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Im Dunkeln ist gut munkeln. Und laufen?

Mo, Apr 9, 2012

Klamotten, Produkttests

Im Dunkeln ist gut munkeln. Und laufen?

Läufer haben es nicht einfach. Ständig müssen sie Entscheidungen treffen. Kappe oder Mütze? Jacke oder Weste? Lang oder kurz? Schon seit langer Zeit will ich eine kleine Blogserie starten, in der ich ein bisschen Entscheidungshilfe geben kann.

Dazu passte eine Jacke, die mir im Winter zu Testen angeboten wurde. Saucony hat eine Produktreihe mit leuchtenden Textilien auf den Markt gebracht – optimal für das Laufen im Dunkeln. Nun ist der Winter vorbei und ich fand einfach keine Zeit, das zu tun, was ich wollte: die Jacke im Vergleich mit anderen Lauftextilien zu testen und zu filmen. Was ist besser: Reflektorstreifen oder etwas „Selbstleuchtendes“? Genügen ein paar Streifen an einer schwarzen Jacke oder ist etwas Helles besser?

Für einen Test ist es noch nicht zu spät. Denn gerade jetzt macht man sich lieber mal abends zum Laufen auf, als im eiskalten Winter. Eine Jacke oder Weste tut dabei immer noch Not. Die Saucony-Jacke ist leicht und aus windabweisendem Material, ich würde sie eher in Übergangszeiten als im Winter tragen. Eigentlich schlägt also jetzt erst richtig ihre große Stunde. Etwaige Mitläufer klagen zwar über Netzhautflimmern, aber das macht nichts. Könnte man Farben steigern, würde ich sagen: das Ding ist das pinkste, was ich je gesehen habe.

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„Pink is my favourite colour!“ (Aerosmith)

Bei meinem Test hilft mir meine Laufkameradin Nina, denn es muss ja immer jemand filmen, während die Testperson läuft. Wir wählen ein beleuchtetes Parkstück aus, zusätzlich leuchten wir uns für die meisten Aufnahmen mit einer sehr kräftigen Fahrradlampe an, um ein entgegenkommendes Auto zu simulieren. Zwar kann ein iPhone nicht mit dem menschlichen Auge mithalten und so entspricht das, was auf der Aufnahme zu sehen ist, nicht der Realität. Aber im Vergleich gibt es trotzdem eine Ahnung und ich kann vorweg sagen: es ist eine düstere. Dass wir als Läufer im Dunkeln mit normalem Outfit so schlecht erkennbar sind, war mir nicht bewusst. Als Freundin schwarzer Laufkleidung muss ich da ganz schön schlucken.

Wir starten unseren Test mit einer normalen, mittelblauen Laufjacke (Newline). Durch das Anleuchten sieht man den Reflektorstreifen am Reißverschluss und sogar die Streifen am Rücken gut. In den ersten Sekunden ist noch ein anderer Läufer mit einer dunklen Weste zu sehen, ohne Reflektoren bliebe er völlig unsichtbar.

Der nächste Versuch ist eine weiße Weste (Rono). Mit einer so hellen Kleidung hat man bessere Karten, weil sie insgesamt gut sichtbar ist, auch wenn das Anleuchten noch gar nicht richtig wirkt.

Nun kommt die volle Dröhnung: eine Warnweste (Ikea) und zusätzlich Reflektoren an den Armen. Ehrlich gesagt laufe ich ungern mit diesem komischen Lappen, aber die Sichtbarkeit ist beeindruckend. Allerdings steht und fällt alles mit den Reflektorstreifen, das gelbe Textil bringt herzlich wenig. Ohne unmittelbares Anleuchten ist das Ergebnis mager.

Zum Schluss des Anleuchttests kommt die Saucony ViZiPRO. Tatsächlich kann die Jacke locker mit der weißen Weste mithalten. Ich bin erst einmal zufrieden, aber ein klitzekleines Bisschen enttäuscht. Ich dachte, sie leuchtet noch mehr.

Dann allerdings streikt die Fahrradlampe und wir beschließen, noch ein paar Tests ohne direktes Anleuchten zu machen. Danach sind wir vollkommen verblüfft.

Zunächst läuft Nina mit ihrer schwarzen Nike-Jacke an der Kamera vorbei. Man muss das in diesem Fall deutlich sagen, denn man sieht: nichts.

Danach komme ich mit der pinksten Jacke unter der Sonne (in diesem Fall unter der Laterne). Der Unterschied ist enorm. Das Ding ist auch außerhalb des Lichtkegels noch gut zu sehen. Weder die weiße Weste, noch die Warnweste schaffen das.

Ich habe also wieder was gelernt:
1. Reflektorstreifen (und seien sie noch so klein) sind gut, und helfen, gesehen zu werden. Im Zweifel immer zu dem Teil greifen, das mehr Reflektoren hat.
2. Aber: Reflektoren richten nicht viel aus, wenn sie nicht direkt angeleuchtet werden.
3. Der Unterschied zwischen schwarz und weiß ist wie ein Unterschied zwischen schwarz und weiß. Helle Farben bringen deutlich mehr in Sachen Sichtbarkeit.
4. Reflektierende Materialien wie bei der Saucony ViZiPRO Serie sind kein Werbegag. Sie bringen tatsächlich etwas und entfalten ihre Stärke besonders, wenn Reflektoren versagen.

Saucony hat auch einen Film gemacht, der ist natürlich längst nicht so professionell wie der von uns. 🙂

(Mein Dank für die Hilfe beim Erstellen dieses Blogposts geht an Nina, den respektvoll schweigenden Inder auf einer Bank im Park und Saucony. Er gilt nicht Busch & Müller, die zwar großartige, taghelle Fahrradlampen machen, aber auch solche, die im entscheidenden Moment versagen.)

Titelbild: © anweber – Fotolia.com

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2Antworten um “Im Dunkeln ist gut munkeln. Und laufen?”

  1. claudia Says:

    danke für den tollen test!! bin ebenso eine freundin meist schwarzer laufsachen mit grauen streifchen, maximal pinken applikationen … tja, da ist ja NICHTS zu sehen, und ich laufe gern morgens, wo es doch noch dunkel ist, zumindest bis in den März hinein… ich werd mir in jedem fall so ein teilchen mal ansehen, sieht ja auch ganz schick aus, wenn man es an dir sieht… vielleicht werd ich ja auch noch ein bisschen bunter ;-)) lieben gruss aus berlin!

  2. Andreas Says:

    Sehr schöner und hilfreicher Test. Ich laufe auch meistens am frühen Morgen und teste seit Jahren schon diverse Möglichkeiten.


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