weiltal-weg2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltal-weg2-248x186-custom.jpg" alt="Weiltal-weg2" width="248" height="186" /></p>
<p>Ab und zu gebe ich – wegen meiner exzellenten Kenntnis des H&#246;henprofils – eine Weissagung ab. Doch immer wenn ich sage „jetzt geht’s gleich bergab“ geht es bergauf und umgekehrt. Ach, egal. Es geht auf km 30 zu, viel Steigungen kann es jetzt nicht mehr geben. Ich f&#252;hle mich gut und laufe ein wenig voraus. So habe ich immer das Gef&#252;hl, mein Tempo selbst zu kontrollieren, auch wenn wir alle das selbe laufen. Vor uns ist nicht viel los, wir laufen in ein regelrechtes Loch. In einem der Orte wissen wir pl&#246;tzlich nicht mehr, wo es langgeht. Es gibt Stra&#223;en, aber keinen Ordner. Jetzt beginnt langsam die Phase, wo ich ins Gr&#252;beln k&#228;me, w&#252;rde man mich nach Name und Adresse fragen. Ab jetzt bin ich nicht mehr in der Lage, nach Ordnern zu suchen. Zum Gl&#252;ck leuchtet aber dann doch irgendwo eine neongelbe Weste auf und wir laufen wie die Hamster im Versuchslabor in ihre Richtung. Etwas sp&#228;ter wird unsere kleine Gruppe gesprengt. Einer der Jungs versp&#252;rt ein menschliches Bed&#252;rfnis, mein Trainingspartner und ich laufen alleine weiter. An einer weiteren Kreuzung stehen ein paar Polizisten, die gerne h&#228;tten, dass wir in eine bestimmte Richtung laufen. Ich kann aber &#252;berhaupt nicht erkennen, in welche. Kopfwedeln kann ich jetzt nicht mehr deuten. Zu mehr sind meine Freunde und Helfer aber nicht bereit, obwohl wir „wohin?“ rufen. Schlie&#223;lich finden wir den Weg doch, merken an dem kleinen Zwischenfall aber, dass unser Kopf m&#252;de wird.   </p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Ausdrucken und aufheben? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalweg07.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Immer mehr L&#228;ufer gehen jetzt, B&#228;ume werden zu Dehn- stationen, im schlimmsten Fall m&#252;ssen sie Halt bieten, wenn sich jemand &#252;bergeben muss. Es ist warm geworden in der letzten Stunde und die Steigungen und Gef&#228;lle – einzeln ziemlich harmlos – haben sich summiert. Bei mir sind es die Oberschenkelmuskeln, die langsam hart werden und ziepen. Irgendwann l&#228;uft vor uns die Dame aus dem Bus mit ohne Vater. Ich gebe es zu: es tut gut, sie zu &#252;berholen. Bei Kilometer 30 habe ich den Frosch in den Backentaschen abgelegt. Inzwischen ist er verschwunden und ich bilde mir ein, dass mir der Zucker gut tut. Zumindest f&#228;llt es mir nicht allzu schwer, das Tempo zu halten. Nach wie vor sind wir in unserem Plan f&#252;r 4:12/13. Die Strecke ist immer noch sch&#246;n, aber nicht mehr so paradiesisch wie vorher. Es geht jetzt geradeaus, die eleganten Schw&#252;nge der Wege, der Reiz durch den Wechsel von Wald, Ortschaft und Wiese, von Berg und Tal ist ver- schwunden. Daf&#252;r geht es flach voran. Auf meinem Ausdruck des H&#246;henprofils sah es aus, als w&#252;rde es jetzt sp&#252;rbar bergab gehen, aber ich bin heilfroh, dass es nicht so ist. Mehr Aufprall w&#252;rden meine Oberschenkel gar nicht m&#246;gen.</p>
<p>Bei den Wasserstellen werden wir jetzt immer gieriger. Meine Lippen sind trocken und ich f&#252;hle mich sehr verkrustet. Ich laufe weiter. Ich hatte in diesem Jahr schon ein paar Volksl&#228;ufe, um meine Moral zu trainieren. Das klappt bei mir zum Ende hin eigentlich ganz gut: ich qu&#228;l mich, ich Sau. Ich laufe und laufe und bemerke irgendwann, dass die Schritte hinter mir leiser werden. Mein Trainingspartner plagt sich mit Kr&#228;mpfen. Ich denke, der kommt schon wieder oder was man eben so denkt, wenn das Gehirn allenfalls beste Puddingqualit&#228;ten hat. Bei einem winzigen Anstieg z&#228;hle ich die L&#228;ufer in meinem Blickfeld. Es sind zw&#246;lf St&#252;ck. Kein einziger l&#228;uft, alle gehen, bis auf zwei, die stehen und dehnen. Das kann doch gar nicht sein. Was ist denn los? Sollte ich auch besser gehen? Bei km 39? Unfug! Jetzt laufen wir nach Hause! Die letzten beiden Kilometer sind z&#228;h. Die Oberschenkel zicken herum und ich muss ein bisschen drosseln. Ich laufe so schnell, wie es eben geht. Mir ist ein bisschen &#252;bel, aber nur ein bisschen. Niemand &#252;berholt mich, ich &#252;berhole dauernd. Es f&#252;hlt sich aber nicht besonders triumphal an. Das Ziel, das Ziel, Mensch, wo ist das bl&#246;de Ziel? Warum sieht man denn noch nichts? Ah, da sind Menschen, das sieht gut aus. Es kann nicht mehr weit sein. Beinahe h&#228;tte ich das Ziel &#252;bersehen. Aber nur beinahe. Ich f&#252;hle mich ein wenig wie die Bahn &#8211; planm&#228;&#223;ige Ankunft nach 4:13:24. Irgendetwas, was ich nicht unter Kontrolle habe, macht mich froh, so froh, dass mir die Tr&#228;nen kommen. Im Ziel gibt es eine sch&#246;ne Medaille und „Silvretta sport“ mit Grapefruit-Geschmack &#8211; selten habe ich etwas Gro&#223;artigeres getrunken. Auch der Rasen, in den wir unsere Bleik&#246;rper ablassen, ist gro&#223;artig. Ich will nur noch sein. Und dann will ich wieder nur noch trinken. Und dann wieder sein.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-972" title="Weiltalmedaille" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Weiltalmedaille.jpg" alt="Weiltalmedaille" width="330" height="335" /></p>
<p>Sp&#228;ter folgen wir unserer Volkslauftradition: es gibt Kaffee und Kuchen. Nur das Radler, mit dem wir danach ansto&#223;en, w&#252;rde Eingeweihten verraten, dass wir soeben einen Marathon gelaufen sind.</p>
<p> </p>
<div class='stb-grey_box' ><em>Mehr &#252;ber den Marathon im Weiltal gibt&#8217;s unter: </em><a style="font-family: Arial, sans-serif; font-style: normal; font-size: 100%; font-weight: normal; text-decoration: none; color: #c24844;" href="http://www.weiltalweg-landschaftsmarathon.de/" target="_blank"><em>www.weiltalweg-landschaftsmarathon.de</em></a></div>
<p> </p>
<h4>Weiltalweg?</h4>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" border="0">
<tr>
<td><iframe src="http://www.map-generator.net/extmap.php?name=Weiltalweg&amp;address=Schmitten%20Arnoldshain&amp;width=500&amp;height=400&amp;maptype=map&amp;zoom=10&amp;hl=de&amp;t=1255979511" width="500" height="400" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</table>
<p><!-- Do not change code! --></p>

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		<item>
		<title>Von Marschtabellen, Moderatoren und B&#246;llersch&#252;tzen.</title>
		<link>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/muenchen-marathon/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2005 13:26:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[City]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer beim 6. Medien Marathon in M&#252;nchen antritt, muss auf eines verzichten: die Medien. W&#228;hrend Herbert Steffny sonst beinahe jeden gro&#223;en Marathon in Deutschland mit unersch&#252;tterlicher Begeisterung zu kommentieren versucht, w&#228;hrend ihm wechselnde Moderatoren dabei das Wort abschneiden, schweigen die TV-Medien beim M&#252;nchen Marathon ganz. (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<h2>Der Medien Marathon in M&#252;nchen (2005)</h2>
<p>Wer beim 6. Medien Marathon in M&#252;nchen antritt, muss auf eines verzichten: die Medien. W&#228;hrend Herbert Steffny sonst beinahe jeden gro&#223;en Marathon in Deutschland mit unersch&#252;tterlicher Begeisterung zu kommentieren versucht, w&#228;hrend ihm wechselnde Moderatoren dabei das Wort abschneiden, schweigen die TV-Medien beim M&#252;nchen Marathon ganz.</p>
<p>Ich will aber mal nicht so sein und starte trotzdem in M&#252;nchen. Kurz nach dem Start, wei&#223; ich auch warum. F&#252;r den Startschuss sorgt n&#228;mlich die B&#246;llersch&#252;tzenkompanie Feldmoching e.V.. Die Herren sind keine Freunde halber Sachen: der Startschuss klingt, als w&#252;rden alle tragenden Teile des olympischen Zeltdachs mit einem Mal in die Tiefe st&#252;rzen. Es ist mein sechster Marathon, aber eine so eindr&#252;ckliche Aufforderung zum Loslaufen habe ich bislang noch nie erhalten. Aufgescheucht wie englische Stockenten stieben wir los.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-954" title="M&#252;nchen 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/M&#252;nchen-1.jpg" alt="M&#252;nchen 1" width="460" height="307" /></p>
<p>Die Sonne scheint schon jetzt und alles ist so prall und bunt, dass 8000 L&#228;ufer gleichzeitig versuchen, nicht ihre 5 km Bestzeit zu knacken. Mir kann das nicht passieren. Schlie&#223;lich habe ich meine Marschtabelle wie immer am Vorabend auf ein Heftpflaster geschrieben, um sie mir auf den Arm zu kleben. Doch als ich jetzt auf meinen Arm schauen will, ist der ganz und gar nackt. Ich habe meine legend&#228;re Marschtabelle in meiner Kleidertasche vergessen. Aber wie hei&#223;t ein altes Marsch- tabellen-Vergesser-Sprichwort: was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Na gut. Dann laufen wir eben willenlos und unkontrolliert.</p>
<p>&#8220;Sie l&#228;uft sehr kontrolliert&#8221; sagt Herbert Steffny. Aha, er kommentiert also doch. Au&#223;er mir kann ihn zwar niemand h&#246;ren, aber das macht ja nichts. &#8220;Wie ist das Herbert&#8221;, sagt der Wortabschneider- kommentator &#8220;wenn man seine Marschtabelle vergisst, kann man dann &#252;berhaupt noch Bestzeit laufen? &#8220;Na ja, ich will mal so sagen&#8221;, sagt Steffny. &#8220;Einfacher wird das dadurch nat&#252;rlich nicht.&#8221; &#8220;Ich muss Dich mal unterbrechen, Herbert&#8221;, sagt der Wortabschneider &#8220;da vorne stehen Sabine und Marcus.&#8221; Tats&#228;chlich, jetzt sehe ich sie auch. Und freue mich. Zwischen den hunderten von Augen, die mich scannen, um m&#246;glichst schnell festzustellen, ob ich Papi, Holgi oder Susi bin, sind wahrhaftig zwei Augenpaare, die feststellen wollen, ob ich Frau Schmitt bin. Freunde an der Strecke tun gut.</p>
<p>Ich rei&#223;e die Arme nach oben wie Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste, rufe ein sinnfreies &#8220;Ich hab Euch gesehen&#8221; in die Menge und laufe weiter. Dieser Vorgang wieder- holt sich sp&#228;ter an anderer Stelle, mit dem Unterschied, dass ich in der letzten Sekunde ein Schild bemerke, das Marcus in der Hand h&#228;lt. Darauf steht &#8220;Frau Schmitt, ich will ein Kind von Dir&#8221;. Ich brauche zwei Kilometer, um mich wieder einigerma&#223;en zu fassen.</p>
<div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #fff5ee; "><em>Sp&#228;ter nochmal lesen? Hier gibt&#8217;s eine </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Muenchen05.pdf" target="_blank"><em>Druckversion</em></a><em> als PDF.</em></div></div>
<p>Ich bin v&#246;llig ortsunkundig und so wartet hinter jeder Biegung eine neue &#220;berraschung. Das ist das Sch&#246;ne an Citymara- thons: die Autos, sonst aggressive Herrscher &#252;ber die Stadt, m&#252;ssen weichen und die Prachtstra&#223;en mit der sch&#246;nsten Aussicht geh&#246;ren auf einmal mir. Mir ganz allein. Na ja, fast. Ein Van, der jetzt von rechts kommt, kann es nicht glauben. Dort ist eine Stra&#223;e und er darf sie nicht &#252;berqueren. Der Fahrer mag sich von ein paar tausend mickrigen L&#228;ufern nicht daran hindern lassen und f&#228;hrt beherzt die Absperrung um. Es knirscht und kracht. Ich wei&#223; nicht, was aus ihm geworden ist.</p>
<p><img class="size-full wp-image-956 alignright" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px; margin-left: 8px; margin-right: 8px;" title="M&#252;nchen 2" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/M&#252;nchen-2.jpg" alt="M&#252;nchen 2" width="279" height="421" /></p>
<p>Zum Marienplatz zu laufen ist wunderbar. Erstaunlich, in wie vielen deutschen Haus- halten es Trommeln gibt. Es kommen L&#228;ufer entgegen, aber ich bin viel zu verwirrt, um zu begreifen, ob sie schneller oder langsamer sind als ich. Bei der 10km-Marke schaue ich besonders gr&#252;ndlich auf die Uhr. &#8220;55 Minuten&#8221;, sagt Herbert Steffny &#8220;da hat sie sich aber viel vorgenommen&#8221;. &#8220;Ist das nicht zu schnell, Herbert?&#8221; sagt der Unterbrecher. &#8220;Na, sie ist ja an sich ne erfahrene L&#228;uferin, ich nehme mal an, sie wei&#223;, was sie heute drauf hat&#8221;. Ich bin froh, dass Steffny an mich glaubt, ich hatte selbst da schon so meine Bedenken. Aber um mich herum trommelt’s und winkt’s und blasmusikt’s, da f&#228;llt das bremsen schwer. Und wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich wage sogar die Anstiege bis km17 im beinahe unver&#228;ndertem Tempo. Vielleicht auch, weil die Strecke hier nur m&#228;&#223;ig attraktiv ist. Das gilt sogar f&#252;r die Musik: irgendwo scheppert ein M&#246;chtegern- Franz-Lambert schauerlichen Alleinunterhalterbeat &#252;ber den Asphalt. Zum Gl&#252;ck treffe ich bald einen lieben Bekannten, was mich wieder weiter nach vorne schiebt.</p>
<p>Inzwischen sind es 20 Grad im Schatten, was ich zwar nicht wissen kann, aber deutlich sp&#252;re. Ich tue es ungern, aber ich muss mir eingestehen, dass heute kein Bestzeitentag ist. Selbst ein Gelmarshmellow, das ich jetzt m&#252;mmle, macht mir unglaublichen Durst. Im Grunde macht mir alles unglaublichen Durst – trinken, m&#252;mmeln, atmen, Mund schlie&#223;en, Mund &#246;ffnen, Uschi begr&#252;&#223;en, weiterlaufen, &#8230; Moment, Uschi? Tatsache,</p>
<p>da ist ja wieder eine Freundin, wie angek&#252;ndigt, bei km 32. Sch&#246;n. Ich bin l&#228;ngst im englischen Garten, ich bin im Schatten, ich bin gerettet. Bin ich das wirklich? Ich starre auf die Uhr und versuche, in den Zahlen einen Sinn zu erkennen. Mit der Bestzeit kann es nichts mehr werden, aber unter vier Stunden sollten es schon sein. Kann das noch klappen? Was man nicht in den Beinen hat, muss man im Kopf haben (altes Marathon- Zielzeiten-Kopfrechner-Sprichwort) und ich versuche auszurechnen, ob ich auf den letzten Kilometern noch etwas schlunzen darf, ohne &#252;ber die Vier-Stunden-Marke zu kommen. Hier noch ein Becherchen Wasser, dort noch ein Schl&#252;ckchen eigenes Getr&#228;nk im Gehen – sch&#246;n w&#228;re das. Wieso sagt Steffny eigentlich nichts dazu? Kann der das nicht f&#252;r mich rechnen? &#8220;Jetzt muss sie dem hohen Anfangstempo Tribut zollen&#8221; sagt der Worth&#228;cksler &#8220;das h&#228;tte sie eigentlich wissen m&#252;ssen bei der W&#228;rme&#8221;. &#8220;Ja, aber ich sag‘ mal, wenn sie dieses Tempo h&#228;lt, wird es auf jeden Fall f&#252;r eine Zeit unter vier Stunden reichen&#8221;. Na endlich Herbert, wo warst du blo&#223;? Dann muss ich ja nur noch so weiter- schwanken. Schwer genug, wenn sich die Oberschenkel h&#246;flich, aber bestimmt verabschieden. Und man jetzt &#252;ber eine RedBull ges&#228;ttigte Stra&#223;e l&#228;uft, auf der man beinahe festklebt.</p>
<p>Es sind noch weniger als 2 km. Es sind, wie bei jedem meiner Marathons, die sch&#246;nsten. Ich schaue neben mich und sehe Gerd Rubenbauer auf dem Motorrad. Er ist ganz au&#223;er sich. Ich kann nicht richtig h&#246;ren was er sagt, es klingt wie &#8220;unglaublich&#8221; und &#8220;mit gro&#223;en Schritten n&#228;hert sie sich dem Ziel&#8221;. Meine Schritte sind zwar alles andere als gro&#223;, aber so ist er eben, der Rubenbauer. Im gro&#223;en Marathontor, dem Eingang zum Olympiastadion, werde ich mit buntem Licht und Trockeneis &#252;bergossen. Ich muss heulen und husten gleichzeitig und w&#228;hrend mir die Gesichtsz&#252;ge entgleisen, dr&#252;ckt ein Fotograf im Tunnel auf den Ausl&#246;ser. Im Olympiastadion einlaufen zu d&#252;rfen, das ist v&#246;llig unwirklich. Im Innenraum stehen bunte Skulpturen und H&#228;uschen einer chine- sischen Installation und ich f&#252;hle mich, als h&#228;tte ich seltsame Drogen eingenommen.</p>
<p>Ich laufe wie aufgezogen. Steffny hat Recht gehabt, es hat gereicht. Die Uhr zeigt 3:58:39.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-957" title="M&#252;nchen 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/M&#252;nchen-3.jpg" alt="M&#252;nchen 3" width="468" height="352" /></p>
<p>Setzen. Jetzt setzen. Ich schaue nach unten und stelle fest, dass der Boden sich ca. vier Meter unter mir befindet. Gef&#252;hlte H&#246;he. Wie soll ich dort mit meinem Hintern hinkommen? Ich schaue mich um. &#220;berall versuchen, in wei&#223;e Folien geh&#252;llte Wesen den Boden zu erreichen. Ich mache es den anderen nach und probiere die &#8220;Ein-Kleinkind- setzt-sich-auf-den-Stuhl-Methode.&#8221; R&#252;ckw&#228;rts auf allen vieren geht es. Sitzen, Wasser schl&#252;rfen und heimlich eine Medaille an die Brust dr&#252;cken. &#8220;Das hat sie sich auch verdient&#8221;, sagt Herbert Steffny. &#8220;Sie hat ja dann doch noch ihre zweitbeste Zeit erreicht&#8221;.</p>
<p>Danke Herbert. Danke M&#252;nchen. Stadt des Marathons der Medien.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-958" title="M&#252;nchen 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/M&#252;nchen-4.jpg" alt="M&#252;nchen 4" width="464" height="348" /></p>
<div class='stb-grey_box' >Mehr zum Marathon in M&#252;nchen gibt&#8217;s unter: <a href="http://www.muenchenmarathon.de/">www.muenchenmarathon.de</a></div>

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		<title>Out of Egelsbach.</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2004 13:03:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Koberstädter Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Marathon]]></category>
		<category><![CDATA[Egelsbach]]></category>
		<category><![CDATA[Wald]]></category>

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		<description><![CDATA[ "Ich lauf dieses Jahr New York." Das klingt cool. Man sagt ja auch nicht IN New York, sondern nur: "Ich lauf New York." Oder auch "Was l&#228;ufst`n Du dieses Jahr?" "Ich lauf Berlin. Vielleicht lauf ich auch K&#246;ln." Aber was sollte ich sagen? "Ich laufe Egelsbach." Das klingt &#228;hnlich cool wie "Ich fahre dieses Jahr mit meinem Stammtisch zum Wandern in den Harz." Aber in einer vermeintlich coolen Welt hat gerade das Uncoole einen gro&#223;en Reiz.  Also wollte ich "Egelsbach laufen" und habe mich unglaublich darauf gefreut. Kollegen haben gesagt "Wo gibt`s denn in Egelsbach 42 Kilometer?" Man dachte wohl, (...)]]></description>
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<h2>Der Koberst&#228;dter Waldmarathon (2004).</h2>
<p> &#8221;Ich lauf dieses Jahr New York.&#8221; Das klingt cool. Man sagt ja auch nicht IN New York, sondern nur: &#8220;Ich lauf New York.&#8221; Oder auch &#8220;Was l&#228;ufst`n Du dieses Jahr?&#8221; &#8220;Ich lauf Berlin. Vielleicht lauf ich auch K&#246;ln.&#8221; Aber was sollte ich sagen? &#8220;Ich laufe Egelsbach.&#8221; Das klingt &#228;hnlich cool wie &#8220;Ich fahre dieses Jahr mit meinem Stammtisch zum Wandern in den Harz.&#8221; Aber in einer vermeintlich coolen Welt hat gerade das Uncoole einen gro&#223;en Reiz.  Also wollte ich &#8220;Egelsbach laufen&#8221; und habe mich unglaublich darauf gefreut. Kollegen haben gesagt &#8220;Wo gibt`s denn in Egelsbach 42 Kilometer?&#8221; Man dachte wohl, ich wollte die Hauptstra&#223;e auf und ab hoppeln. Es sind bedauernswerte Menschen, die den Wald bei Egelsbach nicht kennen. Soviel kann ich jetzt sagen.  </p>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #ffefd5; "><em>Diesen Text gibt es auch als </em><a href="http://frauschmitt.podspot.de/"><em>Podcast</em></a><em>-Episode zu H&#246;ren.</em></div>
<p>Schon der Stadionsprecher am morgen gab alles. &#8220;Die Luftfeuschtischkeit ist relativ hoch, aber nischt bedrohlisch.&#8221; Das sind Nachrichten, die man Sonntags morgens um  7 Uhr 30 sch&#228;tzt. Schon rein mental gesehen. &#8220;Wir haben auch wieder wundesch&#246;ne Kloh&#228;usschen aufgestellt, machen sie bitte reischlisch davon Gebrauch.&#8221; Noch nie bin  ich so sch&#246;n und eindringlich dazu aufgefordert worden, mich zu entleeren. Ich tat es. &#8220;Liebe L&#228;uwerinnen und L&#228;uwe, es gibt Pepsi an der Stregge und lecke Wasse, Bananen, Isogedr&#228;nge und auch Pepsi &#8211; eben alles m&#246;glische, damit sie gut dorsch kommen.&#8221;  Ich mag gar kein Pepsi, aber der Mann gab mir das Gef&#252;hl, Kastenweise Pepsi sei nur  f&#252;r mich herangeschafft worden. Nein, ich habe keine Samba- Einpeitschmusik vermisst.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-943 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Logo" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Logo.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Logo" width="455" height="363" /></p>
<p>Dann gings los. Tats&#228;chlich: viel &#8220;Luftfeuschtischkeit.&#8221; Aber das fand ich prima. Noch etwas Salz und man h&#228;tte ein Soledampfbad machen k&#246;nnen. Egelsbach hat manchmal so etwas Tropisches.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-944 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Wald" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Wald.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Wald" width="447" height="332" /></p>
<p>Es war wunderbar friedlich. Das kleine Feld von ca. 200 Herrschaften hat sich schnell verteilt. Extremer M&#228;nner&#252;berschuss, gravierende Zauselquote. (Zausel = Herr jenseits der 50, unrasiert, das verbliebene Haar im Kopfkissenlook, klein, sehnig, z&#228;h, tr&#228;gt T-Shirt mit dem Aufdruck &#8220;Dumpelheimer Wiesenultramarathon 1982&#8243; o.&#228;. und Schuhe aus dem Nachlass von Spiridon Louis. Zausel riechen oft s&#228;uerlich, sind aber r&#252;cksichts- voll, freundlich und gutgelaunt). Ich f&#252;hlte mich gut aufgehoben.  </p>
<p>6er Schnitt war der Plan, den hielt ich ein &#8211; mal ein bissel dr&#252;ber, mal etwas drunter,  je nach Steigung. Bei Kilometer 13 musste ich mal. Trotz der Benutzung der &#8220;wunde- sch&#246;nen Toilettenwagen&#8221;. Ich musste noch nie bei einem Marathon. In Egelsbach ist eben alles anders. Und das ist das Sch&#246;ne am Wald: dem Blasengef&#252;llten erscheint praktisch die ganze Strecke als eine einzige Pieselm&#246;glichkeit. Soll ich hinter diesen Holzstapel? Oder hinter dieses zauberhafte Gestr&#228;uch mit den knackig gr&#252;nen Bl&#228;ttchen? Wer schon einmal mit sich gek&#228;mpft hat, ob er sich zwischen zwei parkende Autos hocken will, sollte mal im Wald Marathon laufen. &#220;berall ein Klo. Raumduft Sorte Waldesgl&#252;ck.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-945" title="Egelsbach 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-1.jpg" alt="Egelsbach 1" width="150" height="230" /> <img class="alignnone size-full wp-image-946" title="Egelsbach-Marathon-Strecke" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Strecke-345x230-custom.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Strecke" width="345" height="230" /></p>
<p>Und wer sich erleichtert hat, l&#228;uft gleich viel beschwingter. Doch war ich eben noch  eins mit der Natur, so stand jetzt etwas zwischen uns. L&#228;ufer. Unglaublich viele L&#228;ufer. Das Halbmarathonfeld war gestartet und vereinzelte, bereits v&#246;llig eins mit der Natur gewordene Marathonis liefen in eine Horde aufgeh&#252;bschter, ausgeschlafener L&#228;ufer, die gr&#246;&#223;tenteils technisch besser ausger&#252;stet waren als die Nasa.  Das Bild ver&#228;nderte sich: statt sehniger Zausel beherrschten breitere Hinterteile die Szenerie. Ich war am Ende des Halbmarathonfeldes. Die Schuhe wurden bunter, die T-Shirts geschmackvoller. Leider war von Waldger&#228;uschen nichts mehr zu h&#246;ren. Die Frauenquote war hoch, der Gespr&#228;chsstoff reichlich (das ist nicht politisch korrekt,  aber wahr). Pulsmesser mit Schrittz&#228;hler soweit das Ohr reichte. H&#252;fttaschen mit vier (ich hab sie gez&#228;hlt) Rei&#223;verschl&#252;ssen, die alle klapperten. Haust&#252;rschl&#252;ssel in Hosentaschen.  </p>
<p><em> <div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; ">Ausdrucken und aufheben? Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2004/08/Egelsbach04.pdf" target="_blank">Druckversion</a> als PDF.</div></div></em></p>
<p>Sogar Geld (kann man bei Eichh&#246;rnchen N&#252;sse kaufen?). Diese hochmotivierten Halb- marathonl&#228;ufer waren gerade drei Kilometer gelaufen, aber viele sahen jetzt schon elender aus als Paula Radcliffe nach ihrem Kreislaufkollaps. Irritiert lief ich Slalom. Solange bis das Feld wieder etwa mein Tempo hatte. Aber es war nicht mehr dasselbe. Da: schon wieder eine laufende Intensivstation: Piep, Piep, Piep, Piep. Nichts wie weg. Gedacht, aber nicht so einfach getan. Jetzt kamen noch mal die Steigungen. Oder was man nach drei Stunden laufen so daf&#252;r h&#228;lt. km 31: Puh. km 33: &#214;ff. km 37: Jetzt is aber mal gut. Ich konnte nichts mehr drauflegen, musste bei meinem 6er Schnitt bleiben.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-947 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Profil" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Profil.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Profil" width="482" height="283" /></p>
<p>Ein Rotkreuz-Wagen sorgt f&#252;r rot-wei&#223;e Abwechslung im gr&#252;nen Forst. Viele Rot-Kreuz Mitarbeiter sind richtig dick, denke ich. Ist ja auch kein Wunder. W&#228;hrend ich durch den Wald zischen darf, m&#252;ssen die in viel zu kleinen Campingst&#252;hlchen sitzen und darauf warten, dass irgendwo ein Pulsmesser &#252;berhitzt.  Nachdem ich die letzte Steigung &#252;berstanden habe, bin ich wieder guter Dinge. Die Sonne scheint, wir biegen wieder in den Ort ein. Eine &#228;ltere Dame steht im Morgenrock am Tor. Sie ist begeistert. In regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden ruft sie: &#8220;Supp&#228;&#228;!&#8221;. Ich liebe Egelsbach.  </p>
<p>Dann darf ich in ein kleines blitzsauber gepflegtes Stadion einlaufen. Tats&#228;chlich: sie spielen Sambamusik. Der Stadionsprecher sagt: &#8220;Liebe Zuschauerinne und Zuschaue, ist des net h&#228;llisch?&#8221; Recht hat er. Im Ziel f&#228;ngt es an zu regnen. So sieht zum Gl&#252;ck niemand, dass sich bei mir ein paar Tr&#228;nen ank&#252;ndigen. Sofort trinke ich eine Pepsi.  Das bin ich Egelsbach schuldig.  Ich war 4:14:38 unterwegs. Mehr war bei der Strecke und Vorbereitung nicht drin.  Ich bin zufrieden. Ich habe nichts vermisst, den Zeitdruck schon gar nicht. L&#228;ufer aller L&#228;nder, kommt nach Egelsbach.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-948 aligncenter" title="Egelsbach-Marathon-Kuchen" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/09/Egelsbach-Marathon-Kuchen.jpg" alt="Egelsbach-Marathon-Kuchen" width="298" height="397" /></p>
<h6>(Bilder mit freundlicher Genehmigung der Veranstalter SG Egelsbach und SV Erzhausen.)</h6>
<div class='stb-grey_box' ><em>Die Veranstalterseite ist im Augenblick leider gerade in &#220;berarbeitung: </em><a href="http://www.koberstaedter-marathon.de/"><em>www.koberstaedter-marathon.de</em></a></div>
<h4>Egelsbach?</h4>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td></td>
</tr>
<tr>
<td align="right"><a style="font:8px Arial;text-decoration:none;cursor:default;color:#5C5C5C;" href="http://www.map-generator.net/?de">Stadtplan / Kartengenerator</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
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