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Das Ende der Unschuld.

So, Aug 9, 2015

Schnipsel

Das Ende der Unschuld.

Heute habe ich mal wieder Runtastic benutzt. Gar nicht zum Laufen – ich war mit dem Hund im Wald und mein Orientierungsvermögen ist zum Gruseln. Damit wir nicht wie Hänsel und Gretel Brotkrumen benutzen müssen (die der Hund im Zweifelsfall selbst aufgefressen hätte), fiel mir Runtastic ein. Früher nutzte ich die App gelegentlich. Inzwischen habe ich ja eine Garmin und lass das Handy meist zuhause.

Runtastic wurde in diesen Tagen von Adidas gekauft – für 220 Millionen Euro. Damals, als ich die App nutzte, war sie einfach ein kleines nettes GPS-Tool. Heute leistet sie Enormes (zumal in der Pro-Ausführung) und ist mit Riesenschritten in die Zukunft unterwegs. Ich fühle mich sofort überrollt von dem, was ich alles kann und soll (mich anfeuern lassen, Geschichten hören, Trainingspläne nutzen ….). Zuhause bekomme ich sofort eine Mail, die mir dazu gratuliert, dass ich meine erste „Live Aktivität“ ausgeführt hätte. (Was war das früher eigentlich?) Und wiederholt werde ich aufgefordert, ich soll meine Aktivität teilen! Auf Facebook! Twitter! Mit meinen Freunden!

Ich will meine Aktivitäten eigentlich gar nicht teilen und wenn, dann auf meine Art, mit Worten und Gedanken. Nicht mit Zahlen und Daten. Aber selbst, wenn ich nicht will – ich teile sie immer. Mit Runtastic und bald auch mit Adidas. Das Teilen unserer Daten, gewollt oder ungewollt, ist das große Thema unserer Zeit. Auch wenn es herzlich wenig diskutiert wird – sieht man von Netzaktivisten und Journalisten ab. Den Durchschnittsmenschen bewegt es kaum.

Ich stelle mir vor, welche Möglichkeiten in einer Fitness-App stecken. Im Laufschuhbereich scheint der Trend zur Individualisierung zuzunehmen. Wenn jeder Mensch ein eigenes Bewegungsmuster hat, sollte auch der Schuh individuell sein. Bietet es sich da nicht an, die Laufgewohnheiten des Läufers für die Schuhauswahl hinzuzuziehen? Wie schnell, wie lange, wie oft, auf welchem Streckenprofil ist der Läufer unterwegs? Die Schuhe selbst könnten weitere Daten aufzeichnen und sie in der App lesbar machen. Schrittfrequenz, Schrittdruck, Bodenkontaktlänge, Abdruckprofil … Aufzeichnungen werden in Zukunft voraussichtlich nicht mehr unter Laborbedingungen bei speziellen Probanden gemacht, sondern in der Realität, jeden Tag, bei Tausenden von Läufern. Das Ziel wird die Perfektionierung des Equipments sein, vielleicht gar endlich! die Verletzungsfreiheit des Läufers. Wie sollte man sich das nicht wünschen?

Davon abgesehen ist das nur ein kleiner Teilbereich der Möglichkeiten. Mit der AOK Nordost bezuschusst jetzt die erste deutsche Krankenkasse den Kauf der sogenannten Wearables, die Fitness-Aktivitäten tracken. 50 Euro wird sie voraussichtlich zuzahlen, wenn Mitglieder sich einen solchen Motivator zulegen. Wer sich um Fitness bemüht, soll belohnt werden. Oder anders ausgedrückt: Der Weg ist nicht weit dazu, dass bestraft wird, wer es nicht tut. Das Absurde ist: Damit nur ein Mindestmaß an Fairness ins Spiel kommt, müsste man tatsächlich an die Daten heran. Und nicht nur an die Trainingsdaten, sondern an weit mehr. Man müsste wissen, ob die Art Fitness für das Mitglied überhaupt gesund ist. Ob er sich nicht gerade übernimmt und ein Fall für den Orthopäden wird. Man müsste wissen, ob er das richtige Schuhwerk trägt. Und streng genommen müsste man wissen, wie er genetisch aufgestellt ist. Wie er Alkohol verstoffwechselt oder Zigaretten. Ob er Allergene zu sich nimmt, die schädlich für ihn sind. Was er nach dem Training trinkt und ob er genügend Mineralien zu sich nimmt. Ob er sich fetter ernährt, als ohne Training. Es gibt kein Ende, wenn es um Daten und Informationen geht, die ein „gesundes Leben“ von einem „ungesunden“ unterscheiden. Man müsste ALLES über jemanden wissen. Die Information, dass jemand einen Fitness-Tracker nutzt, ist eine kleine, eine winzige, harmlose Information. Aber sie ist der Anfang. Ich zweifle daran, dass deutsche Datenschützer die Dynamik, die die Technik mit sich bringt, wirklich aufhalten können.

Runtastic Adidas

Plötzlich bekommt alles, was wir tun eine Bedeutung. Unser Leben wird in ein Mosaik aus winzigen Datensteinchen zerlegt. Runtastic zerlegt unseren Lauf. Früher hatten wir beim Lauf ein gutes Gefühl. Heute haben wir ein Smilie. Bei mir verwandelt sich die anfängliche Faszination für die sichtbaren Daten immer mehr in Widerwillen. Unser Sport ist der einfachste der Welt. Das war immer ein Teil seines Reizes. Man konnte einfach loslaufen. Und man musste auf seinen Körper hören und nicht zu schnell loslaufen, damit man lange durchhalten konnte. Man war oft allein auf der Strecke mit sich und diesem Gefühl. Das Gefühl, stark zu sein und schnell, das Gefühl, nicht mehr zu können, müde zu werden. Das waren unsere wichtigsten Daten, mit denen und gegen die wir gelaufen sind. Das hat etwas Archaisches und verbindet uns mit unseren Vorvätern, die liefen, um zu jagen. Wir sind noch immer wie sie, wir könnten mit ihnen um die Wette laufen. Das erdet uns. Sofern wir nicht gedopt sind, ist Laufen ein sehr ehrlicher Sport, bei dem das Equipment eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt.

Vielleicht ist es das, was aus kommerzieller Sicht so unerhört ist. Jahrzehntelang konnte in Sachen Laufen – von den Schuhen abgesehen – kaum Geld verdient werden. Dazu war der Sport viel zu schlicht. Irgendwie erscheint es passend, dass mit der Technisierung im Freizeitsport auch das Hightech-Doping im Profisport das Laufen kontaminiert. Jetzt wird aufgerüstet und wir sind erst am Anfang. Und am Ende der Unschuld.

 

Titelbild © Martin Wimmer – istockphoto.de

26Antworten um “Das Ende der Unschuld.”

  1. Oliver Says:

    Die Aufrüstung ist erst am Anfang, völlig richtig, und was noch kommt wissen wir nicht. Und welche Unternehmen bereits heutzutage was mit den schönen Daten machen, das wissen wir auch nicht. Mich erstaunt immer mehr diese unfassbare Kurzsichtigkeit (Ignoranz?) der Nutzer. Und mir graut es sehr vor dem was noch kommt. Ich mach da jedenfall nicht mit.
    Danke für den Artikel.

  2. Señor Rolando Says:

    Nun, es liegt schon noch an jedem selbst, ob sie/er seine Daten teilt und mit wem, oder? Wenn wir uns für ein paar Mark unbedingt an die Krankenkasse verkaufen wollen, sind wir nicht nur als Läufer arm. Es ist ein klein wenig wie das Elend bei den Autofahrern. Auch bei denen gibt’s ein paar, die für zweifuffzig ihre gesamten Fahrdaten mit der Versicherung teilen.

    Irre? Bestimmt.

    Aber eben auch von jeder/m selbst so entschieden.

  3. Brunhilde-Elisabeth Says:

    Man ist so sehr Sklave der Technik wie man es selbst zulässt.
    Es ist doch nicht die app schuld am Verlust des unbefangenen Einfach-So-Laufens, sondern der Mensch, der sie nutzt.
    Runtastic bietet viele Funktionen. Die kann man nutzen, oder man lässt es bleiben.
    Vieles kann man abstellen, z.B. die Übertragung an facebook. Man muss es nur machen. Oder eben nicht, aber dann sollte man sich hinterher nicht drüber beschweren.
    Ich mag Ihre Blogs sehr gern lesen, und oft finde ich mich drin wieder. Aber der hier klingt in meinen Ohren sehr unangenehm nach dem typischen Genörgel der Älteren über die Entwicklungen für die Zielgruppe in der nachfolgenden Generation.
    Es war früher nicht alles besser. Es war halt anders.

  4. Sternenguckerin Says:

    Danke, das trifft meine sehr gemischten Gefühle ziemlich genau.
    Ich fühle mich motiviert, endlich mal “Corpus Delicti” von Juli Zeh zu lesen.
    Das geht als düstere Zukunftsvision genau in diese Richtung, und man fragt sich, wie weit man nicht sogar schon ist.

    Ich habe z. B. erst mit Technikunterstützung (Pulsuhr) wirklich gelernt, so langam zu laufen, dass ich mich nicht auslauge und so kamen dann endlich echte Ausdauerverbesserungen.
    Runtastic habe ich, aber mir geht das drumherum langsam mehr auf den Wecker als dass es mich motiviert.
    Also werde ich evtl. mal auf eine GPS-Uhr umstellen.
    Ich habe mich schon ein wenig erschrocken, als ich bemerkt habe, wie sauer und frustriert ich reagiere, wenn mal das GPS bei Runtastic hängen bleibt. Als hätte man mich um meine Leistung betrogen.
    Also laufe ich jetzt wieder öfter ohne, einfach so, und fand es die ersten Male fast wie amputiert sein…schon irgendwie irrsinnig, welche Bedeutung (Macht???) man diesen kleinen digitalen Helferlein zugesteht.
    Ich finde das mit den Activitytrackern auch irgendwie knifflig.
    Hätte mir fast mal einen gekauft, weil ich auch Technikspielzeug mag und neugierig bin.
    Aber dann hab ich gesehen, wer wo alles Daten verknüpft (die ganzen Diätportale und auch Fitnessseiten), von den eigenen Servern der Geräteapps mal ganz abgesehen.
    Dass die Krankenkassen jetzt einsteigen finde ich fast ein bisschen gruselig, das setzt wirklich was neues in Gang glaube ich.

  5. Frauschmitt Says:

    @Brunhilde-Elisabeth
    Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr technikbegeistert bin. Ich habe 2010 angefangen, Runtastic zu nutzen. Ich bin seit 2008 bei Facebook, seit 2009 bei Twitter. Ich fahre mit MyTaxi und nutze Car Sharing per App. Ich kaufe meine Tickets für öffentliche Verkehrsmittel über eine App. Ich kaufe mindestens einmal wöchentlich etwas im Netz und bezahle per Paypal. Mein Wecker ist eine Sleep-App, die meine Schlafphasen aufzeichnet und mich weckt, wenn es günstig ist. Ich denke nicht, dass das für “Früher war alles besser-Genörgel” spricht. Aber spannend, dass ich bei Ihnen mehr Gehör fände, wenn ich 25 wäre.

  6. Frauschmitt Says:

    @Senor Rolando
    Nun ja, aber was wird sein, wenn diejenigen finanzielle Einbußen haben, die ihre Daten NICHT teilen? Wenn es die Minderheit wird? Privatsphäre kann in Zukunft mächtig teuer werden und man gerät in den Verdacht, dass man wohl etwas zu verbergen haben muss.

  7. Señor Rolando Says:

    Tricky, wohl wahr.

    Gibt’s eigentlich (GPS-)Laufuhren, bei denen man die Aufzeichnungen auf den Rechner bekommt, ohne sie in irgendein Online-Portal hochladen zu müssen? Bei der Garmin schaffe ich das zumindest nicht.

  8. Frauschmitt Says:

    @Senor Rolando
    Vielleicht gibt’s das, ich kenne aber keine.

  9. Sternenguckerin Says:

    Mir geht das mit der Krankenkasse nicht aus dem Kopf.
    Bonusprogramme gibt`s ja schon länger, auch ohne App und Geräte, und irgendwie ist es ja auch nicht schlecht, wenn dadurch mehr Leute motiviert werden, sich mehr zu bewegen und generell vielleicht “gesünder” zu leben.
    Also könnte man sich fragen: Warum ist das jetzt ein Problem mit den Activity-Trackern, die Daten bleiben doch anonym (hoffentlich) und bislang dürfen ja auch keine Patientendaten an potentielle Arbeitgeber weiter gegeben werden.
    Aber geht es wirklich darum, mit diesen Programmen Leute “gesünder” zu machen – oder geht es um noch mehr Leistungsfähigkeit, noch mehr Nutzen des “Humankapitals”, noch mehr Effizienz, Kostenvermeidung…alles Dinge, die natürlich in einer Leistungsgesellschaft wichtig sind, aber will man da ewig mitgaloppieren?
    Ich hab eher den Eindruck, es wird noch mehr Druck aufgebaut, dem herrschenden Ideal des schlanken, sportlichen, selbstdisziplinierten (=erfolgreichen) Menschen hinterher zu galoppieren.
    Wenn man sich anschaut, wie immer noch dickere Menschen als faul, krank, nicht leistungsfähig usw. eingeschätzt und faktisch diskriminiert werden, dann macht mich dieses neue Bonusprogramm schon sehr nachdenklich, auch wenn das alles freiwillig ist.
    Aber der gesellschaftliche Druck ist ja da und wird so noch verstärkt.

  10. Frauschmitt Says:

    Hallo Sternenguckerin,
    ich kann Deine Gedanken gut nachvollziehen. Ich habe beruflich mit einem Kunden zu tun, dessen Zielgruppe übergewichtig ist. Es geht um Mode, nicht ums Abnehmen. In diesem Zusammenhang habe ich viele Leidensgeschichten von Dicken kennen gelernt und ich weiß, was dieser Druck aus Leuten machen kann. Diese ganze Selbstformung der “Marke ich” ist eine bedenkliche Angelegenheit und die ständige Selbstvermessung und Selbstbeobachtung ist ein Aspekt dabei.

  11. Sternenguckerin Says:

    Hallo Frau Schmitt!
    Ja, und wenn dann sogar im Job die Beförderung (z. B. eine Verbeamtung) an Gewichtsabnahme geknüpft ist, ohne dass fundierte medizinische Gründe vorliegen, bei gleichzeitiger Bevorzugung schlanker Kollegen (die z. B. Raucher sind, was scheinbar niemanden kratzt, weil, sie sind ja schlank…), dann zeigt das sehr deutlich wohin die Reise gehen kann :-(

    Aber ich bin ja jetzt neugierig auf die Schlaf-App…wie funktioniert denn das?
    Da braucht man doch auch vermutlich einen Sensor an sich dran?

  12. MagicMike2311 Says:

    Ich war anfänglich auch ganz fasziniert von Runtastic o.ä., aber relativ schnell gingen mir die Hurras und meinen Verfolgern die Kommentare: „ … hat einen runtastischen Lauf über xx Kilometer absolviert und fühlt sich großartig“ auf den Nerv.
    Zwar lade ich als Hobbystatistiker (mein bestes Fach auf dem Gymnasium) noch immer alles auf ein Online-Portal, aber nicht mehr zu Lasten meines mobilen Datenvolumens. Wer das dann liest oder sogar liked, der will das auch. Also alles gut.
    Wenn die Krankenkassen Raucherentwöhnung finanziert, dann ist es auch nur gerecht, wenn sie sich an meiner nächsten Pulsuhr beteiligt.
    Wenn ich dafür Daten preisgeben muss, dann ist das nur gerecht, wer glaubt schon meinen (nicht blauen) Augen?
    Die Solidargemeinschaft besteht aber eben nicht nur aus Rauchern und Übergewichtigen, sondern auch aus Lauf- und Sportsüchtigen, insofern kein Problem bei mir.
    Dass wir alle gläsern werden, darüber regen wir uns in Deutschland eben besonders auf, aber wir werden es nicht aufhalten und auf der Insel der Glückseligen leben können. Wir können nur achtsam sein, wem und wann wir unsere Daten preisgeben. Und selbst da werden wir Missbrauch nicht verhindern können.
    Das adidas seine Laufschuhe vielleicht auf meine Füße anpasst, dagegen habe ich eigentlich nichts, trotzdem ist das Risiko, dass hier persönliche Daten in eine Richtung gehen, die ich mir nicht wünsche, ist immer wahrscheinlicher.

  13. Frauschmitt Says:

    @Sternenguckerin
    Ich nutze die hier: http://www.sleepcycle.com Die horcht an der Matratze und was so unwahrscheinlich klingt funktioniert. Erst seit der Hund bei mir ist, weiß ich wieder, was “aus dem Schlaf hochschrecken” bedeutet, durch die App hatte ich das nie wieder. Nur sanftes, angenehmes Aufwachen. Ich liebe diese App. Und ja, man ja ein Elektrogerät stundenlang in der Nähe. Aber man kann auf Flugmodus schalten, so dass diese Strahlung zumindest eingedämmt ist.

    @Magic Mike
    Das Problem ist doch, dass wir mehr und mehr keine Wahl mehr haben, wem wir die Daten preisgeben. Da können wir achtgeben wie wir wollen.

  14. Sternenguckerin Says:

    @Frau Schmitt: Vielen Dank, das klingt ja spannend!

    @Magic Mike:
    “Wenn die Krankenkassen Raucherentwöhnung finanziert, dann ist es auch nur gerecht, wenn sie sich an meiner nächsten Pulsuhr beteiligt.
    Wenn ich dafür Daten preisgeben muss, dann ist das nur gerecht, wer glaubt schon meinen (nicht blauen) Augen?”
    Das mit der Raucherentwöhnung ist eine etwas andere Sache als das mit dem allgemeinen “Gesundheitswahn” resp. des Druckes, schlank und (angeblich) gesund und fit sein zu müssen.
    Zwischen Rauchen und ernsthaften gesundheitlichen Risiken besteht ein Kausalzusammenhang. Also macht es da auch Sinn, Entwöhnung zu unterstützen. Dabei musst Du auch nicht notwendigerweise Daten über alle möglichen Portale preisgeben. Lungentests & Co. werden in der Arztpraxis gemacht, und bislang werden sie dort auch vor dem automatischen Zugriff durch Ämter oder Arbeitgeber geschützt.
    Genauso ist es bei anderen Suchterkrankungen, für die es Entwöhnungsprogramme oder Therapien gibt (dazu gehört natürlich auch sowas wie “Sportsucht” die oft mit Bulimie gekoppelt auftritt, oder eben auch eine ernsthafte Adipositas, die jemand allein nicht mehr bewältigen kann, und die zu wirklichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt).

    Bei solchen eher diffusen Faktoren, wie z.B. mehr/weniger Gewicht, mehr/weniger Bewegung usw. sind wir überhaupt nicht wirklich sicher, was alles wie mit Krankheit/Gesundheit zusammen hängt. Wir kriegen natürlich immer schön eingebläut, dass Übergewicht grundsätzlich krank macht. Und das Leute, die sich allgemein eher weniger gern bewegen, irgendwie automatisch auch “fauler” seien.
    Und wir haben gelernt, dass Übergewichtige “uns” angeblich Milliarden kosten, weil sie angeblich so furchtbar krankheitsanfällig sind.
    Neuere Studien stellen das allerdings immer häufiger in Frage – und damit auch den Umgang der Gesellschaft mit dicken Menschen und/oder solchen, die überhaupt keine sportlichen Ambitionen haben und trotzdem kerngesund sind – aber dennoch gegen das bestehende Vorurteil kämpfen müssen.

    Die Annahme, dass das Tragen eines Activitytrackers kausal die allgemeine Gesundheit einer Person verbessert, ist eben nur eine Annahme, und wenn dafür eine Menge Geld von den Kassen ausgeteilt wird, finde ich das fragwürdig.
    Zum einen wegen der immer größer werdenden Datenfluten, aber auch wegen der zweischneidigen Sache mit dem “Gesundheitsideal”.

  15. Sternenguckerin Says:

    Sorry, ich wollte eigentlich gar nicht so einen Roman schreiben.
    Das Thema betrifft Leute um mich herum teilweise ziemlich drastisch, daher hat der Blogpost da ein bisschen was angepiekst ;-)

  16. MagicMike2311 Says:

    Dazu habe ich gestern zufälligerweise etwas gefunden:

    iSmoothRunPro – Online Anbindung möglich, aber auch nur, wenn man es will. Auf den ersten Blick sieht es wirklich gut aus. Sogar Intervalle lassen sich damit programmieren.

    Ich werde es mal testen, vielleicht sogar darüber bloggen ;)

    http://www.iphone-ticker.de/ismoothrun-pro-super-lauf-app-mit-eindrucksvollem-funktionsumfang-85021/

  17. MagicMike2311 Says:

    Und nochmal @Sternenguckerin:

    Sinn macht es, erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen!

    Der kausale Unterschied, einem Raucher das Rauchen abzugewöhnen und einem potentiell übergewichtigen Schreibtischtäter zu mehr Bewegung zu motivieren erschliesst sich mir nicht!
    Jetzt bin ich kein Krankenkassenbetriebswirt, der die Kosten einer Lungenkrebsbehandlung mit der von Wirbelsäulen-, Magen-/Darmerkarankungen, Zucker usw. vergleichen kann, aber auch der Raucher hat sich sein potentielles Schicksal selbst gewählt.
    Leider muss ich beim Arzt oder auch sonstwo immer ein wenig lachen, wenn jemand mit gewaltigem Übergewicht über Rückenschmerzen oder Sodbrennen klagt. Da brauche ich nicht mal Arzt zu sein, um die erste Empfehlung zu geben.
    Was macht der Arzt? Er verschreibt Ibuprofen und Maaloxan und Krankengymnastik! Toll! Das Geld wäre in einem Activity Tracker besser investiert!

    Nicht jeder Läufer ist gleich süchtig oder leidet an Bulimie, siehe unsere allseits geschätzte Autorin :)

  18. Sternenguckerin Says:

    @Magic Mike:
    Ich habe nicht gesagt, dass extremes Übergewicht (oder auch Untergewicht) keine gesundheitlichen Probleme machen kann.
    Jedes “Extrem” kann irgendwann zu wirklichen gesundheitlichen und auch seelischen Problemen führen, und ich habe auch nicht gesagt, dass jeder Läufer oder jede Läuferin gleich süchtig sei oder an Bulimie leidet!
    Wir alle, auch ein Großteil der Mediziner/innen, sind aber – und das zeigt ja auch Dein Kommentar – immer noch drauf geeicht, Übergewicht und Inaktivität grundsätzlich mit Krankheit zu assoziieren, und das wird (erfreulicherweise!) immer häufiger in Frage gestellt und widerlegt.
    Ich kann jetzt leider keine ausgefeilte Linkliste zu Studien usw. präsentieren, und eine Expertin bin ich auch nicht.
    Wie gesagt, das Thema begleitet mich aus persönlichen Gründen schon eine Weile, daher habe ich viel dazu gelesen, und es gab auch schon bei 3Sat oder arte ganz interessante Dokus zum Thema.

    Wenn Du beim Arzt oder sonstwo “lachen” musst, wenn jemand mit gewaltigem Übergewicht über Sodbrennen klagt, dann schätze ich, dass Du auch davon ausgehst, dass das logischerweise zusammen hängen *muss* – was es ja durchaus tun kann, aber eben möglicherweise auch nicht! Aber man denkt schnell: Dicker Mensch, Sodbrennen, ja klar, ist doch kein Wunder. Damit kannst Du aber auch grandios daneben liegen.
    Man kann aber auch sehr schwer sein und nie Sodbrennen haben, weil Sodbrennen eine Menge Ursachen haben kann, die ganz und gar nichts mit Übergewicht zu tun haben müssen. Und auch als schlanker, durchschnittlicher oder sehr dünner Mensch kannst Du davon betroffen sein.
    Genauso hängen orthopädische (und zig andere) Probleme nie automatisch am Gewicht.

    Wenn also ein Arzt jemandem mit Rückenschmerzen z.B. Krankengymnastik verschreibt, finde ich das sehr viel sinnvoller als das Sponsern eines Activitytrackers, weil die Therapie gezielt auf ein Problem zugeschnitten wird und unter kontrollierten Bedinungen und mit Anleitung passiert.
    Den Tracker kannst Du auch zu Hause in der Schublade lassen, dann hat die Krankenkasse sehr fein den Hersteller gefördert, und nicht Deinen Gesundheitszustand ;-)
    Weil dieser eben nicht von Schrittzählern, kleinen piepsenden Displays und Apps abhängt, sondern viel komplexer ist, und vor allen Dingen nicht zwingend von Deinem Aktivitätsverhalten und Deinem Gewicht abhängt.

  19. Oliver Says:

    @Señor Rolando
    Das liegt weniger an den Laufuhren, sondern an der importfähigen Software. Da gibts tatsächlich nicht viel. Ich verwende RubiTrack (nur Mac), hab eben TurtleSport (alle Plattformen, http://turtlesport.sourceforge.net/EN/home.html) ganz kurz mit FR110 getestet, ist nicht schick, aber macht was es soll.
    Ansonsten einfach mal stöbern: http://alternativeto.net/software/rubitrack/

  20. Señor Rolando Says:

    @Oliver Ach guck, vielen Dank!

  21. claudia Says:

    hallo liebe frauschmitt, alles so sehr interessantwas dein artikel da losgetreten hat … ja das beschäftigt doch mittlerweile alle. egal ob ein vielsportler oder wenigersportler ….
    ich hab auch vieles ausprobiert und mich wieder von vielem verabschiedet (facebook, runtastic …), weil mir die ganze fragerei zu befremdlich wurde, claudia, du warst schon so und so lange nicht mehr auf fazzebuck, claudia, du bist toll gelaufen, claudia, du machst das wunderbar … mich kotzt tatsache dieser ganze mechanismus an, ich muss keine elektronischen streicheleinheiten haben und motivation hole ich mir tatsache noch von echten menschen (die siegerin des letzten Jungfraumarathons zum beispiel, tolle frau, der die qual echt im gesicht geschrieben stand auf den letzten höhenmetern … das vor augen hebelt dich von jeder couch hoch…), und am ende will jeder doch geld nur verdienen, so eine webseite macht doch kleiner umsonst, da sitzen leute, die wollen am ende des monats was aufm konto haben …. das darf man einfach nicht vergessen. also stellen die was an mit meinen daten, ob es nun ehrlich oder verschleiert getan wird. verhindern kann ich das nicht, aber ich kann mich aus ein paar sachen zurückziehen, das hat wohl eher nichts mit dem alter zu tun, unsere kinder (29 und 31) sind mittlerweile seeehr zurückhaltend geworden in der preisgabe ihrer daten und bilder, kartenzahlung, bonuskartennutzung etcpp. mit anfang 20 waren sie allerdings da weniger sittsam ;o)) ist halt ein lern- und denkprozess.
    aber absolut interessant so viele verschiedene meinungen dazu zu lesen!!! danke für den tollen artikel und wie immer auch deine absolut perfekte rechtschreibung, kann man von meinem kommentar nicht sagen, aber ich genieße noch texte, die fehlerfrei sind udn noch dazu unterhaltsam verpackt…
    Merci und weiterhin fröhliches laufen, ob allein oder mit hund, garmin oder runirgendwas!!!

  22. Brunhilde-Elisabeth Says:

    Hallo Frau Schmitt,
    woraus Sie schließen, dass meine Meinung eine andere wäre wenn Sie 25 wären, erschließt sich mir leider nicht. Mir war lediglich wichtig, nicht die Technik zu verteufeln. Die ist nur so gut oder schlecht wie man selbst damit umgeht.
    Ein Beispiel – das hier bereits oft kritisierte Progrämmchen runtastic.
    Ich nutze es auch. Die app hat mich knapp 5 Euro gekostet – erheblich weniger als eine GPS-Uhr. Vorher habe ich meine Laufstrecken mit gpsies nachgemessen. Das wurde mir irgendwann zu nervig – also musste ein mitnehmbares Messgerät her. Die app. Denn ICH will meine Streckenlängen und Zeiten wissen (wer das nicht will, brauchts natürlich nicht – völlig klar).

    Ich nehme also mein Telefon, aktiviere gps, starte die app, drücke auf Starten und bei der Frage nach der Internetverbindung auf Nein. Und schon macht die app das, was ich will und nicht mehr. Es steckt in der Hosentasche, ist still und misst die Strecke. Manchmal mache ich auch Intervalltraining damit, dann lasse ich mir halt alle x Meter die Distanz ansagen. Ich finde das sehr kompfortabel. Wer genervt ist von Funktionen, die er nicht ausschaltet, obwohl er es könnte, der soll sich doch nicht drüber beschweren. Es ist ein Angebot – keine Verpflichtung.

    Beste Grüße, B.-E.

  23. Frauschmitt Says:

    @Brunhilde-Elisabeth
    Vom “typischen Genörgel der Älteren” hätten Sie wohl kaum geschrieben, wenn ich der “nachfolgenden Generation” angehören würde. Darüber hinaus: Ich verteufle keine Technik. Ich habe mich auch gar nicht über runtastic beschwert, da sind Sie wohl nur über den Text drübergehuscht, wenn das Ihr Verständnis des Inhalts war. Aber nein, die Technik ist eben nicht so gut oder schlecht wie man es selbst entscheidet. Genau darum geht es. Nicht darum, dass ich zu doof bin, runtastic zu konfigurieren, sondern um die Dynamik, die in der technischen Entwicklung steckt. Um die Daten, die wir UNGEWOLLT teilen. Um die Daten, die viele Menschen vermeintlich selbstbestimmt jetzt schon arglos teilen. Um die Möglichkeiten, die da sind und die auch genutzt werden. Wie Sie oder ich persönlich runtastic nutzen, ist dabei nicht wirklich entscheidend.

  24. claudia Says:

    oooh, das hier hätte ich sicherlich genauso bewertet wie du, FrauSchmitt:

    “Aber der hier klingt in meinen Ohren sehr unangenehm nach dem typischen Genörgel der Älteren über die Entwicklungen für die Zielgruppe in der nachfolgenden Generation.”

    aber egal, auch mit 50 plus bin ich tatsache am “technischen fortschritt” interessiert, vom hübschen smartphone und tablet über rechnergedöns, ich kann sogar den neuen fernseher programmieren mit all seinen funktionen ;o)) alles an bord, beruflich sogar nicht unwichtig für mich … und trotzdem gehe ich davon aus, auch wenn ich nur die hälfte von dem verstehe, was mir angeboten wird an zustimmungs- und ablehnungsmöglichkeiten in jedwedem progrämmchen vor bzw bei der installation, alles an kleingedrucktem lese … ich mache garantiert das eine oder andere fehlerchen und zack hab ich was bestätigt oder zugelassen und dann mühe, dinge wieder rückgängig zu machen.
    da sitzen profis, die vorausschauend alles so konfigurieren und verpacken, dass man mit einem normalen IQ ausgestattet und nicht überbordend viel freizeit zum lesen aller bedingungen genau diese “fehler” macht.

    abgesehen davon mag ich meine garmin schon sehr, da sie sogar als wasserdichtes equipment beim schwimmen hilfreich sein kann, wenn ich mal außerhalb der schwimmbäder ein paar (kilo)meterchen schwimme. mit nem händy tät ich mich das nicht trauen, obwohl wasserdichte verpackungen angeboten werden … und zum laufen finde ich meine garmin auch hilfreich, zumal mein phone in keine hosentasche mehr passt, es sei denn ich renne mit meiner jeans, die hat so große taschen.

    zusätzlich kann ich beim laufen auch so mal auf die uhr schauen, ohne ohrstöpsel, da ich so oft wie möglich und gerne durch unbekanntes gelände renne und manchmal im hochsommer auch zu nachtschlafenden zeiten, wo ich definitiv die ohren freihaben möchte …

    mein garmin-training-center (auf apple) funktioniert ohne internetanschluss, das war in einem der kommentare vorab mal die frage.

    okee … genug mitdiskutiert, habt alle einen schönen restsommer mit lauen, entspannten abenden und natürlich vielen interessanten laufkilometern … egal womit bemessen ;o)
    claudia

  25. Brunhilde-Elisabeth Says:

    Liebe Frau Schmitt,
    ich habe Ihren Text durchaus sorgfältig gelesen. Was ich geschrieben hätte wenn… das ist reine Spekulation. Ich habe auch niemanden als doof bezeichnet, hier legen Sie mir Gemeinheiten in den Mund, die ich noch nichtmal gedacht, geschweige denn geschrieben habe.
    Ich seh’s halt eher sachlich und weniger philosophisch.
    Und damit verabschiede ich mich nun auch aus der Diskussion.
    Freundliche Grüße, B.-E.

  26. Frauschmitt Says:

    Ich habe Ihnen keine Gemeinheiten in den Mund gelegt. Es ist müßig. Das ist alles nicht im Mindesten “philosophisch” sondern überaus sachlich. Aber wenn Sie meinen …


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