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10 Jahre Laufen mit Frauschmitt

So, Aug 27, 2017

Schnipsel

10 Jahre Laufen mit Frauschmitt

Heute fand in Egelsbach der Koberstädter Waldmarathon statt. Ich war nicht dabei, aber es ist dennoch ein Anlass, hier zu schreiben. Vor genau 13 Jahren bin ich dort zu einem Marathon gestartet und habe hinterher darüber geschrieben. Damals tat man das gern in einem Laufforum. Ich war zuvor schon einige andere Marathons gelaufen, nie habe ich etwas dazu aufgeschrieben. Dieses Mal war es anders. Ich hatte mich gerade im Forum laufen-aktuell.de unter dem Namen Frauschmitt2004 angemeldet und dort machte man das scheinbar so mit den Laufberichten. Fortan schrieb ich immer über meine Volksläufe und das waren eine Menge. Am 18. Juni 2007 nahm ich all diese Geschichten und packte sie auf eine Webseite. Laufen mit Frauschmitt war geboren. Ich hatte die Seite mit einem Homepage-Baukasten von 1&1 gebastelt. Natürlich wusste ich, dass es Blogs gibt, aber ich dachte, irgendwie wären meine Geschichten nicht geeignet für einen Blog.

Zwei Jahre später machte ich dann aber doch einen richtigen WordPress-Blog daraus, die Zeit von Gästebüchern war gründlich vorbei.

Ich könnte jetzt eine Zahlenschlacht veranstalten, aufzählen, wie viele Beiträge, Kommentare, Bilder, Kaffeebecher und Kuchenstücke diese Seite hat und euch Statistiken um die Ohren kloppen, dass es nur so raucht. Aber es gibt schon viel zu viele Statistiken und Zahlen auf dieser Welt und gerade in Zusammenhang mit Blogs braucht so etwas kein Mensch. Aber dazu später mehr.

Seit längerer Zeit ist es still geworden hier, es gibt kaum neue Beiträge und ich will allen Lesern von Laufen-mit-Frauschmitt berichten, warum das so ist und wie es weiter gehen könnte.

„Mach es zu deinem Projekt“. Die Webseite.

Man muss kein Webnerd sein, um festzustellen, dass dieser Blog der Überarbeitung bedarf. Er ist nicht einmal für die mobile Nutzung optimiert und das Design ist in die Jahre gekommen. Dieser Beitrag wird vermutlich ohne Titelbild bleiben, weil es irgendeinen Fatal error gibt – das Theme ist schon gar nicht mehr kompatibel mit dem neuen WordPress. Tatsächlich habe ich schon vor vielen Monaten ein neues Design ausgewählt und erste Arbeiten vorgenommen. Zum Jubiläum am 18. Juni sollte alles fertig sein. Aber wie sagt der Kabarettist Thomas C. Breuer so schön: „Das Schicksal ist ein Arschgesicht, denn was man will, das macht es nicht.“ Nicht alles klappt so, wie man es gern hätte, manchmal kommen Themen dazwischen, die wichtiger sind. Aufgeschoben ist das alles nicht, ich wünsche mir sehr, dass Laufen mit Frauschmitt neu und schön erstrahlt. Ich würde gern ein paar alte Sachen rauswerfen, die Struktur überarbeiten. Vieles hat sich in 10 Jahren geändert, manches überlebt. Aber ich habe beschlossen, mich deswegen nicht mehr zu kasteien und zu stressen. Es ist wie es ist. Noch immer wird die Seite gefunden und gelesen und das freut mich, auch wenn ich natürlich mit dem Schwebezustand der Seite nicht zufrieden bin.

Never give up. Die Läuferin.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich denn überhaupt noch laufe. Tatsächlich bin ich schon lange nicht mehr bei einem Volkslauf gestartet. Ich wäre auch in der Schwerschrittgruppe unterwegs. Ich habe nie ganz aufgehört zu laufen, mit Ausnahme einer schweren Zeit, in der mein Hund nach einer OP zwei Wochen lang beaufsichtigt werden musste. Davon abgesehen bin ich immer gelaufen oder sagen wir getrabt. Mein (menschlicher) Trainingspartner musste sich einer schweren Operation unterziehen und es sah so aus, als würde er nie wieder laufen können. Heute traben wir wieder, ganz langsam. Sieben Kilometer, mit zwei Gehpausen. Die Geschwindigkeit ist mir egal, auch das ist laufen. Mein eigener Radius sind inzwischen die 10 Kilometer. Da ich gesund bin, weiß ich, dass ich das jederzeit wieder ändern kann. Eigentlich war es so geplant, dass mich meine Hündin beim Laufen begleitet. Doch sie ist noch immer ein Sorgenkind, was den Bewegungsapparat betrifft. Derzeit ist nicht daran zu denken. Das bedeutet, dass ich zusätzlich zu den Laufzeiten Gassizeiten einplanen muss und so werden meine Laufeinheiten in der Länge gekappt. Der Tag hat nur 24 Stunden. Das Laufen ist für mich so noch kostbarer geworden. So lange ich nicht volkslaufe, muss ich den Kuchen eben selber backen.

Bin ich ein Influencer? Die Bloggerin.

Viele Leser wissen, dass ich nicht nur hier schreibe, sondern auch auf anderen Blogs, hauptsächlich meinem Hundeblog kommstdu-hierher.de. In den letzten 10 Jahren hat sich das Bloggen sehr verändert. Einerseits macht es Spaß zu sehen, wie professionell Blogs heute aussehen, welch hohe Qualität Fotos haben können, wie schön und aufgeräumt die Gestaltung ist. Doch die Sache hat auch eine Kehrseite und die ist aus meiner Sicht alles andere als schön. Immer mehr Blogger verstehen ihren Blog als Business und das auch dann, wenn sie eigentlich ihre Brötchen als Versicherungsvertreter verdienen. Oder als Bürokauffrau. Nicht, dass ich es ehrenrührig finde, Geld mit einem Hobby zu verdienen. Das ist es nicht. Aber an vielen Orten erlebe ich das Bloggen als einen einzigen Krampf. Menschen drehen in Facebook-Gruppen durch, weil sie 10 Instagram-Follower verloren haben. Sie dokumentieren ihre Fanzahlen auf allen Social Media Plattformen täglich in einer Excel-Tabelle. Sie erstellen Hashtaglisten, mit Hashtags, die besonders erfolgversprechend sind. Sie kaufen Follower oder nutzen Apps, die helfen, die Algorithmen der Plattformen auszutricksen. Sie machen sich Gedanken darüber, ob ein Bild, das geteilt werden soll, einen hohen Blauanteil haben darf. Es klingt nach Satire, aber es ist keine. Es ist Bloggeralltag. Followerzahlen sind eine Währung, die darüber entscheidet, ob man etwas gilt. Ob man Kooperationen „an Land zieht“, womit gemeint ist, dass man von Unternehmen angesprochen wird.

Vielleicht suchen viele Blogger einen materiellen Vorteil, vielleicht geht es auch mehr um das Selbstwertgefühl. Menschen fühlen sich aufgewertet, wenn ihnen ein Unternehmen etwas schenkt. Ich finde das nicht nur ungeheuer traurig. Es nervt mich auch, dass Blogs zu Warenschaufenstern verkommen sind. Dass Inhalte oft längst nicht mehr mit der hübschen Form mithalten können. Dumpfe Werbebotschaften, die uns auf den üblichen Plattformen schon nerven, verfolgen uns jetzt auch dort, wo wir uns eigentlich unbehelligt wähnten, auf privaten Blogs. Auch das, was man „Selbstmarketing“ nennt, nervt mich. Ich habe Instagram-Feeds, die aus nichts anderem bestehen als Bildern von einer Person, noch nie verstanden.

Ich war und bin das nicht, spüre aber den Druck, das zu tun, was „man“ tun muss, um gesehen bzw. gelesen zu werden. Ich bin auf Laufen mit Frauschmitt nur in sehr seltenen Fällen Kooperationen eingegangen. Ich habe z.B. immer gern Schuhe von Brooks getestet, weil sie für meine Füße ideal sind. Für einen solchen Test habe ich unzählige andere abgelehnt. Einmal hat mich jemand überredet und ich finde heute noch, dass es ein Fehler war. Manchmal hat sich nach dem Erscheinen eines Blogposts ein Unternehmen gemeldet: Unser Produkt war in Deinem Blog, warum hast Du nicht nach Mustern gefragt? Wollte ich nicht. Ich hatte das Produkt ja längst gekauft. Heute gilt man als „schön blöd“, wenn man so etwas macht. Aber ich will es so. Der Preis ist weniger Sichtbarkeit. Denn Kooperationen helfen enorm. Die Unterstützung von Unternehmen hilft enorm. Wer sie nicht nutzt, muss immer mehr strampeln. Aber ich bin kein Influencer und will auch keiner sein. Ich will Unabhängigkeit. Es hat sich in 10 Jahren vieles geändert. Aber das, was ich vor fünf Jahren geschrieben habe, gilt im Kern immer noch.

Mein Blogger-Credo habe ich auch an anderer Stelle schon einmal aufgeschrieben: „10 Dinge, die Du beachten solltest, wenn Du es leid bist, 10 Dinge zu beachten.“

Ich hör nix! Die Podcasterin.

Jetzt kommt etwas, das mir ein bisschen peinlich ist. Der Schmittcast ruht. Nicht das ist es, was mir peinlich ist, nein, der Hauptgrund dafür. Klar, es fehlt Zeit, wie man sich denken kann. Einen Schmittcast zu produzieren dauert schnell mal 3 Stunden. Aber selbst wenn ich will, kann ich keinen neuen Schmittcast erstellen. Ich habe als Mac-Userin immer mit GarageBand gearbeitet. Da ging immer easy, fast selbsterklärend. Irgendwann ist dieses Programm allerdings explodiert. Nach einem Update sah es vollkommen anders aus, hatte ein anderes Menü und vermutlich 500 Funktionen mehr. Ich bin kein technischer Idiot, aber ich raff es einfach nicht. Nicht im geringsten. Ich komme überhaupt nicht mehr damit klar. Das heißt, ich müsste mir selbst für die einfachsten Funktionen erst mal ein Tutorial reinziehen. Das hab ich einfach noch nicht geschafft. Einen Schmittcast gibt es also vor allem deswegen nicht, weil ich für das Programm zu doof geworden bin. Voll peinlich.

Schreiben geht immer. Die Autorin.

Ja, ich schreibe noch. Natürlich. Ich lebe davon. Zum Glück nicht von meinen Büchern, sonst würde ich schon unter der Brücke wohnen. Aber ich schreibe ja auch sonst allerhand. Über das Laufen schreibe ich derzeit für die Print-Ausgabe von Laufen.de Dort könnt ihr regelmäßig meine Kolumne lesen.

10 Jahre ist Laufen mit Frauschmitt nun alt. Kaum zu fassen. Aber irgendwie schön. Prost.

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7Antworten um “10 Jahre Laufen mit Frauschmitt”

  1. Biggi Says:

    Happy Birthday zum 10-jährigen,
    wow, Respekt, für einen Blog ist 10 echt alt! 😉
    Ich liebe deinen Blog und finde es super, dass du dir selbst immer treu bleibst und dein Blog nicht, wie viele andere meiner früheren Lieblingsblogs zu einem Waren- und Dienstleistungsschaufenster verkommen ist. Ich lese viele Kreativ- und Lifestyleblogs, da bekommt jeder ständig nur noch irgendwelche Reisen, Essen, Bücher und DIY-Materialien gesponsert, die er dann in den Himmel lobt, was dann aber ausschließlich die persönliche Meinung wiederspiegelt und gar nichts damit zu tun hat, dass einem das Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, wie dann immer betont wird. Da könnte ich kotzen!
    Meine DiY-Bloggerfreundinnen und ich haben auch festgestellt, dass viele Blogs und auch viele Follower verschwinden und nur noch Fotos mit Zweizeilern bei Insta erscheinen. Mhm, ich will ehrlich gesagt nicht bei jedem, den ich kenne verfolgen, was er den ganzen Tag so macht, da lese ich doch lieber Blogs mit Aussage. Allerdings bin ich alt, im besten Bestager-Alter, und somit keine Maßstab.
    Dein Blog ist einer meiner Lieblinge. Auch wenn ich nicht jeden Tag meinen Feed checke, schaue ich doch oft bei meinen Lieblingsblogs vorbei und deine Posts bringen mich immer zum Lachen, auch weil ich mich in vielem was du schreibst wieder finde.
    Ganz liebe Grüße
    Biggi

  2. Blumenmond Says:

    Liebe Heidi,
    und ich möchte den Eintrag nutzen, natürlich um Glückwunsch zu sagen aber auch um Danke zu sagen. Es gab Zeiten, da hab ich jedem Volkslauf von Dir entgegen gefiebert – für mich gabs ja den Bericht danach. Ich habs genossen und viel mit Dir gelacht – also so vor dem Bildschirm. Für mich sind im Moment die Blogs auch nicht im Mittelpunkt. Das ist schade, weil ich Euch doch da alle kennen gelernt hab. Aber es fehlt schlichtweg die Energie. Und wenn die Energie es nicht hergibt, dann sind es einfach andere Zeiten.
    Aber.. .wir haben uns so getroffen und das ist gut so. Danke dafür und für all den Streuselkuchen und die schönen Geschichten.
    Gruß
    Anja

  3. Ariana Says:

    Wow – 10 Jahre sind ja eine ganz schöne Zeit – herzliche Gratulation also erst mal zum Jubiläum 🙂
    Dein Beitrag hat so viel wahres – da weiss ich gar nicht, wo ich beginnen soll – von dem Schicksal, das nicht so will (wie guuut ich das kenne) bis hin zum Wunsch, was man alles mal überarbeiten will…
    Ich bin oft hin- und hergerissen – einerseits will ich ja auch, dass meine Texte gelesen werden (sonst ist es ja auch schade)- aber andererseits muss ich netterweise nicht vom Blog leben und ich sage mir immer wieder, es ist „mein“ Blog – wenn ich da Bücher rezensieren will, die so gar nichts mit Sport zu tun haben, dann mache ich das – auch wenn das vielleicht einige Leser abschreckt.
    Ich mag übrigens an Deinem Blog, dass er so „ehrlich“ herüberkommt und eben gerade nicht so aussieht, wie alle anderen 😉
    Liebe Grüsse
    Ariana

  4. Martin Schmitz Says:

    Liebe Heidi

    herzlichen Glückwunsch. Dann kennen wir uns sozusagen noch noch von ganz am Anfang deiner Bloggerzeit aus den „guten alten Laufforumzeiten“ Wie die Zeit doch vergeht. Es war schön dich in Hamburg auch mal live zu treffen wo du deinen Wettgewinn für den besten Tip für die Endzeit meines einzigen 10km Laufwettkampfs einlösen konntest. Hach…wie die Zeit vergeht. Time is a changing…und trotzdem: Bleib wie du bist!

    Liebe Grüße vom „Martinwalkt“ „Strongwalker“ oder einfach nur Martin

  5. Holger Says:

    Liebe Frau Schmitt,
    …denn das bist Du ja, Heidi; was Du da beschreibst – Deine Sicht auf 10 Jahre „Laufen mit Selbiger“ – ist so wunderbar lesbar und so …normal. Aber das ist eben nicht mehr normal… das Normale ist selten geworden… und das macht Dich so kostbar!
    Ist mir aber auch lieber so, denn ich höre und lese lieber von unnormalen Menschen!
    Vielen Dank für all das, was Du gibst! …und das, ohne viel zu nehmen! Sei Dir sicher: da draußen gibt es noch mehr Unnormale, die Dich gerne hören und lesen. Ich bin nur einer von denen!

  6. Martin Schmitz Says:

    Aus ganz alten Zeiten schon…
    deinen Weg verfolgt und dich sogar mal getroffen!

    Liebe Heidi, herzlichen Glückwunsch.

    Das Leben ist ein Fluss….und das ist auch gut so!

  7. Claudia Brose Says:

    liebe FrauSchmitt, auch von mir richtig dollen Dank für deine vielen Berichte (und die guten alten Podcasts!!!), die mich immer zum lachen (oder auch nachdenken) gebracht und oft beflügelt haben, gleich selbst die Laufschuhe anzuziehen. Bisher war es mir übrigens völlig schnuppe (und wird auch zukünftig schnuppe bleiben), wie deine Seite daherkommt, hab sie sowieso immer gerne gelesen, neuen Berichten entgegen gefiebert, und da sie mehr oder weniger Hobby ist, weiss man ja um die Zeit, die einem bleibt, entweder um die Seele mal locker baumeln zu lassen oder eben Hobby-Webseiten aufzuhübschen …
    viel Spaß beim Streuselkuchenselberbacken noch und vielleicht gibts ja doch mal wieder einen Volkslauf mit frisch gebackenem Hausfrauen/-männer-Streuselkuchen und einem Kaffeebecher danach !!!
    viele liebe grüße aus Berlin
    claudia


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