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Alter, ey.

Do, Jan 3, 2013

Schnipsel

Alter, ey.

Neulich las ich die Überschrift „Wohnen im Alter“ und fühlte mich gleich angesprochen. Warum auch nicht? Da stand ja nicht, in welchem Alter. Und in irgendeinem Alter bin ich ja wohl. Zum Glück bin ich Läuferin und deshalb bin ich nicht nur in einem Alter, sondern in einer Altersklasse. Wer in einer Klasse ist, geht noch in die Schule, ist also jung. Ich bin gern in einer Altersklasse. Jetzt sind die großen Ferien vorbei, wie es aussieht, werde ich wohl versetzt und komme in die nächste Klasse. Wenn es so ist wie früher, dann kann ich jetzt auf alle, die eine Klasse drunter sind, nur müde herablächeln.

Ein bisschen was hat sich aber doch geändert. Ich glaube nämlich, dass mir eigentlich noch die Reife fehlt. Ich werde versetzt, obwohl ich so vieles immer noch nicht kapiert habe und würde es Noten geben, in Weisheit, Coolness und Abgeklärtheit würde ich sicher schlecht abschneiden. Ich bin für die nächste Klasse eigentlich gar nicht geeignet. Die anderen wahrscheinlich schon. Aber ich doch nicht! Manchmal sehe ich Mütter mit erwachsenen Kindern und kann nicht fassen, dass sie in meinem Alter sind. Die Mütter, nicht die Kinder! Jetzt im Winter, habe ich keinen Zweifel dran, dass das alles ein riesengroßer Irrtum sein muss. Ich könnte gut und gern noch fünf Jahre in meiner bisherigen Altersklasse bleiben.

© ana malin – Fotolia.com

Doch dann kommt das Frühjahr. Und der erste Volkslauf in kurzen Hosen. Und die Fotos von den kurzen Hosen mit dem, was drin steckt. Und ich mache ein langes Gesicht zu den kurzen Hosen. Die Begriffe Cellulitis und Cellulose wurden sicherlich bei der Geburt vertauscht. Denn Cellulitis klingt wie etwas Entzündliches und das hab ich gewiss nicht. In Cellulose dagegen steckt das Wort lose und das ist ja das Gegenteil von fest und das könnte man schon eher mit meinen Oberschenkeln in Verbindung bringen. Das macht ja aber nichts, wer läuft mit Mitte vierzig schon in kurzen Hosen herum und das mitten in der Stadt. Läufer und Läuferinnen machen das! Und dann sehen sie partiell plötzlich so alt aus, wie sie sind, statt so, wie sie sich fühlen. Ist das nicht gemein? Es ist.

Manchmal, im Hochsommer, sehe ich bei größter Hitze Frauen in langen Hosen. Frauen, die noch lange nicht in meine Altersklasse versetzt wurden. Kein wellenschlagender, dellenbeuliger Oberschenkel sieht so traurig aus wie eine junge Frau mit langen Hosen bei 27 Grad. Das kann es auch nicht sein. Die armen Hascherln sollten mal zu einem Volkslauf gehen und sich die Damen und Herren der W und M 70 ansehen, allesamt mit freien Beinen und Armen, giggelnd wie die Kinder und auf dem Sportplatz ins Ziel fegend, schneller, als ich es mit 16 konnte. Und dann sollen sie ihre blöden langen Hosen ausziehen.

Es ist eben bei Läufern doch alles ein bisschen anders. Der kindliche Spaß am Um-die-Wette-Laufen macht etwas mit uns. Es scheint, als sollten uns die Altersklassen nicht daran erinnern, wie alt wir sind, sondern wie alt wir sein könnten, wenn wir so alt wären, wie die, die so alt sind wie wir. Und das ist schließlich etwas völlig anderes.

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4Antworten um “Alter, ey.”

  1. Sven Says:

    Ich laufe generell nur mit langen Laufhosen, sowohl im Winter wie auch im Sommer und ich fühle mich wohl dabei. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht mal eine kurze Hose, aber ich bin auch ein Mann, vielleicht ist es bei Frauen ja anders 😉 – und ich bin auch in einer neuen Altersklasse, M30 habe ich jetzt erreicht, die Zeit vergeht einfach viel zu schnell 😉

  2. Jörg Says:

    Jetzt bist du die Jüngste in der AK, da kannst du eher gewinnen 😉

  3. Blumenmond Says:

    Also das mit der fehlenden Reife unterschreib ich, den Rest auch aber vor allen Dingen das.

  4. Foxi Says:

    Wie von ungefähr begab es sich, dass ich Wind von der Sache bekam – von dem Alter und der Klasse. Nicht von der Cellulite… Und grinsend von einem Ohr bis zum anderen las ich und grinste und ließ mir die Laune aufpeppen. Um dann zu einem ganz einfachen Fazit zu kommen:

    „Ey Alte – klasse!!“


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