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Wo bleibt die neue Häuslichkeit?

So, Aug 28, 2016

Schnipsel

Wo bleibt die neue Häuslichkeit?

Liebe Läufer, wir müssen reden. Es geht nicht, dass ihr euch einfach so einem Trend entgegenstellt. Als könnte man bei Trends so mir nichts dir nichts ausscheren. Scheinbar geht sie euch noch immer vollkommen ab! Die neue Häuslichkeit. Die DIY-isierung von Leben, Heim und Hobby. Noch immer kauft ihr bei Tchibo zwar fleißig die angebotene „Running Gear“, um Heißklebepistole, Zackenschere, Deko-Klebeband und Motivstempel macht ihr einen Bogen. Das kann so nicht weiter gehen.

Als Frau ist mein ästhetisches Empfinden seit Jahren von Pinterest geprägt. Ich esse eigentlich nichts mehr, wenn nicht ein kleiner pastellfarbener Wimpel darin steckt oder eine Manschette darum gelegt wurde. Nur dann weiß ich, dass es auch mit Liebe gemacht wurde. Ein Blick in meinen Feedreader mit meinen liebsten Blogs zeigt, dass heute nichts mehr gekauft, sondern alles (mit Liebe!) selbstgemacht und dekoriert wird. Nicht nur in unseren Wohnungen wird alles behäkelt, beklebt, upgecycelt und gepimpt. Auch alles, was wir essen und anziehen ist inzwischen jederzeit bereit zum Fotoshooting.

Und vor allem: Es ist nicht einfach nur so. Es ist kreativ. Und nachhaltig. Und healthy. Aber auch minimalistisch. Weil wir viel weniger brauchen, als wir denken. Manchmal genügen schon einige Wimpel und etwas Serviettentechnik um Creative Happy Minimal Living zu praktizieren. Das ist natürlich nicht nur auf uns beschränkt. Hundeblogger zeigen selbstgebackene Chia-Kekse, aus Sisal geformte Kotbeutelspender und die selbst geknüpfte Hundeleine. Alle Fotos sehen aus wie aus einem Schöner Wohnen für Hunde.

Und jetzt komme ich zu euch, liebe Läufer. Das geht so einfach nicht. Dass ihr ein (gottlob) verwackeltes Foto eurer Blutblase postet! Würdet ihr wenigstens den Fuß auf einem selbstgesteppten grauen Kissen mit weißen Sternchen auf einem Shabby Chic-Hocker ablegen! Aber nichts. Der Fuß liegt auf dem Boden einer Sporthalle. Einer Sporthalle! Das ist nun wirklich ein ästhetischer Tiefpunkt. Und überhaupt die Bilder. Wege, nichts als Wege! Wald, Wald, Wald und dann wieder Wege. Meistens noch nicht mal mit Vintage-Filter. Es ist das Grauen. Herausgelegte Klamotten auf Betten mit einem Plastik-Läuferbeutel daneben. Unscharfe Fotos von vorbeilaufenden schwitzenden Läufern mit Startnummern auf dem Bauch. Schlecht beleuchtete Bilder von Weizenbiergläsern. Gruppenbilder, auf denen man nicht einen einzigen Menschen erkennt! Geblitzte Aufnahmen von Siegerehrungen und Sportlern mit roten Augen und grell leuchtenden Reflektoren. Handyaufnahmen! Noch nie was von einer ordentlichen DSLR gehört? Und das ist ja nur das Draußen. Wie es bei euch zuhause aussieht – es muss unvorstellbar sein.

Vereinzelt liest man, dass Laufschuhe in der Garage lagern! Dabei wäre es doch wirklich nicht so schwer, einen ordentlichen Ikea-Hack vorzunehmen und etwa die Dunstabzugshaube Kulinarisk zu einem Schuhregal umzubauen. Man könnte auch das alte Kinderbett des Juniors nehmen und mit wenigen Handgriffen (yippie ya ya yippie yippie yeah) zu einem Regal für 25 Paar Schuhe umgestalten (Upcycling! Nachhaltig!). Überhaupt eure Laufschuhe. Ihr kauft die Dinger und das war’s. Keine Strass-Applikationen, keine Stempeltechnik, keine pinkfarbenen Schleifen. Nicht einmal ein Fähnchen, absolut nichts. Schlimm genug, dass ihr die Schuhe nicht selber macht, oder wenigstens im Ofen härtet, ihr pimpt sie ja noch nicht mal kreativ. Aus euren Startnummern macht ihr keinen Mosaikboden, aus den alten Schuhen keine Stehlampen, aus den T-Shirts keine Mützen und aus den Power-Riegeln keine Cake Pops. Ihr näht nix selbst, nicht einmal eure iPhone-Halter. Ihr postet selten Rezepte von grünen Smoothies, stattdessen Bratwürste auf einem Pappteller. Einem weißen Pappteller! Ohne Herzchen! Bei diesen Bildern stimmt nicht einmal das Licht! Und ihr wollt eurer Hobby richtig inszenieren?

Dabei ist es doch wirklich nicht so schwer! Ihr müsst vor allem 3 Dinge beherzigen: a) Mehr Pastellfarben b) Mehr basteln c) Mehr Meer (Maritimes Sylt Vintage Styling). Bislang gibt es bei Pinterest nur wenig Trendiges DIY zum Laufen zu finden. Man ist ja schon dankbar für eine Medaillen-Garderobe. Ein kleiner Lichtblick macht mir allerdings doch Hoffnung: Die Sprüche. Ein Läufer im Sonnenuntergang und darüber in Schreibschrift „It doesn’t matter how slow you go as long as you don’t stop“ – so geht Trend! Hier sind Läufer ganz weit vorne. Es ist also noch nicht alles verloren. Also los: Träumt nicht euer Leben, lebt euren Traum! Pimp your creative healthy happy running life!

Laufsprueche 3

 

Titelbild: @svetikd – istockphoto.de

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5Antworten um “Wo bleibt die neue Häuslichkeit?”

  1. Jörg Says:

    Sind wir nicht alle auf dem Weg zur Vollkommenheit?

  2. Mausflaus Says:

    ich hab mir nen hübschen trainingslaufkalender gebastelt, in den ich meine kilometer eintrag. immerhin 😛

  3. Heide Says:

    Oh, auf der anderen Seite vom „großen Teich“ sind sie uns da weit voraus:
    http://www.goneforarun.com/running-home-accents/

    Sofa-Kissen mit Bestzeit, Untersetzer mit der Startnummer… Eine Anleitung für einen Quilt aus Laufshirts habe ich auch schon gesehen.
    Bei Nike kann man seine Schuhe personalisieren lassen, beim Boston Marathon gibt’s Schuhe, auf die man die gelaufene Zeit anbringen lassen kann.

    Und spaetestens beim Ironman-Merchandising gibt’s dann eine noch größere Auswahl: Grillschürzen, Küchenhandtücher, Weihnachtskugeln. Sonst könnte ja einem Besucher entgehen, bei wem er zu Besuch ist. 😀 Und für unterwegs: Chrom-Aufkleber für’s Auto, Koffer, … Fast kein Bedarf mehr, noch was selbst zu basteln. 😉

  4. Heide Says:

    Und die Swarovski-Schuhe, bitteschön. 😀

  5. Frauschmitt Says:

    OMG! Wie großartig ist das denn? Wunderbar, danke. Und leider versenden sie nur innerhalb US und Canada. Was für ein Jammer. 🙂


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