Schuhe – Laufen-mit-frauschmitt http://www.laufen-mit-frauschmitt.de Laufen zum Lesen und Hören. Sun, 27 Aug 2017 17:54:58 +0000 de-DE hourly 1 Laufen zum Lesen und Hören. Schuhe – Laufen-mit-frauschmitt Laufen zum Lesen und Hören. Schuhe – Laufen-mit-frauschmitt http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/wp-content/plugins/powerpress/rss_default.jpg http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/category/produkttests/schuhe/ Boing, boing, boing. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/on-cloudsurfer-test/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/on-cloudsurfer-test/#comments Sun, 26 Apr 2015 16:53:47 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=4684 Wer mich kennt, weiß, dass ich ein echter Produkttestmuffel bin. Zwar bin ich immer neugierig und experimentierfreudig, aber die Beschreibung von Produkten finde ich eigentlich ein bisschen langweilig und obendrein subjektiv. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich jemandem hilft. Und bei solchen technischen Angaben zu Laufschuhen wie etwa „Sprengung“ schlafe ich schon beim Schreiben ein.

Trotzdem, ich will mal wieder eine Ausnahme machen. Wenn etwas wirklich super ist, kann man es ja ruhig mal beschreiben. Seit Jahren streiche ich um Laufschuhe der Schweizer Marke on-running herum, hin- und hergerissen. Ich bin schon lange keine besonders schnelle Läuferin mehr, ich suche bei Läufen Laufspaß und Komfort. Meine Tendenz zur Dämpfung und einem „gemütlichen“ Schuh“ hat zu Fehlkäufen geführt, wie etwa beim Brooks Gycerin 11, der mehr Schuh an meinem Fuß bedeutete als ich brauche. Komfortabel mag ich es schon, aber gleichzeitig leicht und fluffig. „Mein“ Schuh ist seit Jahren der Brooks Ghost, für mich genau die richtige Mischung aus Dynamik, Leichtigkeit und Komfort. Ich liebe es, neue Schuhe zu tragen, die lautlos sind und noch wunderbar federn.

Ein Hersteller, der ein „Laufen wie auf Wolken“ verspricht, zieht mich da magisch an. Nun haben wir ja in den letzten Jahren gelernt, dass bei allem Komfort das Gefühl, Boden unter den Füßen zu haben, nicht ganz unwichtig ist. Auch für mich gilt: Ich will lieber den Boden spüren als die Schuhe. Die auffällige Sohle der on-Schuhe mit ihren kleinen Puffern sieht toll aus, weil sie Komfort verspricht. Sie hat mich aber auch immer abgeschreckt, weil ich dachte, das KANN nicht funktionieren. Man hat keinen Bodenkontakt mehr und läuft vermutlich wie auf kleinen Klötzchen. Der Grund, warum ich die Schuhe nie anprobiert habe, ist aber sehr profan. Ich mochte das Design nicht. Die Damenschuhe hatten meist blöde Farben, wie ich fand. Außerdem war ich ja mit meiner kleinen Schuhauswahl zuhause glücklich. Never change a running shoe.

Dann sah ich im Laufladen meines Vertrauens ein Video, das den Unterschied von einem on-Schuh gegenüber einem beliebigen Laufschuh beim Aufprall zeigt. Ich gehöre zu den Menschen, die auch im Baumarkt stehen bleiben, wenn jemand auf einem Bildschirm Putzlappen demonstriert, deshalb habe ich das natürlich aufmerksam betrachtet. Beim normalen Laufschuh sah man in Slowmotion, wie die Muskulatur der Wade beim Aufprall mächtig in Bewegung geriet. Beim on-Schuh passierte da herzlich wenig – die kleinen Waben haben einen großen Teil des Aufpralls absorbiert. Ich nickte anerkennend und fast schon überzeugt. Ich nahm den Schuh in die Hand und fand seine Innenausstattung hart und gar nicht gemütlich. Und dann stellte ich ihn wieder hin. Wir fanden einfach nicht zueinander, der Schuh und ich.

Aber irgendwann war ich reif. Zugegebenermaßen half das Design: Ich sah ein Modell in einer Farbkombination, die ich richtig mochte. Und dann bekam ich auch noch die Gelegenheit, den Schuh zu testen – ein Traum. Mit Freude und Skepsis machte ich mich an den On-Cloudsurfer-Test.

on Cloudsurfer Test 1

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Ich vermute ja, dass Brooks die Maße meiner Füße als Maßstab für seine Schuhe nimmt, wo immer die sie auch herhaben mögen. Die Paßform ist für mich hier überragend. Außerdem ist das Innenleben der Schuhe derart kuschlig gepolstert, dass der Fuß im Schuh sitzt wie in einem Sitzsack. Bei Brooks sind selbst die Schürsenkel knuffig. Deshalb sind meine Füße ungeheuer verwöhnt und sie fanden den on-Schuh innen ein bisschen steif und hart. Am Knöchel spürte ich den Schuhrand und das kann ich eigentlich nicht leiden.

Doch dann machte ich den ersten Schritt und die Skepsis war weggepustet. Kein Scheuern, keine Härte. Beim Gehen macht der Schuh ein Geräusch wie auf frischem Schnee, ein wenig knirschend (nur beim Gehen, beim Laufen ist der Schuh nahezu lautlos). Schon bei einfachen Gehschritten fühlt es sich an, als wäre man auf einer Tartan-Bahn unterwegs. Beim Laufen aber wird es wirklich großartig. Das Laufgefühl mit dem on ist unvergleichlich. Und das soll keine Floskel sein, ich wüsste wirklich nicht, welcher Schuh ein ähnliches Laufgefühl schaffen könnte. Vor vielen Jahren gab es mal eine tolle Kampagne für einen Schuh von Nike, den Nike Shox. Zum Laufen war der Schuh eine einzige Katastrophe, aber die Idee der kleinen Sprungfedern in der Ferse war hübsch. Und die Kampagne noch mehr: Der Slogan war einfach „Boing, boing“. Damit ist ja auch alles gesagt. Die wahren Boing Boings sind aber die Schuhe von on. „Laufenergie wird in Vorwärtsbewegung verwandelt“ behauptet on und ich kann dazu nur sagen: Stimmt.

On Cloudsurfer Test 3

Ich laufe mit den Schuhen ungeheuer leicht und auffallend ermüdungsfrei. Ich dotze auf Asphalt vorwärts wie ein Gummiball, auf Waldwegen sind sie (anders als gedacht) absolut trittfest. Man schwimmt keineswegs, im Gegenteil. Meine Füße fühlen sich jederzeit fest und sicher in der Spur. Bei Nässe haben die Schuhe einen überraschend guten Grip. Ich habe nie das Gefühl von „zu viel Sohle, zu wenig Boden“. Manchmal verkrampfen sich meine Füße bei neuen Schuhen nach etwa 15 Minuten etwas. Allerdings habe ich festgestellt, dass es nicht passiert, wenn der Schuh und ich wirklich zusammenpassen. Tatsächlich blieben beim on diese Anpassungsschwierigkeiten komplett aus. Es passiert genau das, was ich an tollen Laufschuhen so liebe. Ich vergesse einfach, dass ich sie trage. Ich vergesse, dass da Waben an der Sohle sind.

on Cloudsurfer Test 2

Dazu muss gesagt werden, dass es nicht einen on-Schuh gibt, sondern verschiedene Modelle für verschiedene Laufansprüche. Auch das erscheint mir sinnvoll. Wer schnell unterwegs ist, mag es etwas straffer und bodennäher, ein Laufanfänger braucht dagegen sogar noch mehr Gemütlichkeit als ich. Ich laufe mit dem sogenannten „Cloudsurfer“, ein Schuh der mittleren Kategorie, der durchaus Wettkampf-geeignet ist. Dafür dass der Schuh fast ein bisschen „schnell“ für mich ist, macht er meine lahme-Ente-Läufe ziemlich gut mit. Wer noch schneller sein mag, für den gibt es den Cloudracer und für die Natural-Schuh-Puristen gibt es mit dem Cloud einen ganz besonders flachen und flexiblen Schuh.

Für mich wäre mein on der absolut perfekte Schuh, wenn er innen speziell am Rand noch eine Idee weicher und besser gepolstert wäre. Für mich dürfte er auch vorn noch ein klitzekleines bisschen breiter sein, aber das ist ein Sonderproblem, ich habe Füße wie eine Graugans. Was Komfort und Laufgefühl bei verschiedenen Tempi betrifft, hatte ich noch nie Laufschuhe, die so viel Laufspaß gebracht hätten. Für mich ist der Cloudsurfer überragend und macht meinen geliebten Brooks große Konkurrenz. Hätt ich mich nur mal früher rangetraut! Hier nochmal zum Schnell-Lesen mein Ergebnis vom on-Cloudsurfer-Test:

on-Cloudsurfer Vorteile:

* Außergewöhnlich komfortables Laufgefühl bei verschiedenen Geschwindigkeiten

* Laufspaß, Laufspaß, Laufspaß

* Weniger Ermüdung (kein Quatsch!)

* Für Asphalt (ganz besonders) aber auch für Waldwege geeignet

* Kein Rutschen bei Nässe

* Ordentliche Passform (macht einen „schlanken Fuß“), für breitere Füße geeignet

on-Cloudsurfer Nachteile:

* Innen sehr fest und am Rand etwas starr

* Schnürsenkel können sich lösen

 

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Schuhbidu. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/asics-gel-excel-33-test/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/asics-gel-excel-33-test/#comments Sun, 20 Nov 2011 17:02:37 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=3153 In einem Cartoon von Martin Perscheid läuft eine Frau in der Wüste willenlos auf eine Fata Morgana zu. Das Trugbild ist allerdings keine Oase mit Cocktails und Palmen. Die Gute versucht vielmehr ein Schuhgeschäft zu stürmen. Martin Perscheid ist ein Frauenkenner, daran besteht kein Zweifel. Ich berichte heute – schon wieder – über ein neue Paar Schuhe: die Asics GEL-EXCEL33.

Schuhbidu

Ich bin stolze Besitzerin mehrerer Quelle-Kataloge aus den 60er und 70er Jahren. Damals hießen dort die Kleider und Blusen „Hildesheim“, „Meran“ oder „Neapel“, gelegentlich auch „Ortrud“ oder „Ludmilla“.

Quelle

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, ein Laufschuh könnte einfach „Boston“, „Haile“, oder von mir aus auch „Two Oceans“ heißen. Aber nein. Sie heißen S-Lab 2 XT Wings, ProGrid Peregrine, Air Pegasus+28, asiStar Raven 2 CP, Supernova Riot 3 GTX. Der neueste Zugang auf meinem Regal macht keine Ausnahme im Geschwurbel: er heißt Asics GEL-EXCEL33 und erinnert mich damit an eine überaus fiese Software. Die 33 hat allerdings eine hübsche Geschichte: sie ist begründet in den 33 Gelenken im menschlichen Fuß, die dieser Schuh berücksichtigt. Das versöhnt mich ein bisschen mit „Gel Excel“.

Asics 33 1

Vor einigen Jahren wurde im Zielbereich eine Volkslaufs eine kleine Erhebung durchgeführt, man notierte die Laufschuhmarken der Zieleinläufer. Ein Mensch rief einem anderen die Namen zu. Das klang dann so: „Asics, Asics, Asics, Nike, Asics, Brooks, Asics, Nike, Saucony, Asics, Asics …“ Sie sind einfach beliebt, die japanischen Schlappen. Als Laufanfänger lernt man von vielen Schuhverkäufern schnell: mit Asics kann man nichts falsch machen. Das mag zwar so nicht unbedingt stimmen, denn natürlich passt nicht jeder Asics Schuh zu jedem. Aber es drückt im Kern etwas aus, das auch zu meiner Erfahrung passt: diese Schuhe haben eine ordentliche Passform, sind durchdacht und gut verarbeitet, halten in der Regel viel aus und das lange. Insbesondere Schuhe der 1000er oder 2000er Serie sind „Brot und Butter-Schuhe“. Solide und zuverlässig. Aber auch wenn ich die Schuhe gern mochte, richtig geliebt habe ich sie nie. Da ist etwas Distanziertes an dieser Marke, irgendetwas steht zwischen uns. „Run happy“ ruft Brooks seinen Läufern zu und diese zwei Wörtchen sagen so viel. „Sound mind, sound body“ sagt Asics und mir sagt das nichts. Asics Werbung ist so kühl, dass man sich für die Trailer auf Eurosport am besten ein Jäckchen bereit legt. „Anima Sana In Corpore Sano“, eine gesunde Seele (ein gesunder Geist) in einem gesunden Körper, bedeutet die Abkürzung Asics. Das spricht intellektuell an, aber das Herz geht leer aus.

Als ich hörte, dass Asics eine „Natural running“ Serie herausbringt, war ich sofort neugierig. Denn „Natural running“ ist etwas für’s Herz. Es bedeutet: mehr Bodenkontakt, mehr Leichtigkeit, mehr Gefühl. Wie wird Asics die Schuhe an die Läufer bringen? Wird es unsere verkopfte Beziehung zu Asics Schuhen mit mehr Gefühl anreichern? Asics gibt mir die Gelegenheit, den GEL-EXCEL33 zu testen, was mich immens freut.

Dieses Modell ist der Festeste aus der Serie, durchaus für leichte Überpronierer geeignet. Gerade habe ich ein Modell von Brooks mit einem ähnlichen Einsatzprofil im Gebrauch, den PureProject Cadence. Perfekt, die beiden im Wechsel zu tragen und zu vergleichen.

Die Optik des Schuhs ist wie immer Geschmackssache, ich finde sie sehr gelungen. Warum nicht mal schwarz? Dafür weit und breit kein rosa und hellblau. Prima. Ich schlupfe hinein und sie passen großartig. Der Fuß fühlt sich sicher und unaufdringlich umhüllt. Sie sind schön leicht: in Größe 41,5 285 Gramm. Der Brooks PureProject Cadence kommt in Größe 41 auf 230 Gramm. Schon beim Gehen merkt man, wie angenehm flexibel der Vorfußbereich gestaltet ist und wie leicht der Fuß abrollt. Die Sprengung des Schuhs (also der Höhenunterschied von Ferse zu Vorfuß) beträgt 10 mm, da kann nicht mal Natural-Running-Freak Matthias Marquardt meckern (tut er auch nicht, denn er ist Asics Partner).

Asics 33 2
Wenn man etwas über den Schuh liest, kommt wieder das zum Tragen, was Asics ausmacht: Technologie und eine etwas kühle Argumentation. Zwar ist von einem „unbeschwerten, ehrlichen Laufgefühl“ die Rede, aber dann gibt es da so etwas wie das „PROPULSION TRUSSTIC-System“ und die „GUIDANCE LINE“  und schwupp, ist es wieder da, das Asics-Frösteln. Ersteres ist trotzdem interessant: es arbeitet wie die Plantarsehne unter dem Fußgewölbe als Vorfußhebel, was für ein kräftesparendes Laufen sorgen soll. Toll, sowas brauche ich. All die Technologie (Details bitte direkt bei Asics nachlesen), ist so angelegt, dass sie mit dem Fuß arbeitet, keinesfalls dagegen.

Genug Theorie. Zur Praxis. Zunächst eine kleine Kritik, die ich bei Asics Schuhen immer wieder loswerden muss: Wer breite Füße hat wie ich und die Laufschuhschnürung bevorzugt, für den sind die Schnürsenkel zu knapp bemessen. Der von mir geliebte Doppelknoten ist nicht mehr möglich. Ein altes Problem, über das ich immer wieder seufze. Also trete ich mal wieder zu meinem ganz eigenen Triathlon an: schnüren, seufzen, loslaufen.

Das PT (Ich kann das unmöglich nochmal ausschreiben).

Das PT (Ich kann das unmöglich nochmal ausschreiben).

Das Vorfußgefühl ist auch beim Laufen sehr überzeugend. Der Fuß rollt super ab. Das fühlt sich großartig an. Im hinteren Mittelfuß ist aber irgendetwas, das mich stört. Der Fuß hat einen sehr guten Halt, das gefällt mir, trotzdem ist da etwas Festes, das sich starr anfühlt. Sollte ausgerechnet das PROPULSION TRUSSTIC-System den Fuß zu sehr stabilisieren?  Im Vergleich zum Brooks rollt demnach der ganze Fuß nicht so butterweich, wie ich es gern hätte. Ein deutlich hörbares Laufgeräusch bestätigt auch akustisch das Gefühl der Festigkeit.

Asics 33 3

Da isses wieder: das PT im Mittelfuß.

Da isses wieder: das PT im Mittelfuß.

In vielen Testläufen habe ich allerdings festgestellt, dass der Schuh sich immer besser und weicher anfühlt, wenn man ein bisschen Gas gibt. Das ist natürlich relativ zu sehen, alles unter 6 Minuten/km ist bei mir derzeit schon „Gas“. Das bedeutet: zum Trotten ist der Schuh nicht ganz so passend, aber schon ein klein wenig Geschwindigkeit bringt seine Stärke zum Tragen: ein sauberes, angenehmes Abrollen bei großer Sicherheit. Auf Waldwegen, Schotter und Matsch gibt er enormen Halt und ist doch schön leicht und flexibel. Hier mag ich ihn lieber als auf Asphalt, wo der fluffige Cadence der König ist. Innerlich juble ich darüber, denn jetzt habe ich zwei paar Schuhe, die ganz und gar nicht schwammig sind, meinen Füßen aber eine gute Portion Freiheit und Flexibilität geben – und ich kann je nach Untergrund wechseln. Auffällig ist, dass die Schuhe mir warm vorkommen, durch das dichte Mesh pfeift der Wind nicht so sehr wie bei anderen Laufschlappen. Das ist mir aber für den Winter nur Recht.

Laufen war schon immer eine Gefühlssache, aber bei den neuen Natural Running Schuhen muss man mehr denn je in sich hineinhorchen, ob der Schuh zu einem passt oder nicht. Deshalb kann man kaum eine allgemeingültige Empfehlung geben. Fest steht: gerade für Läufer, die sich an diese Kategorie Schuh herantasten, die ein wenig Stütze und Sicherheit brauchen, kann der Asics GEL-EXCEL33 ein toller Einstieg sein. Man kann ihn richtig gern haben. Vielleicht sogar lieben. Und außerdem kann man ja bei Asics nichts falsch machen.

Abspann 1: Bei meinem 10. Testlauf mit dem 33 laufe ich an einem Weinladen vorbei. Auf einem Transparent steht „Probieren sie unsere 200 Weine“. Während ich noch überlege, ob ich mir dafür einfach mal einen Nachmittag frei nehme, passiert es: ich trete in einen Hundehaufen. Herzlich willkommen in meinem Laufleben, lieber Asics GEL-EXCEL33!

Abspann 2: Der GEL-EXCEL33 hat noch zwei leichtere, noch reduzierter aufgebaute Brüder: den GEL-HYPER33 und den GEL-VOLT33. Letzterer soll erst ab Februar 2012 in den üblichen Fachgeschäften zu haben sein.

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Mehr Schwebensqualität. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-pureconnect-test/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-pureconnect-test/#comments Sun, 18 Sep 2011 15:49:51 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=3008 Frauen lieben Schuhe. Läuferinnen lieben Laufschuhe. Auch wenn es manchmal gar nicht einfach ist, die verschiedenen Konzepte zu verstehen. Mit dem „PureProject“ gibt es ab Oktober ein neues von Brooks. Ich habe mich da mal reingewurschtelt – und bin den PureConnect probegelaufen.

Seit der „Minimal“-Trend bei den Laufschuhen boomt, ploppen immer neue Modelle und sogar ganze Marken hoch, die „weniger ist mehr“ versprechen. Barfußlaufen, so eine Studie des US-Magazins „Nature“ sei gesünder als Laufen mit modernen Laufschuhen. Der technisch ausgefeilte Laufschuh ist in Verruf geraten. Inzwischen kommen manche Läufer mit dem Nike Free auch auf langen Strecken zurecht, Freaks laufen mit den Five Fingers Marathon oder sogar mit selbstgebastelten Huaraches. Aber nicht jeder will oder kann das.

Ja, wie denn jetzt?

Der Normalo-Läufer bleibt verwirrt zurück. Was ist denn nun richtig? Wo ist der Unterschied zwischen einem Lightweight-Trainer und einem Wettkampfschuh und ist ein Neutralschuh ein Natural Running Schuh? Was ist der Unterschied zwischen Dämpfung und Stütze? Ist es schädlich, wenn man gut gedämpfte Schuhe mag? Brooks hat sich das ganze Schlamassel einmal angesehen und eine Menge Marktforschung betrieben. Die Entwickler haben Läufer befragt: Wovon reden sie wirklich, wenn sie vom Laufen reden? Quatschen sie über „Minimalistik“ über „Barfuß“ oder „Sprengung“?

Laufen ist fühlen.

Das Ergebnis ist ganz spannend und ich kann damit eine Menge anfangen. Die Läufer haben viel über ihre Gefühle beim Laufen gesprochen. Da gibt es dieses Gefühl: „Ich laufe einfach los, ganz wie von selbst. Ich denke an alles, nur nicht ans Laufen. Ich will auch gar nicht ans Laufen denken. Ich will möglichst komfortabel Strecke machen.“ Brooks nennt diese Gefühlsstimmung „Float“ (Schweben). Die meisten Schuhe von Brooks sind für diesen Float konzipiert, von Ghost bis Adrenaline.

Dann gibt es aber noch eine andere Stimmung: „Ich will bewusst laufen. Ich will den Boden spüren, jeden Schritt wahrnehmen. Ich will die verschiedenen Untergründe fühlen, bemerken, wie ich mich vorwärts bewege, die Bewegung genießen. Ich will spüren, dass ich ein Läufer bin.“ Brooks hat diese Stimmung „Feel“ genannt. Und genau dafür wurde das „PureProject“ konzipiert. Kaum jemand ist nur ein „Feel“- oder ein „Float“-Läufer, mal mag man das eine, mal das andere und wechselt entsprechend die Schuhe. Das ist erfrischend undogmatisch und entspricht auch meiner Erfahrung als Läuferin.

Quelle: www.pureproject.de

Quelle: www.pureproject.de Zum Vergrößern bitte anklicken.

Vier Schuhe für ein Hallelujah.

Hinter „PureProject“ verbirgt sich nicht ein Schuh, sondern gleich vier. Das hat mit den unterschiedlichen biomechanischen Bedürfnissen zu tun. Die oben abgebildete Grafik hilft hier eine Menge. Der direkteste Schuh ist der „PureConnect“. Er sorgt für intensiven Bodenkontakt, ist am leichtesten und flexibelsten von allen. Wer etwas mehr Dämpfung bevorzugt, wählt den „PureFlow“, er soll für ein komfortableres Laufgefühl sorgen. Für Läufer mit Überpronation, die etwas Support brauchen, ist der „PureCadence“ geeignet. Diese Läufer kommen bei Minimalistik-Konzepten meist zu kurz, weil eine Stütze der „Freedom“-Philosophie scheinbar widerspricht. Brooks sieht diesen Widerspruch nicht. Eine Besonderheit ist der „PureGrit“, der mit der Trail-Legende Scott Jurek zusammen entwickelt wurde. Er hat eine besonders griffige Sohle und optimale Festigkeit für den Lauf über Stock und Stein.

Hier im Video werden alle Modelle kurz gezeigt und vorgestellt.

Der Test

Ich hatte das Glück, einen der Schuhe, vorab testen zu dürfen, den PureConnect. Wie immer muss ich erst einmal ein paar dürre Worte zum Thema „Frauenschuh und Farben“ verlieren. Wenn ich an einer Strandpromenade in Florida meine Hausstrecke hätte, wäre ich mit dem Mint-Schock, der mir aus dem Karton entgegenlacht, vielleicht sogar zufrieden.

Brooks PureConnect 2

Aber im deutschen Herbst ist die Farbe einfach seltsam und mal wieder zu viel Nagelstudio. Die Herrenmodelle wirken wie aus einem Guss, mit einem kräftigen Grün in Verbindung mit Schwarz. Die Damenmodelle sind dagegen ein wenig unentschieden mit unterschiedlichen Blau- und Minttönen. Der PureCadence ist allerdings wirklich bildschön. Dass ein Frauenschuh mal so aussehen darf!

Quelle: www.pureproject.de

Quelle: www.pureproject.de

Auf einem Messefoto habe ich eine Version des PureConnect in einer Himbeerfarbe gesehen. Ich kann schon jetzt sagen: wenn diese Farbe kommt, bin ich dem Schuh rettungslos verfallen.

Ich werde ja generell nicht müde, die Passform von Brooks Schuhen zu loben, aber hier haben sich die Labor-Bastler noch einmal selbst übertroffen. Ich schlüpfe in den Schuh und sitze sofort ganz fest darin. Das ist auch Absicht – bevor man eins mit dem Untergrund werden kann, soll man erst einmal eins mit dem Schuh werden. Das Gefühl im Schuh ist tatsächlich verwandter mit dem in den Five Fingers als mit dem im Nike Free.

Gegenüber einem „normalen“ Schuh hat der PureConnect ein paar augenfällige Besonderheiten.

1. Die Außensohle

Sie wirkt beinahe ein bisschen zerklüftet. Es gibt diverse Aussparungen, die an entscheidenden Stellen für mehr Flexibilität sorgen sollen. Die schwarzen verstärkten Flächen geben den Abrollverlauf vor: schräg nach vorne zum großen Zeh.

Brooks PureConnect Sohle1

Auch beim Green Silence war schon der Abrollverlauf angedeutet.

Auch beim Green Silence war schon der Abrollverlauf angedeutet.

2. Der abgeteilte große Zeh

Er hilft ebenfalls, ein natürliches Abrollverhalten zu fördern.

Brooks PureConnect Zeh1

Brooks PureConnect Zeh2

3. Das Obermaterial

Eine der Mesh-Lagen ist sehr großporig, mit dunklen Socken sehen die Schuhe aus wie getupft. Das spart Gewicht, sorgt für gute Lüftung und den Feuchtigkeitsabtransport, auch bei Regen.

4. Das Halteband im Mittelfußbereich

Brooks nennt es Nav Band. Mit Hilfe dieses elastischen Bandes sitzt der Schuh ganz fest am Fuß.

Brooks PureConnect Nav Band

5. Die hochgezogene Fersenverstärkung

Auch sie ist dafür da, dass der Fuß fest und sicher im Schuh sitzt.

Brooks PureConnect Ferse

6. Die „fußige“ Form

Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Form des Schuhs insgesamt der asymmetrischen Form des Fußes folgt, auch im Zehenbereich.

Die ersten Schritte.

Der Start im PureConnect ist aufregend. Der Schuh ist abenteuerlich leicht, in Größe 41 nicht einmal 200 Gramm.

Brooks PureConnect1

Er wiegt beinahe aufs Gramm genau so viel wie der Nike Free 3.0. Aber von der Lauferfahrung haben die beiden nicht viel miteinander gemein. So sehr ich eine kleine Runde mit dem Free schätze, so sehr habe ich mich oft an einem wabbeligen, schwammigen Gefühl gestört. Mit dem PureConnect ist das anders. Ich fühle mich sicher und schwimme überhaupt nicht. Bei aller Leichtigkeit ist der PureConnect da für mich. Er gibt mir insbesondere im Mittelfuß einen festen Halt, ohne dass ich mich in meiner Freiheit eingeschränkt fühle. Das Abrollgefühl ist „tatzig“ und es klingt auch ein bisschen so. Wer einen knackigen Wettkampfschuh gewohnt ist, der wird überrascht sein, wie soft sich der PureConnect vom Boden löst. Aber soft ist in diesem Fall weder schwammig noch überdämpft. Ein sehr interessantes, federleichtes und angenehmes Laufgefühl. Kontrolliertes, bewusstes Schweben. Die Rechnung mit dem abgeteilten Zeh geht auf: Ich rolle sauber über den großen Zeh ab, zumindest fühlt es sich so an. Obwohl man mit dem PureConnect auch vor sich hin trotten kann, kommt der ganze Laufspaß erst, wenn man ein bisschen Gas gibt. Jetzt kann man das Abrollen der Tatzen voll genießen. Was für eine Freude!

Brooks PureConnect 3

Fazit:

Das PureProject Konzept unterscheidet verschiedene Bedürfnisse und biomechanische Besonderheiten. Das macht es so reizvoll für alle, die sich bisher nicht an leichte Schuhe herangetraut haben, zum Beispiel Überpronierer oder Trailläufer.

Der PureConnect verleiht kein Barfußgefühl. Aber er passt sich dem Fuß und dem Laufverhalten so gut an, dass man mit dem Schuh eins werden kann, was für ein tolles Laufgefühl sorgt.

Er verhindert trotz größter Flexibilität ein wabbeliges Gefühl und ist somit eine tolle Alternative für alle, die mit dem Nike Free nicht gut zurecht kommen.

Merke: Schuhtechnologie ist nicht per se schlecht. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

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Mehr Infos gibt’s unter:

brooksrunning.de

pureproject.de

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Socken mit Sohle. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-ghost-4-test/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-ghost-4-test/#comments Mon, 29 Aug 2011 20:52:51 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=2988 Vor ein paar Tagen las ich einige Fahrberichte der österreichischen „Autorevue“. Nicht, dass ich mich für Autos interessieren würde. Aber die Berichte sind oft so schön und liebevoll und poetisch geschrieben, dass sie jedermann Spaß machen können. So schön, dachte ich, müsste man Schuhkritiken schreiben können. Aber das ist schwierig. Denn Straßenlage, Kurvenverhalten, Beschleunigung und Ausstattung sind bei Autos nun mal so, wie sie sind. Vielleicht geht die Beschreibung einen Schuss ins Subjektive, aber im Großen und Ganzen ist das alles allgemeingültig.

Wie anders ist das bei Laufschuhen! Was der eine als Offenbarung empfindet, ist für den anderen ein Albtraum mit Schnürsenkeln. Schuhkritiken sind vollkommen persönlich – mit einem Schuss ins Objektive. Zumindest gilt das für die Schuhberichte, wie ich sie mag. Ich meine damit natürlich nicht das Kopieren und Einfügen der technischen Ausstattung von der Herstellerwebseite in den eigenen Blog, das hundertfach stattfindet.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich mit technischer Ausstattung ohnehin schwer tue. Vor einiger Zeit bewarb jemand einen Schuh bei Facebook mit diesen Worten.

Facebook Schuhbeschreibung

Solche Beschreibungen lassen mich fassungslos zurück.

Ich will nun also versuchen, weniger über die Technik als über das Gefühl zu schreiben, was der neue Brooks Ghost 4 bei mir hinterlässt – wohl wissend, dass es bei anderen Läufern ein völlig anderes sein kann. Mit dem Brooks Ghost 3 war ich glücklich. Er hat mich als mein erster echter Neutralschuh immer gut über die Strecke getragen und alle anfänglich empfundenen Vorteile haben sich auf Dauer bestätigt. Meine Zipperlein, die ich gerade mit Plantarsehne und Achillessehne habe, sind unabhängig von den Schuhen, das haben mir orthopädische Fußspezialisten bestätigt (dazu bald an anderer Stelle mehr). Nachdem der Ghost 3 nun allmählich reichlich abgelatscht wirkt, habe ich mich für seinen Nachfolger entschieden.

Ghost 4 und der gute alte Ghost 3, der langsam einer Kartoffel immer ähnlicher wird.

Ghost 4 und der gute alte Ghost 3, der langsam einer Kartoffel immer ähnlicher wird.

Die erste Überraschung kam schon im Schuhgeschäft: er war zu groß. Bei Brooks trage ich immer 42 (Asics 41 ½), aber dieses Mal fühlen sie sich zu lang an. Vorne könnte ich mühelos noch einen großen Zeh quer legen. Davon sehe ich lieber ab und versuche die 41er. Das verunsichert mich etwas, aber sie passen. Das heißt, passen ist vermutlich nicht das richtige Wort. Sie umschließen meine Füße, als wären sie aus Metall und das Schuhmaterial magnetisch. Flupp. Sitzt. Die Zehenbox scheint nicht ganz so weit geschnitten zu sein, wie beim Ghost 3, aber obwohl ich ausgeprägte Entenfüße habe, komme ich damit zurecht. Der wesentlichen Unterschied zum Ghost 3 ist jedoch die Dämpfung. In Rück- und Vorfuß verwendet Brooks jetzt die DNA Technologie. Schon wieder so ein unverständliches Kürzel, das habe ich aber ausnahmsweise verstanden. DNA ist eine Dämpfung, die sich dem Laufverhalten des Läufers anpasst. Wie das gehen kann, wird in diesem sehr eindrucksvollen Video erklärt.

Die Sohle im Vorfuß hat Flexkerben, die für mehr Flexibilität sorgen sollen. Mehr noch als beim Vorgänger und mit dem war mein Vorfuß schon sehr auf du und du. Im Laden hopple ich ein bisschen auf und ab, aber im Grunde müsste ich das gar nicht. Ich wusste schon im Stehen, dass ich diese Schuhe nicht mehr hergebe.

Die beiden Geister im Vergleich, auch der neue ist schon hübsch dekoriert.

Die beiden Geister im Vergleich, auch der neue ist schon hübsch dekoriert.

Der Schuh fühlt sich federleicht an. Das könnte natürlich daran liegen, dass er federleicht ist. Er sitzt wie angesaugt am Fuß, als hätte ich ihn maßschneidern lassen. Deshalb habe ich trotz komfortabler Dämpfung nie das Gefühl von zu viel Schuh am Fuß. Laufen kann ich mit dem Vierergeist nicht. Ich rolle. Er ist ganz leise und das passt zu dem sockigen Eindruck, den meine Füße von ihm haben. Man kann wunderbar mit ihm trotten, ohne, dass er ungeduldig anfängt zu quengeln. Andererseits freut er sich mächtig, wenn man ihm etwas Auslauf gönnt. So ein Schuh will ja auch mal gefordert sein. Die Beschleunigung dankt er mit einem perfekten angenehmen Bodenkontakt – das Rollen behält er bei. Der Ghost 4 ist die Sorte Schuh, nach dem man im Schrank sucht, wenn man in Urlaub fährt und einen Schuh braucht, mit dem man einen Dreißiger laufen kann, der eine kurze straffe Einheit mitmacht und mit dem man obendrein kilometerweise durch die Stadt latschen kann. Der Ghost schafft das alles.

Zwar bin ich mit der Farbwahl nicht ganz einverstanden, vor allem, was die Ferse betrifft, aber so von oben ist er schon recht ansehnlich. Außerdem wissen wir ja, dass bei Liebe das Aussehen gar nicht wichtig ist. Wir sind erst einige Wochen zusammen, der Geist und ich, aber es scheint, als wären wir füreinander gemacht. Oder nur er für mich? Ach, egal.

Wer den Ghost 4 mal versuchen sollte:

  • Leichte Überpronierer, die endlich mal einen Neutralschuh auspronieren äh, probieren wollen
  • Läufer, die nicht viel Schuh am Fuß spüren wollen, aber Dämpfung brauchen
  • Jeder Neutralfüßler, der einen perfekten Allrounder für viele Trainingskilometer braucht

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Hui Buh on the run. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-ghost-3-test/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/brooks-ghost-3-test/#comments Thu, 08 Jul 2010 16:26:04 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=2473 In meiner Jugend gab es in dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, eine Band, die „Ghostriders“ hieß. Die musste man kennen und ich wusste, dass es die „Ghostriders“ gibt, lange bevor ich wusste, was das überhaupt heißt. Später brach mein Kontakt zu Geistern und ihren Fahrern jäh ab. Die Ghostbusters haben mich nicht aufgerüttelt und einen Ghostwriter habe ich auch nicht. Ich schreibe immer noch selbst und wenn mir dabei der Schweiß in die Tastatur sickert, wie jetzt  (Altbau, 3. Stock, 35 Grad). Doch dann ist mir der Brooks Ghost 3 begegnet. Ein gespenstisch bequemer Schlappen. Und das Schönste ist: ich durfte ihn testen, bevor es ihn in die Läden geweht hat. Hier ist mein Testbericht:

Was bei Regierungen die 100-Tage Bilanz ist, ist für Laufschuhe das Urteil nach den ersten 100 Kilometern. Erst dann kommt die Entscheidung: die guten an die Füßchen, die schlechten ins Schuhschränkchen. Den Brooks Ghost 3 habe ich mir so ausgesucht, wie man unter gar keinen Umständen Laufschuhe wählen soll: Im Internet war ich auf der Suche nach einem Neutralschuh, der gut aussieht und an meine Entenfüße passt. Das sind herzlich wenige Kriterien, aber für mich im Grunde die entscheidenden.

Brooks-Schuhe haben oft eine schön große Zehenbox, weshalb ich ein Brooks Fan bin. Diese Passform ist etwas für meine Füße. Alles, was ich über den Ghost 3 gelesen hatte, klang so, als könnte das mein Schuh sein. Und das Damenmodell war weder rosa noch hellblau. Ein kleines Wunder. (Frauenlaufschuhe sind farblich gern so gestaltet, als könnte man damit bestenfalls zum nächsten Nagelstudio tänzeln.)

Brooks Ghost 4

Also habe ich mich als Testläuferin beworben, ohne den Schuh auch nur ein einziges Mal am Fuß gehabt zu haben. Da der Ghost 3 ein brandneues Update ist, war das auch gar nicht möglich. Aber auch nicht nötig – Brooks Laufschlappen und meine Füße, das  ist wie Charles und Camilla, Hinz und Kunz, Marathonläufer und Weizenbier. Als der Ghost 3 eintraf, saß er wie spezialangefertigt. Zum Entsetzen meiner Kollegen lief ich den ersten Kilometer im Büroflur auf und ab. Liebe auf den ersten Blick kann nicht warten.

Nach 11 Jahren Laufen ist der Ghost 3 mein erster Neutralschuh. Laufanalysen bescheinigten mir eine moderate Überpronation und ich meinte es immer gut mit mir und meinen Füßen und habe mir deshalb ausschließlich Schuhe mit Support zugelegt. Ich lief nicht schlecht damit. In den letzten Wochen bin ich allerdings experimentierfreudiger geworden. Was ich suche, ist mehr Leichtigkeit und weniger Schuh. Der Ghost 3 gibt mir genau das. Seit dem ersten Schritt fühlt er sich leicht und angenehm an. Der Name ist geschickt gewählt – wenn ich den Ghost trage, schwebe ich wie Hui Buh über den Asphalt. Das liegt nicht nur daran, dass er federleicht ist, er ist auch praktisch nicht zu hören. Für jemanden, vor dessen donnerndem Laufschritt für gewöhnlich alle Enten im Park Reißaus nehmen, eine echte Offenbarung.

Brooks Ghost 2

Meinen ersten Testlauf über 8 km absolviere ich auf einem einfachen Feldweg. Wenn ich Pech habe, verkrampft sich bei neuen Laufschuhen meine Fußsohle nach den ersten Kilometern. Das ist oft der Fall. Wenn ich sehr viel Pech habe, lässt dieses Krampfen auch nach vielen Läufen nicht nach. Meine Füße lehnen die Schuhe einfach ab. Das passiert zum Glück weniger oft. Im Brooks Ghost 3 räkelt sich der Fuß wohlig beim Laufen. Von Stress keine Spur. Ich rolle leicht und weich ab, aber keinesfalls zu weich. Der Schuh ist nie zu schwammig, schön fest und stabil im Mittelfuß. Nach dem ersten Test bin ich bereits ungeheuer optimistisch. Der nächste Lauf wird ein 20er auf Asphalt. Auch hier enttäuscht der Ghost 3 nicht, er gibt mir im Gegenteil ein neues leichtes Gefühl auf hartem Untergrund. Abrollverhalten Note 1. Mit gleicher Bravour meistert der Schlappen einen Berglauf mit heftigen Steigungen und Gefälle auf Waldwegen. Die Frisur sitzt, der Brooks auch. Wer mich so treu begleitet, darf natürlich auch mit in den Urlaub. Weder der irische Regen, noch aufgeweichte Waldwege bringen den Ghost 3 ins Schleudern.

Brooks Ghost 3

Easy running auf allen Strecken. Keine Druckstelle, keine Eingewöhnungsphase. Ich bin sicher, ich habe meinen Schuh gefunden. Er wird meine langen Marathonvorbereitungsläufe mit mir bestreiten und meinen Herbstmarathon ebenso. Nie war Hui Buh schneller.

Anmerkung zum Schluss: Wie schreibt man über einen Schuh, den man unbedingt haben wollte und den man dann von dem Schuhhersteller geschenkt bekommt? Das kann ja nur positiv sein, oder? Aber was wäre gewesen, wenn ich Blasen bekommen hätte und der Schuh mir einfach nicht behagt hätte? Auszuschließen ist das ja nie. Hätte ich ihn dann auch gelobt? Bevor der Schuh kam, habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Sicher hätte ich über die positiven Seiten des Schuhs geschrieben. Aber ich hätte auch geschrieben: Für mich ist er leider nichts. Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, er wäre schlecht verarbeitet oder seltsam geschnitten, hätte ich auch das geschrieben. Ich würde alle Glaubwürdigkeit verlieren, wenn ich das nicht täte. Aber selbst dann könnte ein Schuh, der mir überhaupt nicht behagt, der perfekte Schuh für euch sein – und umgekehrt. Unsere Füße sind nun einmal völlig verschieden. In diesem Sinne ist mein Testbericht als eine ganz persönliche Erfahrung zu verstehen.

[stextbox id=“info“ color=“696969″ bcolor=“f4a460″ bgcolor=“dcdcdc“]Auf der Seite von Brooks gibt es mehr Infos über den Ghost 3.[/stextbox]

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Der Kinsei Report. http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/der-kinsei-report/ http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/der-kinsei-report/#respond Mon, 28 Aug 2006 18:38:46 +0000 http://www.laufen-mit-frauschmitt.de/?p=131 Über Laufschuhe im Allgemeinen und den Asics Gel Kinsei im Besonderen.

Laufschuhe sind hässlich. Oder besser: Frauenlaufschuhe sind hässlich. Laufschuhe für Männer sind schwarz mit rot. Oder dunkelgrau mit gelb. Oder silbergrau mit orange.
Laufschuhe für Frauen sind hellblau. Manchmal auch weiß mit hellblau. Oder weiß mit mint oder lila oder rosa. Passend zu den Laufjäckchen in hellblau und rosa. Designer für Frauenlaufbekleidung orientieren sich scheinbar meist am Geschmack von Pudelfriseusen und Nagelstudiobesitzerinnen.

Das führt dazu, dass ich nicht mehr so genau hinsehe. Ich gebe 100 Euro für ein paar Schuhe aus, die nur in meinem Läuferleben eine Chance haben. Im richtigen Leben würde ich sie niemals kaufen. Das gilt auch für den Asics Gel Kinsei, den mir der Laufschuhverkäufer meines Vertrauens jetzt hinstellt. Das Obermaterial-Mesh erinnert an Schuhe aus dem Sanitätsshop für Hammerzeh-Omas. Und dann: weiß mit mint. Eine mintfarbene nach außen gespreizte Gelferse, die aussieht, als wäre man versehentlich in einen Außerirdischen hineingetreten. Der Hesse kennt dafür nur ein Wort: foschbar.

Kinsei_1 Kinsei_3

Ich ziehe sie an, weil ich dem Laufschuhläufer meines Vertrauens vertraue. Und weil er mir die Marsmännchen-Mörder günstig überlassen kann. Zu meinem Entsetzen sitzen sie sagenhaft am Fuß. Ich ziehe noch etliche andere Modelle an, darunter einen weichen Schlappen von Nike (Vomero), der sogar gut aussieht. Kein Wunder: ein Herrenmodell. Aber es hilft nichts: kein Schuh läuft sich so interessant und sitzt so sensationell wie der Kinsei. Also kaufe ich nicht zum ersten Mal einen Schuh, der mir nicht gefällt. Hübsch aussehen kann ja jede. Zum Ausgleich nehme ich noch eine traumhafte Jacke in anthrazit mit orangefarbenen Streifen mit. Zum Glück ist das Herrenmodell in S schmal geschnitten (das Damenmodell wäre hellblau gewesen).

Das erste, was mir darüber hinaus erst zuhause am Kinsei auffällt: er stinkt. Vielleicht riechen platte Außerirdische so. Aber schön ist das nicht. Für gewöhnlich achte ich darauf, dass das was ich kaufe, möglichst schadstoffarm und recycelbar ist. Dieser Schuh riecht, als müsste ich ihn in zwei Jahren in einem Salzstock einbetoniert endlagern. Im Schlafzimmer kann ich ihn unmöglich lassen. Ich stelle das emissionsreiche Paar in die hinterste Ecke der Wohnung und gehe schlafen.

Heute dann der Testlauf. Der Kinsei ist „überdämpft“ hat man gelesen. Ich kann mit diesem Urteil nichts anfangen. Ich empfinde eher das Gegenteil. Zwar ist die außerirdische Ferse ein ganz ordentlicher Puffer, dafür puffert am Vorfuß irgendwie nicht viel. Ich spüre das, was man ein „dynamisches Laufgefühl“ nennt. Während des Laufens ändert sich beinahe unmerklich mein Laufstil. Der Schuh schubst mich nach vorne. Der Vorfuß hat sehr direkten Kontakt und ich rolle ordentlich ab. Sonst eher dem Laufstil „ganzfüßiges Entenschlappen“ zuzuordnen, laufe ich auf einmal beinahe vorbildlich.
Bei neuen Schuhen habe ich oft auf den ersten Kilometern verkrampfte Fußsohlen, warum auch immer. Das bleibt hier völlig aus.

Kinsei_2

Nach etwa einer halben Stunde bemerke ich etwas, das ich sonst nur vom Nike Free kenne: der Fuß arbeitet. Die große Zehe tastet den holprigen Weg ab, auch die anderen Zehen und der Ballen sind voll dabei. Das ist spannend und anders, als bei anderen Asics. Ich kenne etliche Modelle der 2000er Serie, den 1110er, den Kayano und den DS Trainer. Kein Schuh ist wie dieser. 
Als ich an meiner Trink-Station ankomme, bin ich zwei Minuten schneller als sonst.
Der Schuh gefällt mir. Einziger Nachteil: der durchgelatschte Vorfuß muss sich daran gewöhnen, dass er mehr zu tun bekommt und vielleicht ab und zu die Flexkerben des Schuhs spürt. Ich denke aber, es könnte funktionieren. Und: der Schuh macht ein Geräusch. Aber so etwas gibt sich ja auch manchmal. Zuhause angekommen, stelle ich den Schuh zurück in seine Stinkeecke. Doch, er hat tatsächlich innere Werte. Man soll das mit der Optik nicht so wichtig nehmen. So ein Laufschuh ist schließlich auch nur ein Mensch.

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