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Thank god it’s monday.

So, Jun 19, 2005

Artikel

Thank god it’s monday.

Eine Serie von Laufevents versüßte Läufern in vier Städten den Wochenanfang.

„Montag ist Lauftag!“, das postulierten in diesem Frühjahr der Deutsche Leichtathletik Verband und sein offizieller Partner Nike mit ihrem Runday Monday. „Ach was“, sagt da der geneigte Vereinsläufer. „Am Sonntag mache ich einen Wettkampf oder einen langen Lauf – Montag ist Ruhetag!“ Dabei spielen gerade die Vereinsläufer beim Runday Monday eine entscheidende Rolle. Allerdings weniger als „Zielgruppe“, denn als laufende Motivatoren und gutgelaunte Werbeträger in eigener Sache. 

Runday Monday – das klingt hübsch. Deutlich besser als etwa „Lauftag Donnerstag“. In Fitness-Studios ist montags traditionell Hochbetrieb. Wer am Wochenende über die Stränge geschlagen hat, erhofft sich Wiedergutmachung durch Bewegung. Der Termin für eine Lauf-Veranstaltungsreihe am Montagabend scheint also gar nicht so schlecht gewählt. Nicht, wenn man neue Läufer gewinnen will. Eben solche, die man mit einem Volkslaufkalender nicht erreicht. 
Außer einem schönen Namen erdachten sich der DLV und Nike auch noch das Konzept für die Rundays. Vier Städte, acht Laufabende, Drei-Kilometer-Runden. Zwanglos soll das Ganze sein, mit viel Lockerheit, Spaß und „hohem Flirtfaktor“, wie es in der Werbung heißt. In Frankfurt, neben Stuttgart, Berlin und Leipzig auserwählte Runday Monday Stadt, ist man von Anfang an für das Konzept zu haben. Wo Banker von einer After Work Party zur nächsten fegen, darf gern auch mal ein After Work Run dazwischen sein.

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„I will survive“ zur Einstimmung.

Schon beim ersten Termin treffen sich etwa 300 Läuferinnen und Läufer am südlichen Mainufer. Der Altersdurchschnitt ist etwas niedriger als bei einem gewöhnlichen Volkslauf. Neugierig werden der Informationsstand des Hessischen Leichtathletik Verbands und der „Try On Van“ von Nike beäugt, an dem man die neuesten Treter anprobieren und probelaufen kann. „Ich hab‘ ja gar nicht gewusst, dass es hier so viele Laufvereine gibt“ ruft eine junge Dame im neongelben neuen Laufshirt aus. Volkslaufausschreibungen und Infoblättchen werden interessiert durchgeblättert – und wieder hingelegt. Man will sie ja nicht mit auf die Strecke nehmen. Beim nachfolgenden Aufwärmprogramm wird das Mainufer zum Ferienclub mit Animation. 
Nadine Lindenstruth, Sportlehrerin und Personal Trainerin turnt vor, alle anderen tun es ihr nach und hüpfen, wippen und biegen sich zu dem stampfenden Rhythmus bewährter Discokracher. Während die Bewegungswilligen mit den Hüften kreisen, haben sie noch einmal die Chance, in sich hineinzuhorchen. Wie schnell will ich heute laufen, welcher Gruppe schließe ich mich an? 
Der Runday Monday ist kein Wettkampf, nur ein Lauf unter Gleichgesinnten – und Gleichschnellen. Da gibt es die Ambitionierten (3-4 Minuten/km), die Zügigen (5-6 Min/km), die Gemütlichen (6-7 Min/km) und die Einsteiger (> 7 Min/km). In der letzten Gruppe sind auch die Walker willkommen. Damit nicht alle auf einmal losstürmen und der angekündigte Flirtfaktor durch unfreiwilligen Körperkontakt nicht allzu sehr forciert wird, startet man in Etappen. Für jede Tempogruppe gibt es mehrere Pacemaker, die nacheinander einzeln auf die Strecke gehen.

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Vom Bestzeitentraining bis zum Power-Quasseling.

Die Schnellsten starten zuerst. Es gibt nicht viele, die dieses hohe Tempo mitgehen können. Wer es kann, findet hier in seinem Pacemaker einen erfahrenen Trainer, der exakt und gleichmäßig läuft. Und damit vielleicht auch den Trainingspartner, den er immer vermisst hat. Michael, ein hagerer junger Mann mit sehnigen Triathlonbeinen, findet das Angebot deshalb „traumhaft“. Weiter hinten geht es geselliger und gesprächiger zu. Stephan und Ute sind extra aus Darmstadt gekommen. Während sie im farblich abgestimmten Laufdress unterwegs ist, trägt er Hose und Shirt aus Baumwolle, die aussehen, als wären sie noch aus der Schulzeit übrig geblieben. Sein Credo: „Funktionsshirts haben nur die Funktion, die anderen durch miefigen Geruch in die Flucht zu schlagen.“ Ein schwieriger Fall für Nike. Aber ein guter Fang für den DLV. Den Idealismus der tempomachenden Trainer findet er so beeindruckend, dass er darüber nachdenkt, sich einem der Vereine anzuschließen.

Motivation im Kilometertakt.

An einem Verpflegungsstand werden Getränke gereicht – kostenlos. Das gibt Kraft für die nächste Runde. Wer schwere Beine hat, kann aber auch einfach aussteigen.
Ein Applaus geht durch die Menge. Am Wegrand stehen ein paar eigens engagierte Trommler, um die Läufer anzufeuern. Für viele ist es das erste Mal, dass sie diese Unterstützung genießen. Den wenigen, die sich noch nicht unterhalten („Und wo läufst’n du sonst so?“), ist trotzdem nicht langweilig. 

Dafür sorgen Schilder wie „Du schaffst es! Was auch immer.“ oder „Haben Sie auch das Gefühl, im Kreis zu laufen?“ oder „Die nächste Runde geht auf’s Haus.“. Die Läufer lachen. Leistungsstress und Verbissenheit sieht anders aus. Den Schlusslichtern des bunten Läuferbandwurms, der sich am Ufer entlang, und immer wieder über die beiden Brücken schlängelt, darf man damit ohnehin nicht kommen. Hier werden während des gemächlichen Trabs ganze Lebensgeschichten ausgetauscht. Sabine, die sich gleich zwei Jacken um die Hüften geknotet hat, bringt es auf den Punkt: „Endlich mal nicht alleine laufen.“ Der Runday Monday, so scheint es, ist ein Volltreffer. Für die Initiatoren und vor allem für die stetig wachsende Gemeinde gesundheitsorientierter Breitensportler. Im kommenden Jahr wird die Veranstaltungsreihe eine Neuauflage erleben. Sabine will wieder dabei sein: „Bis dahin hab‘ ich auch meinen Freund soweit.“.

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