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Von Gefängniswärtern und Klingelbeuteln.

Mi, Jun 25, 2014

Schnipsel

Von Gefängniswärtern und Klingelbeuteln.

Bei den letzten Volksläufen hatte ich wieder einmal den Eindruck, es handelte sich um Spendenprozessionen, bei denen man etwas in herannahende Klingelbeutel werfen muss. Doch hinter dem rhythmischen Geklimper verbarg sich nur jedes Mal wieder jemand, der unterwegs Eichhörnchen scheinbar ein paar Nüsse abkaufen will. Dort, wo ich lief, gab es weit und breit keine U-Bahn und auch keinen Bus, für den man sich hätte sicherheitshalber Geld mitnehmen können. Auch der Taxiruf wäre mitten im Wald herzlich wenig sinnvoll gewesen. Also warum, frage ich mich, nehmen Menschen bei Volksläufen Geld mit? Ich habe lange nachgedacht, doch dann kam ich drauf. Ich möchte heute deshalb die Gelegenheit nutzen, eine wichtige Frage zu klären, die offenbar viele Menschen umtreibt: Das Wasser an den Verpflegungsstellen unterwegs kostet nichts. Wirklich nicht. Man braucht im Wald kein Geld.

© Markus Mainka - fotolia.de

© Markus Mainka – fotolia.de

Ja aber, sagt der sicherheitsbedürftige Volksläufer, wo soll ich es denn sonst lassen, das Geld für den Belohnungskuchen hinterher? Das Wechselgeld der Startgebühr? Das wird mir doch geklaut! In der Sporttasche! Unbeaufsichtigt! Nein. Wird es nicht. Ich weiß, es gibt Vereine, die warnen davor, Wertsachen in den Taschen zurückzulassen, sie können nicht dafür garantieren, das nichts wegkommt. Vielleicht muss man auch nicht unbedingt seine Rolex in der Tasche lassen. Obwohl Läufer nicht klauen. Ich sehe euch schmunzeln ob meiner ungeheuren Naivität, aber so ist das. Die Läufer, die ich meine, sind Sportler. Im besten Sinne. Sie wissen, was Fairness heißt und sie beklauen keine anderen Läufer. Auf dem Land gibt es sie noch. Ich habe großes Vertrauen in sie. Wer gar nicht anders kann, möge sein Geld in verwegen aussehende Socken stopfen. Es geht niemand unbefugt in Kabinen, um in muffigen Sporttaschen in alten Socken herumzufriemeln. Seid mutig. Versucht es. Vielleicht gibt es euch ja den Glauben an die Menschheit wieder zurück.

Das ist jedoch nicht die einzige Lösung für geräuschvoll hopsende Münzen. Man kann das Geld auch einfach – und das scheint vielen neu zu sein – so einpacken, dass es nicht klappert. Ein Knaller! Es geht! Man kann dafür Alu- oder Frischhaltefolie nehmen. Einpacken, gut zusammendrücken, fertig. Das kleine Päckchen in die Tasche der Tights stecken und Ruhe herrscht im Wald. Ich habe diese Methode jahrelang bei Mittagsläufen angewandt, wenn ich mir auf dem Rückweg etwas zu essen mitnehmen wollte. Bitte versucht es doch einmal. Es wäre so schön, einmal ohne die Gesellschaft von Klingelbeuteln zu laufen.

© jcarillet - istockphoto.com

© jcarillet – istockphoto.com

Noch geräuschvoller als die Klingelbeutel sind allerdings die Gefängniswärter. Das sind die Läufer, die abenteuerlich große Schlüsselbünde mit auf die Strecke nehmen. Ich könnte jetzt wieder erzählen, dass Läufer anderen Läufern nicht die Schlüssel klauen, aber damit werde ich vermutlich wieder nicht durchdringen. Was also tun? Vielleicht muss man ja nicht ALLE Schlüssel mit auf die Strecke nehmen – Hausschlüssel, Kellerschlüssel, Büroschlüssel, Keller vom Büroschlüssel, Keuschheitsgürtelschlüssel, Geliebtenwohnungsschlüssel, Rollerbladesrollenschlüssel, Fahrradschlüssel, Fahrradkellerschlüssel, Fahrradkellerverschlagsschlüssel, Fahrradkellerverschlagsfahrradschlossschlüssel, Sparschweinschlüssel, Autoschlüssel, Briefkastenschlüssel, Schlüssel, von dem man nicht mehr weiß, wofür er ist. Das Schlüssel-Konglomerat kann so eine Sporthose schon mal ziemlich asymmetrisch wirken lassen oder – mittig getragen – medizinische Fragen aufwerfen. Als Erste Hilfe würde ich dazu raten, die wirklich wichtigen Schlüssel, wie Haus- und Autoschlüssel aus dem Gefängniswärterring herauszulösen und separiert zu betrachten. Als Zweite Hilfe – und jetzt kommt wieder ein ganz enorm kreativer Trick, würde ich die Schlüssel mit einem handelsüblichen Gummiring fixieren. Wieder entsteht ein kleines, vollkommen geräuschloses Paket. Ein Traum. Alles könnte so einfach sein. Und so schön leise.

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14Antworten um “Von Gefängniswärtern und Klingelbeuteln.”

  1. heimar schroeter Says:

    der ist mal wieder sehr schön. danke.

  2. Mausflaus Says:

    pst, ich stopfe mir meinen haustürschlüssel einfach in den bh… geht halt nur bei gepolsterten.

  3. Frauschmitt Says:

    Das finde ich aber sehr süß! Kratzt das nicht?

  4. Ariana Says:

    Also mir wurden sogar einmal die Schuhe gestohlen (es wurde barfuss trainiert) – gut es war kein Lauf – aber ich ging davon aus, dass Sportler sich nicht gegenseitig die Schuhe stehlen 😉
    Den Trick mit der Alufolie finde ich super – ich bin selber auch so ein Gefängniswärter, weil es mir viel zu anstrengend ist, den Hausschlüssel vom Bund zu lösen (aber nur bei Läufen alleine – für einen Volkslauf nehme ich mir diese 2 Minuten dann doch :-)).

    Liebe Grüsse
    Ariana

  5. Ulrike Says:

    Ich wickle alles, was klimpern oder klappern könnte, immer in ein Brillenputztuch. Das macht dann auch nix, wenn man es in der Tights- Tasche vergisst. Tempos wären ungünstig! Übrigens bin ich bei einem Lauf mal in der Nähe von einem gewesen, der eine Schachtel TicTac in der Tasche hatte, da bin ich von dem Geräusch schier wahnsinnig geworden! Leider konnte ich ihm per gesteigerter Geschwindigkeit nicht entkommen… TicTac verbieten beim Laufen, jawoll! Braucht man im Wald nicht!

  6. Karin Says:

    Ein sehr amüsanter Beitrag! Danke dafür! Für was es so alles einen Schlüssel gibt… 😀

    Ich bin zwar noch nicht bei vielen Volksläufen gestartet aber selbst mir sind bereits Gefängniswärter begegnet! Da habe ich mich schon etwas amüsiert. Glücklicherweise konnte ich den Gefängniswärter hinter mir lassen sonst hätte mich das Geräusch wahnsinnig gemacht!!

  7. claudia Says:

    Auch ich mag die Nüssekäufer und Gefängniswärter im Wald wenig …
    aber leider ist bei einem meiner letzten Landläufe das Auto geknackt und durchsucht worden (und nicht nur meines), schwupps waren Geld und Ausweis weg, zum Glück haben die Knackis mein Schüsselbund nicht auch noch mitgenommen, den Wohnort hatten sie ja auf dem Ausweis… aber wenn ich 100 km übers land fahre zu einem Lauf, hab ich halt doch nen Fuffi und Ausweis einstecken. Es mag ganz sicher kein Läufer gewesen sein, der uns die Autos knackte (Schaden am Auto: neue Autotür, weil Blech unterm Griff durchbohrt), leider war das auch nicht das erste mal, dass Autos bei Landläufen geknackt wurden, so das Orga-Team danach … Seit dem bin ich erstmal nicht mehr zu den schönen Naturläufen gefahren, aber die nächsten werden trotzdem in Angriff genommen. Der Parkplatz befand sich übrigens auf dem Gelände vom Verein, aber wer kann schon auf 300 parkende Autos gucken …
    Also in Zukunft alles in Folie wickeln (oder Läppchen…) und mitschleppen? aber auf 30 kms hab ich dazu echt keinen Bock, eine Lösung hab ich nicht nicht, brauche die aber bald, denn das nächste ist ein Triathlon, und im Wasser stört dann garantiert alles Gedöns am Körper.
    Also was tun???? Wer hat DIE Lösung???
    liebe Grüße aus dem komplett im Fußballwahn steckenden Berlin !!!
    claudia

  8. claudia Says:

    PS: wer kein auto hat, der lässt die tasche einfach in der Umkleide stehen, was ich alternativ auch gemacht hätte, und vielleicht wäre da meine tasche nicht durchsucht worden 😉

  9. Alf Says:

    Pro-Tipps: Scheine (ermöglicht auch mehr Kuchen als mit Münzen je möglich wäre). Und bei der Nachmeldestelle einfach „aufrunden bitte“. Schlüssel schnüre ich mir immer in die Schuhe. Kippt man auch nicht mehr so schnell um bei Wind.

  10. Petra Says:

    Letztens erst beim Stadtlauf hatte ich so ein Exemplar vor mir. Ein Mann mit *klimper* *klimper* *klimper* Schlüsselbund – ich bin so schnell ich konnte an dem vorbei – furchtbar!

  11. Miriam Says:

    Der Brüller beim letzten Köln (Halb-)Marathon: Ein Läufer hatte den Starterbeutel auf dem Rücken geschnürt. Darin war als Werbegeschenk eine Packung Vollkornnudeln—250g lose kleine Nudeln in einer Pappschachteln machen auch eine interessante Geräuschkulisse beim Laufen. 😉

  12. claudia Says:

    Ja aber wenigstens kann derjenige mit seinem Päckchen sich unterwegs an einen Zuschauer wenden, ob er mal so nett wäre, ihm die Nudeln zu kochen, und muss nicht auf Eichhörnchens Nüsse spekulieren, wenn der Hungerast droht ….

  13. dagmar Says:

    Es gibt spezielle banden, die sich die Läufer umkleiden ausgeguckt haben. Wurde schon mehrfach davor gewarnt. Nicht nur, dass häufig Taschen durchwühlt wurden; komplette sporttaschen wurden entwendet. Also bitte keine Wertsachen in umkleiden belassen !


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  1. […] Du manchmal ein Gefängniswärter? Ich war es – bis ich diesen tollen Post auf Laufen mit Frau Schmitt gelesen habe. Jetzt sind meine Mitläufer auch wieder […]

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