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	<title>Laufen-mit-frauschmitt &#187; Frankfurt-Marathon</title>
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	<description>Laufen zum Lesen und Hören.</description>
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		<title>Schön ist es auf der Welt zu sein.</title>
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		<comments>http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/frankfurt-marathon-2010/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 06 Nov 2010 20:02:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt Marathon 10]]></category>
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		<description><![CDATA[In Deutschland gibt es in diesem Jahr 291 Marathon-Veranstaltungen. Da selbst das Leben eines Marathonläufers begrenzt ist, muss man sich also gut überlegen, ob man wirklich ein und die selbe Strecke mehrfach laufen will. Man könnte dadurch einen anderen schönen Marathon verpassen. Vor genau 10 Jahren lief ich den Frankfurt Marathon – meinen ersten überhaupt. Ich feiere also in diesem Jahr sozusagen Jubiläum – und es hilft nichts – das muss einfach in Frankfurt sein. ]]></description>
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<p>In Deutschland gibt es in diesem Jahr 291 Marathonveranstaltungen. Da selbst das Leben eines Marathonläufers begrenzt ist, muss man sich also gut überlegen, ob man wirklich ein und die selbe Strecke mehrfach laufen will. Man könnte dadurch einen anderen schönen Marathon verpassen.</p>
<p>Vor genau 10 Jahren lief ich den Frankfurt Marathon – meinen ersten überhaupt. Ich feiere also in diesem Jahr sozusagen Jubiläum – und es hilft nichts – das muss einfach in Frankfurt sein. Erfreulicherweise hat Renndirektor Jo Schindler extra für mich die komplette <a href="http://www.frankfurt-marathon.com/fileadmin/user_upload/startseite/FfMaraStrecke.pdf" target="_blank">Strecke</a> im Laufe der letzten Jahre immer wieder modifiziert. Von der teilweise recht fiesen Strecke von vor 10 Jahren ist nicht viel geblieben, der Kurs ist also im Grunde neu für mich.</p>
<p>Die Anmeldung zum Lauf war für mich die perfekte Motivation, wieder zu einem Training zu kommen, das den Namen verdient. Die letzten zwei Jahre waren dumdideldum, die Prioritäten lagen woanders als beim Laufen. Das Ergebnis: Halbmarathonzeiten von 2h und mehr und 5 Kilo überflüssige Rundumschwarte. Schon nach 6 Wochen Marathontraining hatte sich beides erledigt. Wäre doch nur alles so einfach. So schnell wie früher bin ich deshalb natürlich immer noch nicht. Eine Marathonzeit unter 4 Stunden ist illusorisch. Heute peile ich 4:15 bis 4:30 an, ein schöner Lauf ist mir viel wichtiger als die Zeit.</p>
<p>Morgens stehe ich an der Haltestelle mit meinem Marathonbeutel und sehe einen Nachbarn mit Hauspantoffeln Sonntagsbrötchen holen. Wie immer in diesen Situationen fühle ich mich wie ein Alien, das mit den anderen Menschen nichts gemein hat. Ein Gefühl, das ein bisschen erhebend und ein bisschen beängstigend ist. In der Straßenbahn sitzen zum Glück bereits andere Aliens, erkennbar an ihren großen gelben Plastikbeuteln, den Laufschuhen und einem Getränk in den Händen. Der Außerirdische neben mir nuckelt alle 30 Sekunden hektisch an seiner Wasserflasche. In wenigen Minuten Fahrt hat er beinahe einen Liter weggeschlorkt. Verrückt.</p>
<div class='stb-grey_box' style="color:#696969; border-top-color: #ffefd5; border-left-color: #ffefd5; border-right-color: #ffefd5; border-bottom-color: #ffefd5; background-color: #d3d3d3; ">Lieber auf Papier lesen? Hier gibt&#8217;s ein <a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Schön-ist-es-auf-der-Welt-zu-sein.pdf" target="_blank">PDF zum Ausdrucken</a> (ohne Bilder).</div>
<p>An der Messe kommen immer mehr Aliens zusammen, als wollten sie die Stadtherrschaft übernehmen – und in gewisser Weise tun sie das ja auch. Ich gehe in die Festhalle, um dort ein paar Menschen zu treffen, aber noch niemand, den ich kenne, ist da. Ich setze meinen Fuß probehalber auf den roten Teppich. Weich. Werde ich das nachher auch noch wahrnehmen? Die Halle ist ein bisschen düster. Überall sitzen versprengte Läufer auf den Rängen oder sie stehen beisammen, um lässige Ruhe bemüht. Schließlich treffe ich doch noch bekannte Gesichter und wir plaudern. Es kommt mir vor, als fiele kein einziges vernünftiges Wort. Wir wollen ja auch eigentlich gar nicht reden, dafür sind wir schließlich nicht hier. Man ist doch aufgeregter, als man denkt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2685" title="Frankfurt Marathon 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-1.jpg" alt="Frankfurt Marathon 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p>In der Kleiderbeutelabgabe ist es schon wieder ziemlich dunkel. Alle versuchen, ihren Platz zu finden und es ist ein Hin- und Her wie in einem Ameisenhaufen. Ich habe zwar keine Unmengen getrunken, aber einmal vorher einen Ort aufsuchen, wäre nicht schlecht. Die Örtchen sind leicht zu finden, sie sind da, wo mindestens 20 Läufer davorstehen. Mir ist das alles zu viel und mich zieht es an die frische Luft.</p>
<p>Die Dixies im Freien sind gar nicht so leicht zu finden. Auch hier gibt es Staus. Wir Anstehenden schauen auf die Uhr. Noch fünf Minuten. Das schaffen wir. Ich schiebe mich danach schnell zu meinem Startblock, nicht ohne den einsamen rosa Hasen zu bemerken, der angesichts dieser riesigen Menge umherflatternder Läufer ein wenig ratlos wirkt. Das macht ihn mir sympathisch und wir nicken uns wissend zu.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Hase.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2686" title="Frankfurt Marathon Hase" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Hase.jpg" alt="Frankfurt Marathon Hase" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Und wieder: stehen und warten. Im Startblock herrscht eine Atmosphäre wie unter 5-jährigen kurz vor Heiligabend. Aber weil wir alle erwachsen sind, hüpfen wir nicht auf und ab und rufen: „Wo ist denn der Start? Wann geht’s denn los? Läuft der dicke Mann da vorne auch so schnell wie wir? Sind wir bald da? Wo ist denn der Mann mit der Pistole?“. Wir stehen einfach nur cool herum, zupfen an unseren Shirts und schauen in den Himmel.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Start.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2687" title="Frankfurt Marathon Start" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Start.jpg" alt="Frankfurt Marathon Start" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Endlich. Laufen. Direkt in die Sonne hinein. Zunächst muss nur eine kleine Schleife gelaufen werden – 3 Kilometer später werde ich wieder an der gleichen Stelle sein. Das ist schön, sozusagen zum Eingewöhnen. Ich programmiere einen 6er Schnitt ein und plane Zeit für gemütliche Trinkpausen. Ich habe zwar zunächst kein Gefühl für mein Tempo, aber alles passt. Auf den Tempomat ist Verlass. Schon nach kurzer Zeit fallen mir die Staffelläufer auf, die mit einer gelben Startnummer gekennzeichnet sind. Sie sind vor mir gestartet und die Langsamen unter ihnen werden nach und nach eingeholt. In den nächsten Stunden habe ich reichlich Zeit, mir über Staffelläufer Gedanken zu machen. Immer wenn ich sehr schwergewichtige Läufer sehe, bin ich voller Respekt und ich weiß, dass das Staffelkonzept richtig ist. Nicht nur, weil es Geld in die Kasse bringt, sondern weil es perfekt ist, um Leute für den Laufsport zu begeistern. Wann sonst könnte man an einer Strecke von 6, 7 km Sambatrommler genießen? Aber dann, immer wieder, schüttle ich über Staffelläufer innerlich den Kopf. Über solche, die wenige Kilometer nach der Wechselstelle Gehpausen machen, gern mitten auf der Strecke. Können sich halbwegs junge Menschen nicht einmal im Jahr so vorbereiten, dass sie in der Lage sind, 7 km am Stück zu laufen? Rätselhaft. Vielleicht kann ich an dieser Stelle auch noch mit einem Missverständnis aufräumen: Staffel bedeutet, dass die Läufer <em>nach</em>einander laufen. Nicht <em>neben</em>einander. Immer wieder finden sich drei oder vier Staffelläufer plaudernd zusammen, die nebeneinander her laufen. Puh.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00604.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2688" title="DSC00604" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00604.JPG" alt="DSC00604" width="384" height="512" /></a></p>
<p>So umdribble ich ab und zu einen schnaubenden Geher oder eine Volkstanzformation, lasse mich aber nicht weiter stören. Zu schön ist das Wetter, zu prall die Farben und überhaupt – wie toll ist das denn? Ich laufe durch Frankfurt, meine Stadt, die Straßen gehören uns! Gerade bin ich durchs Westend geschwebt und darf jetzt an der Alten Oper vorbei durch die Fressgass zischen. Das Feld ist noch sehr dicht beisammen und so entsteht hier eine kleine Engstelle. Nichts Dramatisches, aber man muss etwas Acht geben.</p>
<p>Auf meinem Weg an der Hauptwache vorbei entdecke ich einen Läufer, der einen laminierten Zettel auf dem Rücken trägt. Darauf steht so etwas wie: „Ich laufe mit Jesus und komme immer an. Und Du??“ Am Vorabend war ich das erste Mal in meinem Leben bei einem Läufergottestdienst in der Festhalle. Der Pfarrer, selbst ein passionierter Läufer, wäre sicher nie auf die Idee gekommen, ein derart albernes Schild zu tragen. Unwillkürlich möchte ich dem Läufer mitteilen, dass Jesus möglicherweise in einer anderen Leistungsklasse läuft als er selbst und längst mit einem der Kenianer die Halbmarathonmarke passiert hat. Und dann dieses leicht drohende „Und Du??“ Es klingt so, als würde jeder Läufer ohne ein laminiertes Jesus-Hemd am Wegesrand verdorren und die Frankfurter Eichhörnchen würden alsbald Nüsse zwischen seinen Rippen verstecken. Schnell ziehe ich an dem Läufer vorbei. Soll er doch sein Läuferleben zwischen laminierten Zetteln verbringen.</p>
<p>Andere T-Shirts sind viel schöner. Die Sonne taucht alles in ein wunderbares Licht – nie waren die modernen Neonfarben praller, das Feld bunter. Der Karneval in Rio könnte kaum farbenfroher sein – die pinkfarbenen und neongrünen Kompressionsstrümpfe färben die Läufer bis in die Zehenspitzen. Immer häufiger wird auch mit den Farben experimentiert, Läufer tragen auf der einen Seite einen grünen und auf der anderen Seite einen schwarzen oder pinkfarbenen Strumpf. Es gibt die eher elegante Kombination aus schwarz und grün, die etwas gewagterere aus neongelb und royalblau, die von Kopf bis Fuß rot gewandeten, aber auch pink und lila in Kombination. Die Schuhfarbe wird immer häufiger mit dem Rest abgestimmt und sogar die Kappen leuchten. Zu dem Farbenmeer der Läufer kommt das pralle Orange, Gelb und Rot der Bäume. Es ist, als hätte jemand bei der ganzen Welt am Farbsättigungsknopf gedreht. Was für ein Tag!</p>
<p>Außer auf die Shirts und Tights schaue ich natürlich auch darauf, was die Läufer sonst noch alles so dabei haben. Bei vielen glitzert es rund um die ganze Taille, Gels sind beliebt. Und manch einer konnte sich nicht dazu durchringen, den Hausrat ein paar Stunden allein zu lassen und nimmt ihn kurzerhand komplett mit auf die Strecke.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Gepäck.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2689" title="Frankfurt Marathon Gepäck" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Gepäck.jpg" alt="Frankfurt Marathon Gepäck" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Während ich abermals an der Alten Oper vorbei tappe, höre ich Herbert Steffny aus dem Lautsprecher die Elite-Verpflegung erklären. Die Stimme von Steffny begleitet mich bei fast jedem Marathon – und sei es nur in meinem Kopf. Vor 11 Jahren habe ich ein Laufseminar bei ihm gemacht, unzählige Marathonübertragungen mit ihm gesehen. Er ist mein „Mister Marathon“, ein großer Läufer mit einer freundlichen, ruhigen Art. Und wenn ich an eine schwierige Stelle komme, kann ich ihn zu mir sprechen lassen. Ich weiß etwa, was er sagen würde und das hilft mir weiter. Ein Frankfurt Marathon ohne Steffny – undenkbar.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00616.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2690" title="DSC00616" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00616.JPG" alt="DSC00616" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Wir laufen jetzt ein Stück Richtung Norden – und gleich wieder hinunter zum Eschenheimer Turm. Unterwegs begrüßt mich ein Freund an der Strecke und ich bekomme einen Übermutsschub – den ersten von vielen. Zwar halte ich das Tempo einigermaßen im Zaum, aber manchmal muss ich kurz über ein Lübecker Hütchen hüpfen. Oder innerlich „dideldei dideldum“ rufen und dabei grinsen. Wir rollen hinüber nach Sachsenhausen und ich frage mich, ob ich wohl heute noch braun werde von der vielen Sonne. Bei jedem Getränkestand nehme ich etwas Wasser und Tee. Ich fürchte, ich bin ein bisschen zu warm angezogen und schwitze reichlich. Einen so sonnigen Tag hat niemand prophezeit.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Brücke.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2691" title="Frankfurt Marathon Brücke" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Brücke.jpg" alt="Frankfurt Marathon Brücke" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Nun geht es ein Stückchen am Mainufer entlang und danach über die Kennedyallee nach Niederrad. Schon jetzt ist der Streckenverlauf viel attraktiver, als noch vor 10 Jahren. An der Strecke entdecke ich ein paar gruselige Gestalten, die ich sofort fotografieren muss.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Scream.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2692" title="Frankfurt Marathon Scream" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Scream.jpg" alt="Frankfurt Marathon Scream" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Ansonsten halte ich mich mit Fotos etwas zurück, da ich das Stop&amp;Go fürchte, in New York hat das meinen Muskeln den Garaus gemacht. Irgendwo in Niederrad hat jemand Lautsprecher aufgestellt und alte Schlager aufgelegt. Während ich vorbei laufe, singt Roy Black mit der kleinen Anita, dass es schön ist, auf der Welt zu sein und dass das ja schon die Biene zu dem Stachelschwein gesagt habe. Nichtläufern sei an dieser Stelle gesagt, dass glückliche Läufer im Augenblick großen Glücks zur Tumbheit neigen. Intellektueller Lyrik und anspruchsvollen Musikstilen sind sie weit weniger zugänglich als beispielsweise der Titelmusik von „Rocky“, einer Blaskapelle oder eben Roy Black. Mich trifft der Song in einem Zustand völliger Unbeschwertheit und vollkommener Wunschlosigkeit. Die Beine laufen, die Sonne scheint. Mehr ist nicht und mehr muss auch nicht sein. Na Bravo, Frau Schmitt, jetzt heulst Du schon bei Roy Black. Weit vor km 30 (klassische Heulmarke) Das kann ja heiter werden. Roy Black trägt mich durch die eher unattraktive Bürostadt, die ihren Schrecken heute völlig verloren hat.</p>
<p>Irgendwann treffe ich auf der Strecke zufällig Torsten, einen Staffelläufer, den ich am Abend vorher kennengelernt habe. Das ist aber mal nett. 13.000 Läufer sind ja doch gar nicht so viele. Wir legen ein Stück gemeinsam zurück. An der Halbmarathonmarke steht die Uhr bei 2:06:34. Vielleicht eine kleine Idee zu schnell, aber im Rahmen. Ich lasse den Tempomat drin und tapse weiter. Seit geraumer Zeit stört mich irgendetwas an meinem Zeh. Ich bin nicht sicher, was es ist, aber es könnte eine Falte in der Socke sein. An der Schwanheimer Brücke ist mir die Sache endgültig nicht geheuer. ich gehe hinter eine Leitplanke, damit ich nicht im Weg bin und ziehe mir den Schuh aus. Ist da was? Hm. Nicht so richtig zu sehen. ich ziehe mir den Strumpf straff und ziehe den Schuh wieder an. Und weiter geht’s. Scheinbar war es die richtige Entscheidung. Das Scheuern lässt nach.</p>
<p>Das erste Mal trage ich heute bei einem Marathon Kompressionsstrümpfe. Ich bin sehr gespannt, ob sie sich bewähren. Auch eine Kompressionstight steht auf dem Prüfstand. Die macht sich, wie so oft, hervorragend, die Oberschenkel fühlen sich noch frisch und locker an.</p>
<p>Für die nächste Band auf der Brücke gehe ich sogar ein paar Schritte zurück. Zwar hält sich der optische Reiz des Motivs objektiv betrachtet möglicherweise in Grenzen, aber die beiden Jungs sind fröhlich und entspannt und genau so ist auch ihre Musik, die man lange Zeit hören kann. Sie stehen im Niemandsland und grooven vor sich hin. Das ist wirklich schön.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Band.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2693" title="Frankfurt Marathon Band" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Band.jpg" alt="Frankfurt Marathon Band" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Gemessen am Lauf vor 10 Jahren sind auch die Bands an der Strecke häufiger. Hier ist viel passiert. Meistens ist auch das Niveau ganz prima.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Trommeln.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2695" title="Frankfurt Marathon Trommeln" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Trommeln.jpg" alt="Frankfurt Marathon Trommeln" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Einen Ausreißer bietet eine Karaoke-Sängerin die „I’m your venus, I’m your fire at your desire“ so unfassbar schepprig und schief singt, dass sich mir die Zehennägel aufrollen. Wahrscheinlich ist mir dabei auch die Socke verrutscht.</p>
<p>In Höchst ist die Stimmung erwartungsgemäß gut. Als Wiege des Marathons weiß Höchst, was Marathonläufer brauchen und macht immer Rabbatz. Überhaupt tun gerade die Orte weit ab der Innenstadt, was sie können. Besonders Kirchengemeinden und Kleingärtnervereine sind an der Strecke immens gut gelaunt und ein dezenter Weinduft weht über den Asphalt. So ein Frühschöppchen ist eben nicht zu verachten. Die gespielte Musik entspricht zwar nicht immer dem eigenen Geschmack, aber das ist nicht wichtig (siehe: Roy Black). Hauptsache, die Laune stimmt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00641.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2694" title="DSC00641" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00641.JPG" alt="DSC00641" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Wir nehmen noch eine Kurve durch Nied und als wir auf die gefürchtete Mainzer Landstraße einbiegen, sind wir schon bei km 30. Ich habe großen Durst, trinke immer mehr. Jetzt denke ich – eine Cola könnte gut tun. Ich habe schon mehrfach gute Erfahrungen damit gemacht. Zwar habe ich zwei Gel Chips einstecken, aber mir ist mehr nach Flüssigem als nach einem Marshmellow. Die Cola ist nicht zu kalt und ich trinke einen ganzen Becher. Ein unseliger Fehler. Bald danach krampft sich mein Zwerchfell auf der rechten Seite zusammen. Es sticht und schmerzt ungeheuer und erwischt mich völlig unvorbereitet. Bis eben ging es mir sehr gut.  Das Stechen ist so heftig, dass ich gehen muss. Ich atme tief aus, ich nehme die Arme nach oben, ich drücke auf die Stelle – nichts hilft. So ein Mist. Was ist das denn? Die Cola hat es wohl ausgelöst – aber warum? Ursachenforschung hilft jetzt nicht weiter. Ich habe überhaupt keine Lust zu gehen – ich will laufen. Langsam trottend rette ich mich von Kilometer zu Kilometer. Von der Mainzer Landstraße bekomme ich kaum etwas mit – zu sehr bin ich mit mir und dem Rätsel der Schmerzen beschäftigt. Bei der nächsten Getränkestation unternehme ich einen Versuch. irgendetwas muss ich ja tun! Ich trinke zwei Becher warmen Tee. Ich hoffe, dass die Wärme die Verkrampfung löst. Und tatsächlich: der Schmerz lässt etwas nach. Ich kann wieder ohne Gehpausen weiterlaufen. Aber immer wenn ich versuche, das Tempo etwas anzuziehen, wird der Schmerz stärker. ich fühle mich ausgebremst und muss erst einmal meine Moral wieder finden. Blöd, blöd, blöd.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00649.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2696" title="DSC00649" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00649.JPG" alt="DSC00649" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fan.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2704" title="Frankfurt Marathon Fan" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fan.jpg" alt="Frankfurt Marathon Fan" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurioserweise habe ich bei km 35 das Gefühl, gleich zuhause zu sein, obwohl noch der ein oder andere Kilometer kommt. Aber die Messe ist schon zum Greifen nah. Jetzt müssen nur noch ein paar Schleifen in der Innenstadt  genommen werden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00659n.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2697" title="DSC00659n" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00659n.jpg" alt="DSC00659n" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Ich freue mich, noch einmal am Kaiserplatz vorbei zu kommen. Hier macht die Samba-Truppe Bloco X eine Mörderstimmung.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Samba1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2699" title="Frankfurt Marathon Samba" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Samba1.jpg" alt="Frankfurt Marathon Samba" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Noch einmal Hauptwache und der Kurs auf die Alte Oper. Hier stehen richtig viele Menschen. Aber was Kleingärtnervereine in Schwanheim hervorragend können, haben die Menschen in der Stadt nicht unbedingt drauf. Gemessen an der Menge der Menschen ist die Stimmung eher zäh. Ausdruckslose Gesichter schauen mir entgegen. Nicht, dass ich bei einem Marathon immer Zuschauer brauche. Aber wenn sie da sind, sollten sie mir nicht so versteinert entgegen sehen, dass ist schlimmer, als wenn gar niemand da wäre. Manchmal hilft schon ein Lächeln oder ein lustiges Schild. Ein einziges liebevoll bedichtetes Betttuch habe ich auf der Strecke gesehen. Ansonsten liebt man in Frankfurt eher vorgefertigte Schilder von der Messe, auf denen „Run, run, run“ steht und man nur noch den entsprechenden Namen dazu eintragen muss.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00661.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2700" title="DSC00661" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00661.JPG" alt="DSC00661" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurz darauf werde ich aber gleich wieder entschädigt. Zuerst treffe ich den Freund von vorhin wieder und werde gehätschelt. Und dann, wenige Meter weiter, etwa dort wo sonst ich stehe, steht eine Dame. Mit einem Puschel. Einem weißen. Und ihr Begleiter hat kleinere glitzernde Puschel. Es gibt sie also doch, die leidenschaftlichen Marathon Fans in Frankfurt! Jetzt kann mich nichts mehr aushebeln. Die Beine sind müde, aber schmerzen nicht, die Stelle in der Seite tut nicht mehr ganz so weh und der letzte Kilometer ist angebrochen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00666.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2703" title="DSC00666" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00666.JPG" alt="DSC00666" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Kurz vor der Festhalle – noch ein nettes bekanntes Gesicht. Wunderbar. Rein in die gut’ Stubb! Ich erinnere mich, der Teppich war weich. Vor Stunden, als die Welt noch eine andere war. Die vor dem Frankfurt Marathon. Der Zieleinlauf ist schön und einzigartig, wenngleich für mich nicht so bewegend, wie oft geschildert. Vielleicht kann nach der Farbenpracht im Freien der rote Teppich nicht noch einen drauf setzen.</p>
<p>Kurz nach mir kommt Fauja Singh, der 99jährige Staffelläufer ins Ziel. Schnell -  ein Foto!</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fauja.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2701" title="Frankfurt Marathon Fauja" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/Frankfurt-Marathon-Fauja.jpg" alt="Frankfurt Marathon Fauja" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Dann zieht es mich an die frische Luft. Ich bekomme eine knisternde Wärmedecke (Ich liebe Wärmedecken!), eine Rose und eine fette Medaille. 4:24. Ging eben nicht schneller. Ich setze mich in die Sonne, knistere ein bisschen mit meiner Decke und trinke mehrere Becher von dem köstlichen Rosbacher Wasser mit Kohlensäure. An der Strecke gab es ja nur das ohne.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00672.JPG"><img class="aligncenter size-full wp-image-2702" title="DSC00672" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC00672.JPG" alt="DSC00672" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Zwei Jahre ohne Marathon. Wie hab ich das nur ausgehalten? Und welchen der 291 Marathons laufe ich nächstes Jahr? Es wäre mein 10ter. Ein Jubiläum läuft sich eigentlich ganz gut in Frankfurt&#8230;</p>
<div id="attachment_2705" class="wp-caption aligncenter" style="width: 262px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2000.jpg"><img class="size-full wp-image-2705 " title="FM 2000" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2000.jpg" alt="Frankfurt Marathon 2000 bei km 41" width="252" height="372" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurt Marathon 2000 bei km 41</p></div>
<div id="attachment_2706" class="wp-caption aligncenter" style="width: 259px"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2010.jpg"><img class="size-full wp-image-2706 " title="FM 2010" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2010/11/FM-2010.jpg" alt="Frankfurt Marathon 2010 bei km 40,5" width="249" height="372" /></a><p class="wp-caption-text">Frankfurt Marathon 2010 bei km 40,5</p></div>
<div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #778899; border-left-color: #778899; border-right-color: #778899; border-bottom-color: #778899; background-color: #faf0e6; ">Mehr zum Frankfurt Marathon gibt&#8217;s hier: <a href="http://www.frankfurt-marathon.com" target="_blank">www.frankfurt-marathon.com</a></div>
<p>Einen Teil der Fotos verwende ich mit freundlicher Genehmigung von Heiko Bartlog. Vielen Dank Heiko &#8211; so schnell und so viele Bilder &#8211; das schaff ich nie! <a href="http://twitter.com/bartlog" target="_blank">http://twitter.com/bartlog</a></p>

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		<title>Der Puschel-Marathon.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:16:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frankfurt Marathon 09]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt-Marathon]]></category>
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		<description><![CDATA[Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in Österreich („Der Kaiser fährt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausgeübt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonläufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgeschäft für Clownsbedarf einen riesengroßen, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. (...)]]></description>
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<p>Beim Puschel Marathon handelt es sich nicht etwa um einen Landschaftslauf in Österreich („Der Kaiser fährt heuer wieder zur Kur nach Puschl“). Es ist vielmehr eine besondere Ausdauersportart. Sie wird von denjenigen ausgeübt, die mehrere Stunden am Streckenrand Marathonläufer anfeuern und sich dabei eines Puschels bedienen. Vor einigen Jahren kaufte ich in einem Fachgeschäft für Clownsbedarf einen riesengroßen, raschelnden Cheerleader-Puschel. Er ist pink. Sehr pink. Ich wollte bei einer Marathonveranstaltung ein paar Menschen zujubeln und brauchte ein passendes Utensil.</p>
<p>Aus leidvoller eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht alles, was zum Anfeuern angeboten wird, auch dafür geeignet ist. Als ich einmal in Hamburg Marathon lief, hatte der damalige Sponsor Hansaplast Tröten verteilt. Genaugenommen waren es Plastikmundstücke mit einer aufgesteckten Papprolle. Sie machten etwa das Geräusch, das Luftballons fabrizieren, wenn man den Gumminippel auseinanderzieht, während die Luft entweicht. Widerlich. Bei Kilometer 10 hatte ich das Gefühl, dass jedes Kind in ganz Hamburg mit dieser Tröte ausgestattet war und die Strecke beschallte. Bei Kilometer 20 war ich mir sicher, dass auch die Eltern je eine Tröte besaßen. Bei Kilometer 30 wusste ich, dass jedes Kind vier Tröten hatte, und die Eltern, Großeltern, Onkel, und Tanten auch. Es ging mir nicht gut bei diesem Lauf und ich litt zusätzlich an vier Stunden schrillem Füüpen. Ich denke, der berühmte „Mann mit dem Hammer“ sollte in „der Mann mit der Tröte“ umbenannt werden. Sponsoren sollten bedenken, was sie tun. Ich habe nie wieder ein Hansaplast-Produkt gekauft.</p>
<p>Ich habe vieles ausprobiert beim Anfeuern: eine kleine Glocke (war zu leise und ging nach einer Stunde kaputt), Topfdeckel (war lustig, ruinierte aber auf Dauer die Deckel), rufen (macht nach einer Stunde heiser). Obendrein ist beim persönlichen Anfeuern noch etwas anderes wichtig: es muss auch dann noch wahrgenommen werden, wenn der Geräuschpegel der Umgebung groß ist. So kam ich auf den Puschel. Er kann nicht nerven, denn er macht kein stresserzeugendes Geräusch. Er ist weithin sichtbar (wenn man ihn über dem Kopf schwenkt) und so wird man auch von den Läufern in der Menge gefunden. Und er löst Heiterkeit aus. Das durfte ich heute beim Frankfurt Marathon wieder einmal feststellen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png"><img class="size-full wp-image-2013 aligncenter" style="margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="Bild-9" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Bild-9.png" alt="Bild-9" width="302" height="402" /></a><br />
Ich beziehe am Morgen meinen traditionellen Standplatz, pünktlich 10 Minuten vor dem Start. Er liegt an der Mainzer Landstraße, dort, wo die Läufer vier mal vorbeikommen: bei km 1, 3, 35 und 41. Zwischendurch kann man an die Alte Oper watscheln, um dort noch einmal Läufer bei km 6 zu sehen. Mehr Läufereindrücke bei weniger logistischem Aufwand sind kaum machbar. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass man sich entscheiden muss: während die einen Läufer noch bei km 1 sind, kommen andere schon bei km 3 auf der gegenüberliegenden Seite vorbei. Gleiches gilt für 35 und 41. Hier muss man die Anfeuerungskräfte nach Bedarf verteilen: die Langsamen brauchen mehr Zuspruch.</p>
<p>Wer Marathonlaufen liebt und schon einmal an der Strecke stand, wird es bestätigen: es gibt kaum etwas aufregenderes, als den Moment, wenn sich der Hubschrauber nähert und das erste Polizeifahrzeug auftaucht. Dann folgen meistens mehrere Motorräder, ein paar Fahrräder und dann das wichtigste: das Auto mit der magischen Uhr auf dem Dach. Hinter dem Auto laufen Menschen, die das gleiche tun, das man selbst so oft tut. Und doch sieht es ganz anders aus. Dunkelhäutige Männer schweben vorbei, mit glänzenden, sehnigen Waden, mit Flatterhosen und dünnen Trägerhemdchen, mit schön geformten Hinterköpfen und großen Zähnen. Man sieht sie vorbeifliegen und fühlt sich sofort wie ein Germknödel neben einer Vanilleschote.</p>
<p><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2016" title="Frankfurt-Marathon 1" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-1.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 1" width="512" height="384" /></a></p>
<p>Niemand in der Menge ruft „Wilfred!“, „Henry!“ oder „Joseph!“ obwohl es auf den Startnummern steht. Der Menge ist es im Grunde egal, welcher der Schwarzen gewinnt. In Frankfurt ist das besonders ausgeprägt. Denn dort starten viele Eliteläufer. Man will die Konkurrenz und man will den Streckenrekord. Sie sind alle phantastisch. Sie sind alle Elite. Aber sie sind nicht wie Paul Tergat oder Haile Gebrselassie. Sie sind keine Stars. Sicher können sie gut damit leben. Aber mir tut es leid. Ich suche mir immer einen aus, den ich besonders anfeure. Auch mit Namen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2018" title="Frankfurt-Marathon 5" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-5.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 5" width="512" height="384" /></a><br />
Während der Hubschrauber noch über uns steht, reißt das Feld weit auseinander. Wenn man noch einen Kaffee trinken muss, sollte man das jetzt tun. Ich habe immer eine Thermoskanne Kaffee dabei. Als Fan an der Strecke muss man wach und warm bleiben. Zum Glück ist es heute nicht kalt – bei 15 Grad lässt es sich gut eingepackt lange stehen. Dann wird es spannend: jetzt kommen die, die nicht mit Laufen ihr Geld verdienen und trotzdem abenteuerlich schnell sind. Ich erkenne ein paar Läufer aus der Region. Wie schnell sie sind! Für meinen Puschel haben sie überhaupt keinen Blick. Es ist der erste Kilometer, man ist noch damit beschäftigt, sich auf die kommenden Stunden zu konzentrieren. Manche konzentrieren sich so sehr, dass sie grimmig aussehen. Sie runzeln die Stirn und grübeln.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2027" title="Frankfurt-Marathon 6" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-6.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 6" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">War die Entscheidung für das T-Shirt richtig? Hätte man nicht doch besser das Singlet nehmen sollen? Hätte es statt der Kappe nicht auch ein Tuch getan? Stört da gerade etwas im Schuh? War der erste Kilometer zu optimistisch angegangen? Läufer, die deutlich unter drei Stunden laufen, sehen meistens nicht besonders entspannt aus. Doch dann entdecke ich das erste bekannte Gesicht, das sehr entspannt aussieht und ich bin wieder zufrieden. Es ist gar nicht so einfach, an eine Wand aus stirnrunzelnden Läufergesichtern hinzupuscheln. Jenseits der drei Stunden-Marke wird es langsam anders. Der Frauenanteil ist zwar nach wie vor verschwindend, aber es gibt sie. Sie sind gebräunt, tragen Zöpfchen und Triathlon-Oberteile. Hauteng natürlich.  Die Schuhe sind neongelb oder orange. Neben ihnen laufen Männer mit dunklen Sonnenbrillen und ihr Gesichtsausdruck sagt: Seht her! So schnell läuft sie nur, wenn ich sie begleite!</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle und puschle. Alle drei Minuten muss ich den Arm wechseln, sonst wird es zu anstrengend. Das Feld wird jetzt immer entspannter. Man redet viel miteinander. Nervtötend sind nur die Staffelläufer: sie zerstören den Rhythmus des Feldes. Mehrfach rennt ein Staffelläufer über den Bordstein auf meine Verkehrsinsel, so dass ich mich in Sicherheit bringen muss. Sie rempeln und holzen. Ich weiß, warum Veranstalter Staffeln mögen. Sie machen den Marathon auch bei denen populär, die die ganze Strecke nicht schaffen. Sie halten die Teilnehmerzahlen hoch und tragen den guten Ruf des Marathons in die Familien, Freundeskreise und Büros. Aber viele haben leider immer noch nicht begriffen, dass 6-Kilometer-Läufer an diesem Tag nicht der Nabel der Welt sind. Mich macht das sauer.</p>
<p style="text-align: left;"><div style='float:right; width:200px;' ><div class='stb-info_box' style="color:#696969; border-top-color: #f4a460; border-left-color: #f4a460; border-right-color: #f4a460; border-bottom-color: #f4a460; background-color: #f5f5f5; "><em>Zu viel Text am Bildschirm? </em><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Puschel-Marathon.pdf" target="_blank"><em>Hier</em></a><em> gibt&#8217;s ein PDF zum Ausdrucken.</em></div></div></p>
<p style="text-align: left;">Jetzt finde ich immer mehr bekannte Gesichter und das macht mich dann wieder ganz froh. Man kann Albernheiten rufen und etwas zurück gerufen bekommen. Eine Sekundenbegegnung hat im Marathon eine andere Bedeutung, als im normalen Leben. Sie brennt sich sofort auf die innere DVD, die den Marathon beschreibt. Treffen an der Strecke sind wie ein Foto, das man sich später innerlich immer wieder anschauen kann. Deshalb gebe ich mir Mühe. Die Läufer sollen ein schönes Foto bekommen.</p>
<p style="text-align: left;">Langsam taucht der Ballon mit dem Vier-Stunden-Zugläufer auf. Er schart einen riesigen Pulk Menschen um sich. Nein, hier in der Enge zu laufen wäre mir zu anstrengend. Aber die Läufer, die danach kommen sind mir besonders lieb. Sie werden immer dicker, immer weiblicher und immer älter. Und sie sind immer wärmer angezogen. Und sie lächeln mehr. Viele sind gewillt, heute einfach nur Spaß zu haben, das kann man deutlich merken. Sie winken mir und lachen über das pinkfarbene Ungetüm am Ende meines Armes.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2028" title="Frankfurt-Marathon 7" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-7.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 7" width="512" height="384" /></a><br />
An der Fünf-Stunden-Marke sieht man besonders viele Veteranen. Ältere Herren, die vermutlich abenteuerlich viele Marathons hinter sich haben. Sie laufen oft ein bisschen krumm, blinzeln (weil sie natürlich keine coole Sonnenbrille tragen), und sind auffällig dünn angzogen. Die Frage „Bist Du ein Mann oder eine Maus?“ muss man diesen Herrschaften nicht stellen. Sie sehen aus, als hätten sie schon jeden ihrer Zehennägel einmal bei einem Lauf  verloren. Ich denke, sie müssen die Brustwarzen nicht mehr abkleben, weil sie inzwischen keine mehr haben. Diese Laufwesen sind perfekt an das Laufen durch Städte angepasst. Ich nenne sie „Zausel“ und habe größten Respekt vor ihrer Leistung.</p>
<p style="text-align: left;">Ganz am Ende des Feldes kommt Peter. Er ist heute Zugläufer für 5:59 und hat damit die Mission, alle Schäflein möglichst vor dem Zielschluss in die Festhalle zu bringen. Viel Begleitung hat er nicht, aber das kann sich ja ändern.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2020" title="Frankfurt-Marathon 3" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-3.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 3" width="512" height="384" /></a><br />
Nach etwa einer halben Stunde ist auch der letzte Läufer bei Kilometer 1 vorbeigekommen. ich drehe mich herum und schaue mir einen großen Teil des Feldes noch einmal an, während es Kilometer 3 passiert. Ein Nichtläufer würde sich vielleicht fragen, worin um alles in der Welt, hier der Reiz liegt. Das kann ich mir aussuchen. Ich kann mir das ganze Feld als eine riesengroße Lauf-Modenschau vorstellen. „Streetwear“ sozusagen. Nie werde ich mehr Kombinationen von Jacken, Shirts, Hosen und Strümpfen sehen, als hier. Ich kann die Tchibo-Passform mit der von Nike vergleichen und feststellen, dass Adidas-Jacken immer ein bisschen kurz sind. Ich sehe, wie schwarze Kompressionsstrümpfe bei kleinen Frauen wirken (besser als weiße) und dass es jetzt immer mehr pinkfarbene gibt. Das macht Spaß. Ich kann mich aber auch auf die Kostüme konzentrieren und darauf hoffen, dass bald eine laufende Sebamed-Flasche vorbeiläuft. Oder Michel mit einem Riesen-Baguette unter dem Arm. Ich kann mich darüber freuen, dass es Menschen gibt, die in einem Kuhkostüm laufen und dabei einen Rucksack in Form von „Shaun dem Schaf“ tragen. Und ich kann die Frauen mit lilafarbenem Haar zählen, die gestern offensichtlich noch auf einer Halloween-Party waren.</p>
<p style="text-align: left;">Ebenso gut könnte ich mich auf orthopädische Aspekte konzentrieren. O-Beine betrachten, hüpfende Vorfußläufer, stampfende Entenfüßler oder kraftvolle Beine-in-die-Luft-Werfer. Es gibt endlos viele Möglichkeiten, das Feld zu betrachten. Am liebsten sind mir Gesichter. Aber das wird erst bei Kilometer 35 richtig spannend.</p>
<p style="text-align: left;">Ich warte wieder bis Peter vorbei ist und ziehe zur Alten Oper. Etliche Zuschauer machen das gleiche. Von weitem hört man schon die Einpeitscher-Musik an der hr-Bühne („Let’s get loud!“).  Hier sehe ich nur noch das letzte Viertel des Feldes und schon jetzt ist abzusehen, dass sich einige schwer tun werden. Bereits bei Kilometer 6 sieht man hochrote Köpfe und hört schweren Atem. Mit diesen Läufern möchte ich nicht tauschen.</p>
<p style="text-align: left;">Es ist ganz nett, ein wenig Musik und Moderation zu haben. Aber vier Stunden wollte ich hier nicht stehen. Auch als Zuschauer braucht man seine nachdenklichen Minuten. Wo ist Peter? Ah, da. Jetzt kann ich ja wieder gehen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2021" title="Frankfurt-Marathon 4" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-4.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 4" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Dann kriege ich noch ein Stück des Mini-Marathons der Kinder mit. Kinder anfeuern ist viel einfacher als Erwachsene. Leider reagieren die allerdings so unmittelbar auf Motivation, dass sie sich sofort übernehmen und dann gleich wieder gehen müssen. Einmal zu kräftig gerufen und der kleine Läufer hechtet sich die Seele aus dem Leib – für die nächsten 20 Meter. „Hau rein!“, wäre also die falsche Ansage. Hier muss man eher maßvoll vorgehen und die Regieanweisung am besten gleich mitliefern: „Schön langsam durchlaufen, du hast es gleich geschafft!“ Oder bei denen, die schon gehen: „Du kannst bestimmt schon wieder ein Stückchen laufen! Ist nicht mehr weit.“ Das klappt ganz gut.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt hab ich mir einen Kaffee und einen Riegel verdient. Manchmal habe ich auch Streuselkuchen dabei, aber das hat heute nicht geklappt. Jetzt kann ich mich kurz auf den Randstein setzen und mich für die kommenden Aufgaben stärken.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2022" title="Marathon-Imbiss" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Marathon-Imbiss.jpg" alt="Marathon-Imbiss" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">In einer halben Stunde geht es weiter und dann wird es keinen Moment mehr geben, an dem man guten Gewissens ausruhen kann. Wieder kündigen der Hubschrauber und das magische Auto mit der Uhr die Elite an. Zwei Männer haben sich abgesetzt – mein Favorit ist nicht dabei. Der mit dem blauen Hemd, Gilbert, fletscht ein wenig die Zähne. Er sieht angestrengt aus. Robert neben ihm wirkt lockerer. Aber was weiß man schon über kenianische Gesichter bei km 35? Vielleicht läuft Gilbert einfach immer so.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2023" title="Frankfurt-Marathon 8" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-8.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 8" width="512" height="384" /></a><br />
Man muss es 5 Stunden-Läufern einmal zum Trost sagen: schnelle Läufer sehen bei km 35 auch oft nicht mehr gut aus. Hier werden Zähne gefletscht, Augenbrauen hochgezogen und Salz aus den Augen gerieben. Auch die Schnellen müssen kämpfen. Sie haben Krämpfe und machen Gehpausen. Ein Äthiopier weit vorne geht. Er sieht nicht so aus, als wollte er das Rennen fortsetzen. Aber die Abkürzung zurück zur Messe nimmt er auch nicht. Er geht einfach weiter, als würde ihm die Enttäuschung jede logische Überlegung rauben. Hier kann mein Puschel absolut nichts mehr tun. Das sind für mich die schwierigsten Momente. Was ruft man jemandem zu, der mit schmerzverzerrtem Gesicht an einem vorbei humpelt? „Du siehst gut aus“? „Ist nicht mehr weit“? Beides wäre gelogen. Es ist bei km 35 noch verdammt weit, wenn es einem schlecht geht. Und wenn es einem schlecht geht, ich meine, richtig schlecht, dann kann man Zuschauer auch hassen. Man kann sie dafür hassen, dass sie gerade etwas trinken, was man selbst gern hätte. Dass sie da sind, wo man sie nicht haben will. Dass sie nicht da sind, wo man sie haben will. Und am meisten hasst man sie, wenn sie da stehen und einen mit regungslosem Gesicht anstarren. Man kann als Zuschauer nicht stundenlang ununterbrochen klatschen, brüllen oder klappern. Aber man muss irgendetwas tun. Sonst muss man nach Hause gehen. Man darf nicht regungslos Leute anstarren, das ist einfach nicht fair. Man kann lächeln und nicken und jemandem zuzwinkern, eine kleine Verbeugung machen. Das macht nicht viel Mühe und sagt doch, dass man noch im Spiel ist. Und nicht nur ein verständnisloser Voyeur von anderer Leute Qual. Wenn es einem als Läufer gut geht, ist es egal – aber wie vielen Läufern geht es bei km 35 richtig gut? Ich will noch im Spiel sein und ich will nicht gehasst werden. Ich will helfen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich puschle, lächle und nicke.  Die Frau eines Läufers aus dem Runners World Forum gesellt sich zu mir und wir scannen das Feld nach bekannten Gesichtern. Ich fühle mich wie ein Kind, das Wimmelbilder guckt. „Wo ist Walter?“ heißt eine Kinderbuchreihe. „Wo ist Gregor?“, „Wo ist Kathrin?“ „Wo ist Joe?“, „Wo ist Daniela?“ Wo sind denn all die anderen?</p>
<p style="text-align: left;">Prominenz kommt vorbei. „Lumi!“ Luminita Zaituc verdient eine extra Würdigung. Sie ist schließlich so alt wie ich und läuft beinahe doppelt so schnell. Naja, jedenfalls fast.</p>
<p style="text-align: left;">Das Feld ist jetzt auch deutlich zu riechen. Das ist in Ordnung. Wer 35 Kilometer gelaufen ist, hat ein gutes Recht, zu miefen. Salzkrusten zeichnen sich auf Schläfen und T-Shirts ab. Die ersten blutigen Brustwarzen sind zu sehen, Singlets werden zu abenteuerlichen, Borat-artigen Konstruktionen geknotet, um empfindliche Brust frei zu legen. Ein Läufer hat den Kragen seines T-Shirts im Mund. Ein anderer mit einer weißen Tight hat sich einen unübersehbaren blutigen Wolf gelaufen. Was tragen diese Menschen nur alle im Training?</p>
<p style="text-align: left;">Auf der anderen Seite, bei km 41, geht jetzt ein Raunen durch die Zuschauer. Der führende ist im Anmarsch. Gilbert hat Robert abgehängt. Er fletscht immer noch die Zähne. Vielleicht sollte ich das auch mal probieren, es macht anscheinend schnell. Robert folgt bald darauf. Das war es wohl.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2024" title="Frankfurt-Marathon 11" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-11.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 11" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2025" title="Frankfurt-Marathon 12" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-12.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 12" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2026" title="Frankfurt-Marathon 13" src="http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/uploads/2009/10/Frankfurt-Marathon-13.jpg" alt="Frankfurt-Marathon 13" width="512" height="384" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Jedes bekannte Gesicht, das ich im Feld entdecke, ist eine Freude. In meinem Wimmelbildbuch darf ich eine Seite umschlagen. Mindestens ebenso schön ist es, wenn die Läufer mich entdecken. Sie rufen meinen Namen und dann muss ich schnell reagieren. Wo, wo, wo? Da! Wir haben uns gefunden – yeah! Manche grüßen mich, obwohl ich sie gar nicht kenne. Egal. Schon ist wieder jemand kurz von seinem Schmerz abgelenkt. Kathrin muss ich verpasst haben. Sie sollte längst hier sein, der 3:30-Luftballon ist vorbei. Wie schade. Und dann sehe ich sie plötzlich doch, inmitten der tausenden unbekannten verschwitzten Gesichter. Ich freue mich enorm. Gefunden! Es läuft nicht so gut. Kann man trösten? Nein. Ein enttäuschter Läufer ist während des Laufs untröstlich. Bestenfalls vernünftig. Man kann nur da sein.</p>
<p style="text-align: left;">Viele Läufer sehen wild entschlossen aus. Nicht jeder hat gerade ein Tief. Manche lachen und begrüßen ihre persönlichen Groupies. Obwohl hier nicht viele stehen. Mein Standplatz ist ein Geheimtipp. Immer mehr Läufer lachen auch über den rosa Puschel. Jemand läuft extra zu mir herüber und sagt mit gebrochenem Deutsch: „Das sieht sehr schön aus.“ Besonders jetzt, wo die Läufer immer langsamer werden, ist Zeit da für Begegnungen. „Das rosa Ding hab ich doch vorhin schon gesehen!“ „Ich stand ja auch vorhin schon hier!“  Und immer mehr Leute rufen aus dem Feld: „Du stehst ja immer noch da!“ und ich rufe: „Ich musste doch auf dich warten, wo bleibst du denn!“ Wir kennen uns gar nicht, aber das ist ganz egal. Mit etwas Glück werden sie sich noch einen Kilometer lang darüber freuen (die Gedanken fließen zäh beim Marathon). Ein gutes inneres Foto für später.</p>
<p style="text-align: left;">Joe taucht auf und erzählt, dass er bei km 32 Party gemacht und Bier getrunken hat und sich deshalb leider heute verspätet. Auch das gibt es. Es gibt alles. Verdorbene Mägen, verkrampfte Oberschenkel, gezerrte Waden, und Glück. Unendliches Glück, dass das hier alles möglich ist. Man kann es durch die Salzkrusten sehen. Vor allem, wenn ich mich umdrehe und die Läufer bei km 41 betrachte. Noch einen Kilometer. Was ist ein Kilometer gegen die 41 zurückliegenden und die unzähligen Trainingskilometer davor? Ein Pups. Er bläht sich auf, als wäre er der wichtigste, der längste und der schwerste Kilometer. Der letzte Kilometer ist ein Blender. Aber die Läufer lassen sich nicht blenden. Sie wissen im Grunde ihres Herzens, dass sie diesen Kilometer auf einer halben blutigen Zehe nach Hause laufen. Und das kann man in den Gesichtern sehen. Manchmal entgleiten die Gesichtszüge schon jetzt. Zähne zusammenbeißen, lachen und heulen liegt sehr nah beieinander.</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt wird das Feld langsam löchrig. Man kann für einzelne Läufer die Welle machen. Namen rufen. Uga-Aga-Uga tanzen. Ältere Damen laufen mit Stil. „Oh, Dankeschön für die Anfeuerung!“ Mir tut der Rücken weh. Seit Vier-einhalb Stunden stehe ich jetzt hier. Ich kann jetzt nicht gehen, wo noch so viele langsame Läufer unterwegs sind. Wenn die kommen, die am meisten Anfeuerung brauchen, leeren sich die Straßen. Zum Glück wird es heute nicht auch noch kühl, wie sonst oft. Und wieder: „Stehst du da immer noch?“ „Du läufst ja auch immer noch, was soll ich machen?“ Manchmal wollen Läufer nicht gestört werden. Sie sind in sich gekippt und versuchen einfach nur, sich vorwärts zu bewegen. Dann bin ich still und lächle und nicke. Jetzt warte ich nur noch auf Peter, den Schlussläufer. Nach über fünf Stunden puscheln geht nichts mehr. Ich muss nach Hause. Peter hat einen asiatischen Laufveteranen neben sich. Ich freue mich, die beiden zu sehen. Auch, weil sie meinen Feierabend bedeuten. Und dann laufe ich ein bisschen mit. Das Tempo ist langsam genug für einen Menschen mit Thermoskanne im Rucksack. Wir sind ein lustiges Trio. Der unverdrossene, wild entschlossene Asiate, der große Mann mit dem Luftballon und die kleine Frau mit einem rosa Puschel um den Hals. Fast einen Kilometer laufe ich mit. Ich wünschte, ich hätte Laufschuhe an und keine Daunenweste, sondern Laufsachen. Ich würde jetzt so gerne mitlaufen und auch ins Ziel kommen. Aber der Puschel-Marathon in Frankfurt hat eben nicht ein großes Ziel, sondern 12.000 kleine.</p>

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